Donnerstag, 19. Januar 2017

Scherben, Steine, Wüstungen...

Unter Scherben, Steine, Wüstungen... bloggt seit Juni 2015 Biggi Schroeder. Sie berichtet aus ihrer Tätigkeit als ehrenamtliche Mitarbeiterin der HessenArchäologie. Sie macht regelmäßige Begehungen auf mittelalterlichen Wüstungen.
Ihr Blog zeigt, was Ehrenamtliche an lokaler Forschung leisten und auch an Interessierte weitergeben können. Der Blog präsentiert neben Vorstellungen von Funden auch eigene Erfahrungen, wie etwa der Blogpost Die Erstellung einer Funddatenbank, in der sie Ihre einfache aber effektive excel-Tabelle vorstellt, die auch eine GIS-Auswertung der Daten zulässt. Wie dies funktioniert hat sie schon im Post Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege mit QGIS 2.0 dargestellt - ein Post, der übrigens zunächst als Gastbeitrag auf Archaeologik erschienen ist und dessen große Resonanz für Biggi Schroeder die Motivation war, einen eigenen Blog zu beginnen.

Pimgsdorfer Ware
(Foto:B. Schroeder,
m. freundl. Genehmigung)
Solch ein Ehrenamtlichen-Blog erweist sich als eine Möglichkeit, eigene Forschungsergebnisse selbständig zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. So finden sich auf dem Blog kurze Beiträge über einzelne Fundkategorien, insbesondere über ihre Scherbenfunde. Biggi Schroeder zeigt auch, wie sie ihre Funde aufbereitet, so dass sie mit relativ geringem Aufwand von Fachwissenschaflern weitergehend auswertbar sind. 

Dank der guten Aufbereitung, konnte ich Biggi Schroeders Funde im Sommersemester 2015 für eine Keramikübung an der Universität Heidelberg heranziehen (vergl. Archaeologik 22.7.2015). Die Studierenden konnten so praktische Erfahrungen bei der Bestimmung von Keramik sammeln und für Biggi Schroeder war das eine Grundlage für eine erste Auswertung ihrer Wüstungsfunde. Sie berichtet über die Lehrveranstaltung unter Anfassen erwünscht!
Keramikübung mit Lesefunden einer Wüstung
Heidelberg, Sommersemester 2015
(Foto R. Schreg)

Kurz: Nicht nur zum Lesen, sondern auch zur Nachahmung empfohlen!

Dienstag, 17. Januar 2017

Neuzeitliche Flussdynamik - Beispiele aus dem Maintal zwischen Eltmann und Haßfurt (Lkr. Haßberge, Bayern)

Gastbeitrag von Mark Werner

Erste konkrete Beschreibungen oder Zeichnungen des Maintals sind bislang ausschließlich aus der Neuzeit (ab 15. Jahrhundert) bekannt (Gerlach 1990). Mangelnde Kenntnisse zur Flussgeographie und -geologie verleiteten die historische Forschung bislang oft dazu, diese neuzeitlichen Verhältnisse (Flusslauf, Ausdehnung der Aue, Wasserführung, …) einfach in ältere Epochen zu übertragen. Die Folge waren und sind Interpretationen zur frühen Siedlungsgeschichte, die sich am Flusslauf des 19. Jahrhunderts orientieren. Aufgrund ausbleibender Beschäftigung mit der Flussgeschichte ist dieser grundlegende Fehler in vielen Chroniken eingeflossen und selbst belesenen Heimatforschern bis heute vielfach nicht aufgefallen. Der Main war auch hier bis ins 19. Jahrhundert ein mäandernder Fluss. Daher ist es eigentlich offensichtlich, dass man die Aue aus der Zeit der Uraufnahme um 1840, nicht über Jahrhunderte hinweg als identisch in Vor- und Frühgeschichte annehmen darf. Um dieses Problem zu verdeutlichen und ins Bewusstsein zu bringen, sollen die massiven Landschaftsveränderungen durch Flussmäander am Beispiel des Maintales noch einmal skizziert werden.
Der Charakter eines Flusses wird durch viele Faktoren bestimmt, die sich im Laufe der Geschichte grundlegend verändern können. Vor allem die Bewaldung und Bodennutzung im Einzugsgebiet, sowie in der Aue selbst, sind in Mitteleuropa seit dem Hochmittelalter grundsätzlich anders als in älteren Epochen. Es ist also zu erwarten, dass auch der Main selbst sich grundsätzlich verändert hat (Schirmer 1993).

