Montag, 31. März 2025

Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte?

Ein neues POTUS Trump-Dekret „Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte“. will historische Wissenschaftsvermittlung durch das Regierungs-MAGA-Weltbild ersetzen und stellt dazu große Museen unter eine inhaltiche Regierungsaufsicht.

Hier heißt es:

"It is the policy of my Administration to restore Federal sites dedicated to history, including parks and museums, to solemn and uplifting public monuments that remind Americans of our extraordinary heritage, consistent progress toward becoming a more perfect Union, and unmatched record of advancing liberty, prosperity, and human flourishing. Museums in our Nation’s capital should be places where individuals go to learn — not to be subjected to ideological indoctrination or divisive narratives that distort our shared history."

"Es ist die Politik meiner Verwaltung, Bundesstätten wiederherzustellen, die der Geschichte gewidmet sind, einschließlich Parks und Museen, an feierliche und erhebende öffentliche Denkmäler, die die Amerikaner an unser außergewöhnliches Erbe erinnern, an konsequente Fortschritte in Richtung einer perfekteren Gemeinschaft, an unvergleichlich Zeugnisse der Weiterentwicklung von Freiheit, Wohlstand und menschlicher Blüte. Museen in der Hauptstadt unsere Hauptstadt sollen Stätten sein, die Einzelne  besuchen, um etwas zu lernen - nicht um sich ideologischer Indoktrination oder spalterischen Narrativen auszusetzen, die unsere gemeinsame Geschichte verzerren."

Angesprochen werden speziell die Smithsonian Institution mit ihren Einrichtungen des Smithsonian American Art Museum, das National Museum of African American History and Culture sowie das American Women’s History Museum. Trump passt es letztlich nich, dass alte weiße Männer nicht genügend gewürdigt, sondern kritisiert werden - und ihnen andere Perspektiven entgegengehalten werden.


Im Falle des National Museum of African American History and Culture hatte Trump jr. das Museum kritisiert, weil es „Aspekte und Annahmen zu Weißsein und weißer Kultur in den Vereinigten Staaten“ zusammen gesetllt hatte. Die aufgeführten Punkte sind nicht negativ -  unter anderem werden Individualismus, Objektivität, rationales, lineares Denken, Betonung der wissenschaftlichen Methode , protestantische Arbeitsethik ("harte Arbeit als Schlüssel zum Erfolg"), aufgeschobene Belohnung, die Familienstruktur (u.a. Kernfamilie), sowie Zukunftsorientierung und Zeitverständnis, aber auch Rechtsverständnis und Kommunikationspraxis als weißes Erbe aufgeführt. Die Graphik (im InternetArchive noch einsehbar) stand unter dem Oberbegriff "Talking about Race" und formulierte: "Die weiße dominante Kultur der "Whiteness" (übersetzt vielleicht it Weiß-Seins)  bezieht sich auf die Art und Weise, wie weiße Menschen und ihre Traditionen, Einstellungen und Lebensweisen im Laufe der Zeit normalisiert wurden und jetzt als Standardpraktiken in den Vereinigten Staaten gelten."

Ob das wissenschaftlich in dieser Pauschalität haltbar ist, sei hier dahingestellt, zumal es auch impliziert, dass die "afrikanische" Kultur hier genau das Gegenteil vertrete. 

Der Vorwurf, das sei Rassismus gegen Weiße ist abwegig. D. Trump Jr. hatte auf TwiX gepostet: "These aren't 'white' values. They're American values that built the world's greatest civilization. They help you succeed here, no matter your color. So make no mistake, Biden's radicals aren't coming for 'whites,' they're coming for the entire American way of life." Wenn D. Trump sen. dem Smithsonian ein ideologisches Weltbild vorwirft, so kommt hier vor allem die übliche Umkehrung der Tatsachen zum Tragen. Es ist Trumps MAGA-Weltbild, das von Vorurteilen und Ideologie getrieben ist.

Dass in den historischen Wissenschaften ein Bewusstsein dafür entstanden ist, dass die westlichen Fundamente“ ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden., ist nicht durch eine Ideologie bedingt, sondern durch eine wissenschaftliche historische Forschung. Sie hat an vielen Stellen die Lücken und Widersprüche der Überlieferung und der Geschichtsbilder aufgedeckt. Es sind Ewiggestrige, die aus dem hergebrachten Geschichtsbild ihre eigene Identität und ihren Stolz gewinnen und sich nun angegriffen fühlen, weil ihre Familien bigott und rassistisch waren. 

