Sonntag, 13. November 2011

Altfluren in der Wüste

Auf der Suche nach Beispielen byzantinischer Landnutzung in verschiedenen Landschaften diesmal wieder Beispiele aus der Wüste. Im südlichen Jordanien nahe der antiken Stadt Petra finden sich mehrfach Altfluren. An den Wadis handelt es sich um Blockwallfluren, im Bergland um Terrassierungen. Am ersten Beispiel im Wadi Faynan haben in den 1990er Jahren Forschungen des British Institute at Amman for Archaeology and History (BIAAH) stattgefunden, die diese Flurrelikte kartiert haben. Geoarchäologische Untersuchungen konnten mehrere Flutsedimente nachweisen und nabatäische, römische und byzantinische Feldnutzung belegen. Die Genese der Feldfluren wie auch ihre Funktionen erwiesen sich als komplex und außerordentlich differenziert.
Angaben über die Hintergründe der Auflassung der Felder habe ich bisher nicht gefunden.

Wadi Faynan
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Wadi westlich Petra

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Bergland östlich Petra:
 
Literatur
  • G. W. Barker/R. Adams/O. H. Creighton/D. Crook/D. D. Gilbertson/J. P. Grattan/C. O. Hunt/D. J. Mattingly/S. J. McLaren/H. A. Mohammed/P. Newson/C. Palmer/F. B. Pyatt/T. E. G. Reynolds/R. Tomber, Environment and Land Use in the Wadi Faynan, Southern Jordan: the Third Season of Geoarchaeology and Landscape Archaeology (1998), in: Levant 31, 1999, 255–292, http://www.ingentaconnect.com/content/maney/lev/1999/00000031/00000001/art00014.   
interne Links

    Änderungsvermerk:
    Luftbilder aktualisiert 28.6.2013

    Das Wirtschaftsland eines byzantinischen Dorfs in Syrien

    Unter den wenigen besser erforschten ländlichen Siedlungen byzantinischer Zeit ragt Sergilla in Nordwestsyrien durch die einzigartige giebelhohe Erhaltung der Steinbauten besonders heraus. Neben der Kirche gehören zum Ort auch ein Versammlungshaus sowie Thermen. Die Siedlung wird zwischen der Mitte des 4. und dem 8. Jahrhundert datiert. Eine nachbyzantinische Phase gehört in die Zeit der Ayyubiden-Dynastie (12./13. Jh.). Bereits seit dem 19. Jahrhundert hat sie die Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen. Die kunsthistorisch orientierte Archäologie hat zahlreiche Publikationen zur Architektur der Kirche und der öffentlichen Gebäude vorgelegt.
    Sergilla
    (Foto: Bernard gagnon [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

    Die Ortslage: Größere Kartenansicht

    Ein Ausschnitt aus den Altfluren der Weidewirtschaft:
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    Bei genauerer Betrachtung der Luftbilder wird deutlich, dass sich hier unterschiedlich alte Strukturen überlagern. Da einige der alten Wege auf Segilla ausgerichtet sind und sich auch dort unmittelbar auf die ruinösen Gebäude bezogene Steinriegel- und Trockenmauern finden (die im archäologischen Plan aber nicht verzeichnet sind), ist zumindest anzunehmen, dass unter den Altflurrelikten auch solche der frühbyzantinischen Zeit vertreten sind. Die Flur dürfte v.a. auf Viehwirtschaft zurückzuführen sein, wie kleine Einhegungen und die durch Steinriegel eingefassten Viehtriebe verraten. Diese Feldstrukturen befinden sich auf den wasserarmen Höhenrücken, während sich die Felder zumindest heute auf die schmalen Täler beschränken. Große Pressen für Wein- und Öl im Dorf belegen, dass diese für die Wirtschaft in byzantinischer Zeit eine wichtige Rolle spielten.

    Überlagerung unterschiedlich alter Strukturen:

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    Eine genauere GIS-basierte Analyse der Luftbilder ist in Vorbereitung.

    Literatur
    • P. L. Gatier, Les villages du Proche-Orient protobyzantin: nouvelles perspectives (1994-2004). In: C. Morrisson, J.-P. Sodini (Hrsg.), Les villages dans l'Empire byzantin (Paris 2005) 101-119. 

