Archaeologik ist inzwischen 15 Jahre alt (zum Gründungsdatum 2010/11 siehe
Archaeologik 19.5.2020). Im Februar 2025 stand ich dem DFG-Projekt
Infra Wiss Blogs als
Interview-Partner zur Verfügung. Catharina Ochsner hat mich dabei
darauf aufmerksam gemacht, dass Archaeologik mit seinen 15 Jahren
inzwischen einer der am längsten laufenden deutschen
Wissenschaftsblogs ist.
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Deutsche Blogs nach Startjahr und Status (aus C. Ochsner et al. , Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544, fig. 4). |
2025 hat viele Wenden gesehen, leider selten zum besseren. Auf Archaeologik gab es keine Wende, wohl aber lassen sich verschiedene Trends feststellen. Zeit also für den üblichen Rückblick.
Zahlen
Insgesamt ist die Zahl der Blogposts wegen zunehmender anderer Aufgaben
stark rückläufig. Erheblichen Anteil haben die wachsende Uni-Bürokratie und zahlreiche damit verbundene Begutachtungen. Dennoch ist 2025 für
Archaeologik ein Rekordjahr. Mit rund 278.000 Seitenaufrufen im Jahr 2025 wurden die 155.000 Zugriffe des vergangenen Jahres bei Weitem übertroffen.
2025: 278.100 Seitenaufrufe (Stand 29.12.2025)
2024: 155,195 Seitenaufrufe
2023: 125.211 Seitenaufrufe
2022: 121.723 Seitenaufrufe
2021: 139.726 Seitenaufrufe
2020: 134.220 Seitenaufrufe
2019: 102.204 Seitenaufrufe
2018: 129.260 Seitenaufrufe
2017: 193.417 Seitenaufrufe
2016: 221.789 Seitenaufrufe
In der Graphik von Google sieht das so aus:
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Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger, (Quelle: Blogger Statistik via GoogleAnalytics) |
Betrachtet man die Blogger-Statistik der Zugriffe über die Zeit
hinweg, so zeigt sich eine deutliche Zäsur am 13.2.2025. Nachdem seit
2022 die Zugriffszahlen monatlich bei knapp 10.000 lagen und einzelne
Ausschläge nach oben mit einzelnen Crawlerzugriffen begründet scheinen,
haben sich die Zahlen seither etwa verdoppelt. Ich kann nur Vermutungen
anstellen, welcher Effekt dahinter steht.
Andere Blogs haben 2025 im Gegenteil einen plötzlichen Einbruch der Zugriffszahlen beobachtet,
was mit der zunehmenden Bedeutung der KI in Webbrowsern und Suchmaschinen erklärt wird.
KI-Antworten führen dazu, dass Nutzer*innen nicht mehr direkt auf die
Webseiten zugreifen.
Am 12.2.205 ging der Blogpost POTUS Trump & his Admins im Kampf gegen Wissenschaft und Geschichte
online, in dem ich mich zur Geschichtspolitik von POTUS Don. Trump
äußerte - über die (ausbleibenden) Reaktionen und mit ein paar wenigen
Stichworten, warum Geschichte für Trump gefährlich ist. "Er braucht eine
große nationale Geschichte, ohne die sein MAGA-Slogan „make America great again“ keinen Sinn ergibt. Bei einer historischen Betrachtung zeigt sich, das
Trumps "restoring"
nicht etwa historische Verhältnisse einer guten alten Zeit restauriert."
Der ganze Post war keine lange Analyse, sondern ein kurzer Input in
eine weitgehend ausgebliebene Diskussion, wie Trump mit Geistes- und
Kulturwissenschaften umgeht. Ich habe diesen Link nicht mehr über TwiX,
sondern über die neuen Kanäle OpenVibes - Mastodon und BlueSky geteilt,
was dazu geführt hat, dass mir seitdem zahlreiche Trump-Skeptiker auf
BlueSky folgen. Dieser Post blieb aber mit über 2500 Zugriffen der
Spitzenreiter der Trump-Posts, alle anderen haben es nicht einmal in die
Top 10 geschafft.
