Sonntag, 31. Januar 2021

Bauer macht Geschichte

  • R. Schreg, The Eternal Peasant and the Timeless Village. Archaeology and Ideologies of the Past (El campesino eterno y la aldea atemporal. Arqueología e ideologías del pasado). Studia historica, Historia medieval 38/2, 2020, 43-73 - https://doi.org/10.14201/shhme20203824373 

Die Perspektiven auf das mittelalterliche Dorf und die historische Rolle von Bauern haben sich im Laufe der Forschungsgeschichte verändert. Traditionelle Ansichten zur Geschichte sahen Landleben als unveränderlich und posulierten daher, das Dorf auf die Völkerwanderungszeit zurück geht. Die jüngere Forschung erkannte die Dorfgenese als einen komplexen und langfristigen Prozess, der je nach Region im 11. bis 13. Jahrhundert gipfelte. Dieser Aufsatz wirft einen genaueren Blick auf die Situation in Südwestdeutschland und analysiert zum einen die Forschungsgeschichte und skizziert zum anderen ausgewählte Episoden in der Geschichte ländlicher Siedlungen. Ich postuliere, dass - insbesondere vor dem Hintergrund einer umwelthistorischen Perspektive - aufgrund traditioneller Geschichtsbilder die historische 'Agency' der Bauern unterschätzt wird. 

Der Aufatz ist auf Englisch in Heft 38/2 der spanischen Zeitschrift Studia historica, Historia medieval erschienen, das sich unter der Herausgeberschaft von Juan Antonio Quirós Castillo schwerpunktmäßig mit der 'Agency' der mittelalterlichen Bauern und Unterschichten ("Agencia del campesinado y de los grupos subalternos en la Alta Edad Media") befasst. Weitere Beiträge haben Hanna Lewis zu England, Nicolas Schroeder zum historischen Lothringen sowie Thomas Kohl beigesteuert:

Mein Beitrag baut auf früheren Überlegungen auf, die letztlich auf meine Dissertation zur Dorfgenese zurück gehen und die in einer ersten Fassung für einen Workshop in Oxford formuliert und auf deutsch in der Festschrift für Falko Daim publiziert worden sind.
  • R. Schreg: Bauern als Akteure. Beobachtungen aus Süddeutschland. In: J. Drauschke/E. Kislinger/ K. Kühtreiber/T. Kühtreiber/G. Scharrer-Liška/T. Vida (Hrsg.), Lebenswelten zwischen Archäologie und Geschichte. Festschrift für Falko Daim zu seinem 65. Geburtstag. Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 150 (Mainz 2018) 553–563.

Montag, 25. Januar 2021

Forschungen zur Umweltgeschichte der Ulmer Alb

Noch eine neue Publikation: ein Überblick über verschiedene Forschungen zur Umweltgeschichte der Ulmer Alb, die auf den Abendvortrages bei der gemeinsamen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (DGAMN), der Österreichischen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters (ÖGM) und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit(SAM) am Juni 2019 in Ulm basiert:


Der Beitrag sollte den Tagungsteilnehmern die Region des Tagungsortes näher bringen und zugleich zum Tagungsthema "Konstruierte Landschaften" etwas beitragen. Er fasst die Forschungen auf der Blaubeurener und Stubersheimer Alb sowie die Arbeiten mit der Sammlung Kley zusammen.
 



Der Geislinger Talkessel, Blick von der Schildwacht im Süden
(Foto: R. Schreg, 2011)


Freitag, 22. Januar 2021

Erst Silber, jetzt GOLD!

Miss Jones hat  dieses Jahr die Auszeichnung als Wissenschaftsblog des Jahres in Gold erhalten:

Ich gratuliere Miss Jones aka Geesche Wilts zur Auszeichnung! Ich halte Ihren Blog für einen wichtigen Beitrag zur Kommunikation archäologischer Inhalte in die Öffentlichkeit - weil sie sich nicht auf Funde konzentriert, sondern persönlich viele Hintergrundgeschichten erzählt und so auch ein ungeschminktes und ehrliches Bild von Archäologie als Wissenschaft liefert. 
 
