Freitag, 7. Juni 2013

Anhörung im NRW-Landtag

Am 6.6.2013 fand im nordrhein-westfälischen Landtag die Anhörung zum Gesetzesentwurf statt:
Unter den vorformulierten Fragen wurden auch die Auswirkungen der  geplanten Mittelkürzungen thematisiert. - Sicher ein Erfolg der DGUF-Petition gegen die Mittelkürzungen, die noch bis zum 23. Juni 2013 läuft:  

Weitere Presse- und Blogmeldungen zu den Mittelkürzungen in den vergangenen Wochen (Auswahl):

Interne Links

100.000

Heute morgen hat Archaeologik - nach Blogger-Zählung - die Zugriffsmarke von 100.000 überschritten.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Ein Teenager kratzt an der Tempelwand


ein Gastbeitrag von
Jutta Zerres 


Vor einiger Zeit besuchte eine chinesische Touristenfamilie wie Millionen Ägyptenreisende jährlich den Luxor-Tempel. Der 14-jährige Sprößling ritzte in einem unbeobachteten Moment „Ding Jinhao war hier“ auf eine der reliefgeschmückten Wände und zwar quer über Brust, Bauch und Lendenschurz Alexanders des Großen. Der Teenager bekam mächtig Ärger, aber nicht stehenden Fußes, sondern erst mit einiger Zeitverzögerung. Anfang Mai 2013 fiel das Graffito nämlich einer anderen Touristengruppe aus dem Reich der Mitte auf. Einer der Reisenden schoss konsterniert über die Untat des Landsmannes ein Foto und postete es in einem sozialen Netzwerk. Dieses wiederum löste in China einen Sturm der Empörung und eine Debatte über das Verhalten von Chinesen im Ausland aus, die selbst die Regierung erreichte. Die Familie und der Übeltäter wurden im Internet ausfindig gemacht und erheblich angegriffen; die Eltern baten öffentlich um Entschuldigung für den Imageschaden, den das Land erlitten habe.

Angesichts tausender Raubgrabungslöcher und anderer massiver Zerstörungen an Kulturstätten, die nach der Revolution landauf-landab entstanden sind, erscheint dieser „Dummer-Jungen-Streich“ geradezu marginal. Die Geschichte wurde jedoch vielfach in der internationalen Presse und in Blogs aufgegriffen. Hier nur einige Beispiele:
Das chinesische Graffito wurde inzwischen entfernt.
Dan Murphy geht in einem Artikel in „The Christian Science Monitor“ umfassender auf die Geschichte ein.
Dieses Vorkommnis verweise nämlich auf ein viel größeres Dilemma, das der Jugendliche unbeabsichtigt „freigekratzt“ habe. Das wahre Problem der ägyptischen Altertümer sind nämlich weniger die Schmierereien von Touristen, sondern vielmehr das Desinteresse und die mangelnde Fürsorge der staatlichen Behörden. Wie ist es sonst zu erklären, dass es überhaupt zu einem solchen Vorfall kommen konnte bzw. das Graffito lange Zeit unentdeckt blieb und erst von einem anderen Touristen entdeckt wurde?
Der Shitstorm, den das Ereignis ausgelöst hat, wäre also besser an die ägyptischen Behörden adressiert worden und weniger an den unbedarften Jugendlichen und seine Eltern.

Graffito mit der Darstellung des Sarapammon-Hermes
aus römischer Zeit an der Umfassungsmauer
des Deir el-Haggar-Tempels in der Oase Dachla
(Foto: Roland Unger [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons)

Der junge Chinese befindet sich übrigens in bester Gesellschaft mit anderen „Schmierfinken“, die in den letzten Jahrtausenden immer wieder an Ägyptens antiken Monumenten ihre Namen und andere Botschaften hinterließen. Die Bandbreite reicht von den Pharaonen selber, die die Namen missliebiger Vorgänger wegmeißeln ließen, über die Römer und die frühen Christen bis hin zu den Reisenden des 19. Jahrhunderts. Solche Graffiti sind nämlich, wenn sie erstmal ein gewisses Alter erreicht haben, wieder von Interesse und werden selber zum Gegenstand der Forschung.
Graffito eines Reisenden des 19. Jahrhunderts und andere Graffiti im Chnum-Tempel von Esna
(Foto: Olaf Tausch [CC BY 3.0] via Wikimedia Commons)