Bis ins Frühmittelalter war das Einzugsgebiet noch großflächig von Laubwäldern und Weiden bedeckt, die dortigen Niederschläge verdunsteten weitgehend. Nur ein relativ geringer Anteil des Regenwassers kam zum Abfluss und speiste Grundwässer, Bäche u.s.w. (Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004, 24; Gerlach 2006). Ein intakter Laubwald kann durch sein Laubdach, die dicke und lockere Humusdecke am Boden und sein Wurzelwerk das Vielfache an Niederschlägen speichern und wieder verdunsten lassen, als offene Ackerflächen. Auf Weiden ist die Verdunstungsrate schon deutlich reduziert, aber immer noch wesentlich höher als auf Äckern. Durch den Siedlungsdruck des Hochmittelalters wurden große Flächen urbar gemacht, die Verdunstung im Einzugsgebiet sank, Versickerung und Abfluss nahmen zu. Folglich erhöhte sich die Wassermenge im Main, der Fluss wurde mächtiger und bis heute fließt mehr Wasser durchs Tal, als es in vorgeschichtlicher Zeit der Fall war. Vor allem die Hochwasserereignisse wurden häufiger und extremer. Ein einfaches Beispiel soll dies verdeutlichen: Bei Trunstadt am Main fließen heute durchschnittlich etwa 3,5 Mrd. Kubikmeter Wasser pro Jahr vorbei, während im Einzugsgebiet rund 9,6 Mrd. Kubikmeter Niederschläge fallen. Rund 36 % des Niederschlages kommen also zum Abfluss, der Großteil verdunstet jedoch. Erhöht man nun die Abflussleistung (z. B. durch Rodung) auf 20 % des Einzugsgebietes um „nur“ das Doppelte, erhöhte sich der Abfluss um 700 Millionen m³, der Abfluss des Maines würde also auch um 20 % mächtiger werden. Vor dem Hochmittelalter dürfte der Main eine Abflussleistung gehabt haben, die rund 25 % geringer war als heute (Winiwarter - Bork 2014, 23). Vor Beginn des Ackerbaus betrug der Abfluss vielleicht nur 50 % des heutigen. Also liefen einst Hochwässer, die hauptsächlich für die Erosionskraft und Mäanderbewegung eines Flusses verantwortlich sind (Gerlach 1990, 159), deutlich glimpflicher ab (Bayr. Landesamtes für Umwelt, 5). Die Speicherfähigkeit des Einzugsgebietes und die Schutzwirkung der Auewälder (Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004, 35) sorgten für länger anhaltende, jedoch deutlich niedrigere Hochwasserwellen. Ein schwächerer Fluss und sanftere Hochwasser waren also vor dem Mittelalter dafür verantwortlich, dass das Flussbett und die Aue (= flutgefährdeter Bereich des Tals) schmächtiger waren. Die Seitenerosionskraft des „kleineren“ Maines war natürlich auch geringer und deshalb bildeten sich kleinere Mäanderbögen aus. Diese zogen sich daher auch nicht über die gesamte Talbreite hinweg, wie dies in der Neuzeit, z. B. zwischen Limbach und Ziegelanger, der Fall war.



Diese Umstände boten also in der Vor- und Frühgeschichte umfangreiche siedlungsfähige Flächen im Flusstal, wo heute überschwemmungsgefährdete Aue liegen oder die Oberflächen schon längst durch Mäanderbewegungen seit dem Mittelalter abgetragen und umgelagert worden sind. So ist auch zu erklären, warum sich einst Siedler z. B. in Augsfeld oder Sandwörth niedergelassen haben, obwohl diese Orte heute im Überschwemmungsgebiet liegen. Viele unentdeckte Wüstungen dürften durch neuzeitliche Mäanderbewegungen verloren gegangen sein, wie z. B. die Wüstung Aschwinge bei Sand a. Main (Andraschke 2014). Zur Zeit der Erstbesiedlung dieser Niederlassungen waren die Siedlungsbereiche mit Sicherheit hochwasserfrei.

