Freitag, 11. Mai 2018

Ein Versuch, den Denkmalschutz auszuhebeln - diesmal in der Schweiz

Bei Gesetzesinitiativen in der Schweiz kommt es zunächst zu einer "Vernehmlassung", bei der einschlägige Interessensverbände direkt angesprochen werden, bei der sich aber auch jeder Bürger zu Wort melden kann. So jetzt bei einem Gesetzesentwurf eines Abgeordneten mit dem das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz dahingehend geändert werden soll, dass bei der Entscheidung gegen ein Denkmal nationaler Bedeutung künftig nicht nur nationale, sondern auch regionale = kantonale Interessen zugelassen werden. Im Schweizerischen Recht wird zwischen Objekten von nationaler Bedeutung und solchen von regionaler und lokaler Bedeutung unterschieden. Das Bundesgesetz greift nur bei der ersten Gruppe, die in einem Inventar genauer verzeichnet ist.

Die Schutzmöglichkeiten sollen bewusst eingeschränkt werden, um wirtschaftliche Zerstörungsinteressen zu unterstützen. Im Rahmen der Interessenabwägung bei Maßnahmen, die Denkmäler nationaler Bedeutung betreffen bilden die Fachgutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission ENHK und der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege EKD eine wesentliche Entscheidungsgrundlage. Die Entscheidung liegt aber jeweils bei den politischen Gremien, weshalb Eingriffe in Denkmale nationaler Bedeutung auch heute schon keine Seltenheit sind.

Die Alliance Patrimoine, als einer der angeschriebenen Verbände urteilt:
Die geplante Revision des NHG ist aus folgenden Hauptgründen abzulehnen:
1 Die Anliegen der parlamentarischen Initiative sind mit der Revision des Energiegesetzes umgesetzt.
2 Eine Aushebelung des Schutzes der national bedeutendsten Landschaften, Ortsbilder und Baudenkmäler widerspricht dem Volkswillen.
3 Statt angeblich mehr Rechtssicherheit und Effizienz würde die vorgeschlagene Revision zu einer Zunahme von Bürokratie und Rechtsunsicherheit führen.
4 Für die aktuellen wirtschaftlichen, planerischen und energetischen Herausforderungen gibt es keine einfachen Lösungen im Sinne der parlamentarischen Initiative – für gute Lösungen braucht es den Dialog.
Der Vorgang zeigt (mal wieder) - unter den anderen politischen Rahmenbedingungen der schweizerischen direkten Demokratie - die Wahrnehmung der Denkmalpflege als Zukunftsverhinderer, deren Einfluss maßlos überschätzt wird. Eine Argumentation für die Denkmalpflege mit dem Hinweis auf hoheitliche Aufgaben und gesetzliche Bestimmungen (ich weiß nicht, ob die Schweizer Kollegen auch so argumentieren) begünstigt eine solche Wahrnehmung und fordert solche grundsätzlichen politischen Angriffe auf das Kulturerbe und die tragenden Institutionen aber wohl heraus.

Offizielle Unterlagen

Informationen der Alliance Patrimoine


Nachtrag (11.12.2018)

Mittwoch, 9. Mai 2018

Retrutopia: Wie Regierungen die Geschichte ihrer Völker umdeuten

Politik hat die Geschichte wieder entdeckt und manipuliert Geschichtsbilder. Eine Tagung am Deutschen Historischen Institut in Paris hat das Phänomen diskutiert, unter anderem an den Beispielen Türkei, Ungarn und Polen.

Daraus einige Beobachtungen und Gedanken: 
Geschichtsspektakel im Freizeitpark Puy de Fou
(Foto: Padpo [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
  • Es gibt immer weniger Institutionen und Mittel für Geschichtsforschung, aber Geschichte spielt in der Öffentlichkeit eine immer größere Bedeutung.
  • Geschichte wird heute als Unterhaltung präsentiert, immer weniger Experten kommen in den Medien zu Wort. 
  • Der kritische Aspekt der Geschichte geht verloren. "Geschichte dient zu allererst dazu, Fragen aufzurufen, Konflikte auszulösen und nicht mundgerechte Antworten zu liefern oder gar Bestätigungen."
  • Unsere Gesellschaft hat keine Zukunftsutopien, statt dessen werden Utopien in die Vergangenheit projiziert. - Retrutopia statt Utopia
  • Es scheint wichtig, den kritischen Blick auf die Geschichte zu schärfen.

Sonntag, 6. Mai 2018

Freitag, 4. Mai 2018

Transformers' Archaeology

In den USA wurde eine neue TV-Serie "Mysteries and Myths with Megan Fox" angekündigt, die 2019 ausgestrahlt werden soll. Moderatorin und Autorin ist die Schauspielerin Megan Fox, die mit den Kinofilmen "Transformers" bekannt wurde (mir allerdings nicht).
Megan Fox
(Foto: nicolas genin [CC BY SA 2.0]
via WikimediaCommons)
Angekündigt wird die Serie:
Die Schauspielerin Megan Fox reist um den Globus, um mit Experten mysteriöse Fragen der Weltgeschichte zu erörtern und ggf. zu lüften. Gab es das Trojanische Pferd wirklich? Und wer waren eigentlich die sagenumwobenen Amazonen? (fernsehserien.de)
Präsentiert werden soll "alternative history". Fachleute sind am Konzept nicht beteiligt. Megan Fox selbst sagt:
“I haven’t spent my entire life building a career in academia so I don’t have to worry about my reputation or being rebuked by my colleagues, which allows me to push back on the status quo. So much of our history needs to be re-examined.”
Diese Aussage, wie auch die Beobachtung, dass Megan Fox offenbar Anhängerin von Verschwörungstheorien à la Ancient Aliens ist, weckt Befürchtungen:
Keine Ahnung, ob die Serie per se erfolgreich wird und ein Publikum erreicht. Scheint aber insgesamt ein weiteres Beispiel, das die anti-science-Tendenzen und den Trend zu "fake history" jedenfalls in den USA illustriert.

Interne Links



Mittwoch, 2. Mai 2018

Bamberg International Summer School - Monitoring Heritage

Der Bamberger Dom steht im Mittelpunkt der
International Summer School zum Thema Monitoring Heritage
(Foto: R. Schreg, 2017)

Vom 30. Juli - 4. August 2018 läuft in Bamberg die International Summer School zum Thema Monitoring Heritage um nicht nur Studierende der Universität Bamberg, sondern auch Studierende anderer Hochschulen, national wie international praktische Erfahrungen sowie eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der nicht-invasiven Strukturanalyse und der Erfassung historischer Gebäude zu bieten. Der Kurs beinhaltet eine theoretische Einführung zu verschiedenen Methoden der Strukturanalyse (Georadar, Seismik, Laserscanning) und deren Anwendung in und um den Bamberger Dom. Der Kurs wird in englischer Sprache abgehalten und kann im Studium mit 3 ECTS angerechnet werden. Von den 20 Plätzen sind 10 für externe, und 10 für lokale Studierende vorgesehen.
Der theoretische Teil des Kurses findet in den Räumen des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) statt, die mit Seminarraum und gut ausgestattetem CIP-Pool sowohl Präsentationen als auch Datennachbearbeitung durch die Teilnehmer/innen ermöglichen.


Anmeldefrist: 

15. Mai, 2018


Registrierung

Organisation:

Herr Prof. Dr. Till Sonnemann (Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie, Uni Bamberg)
Frau Prof. Dr. Mona Hess (Digitale Denkmaltechnologien, Uni Bamberg)
Herr Dr. Jesús Pacheco Martínez (Universidad Autónoma de Aguascalientes, Mexiko)