Archäologik hatte 2025 nur 62 Blogposts. 2024 waren es noch 85 - berücksichtigt man dabei den 2024er Adventskalender, blieb die Zahl der Posts jedoch etwa konstant. Im langen Trend jedoch hat sich die Zahl der Bloposts halbiert. Weggefallen sind vor allem die ganz kurzen Notizen, mit denen v.a. einzelne Inhalte kommentarlos verlinkt habe. Das wäre vermutlich nach wie vor sinnvoll und hat sich eher aus der Gewohnheit so ergeben..
Die Zahl der
Gastbeiträge lag mit nur 2 erneut sehr niedrig (2025: 3, 2024 und 2023 je 2, 2021: 5; 2020: 15, 2019: 5). Jutta Zerres hat zwei Ausstellungsrezensionen beigesteuert.
Ich nehme weiterhin gerne Gastbeiträge an - allerdings verstehe ich es nicht als Aufgabe von Archaeologik Werbung für einzelne Veranstaltungen zu machen - oder Jobangebote zu verteilen. Solches nehme ich nur auf, wenn es Bezüge zu eigenem Forschungsengagement hat oder sich darin aktuelle Entwicklungen in den archäologischen Wissenschaften spiegeln. Mit entsprechenden Formulierungen/ kommentierenden Bemerkungen besteht also durchaus die Chance, dass ich solche Beiträge annehme - als namentlich gekennzeichnete Gastbeiträge.
Archaeologik wird nun begleitet durch flankierende Socia-Media:
- facebook-Gruppe Archaeologik. Diese Gruppe will (und kann) kein allgemeines Diskussionsforum zur Archäologie sein, sondern soll Archäologie als Wissenschaft vermitteln, indem sie vorwiegend die Beiträge aus Archaeologik kommuniziert. Die Gruppe hat derzeit 2268 Mitglieder (gegenüber 2242 im Jahr 2024 und 2181 im Jahr 2023). Aufgenommen wird, wer anhand der Fragen echtes Interesse an den Inhalte zeigt. Es kann immer etwas dauern, bis ich die Anfrage annehme, da ich nur noch selten auf facebook aktiv bin.
- Mastodon (@RSchreg.mastodon.social)
- bluesky (https://bsky.app/starter-pack/leizafriends.bsky.social/3lay7nrs5mp2o)
Die beiden letzteren Account bediene ich über OpenVibes, was ebenso wie bei facebook derzeit manuell geschehen muss. Hin und wieder geht mir ein Blogpost durch, der dann nicht zuverlässig weiter geteilt wird.
Rund 1360 Zugriffen über facebook (2024:1400, 2023:
2600) stehen
allerdings 6700 (2024: 7500, 2023: 15.300) Views in der facebook-Gruppe gegenüber,
d.h. nur ein
Bruchteil der facebook-Follower klickt sich auch auf den Blog weiter. Hier ist ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
Die wichtigsten einzelnen Websites, von denen immer wieder Zugriffe auf Archaeologik kommen sind unverändert
Archivalia, die Seite der
DGUF (bzw. deren immer lesenswerter
Newsletter) und auch
Archäologie-online. In der Wikipedia ist Archaeologik mehrfach als Quelle genannt, so dass auch von dort Zugriffe zu verzeichnen sind.
Diese TopTen lässt erkennen, dass die Sondengängerthematik noch immer
sehr nachgefragt wird und hier einige sehr alte Blogposts plötzlich
wieder gelesen und offenbar auch verkinkt werden. Neue Beiträge zum
Thema blieben 2025 jedoch verhältnismäßg selten - hier setzt eher ein
Langeweileeffekt als eine Wende zum besseren ein. Tatsächlich gab es
2025 einige Fälle, die ich aber nicht mehr aufgegriffen habe. Nur als
Beispiele:
Jeder
einzelne Fall ist einer zu viel. Die vermeintlichen Entdeckungen
zerstören meist sehr viel mehr Erkenntnismöglichkeiten, als dass sie
Forschungsfortschritt bringen. Vermeintliche Sensationsfunde bleiben
meist deshalb mysteriös, weil keine dokimentierten oder wenigstens
verlässlich bezeugten Kontextbeobachtungen vorliegen. So lange Objekte
auf Internetplattformen auftauchen, braucht sich - leider - kein
Sondengänger zu wundern, wenn ihm erstmals Misstrauen entgegen gebracht
wird.