Die neuzeitliche Ausweitung der Flussaue, also des überschwemmungsgefährdeten Bereiches, die zwischen Eltmann und Sand a. Main nahezu die gesamte Talbreite erreichte, ist bis heute in zahlreichen Geländestrukturen, Wegen oder Grundstücksformen erkennbar, die durch den Main angeschnitten wurden. So waren z. B. die Gräben beiderseits der Flur „Wehrleinsleite“ (= etwa „Hang zum Stauwehr“) östlich von Sand a. Main einst Hohlwege, die ins Maintal führten (siehe Abb. 1). Der Fluss kappte jedoch diese Wege, die dadurch ihre Funktion verloren, verwilderten und bis heute als Gräben erhalten blieben. Ein weiteres Beispiel ist der Ort Knetzgau. Eine Ortsname mit sehr früher Erstbenennung (Tittmann 2002, 339-342), obwohl es jedoch der Siedlung lt. Uraufnahme offenbar an einer historischen West-Ost-verlaufenden Hauptstraße mangelt, die bei der heutigen Lage am Main zu erwarten wäre. Wäre diese Siedlung „von Anfang an“ am Main gelegen, hätte es diese Trasse jedoch mit Sicherheit geben müssen. Die naheliegende Lösung des Rätsels: die West-Ost-Achse existierte einst, diese lag jedoch weiter nördlich und wurde durch den stärker werdenden Main im Spätmittelalter oder in der frühen Neuzeit abgetragen. Bis heute quält sich der Verkehr durch Wege, die offensichtlich unter geringerem Verkehrsaufkommen entstanden sind. Durch die südwärtige Auenweitung wurde zwar Knetzgau offenbar abgedrängt, die Siedlung auf dem anderen Mainufer, also Augsfeld, gewann hingegen dadurch an Gemarkungsfläche, da der Fluss auch Grenze war. Eine Siedlung wurde also verdrängt, eine andere profitierte davon. Bei Ziegelanger (Stadt Zeil a. Main) ist noch heute anhand der Gemarkungsgrenze erkennbar, wie sich der Mainmäander einst in die Flur hinein „fraß“ und somit das Land an die gegenüber liegende Seite „übereignete“.

Die Veränderung der Abflussmenge im Main mag sich nach und nach vollzogen haben, Flusslaufverlagerungen und Auenverbreiterungen konnten jedoch bei extremen Hochwasserereignissen quasi „über Nacht“ entstehen. Vor allem in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts kam es zu außergewöhnlichen Wetterereignissen (Bork 1988, 52), die eine deutliche Veränderung der Talaue im Untersuchungsbereich bewirken mussten. Gipfel dieser Witterungskatastrophen war das Magdalenenhochwasser 1342, wo es zu Abflussmengen und Erosionsereignissen von einem Ausmaß kam, die ohne weiteres Beispiel in der Geschichte sind (Dotterweich - Bork 2007). Diese Katastrophe und die nahende Pest könnten der Anlass zur Anlage des „Urbar B“ durch den Bamberger Bischof anno 1348 gewesen sein. In dieser „Bestandsaufnahme“ wird Ziegelanger noch nicht als Dorf bezeichnet. Lediglich unter dem Abschnitt für Zeil werden Höfe „an dem Ziegelanger“ genannt (Mauer 1981, 255; 456). Es drängt sich förmlich die Vermutung auf, dass der heutige Ort durch Siedler geschaffen wurde, die zuvor im talwärtigen Siedlungsbereich von Zeil lebten. So ließt sich ein Schreiben des Bischofs Lamprecht von Prun an die Zeiler 1379 als Legitimation und Aufforderung zum Bau von Heimstätten im heutigen Stadtbereich von Zeil, da er sich entgegen der bisherigen Auffassung nicht auf den Bau der Zeiler Stadtmauer eziehen kann. Diese ist nach neueren archäologischen Erkenntnissen erst in die Zeit um 1420 zu datieren (Zeune o.J.).  Zum Verständnis muss man natürlich wissen, dass wir im Früh- und Hochmittelalter noch nicht mit den dichten dörflichen Siedlungsstrukturen rechnen dürfen, wie wir sie seit dem Spätmittelalter pflegen. Diesen ging eine aufgelockerte und weilerartige Siedlungsstruktur voraus, aus der sich erst in Hoch- und Spätmittelalter unsere heutige dörfliche Besiedlung entwickelte (Schreg 2006; Brather 2006).