"Museum of African American History and Culture" und Washington Monument
(Foto: Georg Botz, CC BY-SA 3.0, via https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=71853949)

 

2020 ist das Museum gegenüber dem Shitstorm in TwiX eingeknickt und hat die Graphik (InternetArchive 15.7.2020) von ihrer Website entfernt. "We have listened to public sentiment and have removed a chart that does not contribute to the productive discussion we had intended. The site's intent and purpose are to foster and cultivate conversations that are respectful and constructive and provide increased understanding. As an educational institution, we value meaningful dialogue and believe that we are stronger when we can pause, listen, and reflect—even when it challenges us to reconsider our approach. We hope that this portal will be an ever-evolving place that will continue to grow, develop, and ensure that we listen to one another in a spirit of civility and common cause." (InternetArchive 16.7.2020))

Die Executive Order zeigt das Geschichtsverständnis, das nichts mit Geschichtswissenschaft, sondern nur mit Glorifizierung zu tun hat. Ziel der Ausstellungen soll nicht Wissenschaftskommunikation sein, sondern "die Konzentration auf die Großartigkeit der Errungenschaften und Fortschritte des amerikanischen Volks oder, im Hinblick auf die Natur, auf die Schönheit, Üppigkeit und Erhabenheit der amerikanischen Landschaft."

"focus on the greatness of the achievements and progress of the American people or, with respect to natural features, the beauty, abundance, and grandeur of the American landscape"

POTUS Trump "verbietet Ausgaben für Exponate oder Programme, die gemeinsame amerikanische Werte beeinträchtigen, Amerikaner auf der Grundlage von Rassen spalten. Programme oder  Ideologien fördern."

(I, POTUS Trump "prohibit expenditure on exhibits or programs that degrade shared American values, divide Americans based on race, or promote programs or ideologies inconsistent with Federal law and policy."

Das sind massive Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit, nicht nur auf der Ebene der Wissenschaftsvermittlung, sondern noch tiefer greifend, indem Trump und seine Administration auch inhaltlich in Begriffsdefinitionen eingreifen. Besonders deutlich wird das am Umgang mit dem Begriff der Rasse. Zu Recht vertritt das Smithsonian American Art Museum „die Ansicht, dass Rasse keine biologische Realität, sondern ein gesellschaftliches Konstrukt“ ist (vgl. Archaeologik 7.5.2016).


Angriffe der konservativen alten weißen Männer auf die Geschichte sind in den USA sind nicht neu. 2014 stellte Lamar S. Smith (dt. wikipedia), Trump-Fan und damals republikanischer Kongressabgeordneter in seiner Rolle als Vorsitzender des Kongress-Ausschusses für Wissenschaft, Weltraum und Technologie  inhaltliche Entscheidungen der NSF in Frage. Er forderte, dass nur noch national bedeutende Projekte sollten und dass das Verfahren des peer review zwar unangetastet bleiben, aber unter politischer Aufsicht stehen sollte (Archaeologik 9.10.2014). Vor allem kennt man solche Attacken schon aus Trumps erster Amtszeit (Archaeologik 5.6.2018).

Geschichtspolitik in dieser direkten Form der Eimischung der Politik in die Geschichte und deren Instrumentalisierung für den Erhalt der eigenen Machtstellung kennt man ansonsten vor allem aus faschistischen, und autoritären Regimen - aktuell liefet Vladimir Putin ein Beispiel aktiver Geschichtspolitik mit Umdeutungen und einer darauf ausgerichteten Ausstellungspolitik (Archaeologik 4.8.2024).


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Montag, 24. März 2025

Schwere Beute - leichte Strafe

Vor nicht ganz einem Jahr, im Mai 2024 wurde ein Großsteingrab bei Immekath in der Altmark in Sachsen-Anhalt von einem Mann zerstört, der sich für seinen dekorativen (oder doch eher esoterischen) Steinkreis im heimischen Garten einen großen Stein benötigte. Anscheinend versuchte er zunächst einen der stehenden Steine erfolglos aus dem Boden zu reißen, ehe er sich für einen anderen Stein entschied. Dabei wurde das Grab so verwüstet, dass man in der ersten Polizeimeldung offenbar noch davon ausging, der Deckstein  mit einer Größe von 2 m x 3 m sei geklaut worden. Der entwendete Stein misst immerhin auch  1,25 m Höhe und 0,75 m Dicke und wiegt etwa eine halbe Tonne. Zwischen 2010 und 2012 wurden bereits zwei Steine entwendet.

Bürger und Mitglieder des Vereins ''Junge Archäologen der Altmark e.V" spüretn den zuletzt verschwundenen  Stein in einem Privatgarten auf. Der Diebstahl konnte dem Mann in einem Verfahren eindeutig nachgewiesen werden. In seinem Steinkreis befinden sich allerdings noch 8 weitere Megalith-Steine, bei denen es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie ebenfalls von Großsteingräbern stammen. Mit alten Dokumentationen, die bestanfalls grobe Messungen und Zeichnungen aufweisen sind juristisch sichere Identifikationen recht schwer zu bewerkstelligen. Moderne 3D-Scans dürften da bessere Möglichketen bieten.

Das Amtsgericht Gardelegen verurteilte den Mann am 25. Februar 2025 zu  6.000 Euro wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung sowie der Rückgabe des Steines.  Unklar bleibt, wer nun die Wiederherstellung und die sicher notwendig werdende begleitende archäologische Untersuchung zahlt. 

