Führungsverbote für Freiberufler in Ausstellungen - die Taz berichtet darüber unter anderem unter Verweis auf die aktuelle Sonderausstellung, "Die geretteten Götter aus dem Palast vom Tell Halaf" im Berliner Pergamon-Museum - halte ich für nicht nachvollziehbar.
Der Ausschluß von Freiberuflern hat nichts mit Qualitätssicherung zu tun, das könnte auch anders geregelt werden. Man gewinnt den Eindruck, dass es ausschließlich um die Einnahmen geht.
Die alte Diskussion um die Deutungshoheit von Geschichte (und archäologischen Denkmälern) gewinnt an Brisanz.
via Archivalia
Archaeologik ist ein Wissenschaftsblog zu Themen der Archäologie und des Kulturgutschutzes. Er zielt auf eine kritische Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie auseinandersetzt und die alltägliche Forschungspraxis reflektiert.
Archaeologik is a science blog contributing to various aspects of critical archaeology and cultural heritage including methodology, theory and daily archaeological practice.
Freitag, 3. Juni 2011
Eine neue Datierungsmethode für Blei-Artefakte: VMP
Eine interdisziplinäre Gruppe spanischer Forscher der Universität Valencia publiziert eine neue Methode der Datierung von Blei-Artefakten. Das Verfahren beruht auf der elektroanalytischen Methode der Voltammetrie von Mikropartikeln (voltammetry of microparticles: VMP). Dabei werden verschiedene Korrosionsprodukte (PbO2 und PbO) verglichen, die sich über lange Zeiträume bilden. Die Methode benötigt wenige Nanogramm Probenmaterial und ist damit fast zerstörungsfrei. Die Datierung verspricht eine Genauigkeit von ± 150 Jahren.
Für die Studie wurden Blei-Objekte aus der Region Valencia herangezogen, die ältesten aus dem 5. Jh. v.Chr., die jüngsten modern.
Literaturhinweis:
Für die Studie wurden Blei-Objekte aus der Region Valencia herangezogen, die ältesten aus dem 5. Jh. v.Chr., die jüngsten modern.
Literaturhinweis:
SISYPHOS - Internetquellen zur Ägyptologie, Altorientalistik und klassischen Archäologie
Sisyphos - ein Angebot der UB Heidelberg
bietet Zugang zu ausgewählten ägyptologischen, altorientalistischen und klassisch-archäologischen Internetquellen, wie Fachportalen, Bilddatenbanken, Suchmaschinen, Diskussionsforen oder Mailinglisten.
bietet Zugang zu ausgewählten ägyptologischen, altorientalistischen und klassisch-archäologischen Internetquellen, wie Fachportalen, Bilddatenbanken, Suchmaschinen, Diskussionsforen oder Mailinglisten.
Kulturgutschutz Deutschland - nicht für archäologische Funde?
Die neue Website Kulturgutschutz Deutschland ist sehr zu begrüßen, fehlt es im Internet doch an grundlegenden deutschsprachigen Informationen zum Kulturgutschutz.
Die Website wurde von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe entwickelt, die der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien koordinierte. Die Seite soll über die Ziele und Aufgaben des Kulturgutschutzes informieren und die rechtlichen Grundlagen darstellen. Geplant ist außerdem, das Gesamtverzeichnis des national wertvollen Kulturgutes und der national wertvollen Archive, die nach Kulturgutschutzgesetz vor einer Ausfuhr in das Ausland geschützt sind, online verfügbar zu machen.
Bislang ist die Seite noch lückenhaft: Obwohl Vertreter der baden-württembergischen Denkmalpflege bei der Konzeption beteiligt waren (siehe Denkmalpflege in Baden-Württemberg 40 (2), 2011 S. 128f.), ist Baden-Württemberg in der komplizierten Suche nach Ansprechpartnern nicht zu finden - ebenso wie andere Bundesländer ist es in der Auswahlliste der Bundesländer (noch) gar nicht vertreten.
Zwar werden die Gesetzestexte aufgeführt und im Wortlaut verlinkt, aber was diese Rechtslage für die Praxis bedeutet, wird nicht näher erläutert.
Erklärt wird auch nicht, warum, jenseits der juristischen Regelungen, Kulturgutschutz wichtig ist.
Problematisch ist aber vor allem, dass archäologische Funde hier allenfalls am Rande berücksichtigt sind (immerhin wird die Konvention von Valletta aufgeführt und die Himmelsscheibe von Nebra dient als Eye-Catcher). Weder wird auf das Problem der Antikenhehlerei noch der damit verbundenen Raubgrabungen eingegangen - letzteres ist ja auch zunehmend ein Problem in Deutschland. Ein Verzeichnis geschützter Kulturgüter hilft für archäologische Funde nicht weiter, denn Funde aus Raubgrabungen können ja gar nicht erst einzeln verzeichnet werden.
