Die aktuellen Ereignisse auf der Krim geben mir Anlaß, noch einmal darüber nachzudenken, wie wir unsere archäologischen Daten interpretiert haben.
Vor kurzem ist die Hauptpublikation des Krim-Projektes erschienen, das 2006-2008 am RGZM durchgeführt worden ist. Mein Plan dazu war, knappe Zusammenfassungen zumindest der beiden Artikel hier zu posten, an denen ich direkt mitgeschrieben habe, sobald die pdfs online stehen.
Angesichts der aktuellen Ereignisse auf der Krim drängt es sich aber auf, den gewählten sozialarchäologischen Ansatz nochmals zu reflektieren (auch wenn ich noch keine qualitätvolle pdfs zum Download anbieten kann).
Konkurrierende Nachbarschaften als Erklärung kulturellen Wandels
Die Berglandschaft der südwestlichen Krim ist eine reiche archäologische Region mit Höh(l)ensiedlungen und reich ausgestatteten Gräberfeldern des frühen Mittelalters. Unsere Forschungen konzentrierten sich auf das Umfeld der beiden Höhensiedlungen von Eski Kermen und Mangup wenig östlich von Sevastopol (vergl. Archaeologik [15.4.2012]: Kulturlandschaft am Rande des byzantinischen Reichs).
Thema des von 2006 bis 2008 mit mehreren Feldkampagnen durchgeführten Krim-Projektes war die kulturelle Entwicklung in der Peripherie des byzantinischen Reiches vor allem während Spätantike und Frühmittelalter. Insbesondere im Südwesten der Krim lebte eine Bevölkerungsgruppe, die sich durch Bestattungs- und 'Tracht' auszeichnet und die als Krimgoten verstanden werden, die hier im Laufe der Völkerwanderung anstrandeten.
Vor kurzem ist die Hauptpublikation des Krim-Projektes erschienen, das 2006-2008 am RGZM durchgeführt worden ist. Mein Plan dazu war, knappe Zusammenfassungen zumindest der beiden Artikel hier zu posten, an denen ich direkt mitgeschrieben habe, sobald die pdfs online stehen.
Angesichts der aktuellen Ereignisse auf der Krim drängt es sich aber auf, den gewählten sozialarchäologischen Ansatz nochmals zu reflektieren (auch wenn ich noch keine qualitätvolle pdfs zum Download anbieten kann).
- R. Schreg, Forschungen zum Umland der frühmittelalterlichen Höhlenstädte Mangup und Eski Kermen – eine umwelthistorische Perspektive. In: S. Albrecht / F. Daim/ M. Herdick (Hrsg.), Die Höhensiedlungen im Bergland der Krim. Monogr. RGZM 113 (Mainz 2013) 403-445. -
noch kein pdf verfügbar:Überblick über die Feldforschungen im Umland von Mangup und Eski Kermen 2006-2009 und deren Ergebnisse - M. Herdick/ S. Albrecht/ R. Schreg, Neue Forschungen auf der Krim. In: S. Albrecht / F. Daim/ M. Herdick (Hrsg.), Die Höhensiedlungen im Bergland der Krim. Umwelt, Kulturaustausch und Transformation am Nordrand des byzantinischen Reiches. Monogr. RGZM 113 (Mainz 2013) 471-501. - noch kein pdf verfügbar (provisorisch hier): Synthese des Krim-Projektes mit der Formulierung des im folgenden angesprochenen Modells der konkurrierenden Nachbarschaften
Konkurrierende Nachbarschaften als Erklärung kulturellen Wandels
Die Berglandschaft der südwestlichen Krim ist eine reiche archäologische Region mit Höh(l)ensiedlungen und reich ausgestatteten Gräberfeldern des frühen Mittelalters. Unsere Forschungen konzentrierten sich auf das Umfeld der beiden Höhensiedlungen von Eski Kermen und Mangup wenig östlich von Sevastopol (vergl. Archaeologik [15.4.2012]: Kulturlandschaft am Rande des byzantinischen Reichs).
Thema des von 2006 bis 2008 mit mehreren Feldkampagnen durchgeführten Krim-Projektes war die kulturelle Entwicklung in der Peripherie des byzantinischen Reiches vor allem während Spätantike und Frühmittelalter. Insbesondere im Südwesten der Krim lebte eine Bevölkerungsgruppe, die sich durch Bestattungs- und 'Tracht' auszeichnet und die als Krimgoten verstanden werden, die hier im Laufe der Völkerwanderung anstrandeten.
Dem gängigen Interpretationsmuster, das auf ethnische Geschichte und im Kern noch immer auf Migrationen und Verdrängung ganzer Volksgruppen setzt, bestenfalls deren Adaption und Vermischung postuliert, wollten wir eine Sicht entgegen setzen, die nicht auf Basis der ethnischen Gruppen, sondern mit dem Blick von unten, von den einzelnen Siedlungsgemeinschaften ausgehend, die regionale Kulturentwicklung beschreibt. Aus diesen Überlegungen ergab sich ein Modell der 'konkurrierenden Nachbarschaften', in dem kultureller Wandel und die Ausbildung regionaler Zentren nicht durch Einwanderungen, sondern aus der Region heraus erklärt werden kann.
"Konkurrierende Nachbarschaften" sind in unseren Augen ein Modell, das die Entstehung dieser außergewöhnlichen Fundlandschaft erklären kann. Die Hafenstädte gehen zum Teil auf antike griechische Siedlungen zurück. Chersonesos, der antike Vorgänger der heutigen Hafenstadt Sevastopol - Standort der russischen Schwarzmeerflotte - war auch in byzantinischer Zeit ein wichtiges Zentrum. Weitere kleine Häfen bestanden entlang der Südküste. Diese Häfen boten der ortsansässigen Bevölkerung die Möglichkeit zu Beziehungen in die Metropole Byzanz. Byzantinischer Import, aber auch byzantinische Patronage ermöglichten Einzelnen den sozialen Aufstieg, der auf verschiedene Weise zur Schau gestellt wurde. Die regionale Konkurrenz um sozialen Status bot dann den Ansatzpunkt, dass sich regional eine Kultur der repräsentativen Höhensiedlungen und reich ausgestatteter Gräber ergab. - Das ist letztlich nicht mehr als eine Theorie, die sich aus kulturanthropologischen Modellen ergibt. Sie hat aber das Potential, die regionale Entwicklung aus sich heraus zu erklären, ohne dass Kulturerscheinungen vage ein Migrationshintergrund zugeschrieben wird.
Machtpolitik und Krieg auf der Krim
Als wir 2006 bis 2008 in mehreren Kampagnen unsere Feldforschungen auf der Krim arbeiteten,
Machtpolitik und Krieg auf der Krim
Als wir 2006 bis 2008 in mehreren Kampagnen unsere Feldforschungen auf der Krim arbeiteten,

