Sonntag, 23. April 2017

"Die Wissenschaft darf nicht schweigen." - #BlogsforScience


Tausende Wissenschaftler haben am Earth Day weltweit dafür demonstriert, dass Fakten und Forschung weiterhin ernst genommen werden und politische Entscheidungen nicht aus dem Bauch raus getroffen werdn.
Entsprechende Veranstaltungen gab es weltweit.
In Panama ist der Caminata por la Ciencia vergleichsweise klein ausgefallen - mit geschätzt über 300 Teilnehmern ist das jedoch für ein Land, das eher mit Kanal, Tigerente, Briefkastenfirmen und Bananen gleichgesetzt wird, beachtlich.
"Ciencia no silencia" skandierten die Marschierer - frei übersetzt: Die Wissenschaft darf nicht schweigen.


Caminata por la Ciencia, Panama 22. April 2017
(Foto: R. Schreg)

Der Protest hatte hier auch deutlich eine soziale Komponente - Forderungen nach mehr Frauen in der Wissenschaft oder der Hinweis auf die Rolle für Bildung und Entwicklung waren zu lesen.  In dem zuletzt von Korruptionsskandalen gebeutelten Land fehlt es an Investitionen in das Bildungswesen.
Auffallend war aber auch: das Engagement von Firmen wie esri, denen man gerne unterstellen mag, dass es natürlich auch um wirtschaftliche Interessen geht.




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Samstag, 22. April 2017

US-Kongress: Forschungsförderung nicht mehr nach wissenschaftlichem Wert, sondern nach politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit - #MarchforScience

Die US-amerikanische National Science Foundation gibt nur 5% ihres Budgets für Sozialwissenschaften aus. 0,12% entfallen auf die Archäologie. Dennoch ist das dem Kongressabgeordneten und Vorsitzenden des Wissenschaftsausschuß Lamar Smith zu viel. Er will Mittelvergabe nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern nach deren politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit. Schon 2014 war Smith aufgefallen, dass ihm die Freiheit der Forschung und die Bedeutung der Sozialwissenschaften unverständlich ist.
 

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Dienstag, 18. April 2017

Erklärung der G7-Kulturminister

Vom 20-21. 3. trafen sich die Kulturminister der G7-Staaten in Florenz. Dabei wurde eine Erklärung zum Kulturerbe beschlossen:
Die Erklärung konstatiert, dass Kulturerbe aus drei Gründen wichtig sei und zwar als:
  1. Identitätsstiftung
  2. Wirtschaftsfaktor 
  3. Faktor und Thema der Technologie.
Ich halte diese Liste für probematisch, denn Identitätsstiftung bedeutet immer auch Ausgrenzung. Archäologie und Geschichte haben da in der Forschungsgeschichte schon einige negative Erfahrungen gemacht. Sicher schafft Kulturerbe Identität, aber das ist durchaus nicht immer positiv besetzt. Auch die Terroristen, die Kulturgüter zerstören - der zentrale Thema der Erklärung - schaffen sich ihre Identität aus der Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe, indem sie es zerstören.
Kulturerbe kann und ist duchaus ein Wirtschaftsfaktor, aber es vor allem unter diesem Faktor zu betrachten ist gefährlich, denn das geht schnell an die Substanz der Quellen und zu Lasten einer seriösen Auseinandersetzung. 
Kulturerbe als Faktor und Thema der Technologie dürfte alle Freunde der Digital Humanities freuen, denn genauer heisst es in der Erklärung, dass das Kulturerbe einen Kontext bietet, die Potentiale und Möglichkeiten auszuloten, die sich im digitalen Zeitalter ergeben ("context for measuring the potentials and opportunities generated by the digital era"). Das ist m.E. richtig, aber sicher kein zentraler Punkt in der generellen Bedeutung des kulturellen Erbes.

Das Wichtigste, was Kulturerbe für die Gesellschaft leistet, fehlt hier, wie so oft: 
  1. Reflektions- und Orientierungswissen  zur Einschätzung unserer Gegenwart durch die Chance auf eine fundierte, (selbst)kritische Auseinandersetzung mit menschlichen Gesellschaften und ihren Mythen
  2. eine zukunftsgerichtete Sensibilisierung für die langfristigen Folgen menschlichen Handelns 
  3. ein Gespür für die Verantwortung in der Zeit.