Mittwoch, 6. Juli 2011

Schatz in Furness - und wieder keine Angabe zum Kontext

BBC News meldet den Fund eines wikingerzeitlichen Schatzes in Furness/Nordengland. Wurde der nun bewusst in einer Siedlung, vielleicht hinter einem Haus vergraben, an einer Kirche, in einem Grab? Der Sondengänger hat's ausgebuddelt und nobody knows... (steht jedenfalls nach der Pressemeldung zu befürchten).

- Schon bemerkenswert: Jede Menge neuer Schatzfunde dank Sondengänger in England, aber fast nie eine Klärung der Frage, wie und wo diese eigentlich niedergelegt worden sind. Wie also sind diese Schätze insgesamt zu verstehen? Händlerhorte? Verstecke bei drohenden Wikingereinfällen? Heidnische Grabbeigabe? Statt dessen erfährt man, der Schatz sei mehrere Zehntausend Pfund wert. Das ist doch Unsinn. Das ist entweder der Materialpreis oder ein höchst spekulativer Sammlerwert. So ein Wert interessiert nur den, der auf "Finderlohn" (bzw. Zerstörungsprämie) hofft. Der historische Wert als Quelle für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Wikingerzeit und für die Ortsgeschichte von Furness wurde beim Ausbuddeln vom Sondengänger weitgehend vernichtet. Das Museum will die Detektoristen für die Zerstörung jetzt auch noch belohnen, indem sie den Schatz ankauft...
Vorbildliche Regelungen also in England beim Umgang mit Sondengängern? Wohl eher ganz und gar nicht!

Dienstag, 5. Juli 2011

Neue Methoden der archäologischen Keramikforschung

Neben der puren Typologie archäologischer Keramikfunde spielen naturwissenschaftliche Analysen seit langem eine wichtige Rolle in der Keramikforschung. Die Möglichkeiten nehmen zu. Drei Beispiele neuer Methoden aus jüngerer Zeit:

Sonntag, 3. Juli 2011

120 Jahre lebendige Mittelalterarchäologie in Tübingen

Die gemeinsamen runden Geburtstage von Prof. J. Staecker und Prof. B. Scholkmann führen "in Professorialunion gerechnet" zu dem bemerkenswerten Jubiläum. Am Freitag wurde aus diesem Anlaß eine Festschrift beim Jahrestreffen des Vereins zur Förderung der Archäologie des Mittelalters Schloß Hohentübingen präsentiert. Glücklicherweise haben die Herausgeber auf die Korrektur von gravierenden handwerklichen Fehlern sowie bewussten und vorsätzlichen Täuschungen verzichtet und sogar Plagiate durchgehen lassen.
In ihrer Bedeutung verkannt, da die Forschung von Alamannen statt von Ale-Mannen sprach: Die als Kirche missverstandene Barbarbar Brentia.


Aus dem Inhalt:
  • Opener - Ein Haushaltsgegenstand in überraschendem Kontext (H. Belecki)
  • Der fast kopflose Graf. Eine formationsgeschichtliche Erfahrung der tertiären Art (S. Frommer)
  • Zur materiellen Kultur materieller Kulturen. Das Mittelalter im Spiegel der Wegwerfgesellschaft (J. Widmaier)
  • Geliehener Weltruhm: Die Ingolstädter Senfgruben und die "Münchner Biergartenkultur" (G. Riedel)
  • Die Kloake in Mittelalter und früher Neuzeit. Zwei neue Befunde aus Süddeutschland (O. Goldstein)
  • Zur Funktion der Lochsteine. Eine Neuinterpretation am Beispiel der Propstei 'tom Roden' (S. Herzig)
  • Zwischen Schloss und Tor in Zwickau (A. Zeischka-Kenzler)
  • Zur Erforschung der Hüpfburg in Südwestdeutschland (D. Sieber)
  • Fluchtburg oder Zuchtburg? Zu den mittelalterlichen Erziehungsmethoden im südlichen Rheinland-Pfalz (H. Pantermehl)
  • 2001-143-240-3. Ein von der Forschung zu Recht vergessenes Fundstück aus Reutlingen zur Geschichte der Suche nach dem Heiligen Gral (M. Wolf)
  • "Schwäbisches Weible" und "Fränkische Mann". Zu einer Hochzeit im südwestdeutschen Fachwerk und ihren Folgen (T. Marstaller)
  • Echt Schwäbisch! Neue Erkenntnisse zur Herkunft des Homo oeconomicus (A. Scholz)
  • Alemannen und Normannen. Probleme und Paradigmen der Forschung (R. Schreg)
  • Die Bebenhäuser Bücksteine. Entdeckung und Interpretationsmöglichkeiten einer neuen Fundgattung (Ch. Vossler)
  • Die Bücksteine aus Bebenhausen. Erschließung und Deutungsvielfalt einer neuen Fundgattung (S. Harding)
Die Festschrift ist als Sonderheft der Mitteilungen des Vereins erschienen und leider unverkäuflich (auf Spendenbasis kann gerne verhandelt werden).

