Archaeologik ist ein Wissenschaftsblog zu Themen der Archäologie und des Kulturgutschutzes. Er zielt auf eine kritische Archäologie, die sich mit methodisch-theoretischen, wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie auseinandersetzt und die alltägliche Forschungspraxis reflektiert.
Archaeologik is a science blog contributing to various aspects of critical archaeology and cultural heritage including methodology, theory and daily archaeological practice.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Forschungsdatenzentrum Archäologie und Altertumswissenschaften
Informationen zum neuen Zentrum gibt es auf den Seiten des DAI
Sonntag, 4. Dezember 2011
Massenplünderung bei einer Detektor-Rally
Zu Hunderten stürzten die Teilnehmer einer Detektor-Rally in Nord-Essex am 30.11.2011 über einen Schatzfund ('Twinstead Hoard') her, der nun undokumentiert in alle Himmelsrichtungen verstreut ist. Der Schatz bestand anscheinend vor allem aus Goldmünzen von Queen Victoria und King Edward VII (19./ fr. 20. Jh.). Zwei von geschätzt 300 Münzen wurden gemeldet, 30 weitere nach einem Aufruf der Polizei angezeigt. Auffallenderweise wurden letzte Woche zahlreiche solcher Münzen bei ebay eingestellt (PCAHI: A Lot of Sovereigns on EBay today ). Die Polizei ermittelt wegen Unterschlagung - und die 'hochgelobten' britischen Sondengänger haben einen handfesten Skandal und werden als "historisch Interessierte" mehr als unglaubhaft.
- Coins disappear at Twinstead metal-detecting event (BBC News v. 1.12.2011)
- Gold rush as metal detectors battle over field of sovereigns (The Mirror v. 1.12.2011)
- Essex: 200 historic coins go missing at metal-detecting event (East Anglian Daily Times)
- Halstead: Appeal for missing coins worth £70k (Halstead Gazette)
- Coins handed in after plea over Twinstead metal detecting (BBCNews v. 2.12.2011)
Samstag, 3. Dezember 2011
Das Buch im Grab: Text und archäologischer Kontext
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| Kloster Bebenhausen (Foto R. Schreg) |
Im neuesten Band der "Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit" stellt Christina Vossler-Wolf ein interessantes Beispiel für den Fall einer Einbindung eines Textes in einen archäologischen Befund dar: Im südlichen Querschiff der Klosterkirche von Bebenhausen wurde im Jahr 2008 ein Grab freigelegt, das nach dem Fundmaterial aus der Grab- und Grabgrubenverfüllung, grün und gelb glasierte Hafnerware, in die Zeit ab dem 16. Jahrhundert datiert wird. Die Beigabe eines Rosenkranzes verweist somit auf eine der Phasen, in denen katholische Mönche nach Bebenhausen zurückkehrten.
Bücher sind als archäologische Funde ungewöhnlich und so stellte die Konservierung des Fundes eine Herausforderung dar. Der Fund wurde im Institut für Archiv- und Bibliotheksgut und an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studiengang Restaurierung von Grafik-, Archiv- und Bibliotheksgut bearbeitet. Der Einband verweist auf das frühe 17. Jahrhundert, doch konnte der Text nicht mehr lesbar gemacht werden. "Es stellte sich heraus, dass es sich doch eher um ein 'archäologisches' Fundobjekt als um ein 'archivalisches' handelt."
Insofern ist der Greifswalder Fund vom Januar 2011 natürlich "schöner": Hier wurde ein noch lesbares Buch des 15. Jahrhunderts (eine Handschrift, die „Revelationes“ (Offenbarungen) der Brigitta von Schweden enthielt) unter dem Fußboden des Domes entdeckt - offenbar war es mit anderen Gegenständen dort deponiert worden.
In Bebenhausen handelt es sich um eine Grabbeigabe, die in einem persönlichen Bezug zu dem vor einem Altar bestatteten Mann stehen dürfte; in Greifswald um einen "Depotfund", dessen Niederlegungsgründe zunächst unklar sind (zumal er nicht bei einer planmäßigen Grabung, sondern bei unbeobachteten Baumaßnahmen zutage kam).
Literaturhinweis
- Christina Vossler-Wolf, Das Buch im Grab. Konservierung und Interpretation einer außergewöhnlichen Grabbeigabe. Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 23, 2011, 105-112 (pdf)
- Ines Jesche, Ein archäologischer Buchfund. Datierung anhand einer computertomographischen Untersuchung. Unveröffentlichte Diplomarbeit an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studiengang Konservierung und Restaurierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut (Stuttgart 2010) [nicht eingesehen].
Freitag, 2. Dezember 2011
«Sisyphus muss ein Iraker sein»
"Sisyphus muss ein Iraker sein" - ein Bericht der NZZ online zur Situation der Museen und Fundstätten im Irak
Donnerstag, 1. Dezember 2011
8. Rahmenprogramm der EU ohne Kultur
Der Verband der Restauratoren (VDR) e.V.
aus Bonn hat eine Petition zur Unterzeichnung online gestellt. Sie protestiert gegen die drohende Streichung der Forschung zum Kulturerbe aus dem nächsten EU-Rahmenprogramm:
http://openpetition.de/petition/online/horizon-2020-streichung-der-kulturerbeforschung
Auf den Seiten der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi) finden sich die Dokumente der Europäischen Komission. Deutlich spiegelt das Programm die Geringschätzung der Geisteswissenschaften wieder. Zwar könnte man "societal challenges" sicher auch historisch betrachten, aber das dürfte wohl kaum die Intention der Kommission sein. Antrags-Chancen dürften wohl nicht sehr hoch einzuschätzen sein.
http://openpetition.de/petition/online/horizon-2020-streichung-der-kulturerbeforschung
Auf den Seiten der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen (KoWi) finden sich die Dokumente der Europäischen Komission. Deutlich spiegelt das Programm die Geringschätzung der Geisteswissenschaften wieder. Zwar könnte man "societal challenges" sicher auch historisch betrachten, aber das dürfte wohl kaum die Intention der Kommission sein. Antrags-Chancen dürften wohl nicht sehr hoch einzuschätzen sein.
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