Auch die internationale Hehlerei hatte wieder einige Nachrichten. Genannt sei nur:
Zu
einigen Nachrichten hatte ich mir vorgenommen, etwas zu posten, hatte
dann aber leider keine Zeit. Untergegangen sind die neu aufgetauchten
Objekte aus dem 1998 entdeckten mittelalterlichen Schatz aus Erfurt
Eine
weitere Rückgabe geklauter Funde ist in Schwerin zu verzeichnen. Hier
wurden vorgeschichtiche Kriegsverluste nach rund 80 Jahren zurück
gegeben:
Zwei Meldungen haben es aber doch auf Archaeologik geschafft:
Nicht
zum Zuge kamen Pläne zur Gesetzesänderung in Mecklenburg-Vorpommern,
die auch eine Änderung des Schatzregals vorsehen. Aus einer
Ordnungswidrigkeit soll ein Straftatbestand werden.
Auch
der Prozess zum Manchinger Museumsraub hätte Thema auf Archaeologik
sein sollen. Nach dem Raub des keltischen Münschatzes von Manching aus
dem dortigen Museum 2022 sind vier Männer zu Gefängnisstrafen zwischen
vier und elf Jahren verurteilt worden. Der Großteil des Schatzes fehlt
weiterhin.
2025
gab es weitere Museumsraube, die nicht zum Archaeologikthema wurden.
Der aufsehenserregendste war wohl der im Louvre. Dass Museumsraub
populär als die Meisterschaft des Raubs betrachtet wird, zeigt ein
Spieleset von Playmobil. Es enthält keinen Metalldetektor, dreht sich
aber um eine Vervolgungsjagd im Gelände...
Ob
hier schon auf den Louvre-Raub reagiert wurde, scheint fraglich. Auch
die SOKO Stuttgart-Jubiläumsfolge dreht sich um einen Museumsraub. Im
Landesmuseum Württemberg werden hier die württembergischen Kronjuwelen
gestohlen. Der Manchinger Raub hat hier sicherlich mit dem Stromausfall
Pate gestanden - mit den Kronjuwelen hatte das Drehbuch durch den
Louvre-Fall wohl unverhofte Aktualität erhalten.
2025
ist Helmut Thoma verstorben. Leider hat man nichts davon gehört, ob
seine geraubten Grabreliefs aus Palmyra schon verscherbelt wurden. Die
Erben sollten sich ihrer Verantwortung stellen und den Fund an Syrien
zurück geben
Nur noch zwei Blogposts widmeten sich nach dem Ende des Bürgerkriegs dem Kulturerbe in
Syrien.
Es
gibt einige weitere Themen, denen ich gerne für einen oder auch mehrere
Blogpost genauer nachgegangen wäre. So waren der Gaza-Krieg und dessen
Ausläufer kein Thema. Die Situation ist hier so komplex - und angesichts
der Tausenden Toten und des Elends zurecht sehr emotional -, dass man
sich hier keine schnellen Urteile erlauben kann. Deutlich ist aber, wie
schon seit Jahrzehnten die israelische Archäologie immer wieder auch für
politische Zwecke herhalten muss. Positive Gegenbeispiele können das
nicht mehr aufwiegen. Der Umgang mit Wissenschaftler*innen aus Israel
hat 2025 die EAA in einen tiefen Konflikt gestürzt.
Viele weitere Krisen mit Auswirkungen auf das kulturelle Erbe waren kein Thema auf Archaeologik.
Politik
lässt sich aus der Wissenschaft nicht ausklammern. Jede Aussage, die
für sich beansprucht, von Bedeutung zu sein, trifft auch eine Aussage
über unsere Gesellschaft - und hier gibt es immer mehr Menschen, die
lieber Fakten ignorieren, sich von Populisten lenken lassen und in ihrem
Unverständnis erst mal vermeintlich "kritisch" andere Meinungen (im
Namen einer misverstandenen Meinungsfreiheit) bekämpfen als
selbstkritisch ihr Weltbild zu hinterfragen. Seien es nun Aussagen über
Rollenverhältnisse in der Vergangenheit, Forschungen zu Klimawandel und
Nachhaltigkeit, Problemen der in sich problematischen Ethnizität,
Feststellungen über eingebildete nationale Traditionen - das alles wird
rasch (negativ vereinnahmt) als"woke" abgestempelt. Vorreiter sind die
USA.