 

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Literatur

  • H.-J. Beier, ,Die megalithischen, submegalithischen und pseudomegalithischen Bauten sowie die Menhire zwischen Ostsee und Thüringer Wald. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 1 (Wilkau-Haßlau 1991) 



G
M
T
Y
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Mittwoch, 19. März 2025

Archäologie als Metapher für die Konstruktion der Vergangenheit

Ein Roman über eine Archäologin, die in das Dilemma gerät, Geschichte für ihren Herrscher manipulieren zu müssen, wo Funde und Befunde was ganz anderes zeigen. 
 
Eine Besprechung von Kai Nonnenmacher:
Ein Blick in unsere „wissenschaftliche“ Zukunft, in der eine nationale Regierung vorgibt, wie glorreich unsere Geschichte war - und alles andere ein Vogelschiß?


Perrine Tripier 
Conque 
Paris: Gallimard, 2024 
 
ISBN 9782073056863
 

Donnerstag, 13. März 2025

Denkmal im Wald - Wanderausstellung in Eggolsheim

Unter Wald haben sich zahlreiche archäologische Geländedenkmäler erhalten.  In jüngerer Zeit haben die hochauflösenden digitalen Geländemodelle aus den Laserscanbefliegungen zahlreiche neue Strukturen zu erkennen gegeben.

Galten Denkmäöler im Wald lange Zeit als besonders geschützt, so sind sie heute von dem Maschineneinsatz in der modernen Forstwirtschaft, vom Bau von Windkraftanlagen (trotzdem besser als die Braunkohlelöcher) und von Sondengängern bedroht.

Eine Wanderausstellung "DenkMal im Wald! Kultur in der Natur", die als  ein Gemeinschaftsprojekt des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan, des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und des Vereins für Nachhaltigkeit ntstanden ist und von der Bayerischen Forstverwaltung unterstützt wurden, gibt auf 13 Schautafeln "einen tiefen Einblick in die oftmals verborgene Welt der Bodendenkmäler." 

Die Ausstellung zeigt Beispiele von Denkmälern, die sich im Wald erhalten haben und deren Gefährdungen. Sie spricht aber auch Schutzmöglichkeiten an, etwa die Möglichkeiten der modernen Forstwirtschaft zur bodenschonenden Nutzung des Waldes 



Die Wanderausstellung wird nun vom 13. März bis 10. April 2025 an der Fachoberschule Fränkische Schweiz in Eggolsheim  (im Schulgebäude Bahnhofstraße 55) zu sehen sein. Die Ausstellung wird am 13. März 2025 schulintern eröffnet und ist für einen größeren Interessentenkrei kostenlos von 10:00 bis 14:00 Uhr an den folgenden Samstagen (15., 22. und 29. März, 5. April 2025) zu besichtigen. 
 
Plakat der Fachoberschule in Eggolsheim
(m. freundl. Genehmigung)

 


Dienstag, 11. März 2025

#DefendCulturalHeritage - Executive Order von POTUS Trump blockiert Denkmalschutz

Auf der Liste der sensiblen Worte, die zur Streichung staatlicher Mittel führen oder zumindest aus Texten getilgt werden ist lautNYT auch "cultural heritage".
 
Cultural Heritage Partners (CHP) ist eine private Anwaltskanzlei mit Büros in Washington, DC, New York, NY und  Richmond, VA, die sich mit Denkmalrecht und Fragen des kulturellen Erbes befasst. Auf ihrer Website befassen sich die Anwälte mit der Bedrohung für das kulturelle Erbe, das Trumps Politik darstellt.
 
Die Exekutivverordnung, in der ein nationaler Energy Emergency (EO), die POTUS Trump gleich in den ersten Tagen seiner zweiten Amtszeit erlassen hat, konstruiert eine Energiekrise, die es erlaubt, Prüfungsbestimungen in Genehmigungsverfahren zu umgehen. Mit dieser EO kann die Berücksichtigung historischer Immobilien für jedes Projekt ausgesetzt werden, wenn nur behauptet, wird, dass es mit der Energieerzeugung zusammenhänge - unabhängig von ihrer tatsächlichen Notwendigkeit. Es besteht also Gefahrt, dass Bauprojekte ohne Auflagen umgesetzt werden und historische und archäologische Stätten, heilige Orte und kulturellen Landschaften der Indigenen zerstört werden.

Cultural Heritage Partners sehen daher die Notwendigkeit eine Notfallstrategie zu entwickeln, indem etwa die rechtlichen und politischen Möglichkeiten bestimmt werden, die EO in Frage zu stellen. Dazu sollte vergangene Woche ein Meeting stattfinden, zu dessen Ergebnissen bisher anscheinend aber nichts publiziert wurde. 

Bereits in seiner ersten Amtszeit hat Trump seine Verachtung für den Kulturgüterschutz gezeigt, indem er etwa nicht davor zurück geschreckt hat, dem Iran 2020 mit dem Kriegsverbrechen der gezielten Zerstörung von Kulturgütern zu drohen. Zugleich zeigt dies aber, dass er sich der Bedeutung des Kulturerbes für Nationalgeschichte und Identitäten wohl bewusst ist - so macht auch erst sein Angriff Sinn.

 

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