    Interner Link
    Bearbeitungsvermerk (18.7.2015): Bild ausgetauscht

      Freitag, 11. November 2011

      Mediterrane Terrassen - Altfluren im Libanon


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      In den Bergen östlich von Byblos beim Ort Yanouhi im Libanon finden sich alte, heute nicht mehr bewirtschaftete Terrassen. Archäologische Sondagen erbrachten eine Abfolge mehrerer Phasen, deren älteste in die frühe Bronzezeit zurück reicht. Die heute sichtbaren Terrassenmauern sind demnach nach-byzantinisch, doch geht ihnen eine mittelalterliche Phase voraus, die ihrerseits einen römisch/spätantiken Ackerhorizont schneidet.

      Literatur:
      • R. Harfouche, Histoire des paysages méditerranéens terrassés. Aménagements et agriculture. British Arch. Rep., Internat. Ser. 1634 (Oxford 2007) S. 168ff.
      siehe Altflurrelikte

      Donnerstag, 10. November 2011

      Betteln im Netz - neue Wege der Finanzierung von Forschungsprojekten

      Social Media ermöglichen neue Formen der Forschungsfinanzierung.
      Im Bereich der Achäologie und Anthropologie versucht die Anthropologin Kristina Killgrove derzeit mittels "crowdfunding" Gelder für DNA-Untersuchungen an römischen Bestattungen aus dem Umfeld der Stadt Rom zu beschaffen - the Roman DNA Project. Ihr Ziel liegt bei 6000$, bereits nach drei Tagen sind über 2000$ zusammen gekommen.
      Dies ist nicht die erste Projektfinanzierung dieser Art in der Archäologie. Colleen Morgan, die den Blog MiddleSavagery betreibt, hat für ihr Projekt - Surveys in der Türkei - im Sommer 2011 über 5000$ gesammelt: The Maeander Project - A digital, archaeological landscape
      Beide Projekte bedienten sich der Plattform Rockethub, die sich primär an Kunstschaffende wendet, mit der Sparte #SciFundChallenge aber auch wissenschaftliche Projekte fördert. Als Spendenanreiz werden je nach gespendeter Summe verschiedene Preise ausgesetzt: Kalender / T-shirt mit Projektlogo, Nennungen auf der Website bzw.in der Publikation.

      Links
      Nachtrag (13.11.2011)
      Inzwischen hat das Roman DNA Project nach nur 10 Tagen die angestrebten 6000$ zusammen bekommen:
      http://romandnaproject.org/2011/11/11/were-funded/

      Yersinia pestis - the missing ecological and historical dimension


      Yersinia pestis, Direct Fluorescent Antibody Stain (DFA),
      200x Magnification
      (Centers for Disease Control and Prevention's
      Public Health Image Library
      [PHIL], identification number #1918 [public domain]).
      In a recent article a group of German and Canadian researchers presented the genome of Yersinia pestis as it has been extracted from burials of the London East Smithfield burial ground dated to 1348/49 (Bos et al. 2011). This site has been excavated by the Museum of London after it has been localised in 1986 (Grainger et al. 2008).
      The article aims at the reconstruction of the ancient genome of Yersinia pestis, as this promises implications for the understanding of infectious diseases, as "genomic data from ancient microbes may help to elucidate mechanisms of pathogen evolution and adaptation for emerging and re-emerging infections".

      The authors conclude:
      1.) "Genetic architecture and phylogenetic analysis indicate that the ancient organism is ancestral to most extant strains and sits very close to the ancestral node of all Y. pestis commonly associated with human infection. Temporal estimates suggest that the Black Death of 1347–1351 was the main historical event responsible for the introduction and widespread dissemination of the ancestor to all currently circulating Y. pestis strains pathogenic to humans." The classic Black Death was quite different from previous epidemics. The authors refer to the Justinian plague "popularly assumed to have resulted from the same pathogen: our temporal estimates imply that the pandemic was either caused by a Y. pestis variant that is distinct from all currently circulating strains commonly associated with human infections, or it was another disease altogether."
      2.) "Comparisons against modern genomes reveal no unique derived positions in the medieval organism, indicating that the perceived increased virulence of the disease during the Black Death may not have been due to bacterial phenotype. These findings support the notion that factors other than microbial genetics, such as environment, vector dynamics and host susceptibility, should be at the forefront of epidemiological discussions regarding emerging Y. pestis infections."