Thema Trump
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Donald Trump und die geschlachteten Hunde und Katzen: KI-generiertes Symbolbild (Craiyon) |
Er
ist wieder da und man kommt an ihm nicht vorbei. POTUS Trump war schon
in seiner ersten Amtszeit vielfach Thema auf Archaeologik - mit
erfundener Geschichte, mit seinem Ansinnen gezielt iranisches Kulturgut
zu zerstören und seinen Kürzungen im Denkmalschutz. Er hat auf
Archaeologik längst sein eigenes Label.
Mit
seinen Angriffen auf die Wissenschaft hat seine zweite Amtszeit aber
eine neue Qualität. Erkenntnisse, die seinen Deals im Wege stehen werden
diskreditiert und Wissenschaftler*innen bedroht.
Es
geht hier um gezielte Attacken, die nicht nur Umwelt- und
Klimawissenschaften und die Medizin, sondern auch die
Kulzturwissenschaften treffen.
Im zweiten Halbjahr ist es deutlich stiller geworden - ein erschreckender Gewöhnungseffekt.
Ein
Trump-Thema ist noch in Arbeit. Dabei geht es um seine Geschäfte und
den Denkmalschutz in Serbien. Das wird aber ein 2026-Blogpost.
Thema Putin
Die
Instrumentalisierung der Geschichte verbindet POTUS Trump mit seinem
Amtsfreund Putin. Im Sommer 2024 hatte ich auf Archaeologik einen
Blogpost zu Putins Propagandageschichtspark in Chesonesos. 2025 kam nur
ein Post zu illegalen Grabungen auf der Krim hinzu.
Das hat jedoch den Anstoß gegeben, dass die EAA einen TEA-Beitrag zur Ukraine angefragt hat.
mit dem Label
#PutinsWar.
Klimawandel
Die Auswirkungen des Klimawandels sind schon länger Thema in Archaeologik (Label
Klimawandel). Europas abgebrannte Fläche hat 2025 ein Rekordhoch erreicht (
https://forest-fire.emergency.copernicus.eu/apps/effis.statistics/seasonaltrend).
Das betrifft natürlich auch Kulturlandschaften mit ihren
archäologischen Hinterlassenschaften. Im August waren daher die
Waldbrände in Soanien ein Thema, da hier eine römische Bergbaulandschaft
massiv betroffen wurde.
Eine
unterm Strich wohl gute Nachricht gab es aus Mittelamerika, wenn auch
zu beobachten bleibt, ob hier nicht wieder die kommerziellen Interessen
die Oberhand gewinnen..
Archäologie der Moderne
Die
Archäologie der Moderne hat in den vergangenen Jahren enorm an Fahrt
aufgenommen. Auf Archaeologik war die Archäologie der Moderne ebenfalls mehrfach Thema.
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Mannheim, Parkhaus N2 und Stadthaus N1 (Foto R. Schreg CC BY SA 4.0) |
Für die Bau- und Kunstdenkmalpflege ist der Umgang mit Nachkriegsdenkmälern schon lange ein Thema und auch eine Vermittlungsaufgabe.
Der angeführte Mannheimer Fall mit einer Landtagsanfrage an das Ministerium offenbart eine ungenügende Reflektion und politische Vermittlung des Sinns, solche modernen Denkmäler unter Schutz zu stellen. Die Archäologie der Moderne sollte diese Fehler nicht wiederholen.
Klar müssen Fragestellungen und Ziele benannt werden.
Inzwischen sind die ersten monographischen
Fundpublikationen zu dem neuen Forschungsfeld erschienen, nachdem bisher
vor allem Tagungsbände das Feld dominierten.
