Sonntag, 22. Januar 2012

ZDF animiert Raubgräber

Die "Dokumentation" des ZDF "Auf der Jagd nach verlorenen Schätzen", gesendet am 17.1.2012 über Schätze in Deutschland, thematisierte die Fundumstände des Wettiner-Schatzes und das Phänomen-Schatzsucher in Deutschland. Obgleich der Beitrag Archäologen wie Schatzsuchern unverständlich gegenüber steht - die einen werden als unfähig, die anderen als wahnsinnig oder krankhaft dargestellt - macht er doch Werbung für dieses Hobby. "Es gibt noch viele Schätze in Deutschland, die darauf warten, gefunden zu werden". Mit keinem Wort wird erwähnt, dass damit das gemeinsame historische Erbe privater Neugier, Vergnügen - oder schlimmer noch - Gier geopfert wird. Fundumstände und -kontexte werden zerrissen und die Objekte sind allenfalls noch als schöne Andenken zu bewerten, aber nicht mehr als eine Quelle, aus der wir über die Menschen der Vergangenheit, ihre Sorgen und Nöte lernen können. Ein Raubgrabungsloch zerstört den Kontext der Funde. Nur ganz nebenbei wird zur Schatzsuche erwähnt, dass das "eigentlich" verboten sei.
In den Überleitungen werden Luftbilder mittelalterlicher Burgen gezeigt, bei denen es sich durchweg um geschützte Bodendenkmäler handelt, auf denen Bodeneingriffe untersagt sind. Ebenso wenig wird darauf hingewiesen, dass der Schatzgräber nur bedingt das Eigentum an seinem Fund erwirbt und Gefahr läuft, sich der Unterschlagung strafbar zu machen - gegenüber dem Land oder dem Grundstücksbesitzer.

Die meisten Detektoren-Händler sind da noch verantwortungsbewusster, indem sie (meist) auf die rechtlichen Einschränkungen hinweisen -  inzwischen werben sie aber einfach mit dem Hinweis auf die ZDF-Sendung.

Zahlreiche Fachleute, aber auch ernsthaft an Geschichte Interessierte haben sich inzwischen beim ZDF über den Beitrag beschwert. Selbst rechtliche Schritte werden geprüft.

Kein Ruhmesblatt für einen öffentlich-rechtlichen Sender, der Kultur und Geschichte damit nachhaltig beschädigt hat. Schade ist das umso mehr, als dass das ZDF mit dem preisgekrönten Film "Blutige Schätze" eigentlich bewiesen hat, dass es das Thema auch mit der nötigen Problematisierung angehen kann.

Die Reaktionen waren daher auch vielfach sehr negativ, wenn auch die Wenigsten das Kernproblem erkannt haben:
Vielleicht wäre etwas Qualität ja doch auch gut für die Quote?


Kommentare:

Paul Zoetbrood hat gesagt…

Rainer

Entschuldige. Hätte dir vorirst mitteilen müssen das Ich dein Weblog weitergeleiten habe an Paul Barford (CPAHI). Er hat es jedoch schon 'publiziert'.
Ich habe ihm auch den Kopftitlemittgegeben 'Wie'im UK, da anscheinend auchim ZDF nicht gesprochen wird vom verantwordlichen archäologischen Suche, sondernd Sondensuchernn eben als 'Hobby-Archäologin dargestellet werden.

Hertliche Grüsse,

Paul Zoetbrood
Dutch national heritage Agency
contact
work: p.zoetbrood@cultureelerfgoed.nl
privat: zoetb000@planet.nl

Rainer Schreg hat gesagt…

Paul
Das geht in Ordnung - ich danke!
RS

Anonym hat gesagt…

ich habe mich auch über diesen Film beschert.
Der Finder soll sogar 100.000 DM von dem über 10 Mil.DM Fund erhalten haben. Der Fund kam sofort unter den Hammer.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1542984/Auf-der-Jagd-nach-verlorenen-Schaetzen

Aber warum sind die Gesetze noch immer nicht in Europa (trotz EU) vereinheitlicht??
Eine zentrale Regelung in der EU würde unsere Steuerzahler enorm entlasten.
England hat diesbezüglich auch eine vorbildliche Regelung.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,805063-2,00.html

Raubgräber hat gesagt…

Und Archäologen sind keine "Raubgräber" mit dem Vorwand der geschichtlichen Aufklärung zu dienen und nebenbei dann doch mal 1-2-13 Funde selber in die Tasche zu stecken wenn genug davon da sind?

Sollte man mal drüber nachdenken!

Rainer Schreg hat gesagt…

Lieber Raubgräber - wenn er drüber nachdenkt erkennt der vernunftbegabte Mensch:
1. Geschichtliche Aufklärung ist kein Vorwand, sondern eine Grundlage der modernen Gesellschaft. Manche mögen das nicht kapieren.
2. Bestimmt hat auch schon mal ein Archäologe einen Fund unterschlagen, einen Pauschalverdacht begründet das nicht. Raubgräber hingegen legen es von vorn herein auf die Zerstörung von Wissen (und auf den Gesetzesbruch) an.
3. Es sind nie genügend Funde da, denn Archäologen arbeiten auch mit Statistiken, in der prinzipiell jedes Stückchen gleichermaßen zählt. Außerdem machen Archäologen heute keine "Lustgrabungen" mehr, sondern sind selbst an Genehmigungen und weitestgehend an Notgrabungen gebunden - mit guten Gründen. Denn das kulturelle/ archäologische Erbe gehört uns allen, insbesondere das Wissen, das man daraus schöpfen kann. Für den Adrenalinstoß oder die Vitrine Einzelner ist es jedenfalls nicht da.
4. Prinzipiell gilt: Unrecht legitimiert kein Unrecht.

Annette hat gesagt…

Hallo Raubgräber! Woher stammt denn diese Information? Ein Archäologe, der so etwas macht, ist kein Archäologe und würde wohl ganz sicher seine wissenschaftliche Achtung und wohl auch seinen Job verlieren. Schwarze Schafe gibt es sicherlich in allen Berufen weltweit, aber das ist doch nun wirklich kein Argument! Diebstahl ist verwerflich, egal von wem und warum!

Archifan hat gesagt…

Archeologie is geil, grabräuber sind doof, sollten foll veboten werden.

Anonym hat gesagt…

zitat" Außerdem machen Archäologen heute keine "Lustgrabungen" mehr, sondern sind selbst an Genehmigungen und weitestgehend an Notgrabungen gebunden -" stimmt und sie sind auf Informationen von jenen interessiert die hier als Raubgräber und Hobby-Archäologen verdammt werden! Denn Sie machen Funde und melden diese auch! Hier wird auch schnell pauchalisiert!!!

Rainer Schreg hat gesagt…

Es geht hier nicht gegen echte "Hobby-Archäologen". Die sind in der Tat unverzichtbar. Es geht gegen jene, die das gesellschaftliche Gemeingut historischer Quellen ihrem privaten Findevergnügen oder der Geldmacherei opfern.
Und ich kann's nur wiederholen: Es geht nicht um die Funde, sondern um die Erkenntnis. Letztere ist den Funden nur abzuringen, wenn der fragestellungsrelevante Kontext dokumentiert wird.

Biggi hat gesagt…

Die Bezeichnung "Hobby-Archäologe" ist eigentlich sehr irreführend. Ehrenamtlich in der Archäologie tätig sein kann man auch ohne Metalldetektor. Wer sich ernsthaft dafür interessiert, dem stehen alle Türen offen. Und das es genug schwarze Schafe gibt, kann man in diveresen Foren nachlesen. Der Artikel pauschalisiert in keinster Weise!