PS: Erfolgreiche Winterpause!

Donnerstag, 21. Januar 2021

1961: Uwe Lobbedey, Student der Kunstgeschichte, berichtet über die Ausgrabungen in der Esslinger St.-Dionys-Kirche

 

SWR retro - https://www.ardmediathek.de/swr/video/swr-retro-abendschau/ausgrabungen-in-der-esslinger-dionysius-kirche/swrfernsehen-de/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzExOTU2MDI/

Ein Beitrag in der Abendschau des SWF vom 13.04.1961 über die Ausgrabungen in Esslingen St. Dionys steht jetzt online in SWR Retro. Er erinnert an Uwe Lobbedey, einen der renommiertesten deutschen Mittelalterarchäologen, der nun Anfang Januar 2021 verstorben ist. Neben einer Grundlagenarbeit zur mittelalterlichen Keramik in Süddeutschland sind ihm als Bauforscher und Ausgräber die Untersuchungen zahlreicher Kirchen vor allem in Westfalen, wo er fast 40 Jahre als Denkmalpfleger wirkte, zu verdanken. Seine Forschungen haben Fach und Praxis der Mittelalterarchäologie entscheidend mit geprägt.  

Die Grabungen in Esslingen waren ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Archäologie des Mittelalters, da sie zur Institutionalisierung des Fachs in der Denkmalpflege beigetragen hat und Lehrgrabung für viele kommende Archäolog*innen war. Unter Ihnen: Uwe Lobbedey.


Link

Mittwoch, 20. Januar 2021

Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie - Antrittsvorlesung publiziert

Neu erschienen:  

  • R. Schreg, Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie. In W. Brassat (Hrsg.), Komplexität und Diversität des kulturellen Erbes. Forschungen des Instituts für Archäologische Wissenschaften, Denkmal­wissenschaften und Kunstgeschichte (Bamberg 2020) 11-34. - Der vollständige Band steht open Access auf den Seiten von University of Bamberg Press unter https://doi.org/10.20378/irb-48742.  Auf HumanitiesCommons gibt es meinen Artikel auch separat: https://hcommons.org/deposits/item/hc:33793/

Mein Beitrag zu dem Sammelband, der aktuelle Forschungen aus dem Institut für Archäologische Wissenschaften, Denkmalwissenschaften und Kunstgeschichte der Uni Bamberg vereint, basiert auf der Antrittsvorlesung, die ich am 27.6.2019 in Bamberg gehalten habe. Mit dem Titel "Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie" habe ich zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen geführt, die mir für ein zeitgemäßes Verständnis der archäologischen Wissenschaften wichtig erscheinen. Einerseits geht es um die Erforschung früherer Landnutzung anhand von Altfluren und deren Einordnung in die Umweltgeschichte bzw. Umweltarchäologie. Andererseits geht es aber auch um die kritische Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Archäologie generell. Der Öffentlichkeit (und manchen Kollegen) ist es oft schwer begreiflich, weshalb man sich für Altflurreste interessieren sollte - gibt es doch da in der Regel keine Funde - erst recht keine spektakulären.  


 

Segbachtal, "Im Winkel": oberflächlich freigelegter Steinriegel
(Foto: R. Schreg/ RGZM 2.7.2010)


 

Die konkrete Auseinandersetzung mit Feld-, Wald- und Wiesenarchäologie möchte ich als Plädoyer verstehen, darüber nachzudenken, was wir als Archäolog*innen konkret für unsere Gegenwart aus der Vergangenheit mitnehmen können und wie wir das zuverlässig erreichen. Nicht jede Auseinandersetzung mit der Vergangenheit muss dabei in eine applied archaeology mit Patentanmeldungen münden, das Bereitstellen von Orientierungswissen, das uns die Komplexität unserer sozialen und umweltlichen Lebensbedingungen vor Augen führt und der Gesellschaft vermittelt, reicht völlig aus, ist aber auch so schon eine große Herausforderung, intellektuell wie auch ganz praktisch.