Ich nenne exemplarisch:
Attila Dézsi, Archäologie der Republik Freies Wendland. Zu einer kritischen Archäologie der Zeitgeschichte (Leiden 2025). - ISBN: 9789464280845
Torsten Dressler, Die Berliner Mauer - DDR-Grenzanlagen und Fluchttunnel im Spiegel archäologischer Dokumentationen und ihr Denkmalwert. Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin 62 (Weißenhorn 2025) - ISBN 978-3-87437-637-2
- P. I. Schneider/ C. Röhl, Von Zäunen und Pfosten : ein Beitrag zur Archäologie Peenemündes als Sperrgebiet. Bamberger Schriften zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 8 (Bamberg2024). - doi: https://doi.org/10.20378/irb-93496
Es ist zu zeigen, dass die Archäologie in gut erforschten und mit reichen textlichen Quellen gesegneten Periode Erkenntnispotentiale hat. Sie entfaltet hier ein kritisches Potential, da ihre Quellen gängige Interpretationen hinterfragen hilft. Vielfach hat die Materialität der archäologischen Hinterlassenschaften auch einen primär didaktischen Wert. Angesichts des Wegsterbens der Zeitzeugen der NS-Diktatur wird Archäologie der Moderne zu politischer Bildungsarbeit. Egal, woher die Instrumentalisierung kommt, hat sich die Archäologie als Wissenschaft zu wehren.
Rezensionen & Reviews
Die Zahl der Rezensionen war auch schon mal größer. Einige Bücher und halbfertige Rezensionen stapeln sich auch noch.
Der
Vorsatz für 2025, wieder mehr Rezensionen einzustellen war also
erfolgreich. Hinzu sind nämlich auch einige Blogposts zu zählen, die
keine Bücher, sondern aktuelle Forschungen einem Review oder wenigstens
einer Kommentierung unterzogen haben.
Die Artikel schließen an einen weiteren an, der bereits Ende 2024 Thema auf Archaeologik war.
Sie
alle zeigen mit ihren - freundlich ausgedrückt - wissenschaftlich
schwachen Argumentationen: Wissenschaftliche Redlichkeit,
Methodenbewusstsein und -sicherheit sollten nicht nur bei den Fachleuten
Thema sein, sondern Teil der Wissenschaftskommunikation. Kenntnis über
historisches und archäologisches Arbeiten täte der Gesellschaft nicht
nur in Bezug auf die Akzeptanz der Wissenschaften gut, sondern kann auch
dazu beitragen, Fake, Meinung und echte Erkenntnisse besser
einzuordnen. Archäologische und historische Methoden sind Teil einer
modernen Medienkompetenz. Schwierig daran ist, dass auch fachintern eher
von Grabungsmethoden und High-Tech anstatt von den
geisteswissenschaftlichen Methoden der Interpretation die Rede ist.
Archäologische Wissenschaftskommunikation
Viele der Themen führen immer wieder darauf zurück, dass die Vorstellungen von der Archäologie und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu vage sind - im Selbstverständnis des Fachs wie auch in der Außenkommunikation.
Die politische Instrumentalisierung der Vergangenheit uur Legitimierung von Krieg und ultrakonservativer, exklusiver und elitärer Weltbilder , egal ob von Trump, Putin, Orban oder Ben-Gvir widerspricht seriösen wissenschaftlichen Sussagen.
Das eingangs genannte DFG-Projekt
Infra Wiss Blogs hat inzwischen eine Analyse der deutschen Wissenschaftsblogs publiziert.
- C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, Scholarly blogs: an analysis of infrastructural aspects based on German scholarly blogs. Journal of Documentation 81/7, 2025, 520–544. - doi: https://doi.org/10.1108/JD-02-2025-0053
- zugehörige Blogliste: C. Ochsner/ H. Pampel/ J. Höfting/ L. Rothfritz, German Scholarly Blogs and Their Attributes [Data Set], Zenodo 2025. - doi: https://doi.org/10.5281/zenodo.14905628
Die meisten Blogs stammen aus den Kulturwissenschaften, was jedoch mit der Blogging-Plattform hypotheses zu tun hat, die diese Blogs besonders gut erschließt und fördert. Die Studie fokussierte mehr auf die technischen und formalen Aspekte der Blogger, weniger auf deren Rolle im wissenschaftlichen Diskurs und in der Wissenschaftskommunikation.