Montag, 3. Juni 2013

Heiße Ware aus Syrien - zunehmende Indizien für Antikenhehlerei mit Plünderungsgut (Mai 2013)

Der letzte Blogpost hatte wegen der Bilder zu Apameia große Resonanz in Mailing-Listen gefunden. Inzwischen wurden die Zerstörungen von Apameia mehrfach thematisiert:
http://traffickingculture.org/news/images-of-looting-at-apamea-added-to-data/
Die übrigen Medie sind darüber hinweg gegangen.

Ein Thema waren Anfang Mai hingegen Plünderungen in Palmyra, nachdem im Libanon geschmuggelte Grabstelen aufgetaucht sind:
Die syrischen UNESCO-Vertreter klagten unterdessen die türkische Regierung an, in den illegalen Antikenhandel verwickelt zu sein:
Die US-Botschaft in Damaskus postete bei facebook eine Karte "Cultural Heritage Sites at Risk" (Karte bei facebook). und als pdf).

Ein Video bei youtube zeigt derweil angeblich Raketenstellungen und Baggerarbeiten in Palmyra:

Einige Blogbeiträge versuchen, den Antikenhandel in den größeren Kontext des syrischen Bürgerkriegs zu stellen. Dabei wird nicht nur darauf hingewiesen, dass die Freie Syrische Armee keine klaren Strukturen aufweist und sich so in deren Umfeld kriminelles Handeln kaum vermeiden lässt.

Kulturdenkmale werden zur Waffe, indem mit ihrer Zerstörung den Menschen auch ein Teil der Identität genommen wird. Und die Zerstörungen eignen sich zur Propaganda, nur leider lässt sich das von außen kaum durchschauen. Auffallend beispielsweise, dass eine russische Quelle explizit ausländische Gegner des Assad-Regimes der Zerstörung orthodoxer Kirchen beschuldigt.

Inzwischen sind neben den hier schon mehrfach als wichtige Quelle für die laufenden Zerstörungen genannten facebook-Gruppen Le patrimoine archéologique syrien en danger الآثار السورية في خطر  und  Protect Syrian Archaeology حماية الآثار السورية bei facebook auch mehrere Seiten zu finden, die auffallend ein Bild von Normalität vermitteln und beispielsweise Bilder von laufenden Grabungen aus der Altstadt von Damaskus zeigen.
In deutlichem Kontrast dazu stehen etwa die Bilder der Zerstörung, die sich etwa bei http://www.businessinsider.com/the-total-destruction-of-homs-syria-2013-5 finden. Denn natürlich betreffen die Kriegshandlungen vor allem die modernen Städte. Kollateralschäden sind die antiken Fundstellen jedoch nicht, zu sehr sind sie Element von Propaganda und symbolträchtiges  Machtmittel.

Nachträge zum April

Weitere Berichte:


Das Wall Street Journal hat eine kurze Bildergalerie zu betroffenen Denkmälern in Syrien:

Interne Links

Eine Karte der Sammlung Kley

Fundstellen der Sammlung Kley nach seinen Einträgen auf der TK 25. Im Zentrum als roter Kasten Geislingen.
Als ich vor 10 Jahren mit der Aufarbeitung der Sammlung Albert Kley begonnen habe, war an ein bequemes GIS noch nicht zu denken, doch wurden von Anfang an die Koordinaten der Fundstellen mit erfasst.
Zur Lokalisierung stehen unterschiedliche Quellen zur Verfügung: Neben den Fundzetteln, persönlicher Kenntnis aus gemeinsamen Besuchen einzelner Fundstellen und einer umfangreichen, aber immer noch nur ansatzweise geordneten schriftlichen Überlieferung sind es vor allem die Kartierungen, die A. Kley selbst auf Topographischen Karten 1:25000 angefertigt hat. Sie zeigen leider nur die wichtigeren Fundstellen, geben aber das Einzugsgebiet der Sammlung - von Ausreisern in Bayern und Schleswig-Holstein abgesehen - wieder.
Diese Karte gilt es nun mit den erfassten Funden abzugleichen.

Interner Link