Ein FAQ wäre sicherlich hilfreich. Darin müssten auch Fragen beantworten werden, wie:
Die Website wurde von einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe entwickelt, die der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien koordinierte. Die Seite soll über die Ziele und Aufgaben des Kulturgutschutzes informieren und die rechtlichen Grundlagen darstellen. Geplant ist außerdem, das Gesamtverzeichnis des national wertvollen Kulturgutes und der national wertvollen Archive, die nach Kulturgutschutzgesetz vor einer Ausfuhr in das Ausland geschützt sind, online verfügbar zu machen.
Bislang ist die Seite noch lückenhaft: Obwohl Vertreter der baden-württembergischen Denkmalpflege bei der Konzeption beteiligt waren (siehe Denkmalpflege in Baden-Württemberg 40 (2), 2011 S. 128f.), ist Baden-Württemberg in der komplizierten Suche nach Ansprechpartnern nicht zu finden - ebenso wie andere Bundesländer ist es in der Auswahlliste der Bundesländer (noch) gar nicht vertreten.
Zwar werden die Gesetzestexte aufgeführt und im Wortlaut verlinkt, aber was diese Rechtslage für die Praxis bedeutet, wird nicht näher erläutert.
Erklärt wird auch nicht, warum, jenseits der juristischen Regelungen, Kulturgutschutz wichtig ist.
Problematisch ist aber vor allem, dass archäologische Funde hier allenfalls am Rande berücksichtigt sind (immerhin wird die Konvention von Valletta aufgeführt und die Himmelsscheibe von Nebra dient als Eye-Catcher). Weder wird auf das Problem der Antikenhehlerei noch der damit verbundenen Raubgrabungen eingegangen - letzteres ist ja auch zunehmend ein Problem in Deutschland. Ein Verzeichnis geschützter Kulturgüter hilft für archäologische Funde nicht weiter, denn Funde aus Raubgrabungen können ja gar nicht erst einzeln verzeichnet werden.
Ein FAQ wäre sicherlich hilfreich. Darin müssten auch Fragen beantworten werden, wie:
- Welche Rolle spielt der Antiken-Markt bei der Zerstörung historischer Quellen?
- In welcher Weise sind Kulturgüter wissenschaftliche Quellen und gesellschaftlich bedeutende Werte?
- Woher kommen bewegliche Kulturgüter, die sich im Handel befinden?
- Welche archäologischen Funde sind legal im Handel? Gibt es das überhaupt?
- ...
Mittwoch, 1. Juni 2011
Kurt Bittel - Ausgräber im Alter von 13 Jahren
Ein Artikel in der Südwestpresse anläßlich eines Vortrages von Christoph Bittel über seinen Vater, erinnert mich an Funde, die ich vor Jahren im Heimatmuseum Geislingen inventarisiert habe.
Kurt Bittel hat 1920, im Alter von 13 Jahren einen beim Wegebau durchschnittenen Grabhügel bei Oggenhausen ausgegraben. Die Funde kamen ins Heimatmuseum Geislingen, wohl weil der dortige Altertumsverein und sein damaliger Vorstand Georg Burkhardt den jungen Bittel früh unterstützt hatte.
1926 wurde Bittel für eine Untersuchung an der Befestigung des Geiselstein gewonnen, die er gemeinsam mit Georg Burkhardt am 31. August und 1. September durchführte. Bittel datierte die Befestigung aufgrund der Mauertechnik mit Kalkguss in die Hallstattzeit, eine Argumentation, der man heute angesichts des Fehlens von Funden freilich nicht mehr folgen möchte. Schon Oskar Paret hatte bei der Publikation - gestützt auf einen Zeitungsartikel Bittels in der Geislinger Zeitung - Zweifel angemeldet und die Anlage mit mittelalterlicher Viehwirtschaft in Verbindung gebracht.
Literaturhinweise
![]() |
| Oggenhausen (Stadt Heidenheim): hallstattzeitliche Ostalb-Keramik (HM Geislingen, Foto R.Schreg) |
1926 wurde Bittel für eine Untersuchung an der Befestigung des Geiselstein gewonnen, die er gemeinsam mit Georg Burkhardt am 31. August und 1. September durchführte. Bittel datierte die Befestigung aufgrund der Mauertechnik mit Kalkguss in die Hallstattzeit, eine Argumentation, der man heute angesichts des Fehlens von Funden freilich nicht mehr folgen möchte. Schon Oskar Paret hatte bei der Publikation - gestützt auf einen Zeitungsartikel Bittels in der Geislinger Zeitung - Zweifel angemeldet und die Anlage mit mittelalterlicher Viehwirtschaft in Verbindung gebracht.
Literaturhinweise
- K. Bittel, Der Geiselstein, eine vorgeschichtliche Befestigung. Geschichtl. Mitt. Geislingen 1929, 31-34.
- Fundberichte aus Schwaben N.F. 4, 1928, 48 (O. Paret)
- H. Zürn, Hallstattzeitliche Grabfunde aus Württemberg und Hohenzollern. Forsch. u. Ber. Vor- und Frühgeschichte in Baden-Württemberg 25 (Stuttgart 1988) Bd. 1, S. 77.
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