Ausblick
Der Jahresrückblick ist für Archaeologik jeweils eine wichtige Kontrolle, um darüber nachzudenken, ob das Blog seine Rolle noch erfüllt - und wo ggf. Optimierungen möglich sind. Im Großen und Ganzen hat sich das Konzept, das sich aus sich heraus entwickelt hat, bewährt. Über eine lange Zeit relativ hohe, stabile, eher wachsende Leserzahlen scxheinen mir ein gutes Zeichen. Wäre manchmal ein Mehr an Diskussion wünschenswert, so ist doch auch deutlich, dass der Wert vieler Posts nicht im kurzfristigen Hype liegt, sondern darin längerfristig Ideen zu fixieren, aber auch weiter zu entwickeln. In diesem Sinne könnten prinzipiell noch mehr Beobachtungen und Gedanken im Blog niedergelegt werden. Im Lauf der Zeit ergeben sich daraus neue Impulse, Themen zu vertiefen oder wieder aufzugreifen. Sie sind später vielfach wertvolle Vorarbeiten für Projektinitiativen.
Blogposts leben aber von der schnellen Formulierung. Aus laufenden größeren Projekten heraus scheinen sie mir weniger angemessen, denn da kommt es wesentlich mehr auf die Präzision und Stichhaltigkeit an, die besser auch die regulären Publikationswege beschreitet. Oft ist hier auch ein ganzes Team am Werk, was dann gleich ein zusätzliches Abstimmen und Erarbeiten bedeutet. Viele Projekte machen sich diese Mühe - Ziel ist aber auch eher PR als Wissenschaftskommunikation.
Meine Vorsätze fürs kommende Jahr sind also das Abarbeiten älterer Ideen inklusive noch ausstehender Rezensionen, aber auch mehr Forschungsberichte bzw. Notizen aus Projektüberlegungen und Lehrveranstaltungen. Die Themen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit laufen indes primär über das Gemeinschaftsblog des Lehrstuhls, den
AMANZnotizblog.
Es mangelte 2025 nicht an Themen, sondern an deren Umsetzung
So scheinen einige Themen, die mich aktuell beschäftigen bisher auf Archaeologik und auch auf dem AMANZnotizblog nicht oder kaum auf.
Dazu gehören die Forschungen zur fluvialen Anthroposphäre, ein DFG-Projekt das nun bereits bald in die zweite Phase geht und in dem wir uns v.a. mit der agrarischen Auenutzung im Tal der Wiesent - exemplarisch für Mittelgebirgstäler - auseinandersetzen.
Dazu gehören auch die Forschungen zur mittelalterlichen Keramik, die sich einerseits aus BaLISminK ergeben, andererseits aber Keramikforschungen im Raum Bamberg, das neben Auswertungen alter Fundkomplexe auch ein Citizen Science-Projekt umfasst, in dem gemeinsam mit Studierenden und Ehrenamtlichen des BLfD den Tonabbaugruben und Töpfereien im Raum zwischen Forchheim im Süden und der Landesgrenze im Norden nachgegangen wird. Archäologische Arbeitskreise aus Bamberg, Fürth und Kronach aber auch individuelle Bürger-Forscher*innen bringen sich hier ein. 2025 kam es mit Bezug zum Projekt zu ersten Grabungen bei Kronach, die einen wichtigen Keramikkomplex erschlossen haben.
2026 wird davon auf AMANZnotizblog und auch Archaeologik noch zu berichten sein.
Thema wird sicher auch noch der Heilige Otto von Bamberg werden, der mich 2024/25 fasziniert und beschäftigt hat, da er spannende Forschungen zwischen Geschichtswissenschaft und Archäologie angestoßen hat. Publikationen dazu sind bereits im Druck. Im AMANZnotizblog scheinen bereits einige studentische Beiträge aus diesem aus einer Pommern-Exkursion erwachsenen Projekt auf.
Und noch ein Thema hat mich 2025 beschäftigt, das sich sicher auch noch auf Archaeologik niederschlagen wird - sind hier doch auch bereits einige Vorarbeiten zu finden: Nachhaltigkeit in mittelalterlichen Gesellschaften im Spiegel der Umweltarchäologie.
Mit diesen Themen war es 2025 wie mit dem Museum vor der Haustür, das man noch nie besucht hat: Da man das ja immer in greifbarer Nähe hat, muss es gegenüber anderen Dingen immer wieder zurück stehen...