Beispiele von siedlungsnahen Landverlusten seit dem Spätmittelalter

Die Verlagerungen der Mäander und Auenufer, die erst durch die Mainkorrektur in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beendet wurden, hinterließen bis heute deutlich sichtbare Spuren in der Landschaft.

Knetzgau

Die heutigen Sportplätze werden nur noch selten bei Hochwasser überflutet, ihre Flächen gehörten jedoch vor der „Mainkorrektur“ im 19. Jahrhundert zum Flußbett des Mains. Das Steilufer ist noch heute deutlich erkennbar. Das einstige Gelände, das seit dem Spätmittelalter abgetragen wurde, wird weiß schraffiert angedeutet. Die neuzeitliche Siedlungslage ist also erst durch Mäanderbewegungen des Flusses zu erklären.
Knetzgau: Steilufer
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)

Sand a. Main

Der Main des 19. Jahrhunderts ist in Form von Altwässern am nördlichen Ortsrand noch erkennbar. Auch hier hinterließ der Main seit dem Spätmittelalter ein Hochufer, das nichts anderes als ein Prallhang einer Mäanderbewegung war. Moderner Straßenbau hat das Steilufer „entschärft“.
Sand am Main: Altwässer am linken Bildrand (Schilf)
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)

Limbach (Stadt Eltmann)

Im Tal kann man weit im Hintergrund den heutigen Flusslauf anhand der Bäume erkennen. Die gesamte Fläche nördlich des Spitzenhügels (sein Anstieg siehe rechte Bildhälfte), eine Fläche von mehr als 60 Hektar, wurde seit dem Spätmittelalter vom Fluss umgelagert oder abgetragen. Sämtliche Spuren möglicher früherer Besiedlung auf diesen einst besiedlungsfähigen und attraktiven Flächen gingen hierdurch verloren.
Limbach
(Foto: Mark Werner, 28.12.2016)



Die Veränderungen der Aue, ausgelöst durch menschliche Eingriffe im Einzugsgebiet des Maines, hatten jedoch für die Anwohner nicht nur Nachteile. Von den stark ausgeweiteten Ackerflächen im Mittelalter floß nicht nur mehr Wasser oberflächlich ab, sondern es gelangten (teils bis heute) riesige Mengen fruchtbaren Bodens in den Fluß. Die Sedimentfracht an sich ließ den Strom zwar schon träger und breiter werden, vor allem werden jedoch bei Hochwassern die Sedimente in der Aue abgelagert. Dies führte im Maintal und anderen Flußsystemen dazu, dass sich die einst sandige und nur extensiv nutzbare Talniederung, durch Anreicherung mit Ablagerungen in fruchtbare Ackerböden verwandelte. Der Autor geht sogar davon aus, dass sandige Böden einst bewußt mit Lehm angereichert wurden, um ihre Fruchtbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit zu erhöhen.

Die Anreicherung der sandigen Aue mit (Acker-)Boden erhöhte tendenziell auch das Talnvieau und förderte hierdurch zusätzlich die Auenverlegung in Randbereiche, die zuvor fernab des Flusses lagen. Dabei hinterlassen mäandernde Flüsse oftmals eine Rinne aus aneinandergereihten, ehemals tiefen "Mäanderspitzen". Die sog. "Nahtrinnen" (Schirmer 1988) bleiben oft gut erhalten, da sie bei Hochwassern durchspült oder von Bachläufen auf ihrem Weg zum Main hin "genutzt" werden. Eine solche Nahtrinne aus Altwässern und Senken bildet z. B. zwischen Knetzgau und Zeil auf weiten Strecken die sog. "Landwehr", deren Ursprung leider bislang noch nicht erforscht werden konnte.

Ebenfalls noch nicht untersucht wurde, wo und wie intensiv der einstige Sandabbau zum Betrieb der Ziegelei vorgenommen wurde, der dem heutigen Dorf Ziegelanger seinen Namen verlieh. Ziegel bestehen rund zur Hälfte aus Sand. Es ist naheliegend, hierfür die Siedlung des Namens Sand näher ins Blickfeld zu nehmen und es darf angenommen werden, dass sich der Sandabbau damals merklich auf die Auendynamik auswirkte.