Samstag, 2. Juli 2011

Sondagen und Scans in der Wüstung Würzbach

Eine Art Zwischenbilanz: der eben erschienene Beitrag in den Archäologischen Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2010 über die jüngsten Untersuchungen in der Wüstung Oberwürzbach im Nordschwarzwald.
Profilschnitt in einem Tälchen beim Igelslocher Brunnen südlich unterhalb des Wirtschaftslandes der Wüstung Oberwürzbach (Zeichnung: J. Pittori/ R. Schreg)


Der Artikel berichtet über Sondagen in den vergangenen Jahren an verschiedenen Altflurrelikten, vor allem aber über einen geoarchäologischen Schnitt in einem Tälchen unterhalb der Wirtschaftsflächen der Siedlung. Dazu liegen allerdings noch keine 14C-Daten vor, so dass eine abschließende Bewertung der erfassten Sedimente noch schwierig ist.

Insgesamt präzisiert sich das Bild der mittelalterlichen Siedlung, die sich zunehmend als geeignete Fallstudie erweist, exemplarisch das Wirtschaftsland eines mittelalterlichen Dorfes zu rekonstruieren. Als problematisch erweist sich jedoch nach wie vor die Planaufnahme der sich auf rund 5km² ausdehnenden Wüstung. Airborne Laserscan-Daten lieferten leider nicht die erhofften Ergebnisse, da wesentliche Teile der Wüstung heute mit dichtem Nadelwald bestanden sind.
Schon im Sommersemester 2007 wurden an der FH in Mainz im Rahmen der Diplomarbeit von Sven Emig und Dennis Rasel grundlegende Vermessungsarbeiten in der Wüstung Würzbach durchgeführt.
Ein Kurzbericht findet sich online.

Exemplarisch wurde der hofnahe Bereich einer Hufe der spätmittelalterlichen Siedlung vermessen - zudem ein Teil der Blockwallfluren am Igelslocher Brunnen mit terrestrischem Laserscan erfasst. Bislang ist das aber nur ein kleiner Teil der mehr als 20 Höfe samt ihrem Wirtschaftsland umfassenden Wüstung.

Literaturhinweis
  • Rainer Schreg, Jasmin Pittori, Markus Dotterweich, Kirsten Eppler: Geoarchäologische Untersuchungen im Umfeld der Wüstung Oberwürzbach im Schwarzwald – ein Beitrag zur Landnutzungsgeschichte. Arch. Ausgr. Bad.-Württ. 2010, 228-230.

siehe auch Geoarchäologie bei Würzbach

Freitag, 1. Juli 2011

Petition von Sondengängern in Frankreich

Zur Zeit trommeln Sondengänger in Frankreich im Netz für eine Petition gegen das Verbot von Metalldetektoren, wie es etwa von "Halte au Pillage" angestrebt wird.
Siehe den franz. Blog über Gürtelschnallen, der viele Gürtelschnallen von der Römerzeit bis in die Neuzeit zeigt - auffallenderweise ohne Fundortangaben.
Interessant die Argumentation: Sondengänger tragen zum Umweltschutz bei, da sie Müll beseitigen.