Sonntag, 8. Juli 2018

Schlag gegen internationale Antikenhehler: Operation Demetra

Am 4.7. hat die italienische Polizei an mehreren Orten in Italien, aber auch in Großbritannien, Spanien und Deutschland zugeschlagen und Hausdurchsuchungen und 23 Verhaftungen vorgenommen. In Deutschland wurde ein in Ehingen an der Donau wohnhafter Italiener festgenommen, zudem würde gegen zwei Münchner Auktionshäuser ermittelt. In London wurde ein Kunsthändler verhaftet, der in Bezug auf das Thema Raubgrabungen und Antikenhandel  schon früher aufgefallen ist (s.u.). In Italien fanden zahlreiche Verhaftungen in Turin und in Ravanusa im südlichen Sizilien statt.
Gehandelt wurde mit Raubgrabungsfunden aus Piemont, Kalbrien, Apilien und Sizilien. Etwa 20.000 Objekte wurden sicher gestellt, deren Marktwert auf 40 Mio € geschätzt wird. Sichergestellt wurden auch gefälschte Herkunftsnachweise.
Der in diesem Zusammenhang in den Medienberichten genannte bei London verhaftete Kunsthändler ist schon 2017 aufgefallen:

 
(Foto: R. Schreeg, 2013)




Dienstag, 3. Juli 2018

Kulturgut in Syrien und Irak (April-Juni 2018)

Situation in Syrien Anfang März 2018
(Graphik: Than Kaerr [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)
Die Situation in Syrien und Irak ist ruhiger geworden, die meisten Regionen sind offenbar wieder unter Regierungskontrolle. Die Situation ist damit aber  nicht weniger komplex und auch nicht weniger gefährlich - weder für Menschen noch für das Kulturgut. Die mediale Aufmerksamkeit allerdings hat abgenommen (und spielt nicht mal mehr in der brodelnden Flüchtlings"diskussion" eine Rolle). Daesh ist militärisch besiegt und aus den alten Kulturlandschaften vertrieben. Damit hat auch die Aufmerksamkeit für die Kulturgutzerstörungen in der Region nachgelassen, da diese ja eng mit der Terrorfinanzierung verknüpft worden ist. Ob die Raubgrabungen tatsächlich nachgelassen haben, ist schwer zu beurteilen, eigentlich eher unwahrscheinlich, da nicht nur Daesh dafür verantwortlich war. Es gibt neue Beobachtungen etwa in Apameia, das schon vor Jahren ziemlich durchlöchert aussah.  Die syrische Altertumsbehörde hat hier Dronenbefliegungen in einem Gebiet durchgeführt, das immer noch von Aufständigen ("Terroristen") kontrolliert wird,  um die Schäden zu dokumentieren.

Syrien

Rakka 
Apameia
Zerstörungen in Mari
Mari, Tell mit Schutzdach 1993
(Foto: M. Scholz)

Vorwürfe an die Türkei

ANF ist eine PKK-nahe Nachrichtenagentur.

 Irak

Mosul

Schadensmeldungen




Links

frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

Dank an diverse Kollegen für Hinweise.  

Freitag, 15. Juni 2018

Ungarische Regierung nimmt der Akademie der Wissenschaften ihre finanzielle Unabhängigkeit

Der derzeit im ungarischen Parlament verhandelte Staatshaushalt für 2019 sieht vor, dass nicht mehr die Akademie der Wissenschaften, sondern direkt das Ministerium für Technologie und Innovation über die interne Mittelverteilung und Ausgaben entscheidet. Bislang konnte die Akademie die ihr zugewiesenen Mittel unabhängig von der Politik für seine Institute und Forschungsprojekte einplanen. Nun entscheidet das Ministerium über einen Großteil der Mittel.

Damit wird die Freiheit der Wissenschaft an einem entscheidenden Punkt weiter untergraben.

Für die Geschichtswissenschaften, die nicht der nationalistischen Legendenbilding folgen wollen, verheißt das nichts Gutes, auch wenn der zuständige Minister beteuert, über die Mittelvergabe werde ein Gremium von Wissenschaftlern entscheiden.

Interner Link