Fazit

Der Main und vermutlich alle Flussläufe des 19. Jahrhunderts können weder in ihrem Verlauf, noch in ihrer Charakteristik, auf das Mittelalter und ältere Epochen übertragen werden. Deshalb sind alljene Aussagen zur Besiedlung in Vor- und Frühgeschichte an ihren Ufern mindestens zu prüfen, die Örtlichkeiten und Eigenarten des neuzeitlichen Flußlaufes benennen. So traurig es ist: wo und wie unsere Talsiedlungen und der Fluss im Hochmittelalter oder früher gelegen und ausgesehen haben, ist schlichtweg unbekannt. Alleine zwischen Augsfeld und Knetzgau oder Ziegelanger und Limbach gingen Landflächen an die Flussaue verloren, auf denen ganze Städte Platz gefunden hätten.
Aus diesem Grund darf man also an einem Fluß bei einer gewissen „Fundarmut“ aus der Vor- und Frühgeschichte keinesfalls auf eine „Siedlungslücke“ in diesen Epochen schließen. Gleichzeitig liefern uns Karten aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit keinesfalls verlässliche Landschaftsbilder, die wir für ältere Epochen annehmen könnten.

Die verstärkte neuzeitliche Flussdynamik ist nicht nur deswegen von Interesse, weil sie bei historischen Untersuchungen meist vergessen wird. Sie ist auch ein umwelthistorisch bedeutsames Phänomen, illustriert sie doch, wie sehr der Mensch auch schon vor der industriellen Revolution unbewusst die Landschaft verändert hat. Diese Veränderungen haben massiv die Verkehrswege verändert. Neben dem Verlust von Wegetrassen war die größere Flussdynamik aber möglicherweise auch ein Grund dafür, dass sich im Spätmittelalter der Transport woh von des Flüssen auf die Strassen verlagert hat (Schreg 2013). Daraus sind aber auch neue Risiken der Überschwemmung entstanden, die immer wieder zum Verlust von Ackerflächen geführt haben.



Schematische Darstellung der Auenveränderung
(Entwurf M. Werner, Graphik: R. Schreg)


Literaturhinweise

Andraschke 2014
Joachim Andraschke: Die Wüstung Ansbiege bei Sand a. Main, unpubl. Skript, Gemeinde Sand, 2014

Bayer. Amt f. Wasserwirtschaft 2004
Bayrisches Amt für Wasserwirtschaft: Hochwasser – Naturereignis und Gefahr  (München 2004). - http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-babs-0000004191

Bayer. Landesamt f. Umwelt
Hochwasserschutz – damit ein Naturereignis nicht zur Katastrophe wird. Broschüre des Bayr. Landesamtes für Umwelt (München o.J.). - https://www.lfu.bayern.de/veranstaltungen/doc/ausstellung_hochwasser.pdf

Bork 1988
H.-R. Bork, Bodenerosion und Umwelt. Verlauf, Ursachen und Folgen der mittelalterlichen und neuzeitlichen Bodenerosion. Modelle und Simulationen, Landschaftsgenese und Landschaftsökologie 13 (Braunschweig 1988).

Bork – Winiwarter 2014
H.-R. Bork – V. Winiwarter, Die Geschichte unserer Umwelt. Eine Weltreise in 60 Stationen (Darmstadt 2014).

Brather 2006
S. Brather, Entwicklungen der Siedlungsarchäologie. Auf dem Weg zu einer umfassenden Umwelt- und Landschaftsarchäologie?, Siedlungsforsch. 24, 2006, 51–97.

Dotterweich – Bork 2007
M. Dotterweich – H.-R. Bork, Jahrtausendflut 1342, Archäologie in Deutschland 2007/4, 38–40

Gerlach 1990
R. Gerlach, Flußdynamik des Mains unter dem Einfluß des Menschen seit dem Spätmittelalter. Forsch. dt. Landeskde. 234 (Trier 1990)

Gerlach 2006
R. Gerlach, Holozän: Die Umgestaltung der Landschaft durch den Menschen seit dem Neolithikum, in: J. Kunow – H.-H. Wegner (Hrsg.), Urgeschichte im Rheinland, Jahrbuch 2005 (Köln 2006) 87–98 - http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/geographie/ag/radtke/pdf/pdf/mitarbeiter/gerlach/Gerlach-Urgeschichte-2006.pdf

Tittmann 2002
A. Tittmann, Hassfurt. Der ehemalige Landkreis, Historischer Atlas von Bayern. Teil Franken. Reihe 1 Heft 33 (München 2002).

