Samstag, 9. Juli 2022

Kirgisistan: Pech gehabt - Pest gehabt


Nachdem eine neue aDNA-Studie den Nachweis erbracht hat, dass die mittelalterliche Pestwelle des 14. Jahrhunderts ihren Ausgangspunkt im nördlichen Kirgisistan hatte - hier also das Wuhan des Schwarzen Todes lag. Unabhängig von der historischen Bewertung des Studienergebnisses ist die Reaktion der kirgisischen Regierung bemerkenswert:

Die Studie ist demnach eine Verschwörung, um die kirgisische Tourismusindustrie zu schädigen!

Zunächst kommentierte der Wirtschafts- und Finanzminister Akylbek Japarow einen facebook-Post, der auf einen russischen Medienbericht verlinkt, knapp und vielleicht auch eher frustriert: "Warum zu Beginn der Urlaubssaison?"

Das Gesundheitsministerium äußerte sich jedoch nach einem Bericht von kg24, einer kirgisischen Online-Zeitung deutlicher: “Angesichts der Tatsache, dass der Issyk-Kul-See und Kirgisistan insgesmt von ziemlich vielen Touristen, auch aus dem Ausland besucht werden, sieht es so aus, als sei diese Publikation geschrieben worden, um das Land als beliebtes Urlaubsziel in Verruf zu bringen,” Das Ministerium legt wert darauf, dass heute in der Region kein Pestrisiko mehr bestehe:
„In der Region Issyk-Kul wurden Ausgrabungen alter Gräberfelder zum Nachweis der DNA des Pestkeims nicht durchgeführt. Das Gebiet der Chui-Region weist heute keine natürlichen Pestherde mehr auf und gilt als vollständig geheilt. Im 21. Jahrhundert hat der weltweite Fortschritt einen Höhepunkt erreicht und ermöglicht es, die Herde der Beulenpest frühzeitig zu stoppen, um das Wiederauftreten solcher großflächiger Epidemien wie im 14. Jahrhundert zu verhindern, die im veröffentlichten Artikel erwähnt werden.“

In der Region ist der Petsterreger in aktuellen Reservoirs in mehreren Studien nachgewiesen. Die WHO sieht den größten aktiven Focus des Pesterregers in der zentralasiatischen Wüste, die Teile von Kasachstan, Turkmenistan und Uzbekistan umfasst. 2013 war in Kyrgisistan jedoch ein 13jähriger Junge an der Pest verstorben, der als Hütejunge wohl mit einem flohbesetzten Murmeltier in Kontakt gekommen ist.

Rechtzeitig diagnostiziert ist die Behandlung der Pest mittels Antibiotika heute kein Problem mehr. Im asiatischen Raum ist die Geschichte der Pest stärker als in der europäischen Geschichtsschreibung mit der Überlieferung des arabischen Historikers und Geographen Ibn al-Wardi verbunden (, der noch nicht einmal einen Eintrag in der deutschen Wikipedia hat). Er berichtet über die Pest, sie sei "aus dem Land der Finsternis" gekommen, ehe sie sich nach China und über die islamische Welt ausgebreitet habe. Als Land der Finsternis wollen nur wenige gelten und noch weniger wollen dort Urlaub machen. Die fehlende Begeisterung bei der kirgisischen Regierung ist insofern nachzuvollziehen, aber eine Verschwörung braucht man nun nicht in den Raum zu stellen...

Der Issyk-Kul-See
(Foto: Thomas Depenbusch 2007 [CC BY2.0] via WikimediaCommons)



Quellen


Bearbeitungsvermerk; 16.7. mehrere Typos korrigiert

1 Kommentar:

Ulrike hat gesagt…

Der Artikel ist sehr interessant. Ich empfehle Ihnen, diesen noch einmal Korrektur zu lesen, da er viele Tippfehler enthält. LG Ulrike