Mauer 1977
H. Mauer, Chronik der Stadt Zeil am Main 2 (Zeil am Main 1977).

Schirmer 1993
W. Schirmer, Der menschliche Eingriff in den Talhaushalt, Kölner Jahrb. 26, 1993, 577–584.

Schreg 2006
R. Schreg, Die Archäologie des mittelalterlichen Dorfes in Süddeutschland. Probleme – Paradigmen – Desiderate, Siedlungsforsch. 24, 2006, 141–162.

Schreg 2013
R. Schreg, Verkehr und Umwelt - Herausforderungen und Interessenskonflikte in Mittelalter und früher Neuzeit, in: T. Fischer – H. G. Horn (Hrsg.), Straßen von der Frühgeschichte bis in die Moderne. Verkehrswege - Kulturträger - Lebensraum, ZAKMIRA-Schriften (Wiesbaden 2013) 147–167.

Zeune
Zeil am Main, Stadtmauer. Büro für Burgenforschung, Dr. Zeune - http://www.burgenforschung-zeune.de/pages/projekte_zeil3.htm






Mark Werner
ist Mitglied beim Historischen Verein Landkreis Haßberge e. V., der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e. V. und dem Verein für Heimatgeschichte Eltmann e. V., sowie ehrenamtlich aktiv für das Landesamt für Denkmalpflege in Bayern. Sein Interessensschwerpunkt liegt auf der Landschaftsgeschichte im Maintal und Steigerwald. Im Hauptberuf ist er Verkaufsleiter.

Montag, 16. Januar 2017

Konsultation zu EU-Gesetzgebung für den Kulturgüterschutz

Im Zusammenhang mit der Neuregelung des deutschen Kulturgüterschutzgesetzes wurden einheitliche europäische Regelungen zur Einfuhr  von Kulturgütern gefordert.

Die EU-Kommission hat dazu im Dezember eine Konsultation gestartet mit Frist am 23.1.2017, mit der bei allen Stakeholdern Stellungnahmen abgefragt werden.
Hier müssen dringend auch die archäologischen Belange eingebracht werden, denn eine Lösung entsprechend dem neuen Kulturgüterschutzgesetz mit untauglichen Fristenlösungen und einer Ausklammerung von Fundmünzen hilft in keiner Weise Raubgrabungen zu stoppen, da damit die Hintertür sperrangelweit geöffnet wird.

Links

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen

Die Hausbücher der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung in Nürnberg stellen ein wichtiges Beispiel für die Bedeutung der Bildquellen dar, wenn es um die Interpretation archäologischer Funde geht.
1388 hatte der Nürnberger Händler Konrad Mendel ein Altenheim gestiftet, das zwölf Plätze umfasste. Die Stiftung bestand bis ins 19. Jahrhundert. Seit etwa 1425 wurde jeder „Mendelbruder“ im Mendelschen Hausbuch porträtiert. Zumeist - vor allem bei den älteren Darstellungen - sind die Brüder in ihrem Beruf dargestellt. In mittelalterarchäologischen Publikationen finden sich regelmäßig Abbildungen aus den Hausbüchern, allerdings in sehr eingeschränkter Auswahl.
Insgesamt 765 großformatige Handwerkerdarstellungen zeigen zahlreiche Alltagsdarstellungen aus zahlreichen Berufen, wie Sattler, Waagmeister, Paternosterer... Sie zeigen Produktionsprozesse, aber auch zahlreiche Objekte, die für die Bestimmung archäologischer Funde von großer Bedeutung sind.

Paternosterherstellung
Menelsche Zwölfbrüderstiftung
(PD, via WikimediaCommons)
In einem Digitalisierungsprojekt wurden vor einigen Jahren die Bilder online gestellt:
Die Nutzungsrechte der Bilder sind umstritten. Die Stadtbibliothek Nürnberg hat die online-Bilder mit einem Wasserzeichen versehen und macht damit Nutzungsansprüche geltend, die aber beispielsweise WikimediaCommons als "Copyfraud"  zurück weisen, die die Bilder unter https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Hausbuch_der_Mendelschen_Zw%C3%B6lfbr%C3%BCderstiftung_Band_1 mit einer CC-Lizenz eingestellt haben.

Freitag, 6. Januar 2017

Wissenschaft soll unpolitisch sein. Geht das?


Auf der TAG Konferenz 2016  in Southampton (http://www.southampton.ac.uk/tag2016/index.page?) widmete sich am 21.12.2016 eine komplette Session dem Thema "Archaeology Is a Political Matter". Die Session wurde durch Rob Lennox (Council for British Archaeology, Chartered Institute of Archaeologists, University of York) und Lorna-Jane Richardson (Umeå University, Council for British Archaeology) organisiert. Sie zeigt die große Bandbreite des Themas, die die Haltung der britischen Kollegen gegenüber dem BREXIT ebenso umfasst, wie die Einordnung in das System der Commercial Archaeology, die den Ansprüchen der Wissenschaft und Denkmalpflege an vielen Punkten diametral entgegen steht. Dazu zählt aber auch die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Mythen.

Die Vorträge wurden im Livestream auf YouTube übertragen und sind dort abrufbar:


Abstract der Session
In the UK, the discipline and the contexts in which archaeology is practiced are vulnerable to public policy changes and the broader impacts of economic austerity, be these contract archaeology, community projects, or within museums and archives. The role of archaeology in politics, and politics in archaeology, in the UK has been under researched and under theorised in recent years.
Politics and archaeology goes beyond grand narratives of nationhood, and extends into everyday matters, such as relatively small but vital functions of local government. Archaeologists themselves act politically in various scales, from the narrow (e.g. lobbying for technical policy changes) to broad (e.g. influencing understandings of nation, culture, identity, and place). We are actors within in a complex system where our decisions as professional archaeologists are deeply intertwined with wider political policy, yet this is not explicitly obvious to many professionals employed in the sector, or indeed by interested citizens, or our political representatives.
This session remains open to traditional areas for debate on the role of politics in archaeology, but would also like to invite papers that explore the role of archaeologists as political actors and attempt to understand how our work affects political decisions, and vice versa. It will include discussion on policy and advocacy from the narrow (e.g. who are archaeological advocates?) to the broad (e.g. what part can archaeology play in current societal debates such as over climate change, migration, Brexit?) and will attempt to provoke debate about archaeology and heritage as a tool in various political agendas (e.g. nationalism, anti-austerity/neoliberal capitalism, cosmopolitanism).
mit abstracts der einzelnen Vorträge: http://www.southampton.ac.uk/tag2016/sessionsabstracts/session1.page
 Vorträge:
  • Einführung durch Lorna Richardson (ab 22:19)
  • Kevon Woodbridge: Brexit - The elephant in the room The politics of Brexit. Why archaeologists need to be concerned (ab 26:26)
  • Marjolijn Kok: Quitting my archaeological job as a political deed (ab 50:35)
  • Florence Smith Nicholls: Commercial archaeology and narratives of British exceptionalism (ab 1:10:51)
  • Rob Lennox: Selling a political framework for the Public Value Era (ab 1:29:25)
  • Matthew Seaver: Breaking ground, fighting back; Unite Digging for a Living Wage (ab 2:29:50)
  • David Jennings: Time to bite the hand that feeds? Or, at the very least, give it a long, hard squeeze
  • Penelope Foreman: "Another Brick in the Wall" - Archaeological Outreach in Schools as a Political Act
  • Tom Booth: DNA and Soil: Archaeology, Palaeogenetics and Nationalism
  • Susan Greaney: Where history meets legend… and produces political sparks; presenting Tintagel Castle, Cornwall
  • Ben Gearey:Turf Wars: Politics and Peatland Archaeology in Ireland
  • Andy Brockman: “News is what someone wants suppressed. Everything else is advertising." The need to develop Investigative Journalism in the Archaeological Media
  • Mike Nevell: Creating a Political Base for Archaeology: The Greater Manchester Experience
  • Lorna Richardson / Rob Lennox: Local archaeological activism: The trials of leading horses to water
  • Aisling Nash: Local archaeology for local people?