Freitag, 2. Dezember 2016

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Adventskalender 2016

Vormarsch gegen Daesh (Syrien/ Irak im November 2016)

    Beim Vormarsch auf Mosul wurden auch archäologische Denkmäler in Mitleidenschaft gezogen. Eine Analyse der Entwicklung von Dash/ ISIS angesichts des Gebietsverlustes bei der alliierten Offensive gegen Mosul:
    mit einer Einordnung der Zerstörung und Vermarktung von antiken Monumenten und Funden durch Daesh.

    Nimrud

    Der Ziggurat von Nimrud wurde systematisch mit Planierraupen eingeebnet, wie Luftaufnahmen belegen. Daesh hat die Zerstörungen in einem Propagandafilm inszeniert. Die Hintergründe sind noch unklar. Kurz danach haben die kurdischen Peschmerga Stellungen in der Ruinenstätte ausgehoben.
    Zum neuen Propagandafilm des Daesh:

    aktuelle Bilder aus Nimrud


    Weitere Zerstörungen um Mosul

    christliche Klöster zerstört:
    Schon im letzten Monat wurden archäologische Funde beim Vormarsch irakischer Truppen auf facebook bekannt. Jetzt folgt eine Zeitungsmeldung, die die Funde Truppen der Peschmerga zuweist. Die Bilder sind identisch.

    Terrorfinanzierung und Antikenhandel

    Im ehemaligen Daesh-Hauptquartier in Palmyra wurden  mindestens fünf palmyrenische Grabreliefs entdeckt, die wohl aus Raubgrabungen während der Daesh-Herrschaft stammen und wohl für den Antikenmarkt vorgesehen waren.
    Derweil verkauft der Kunsthandel munter Büsten aus Palmyra - Teile der berühmten Grabreliefs, die uns bei sorgfältiger Dokumentation wertvolle Einsichten in die palmyrenische Gesellschaft hätten bieten können. So sind sie nur noch schön und Zeugnis einer Geschichtsvergessenheit - wobei wahrscheinlich viele Sammler, die Funde dummdreist als Zeichen ihrer (nicht vorhandenen) Bildung und Kulturbeflissenheit präsentieren....

    Schadensmeldungen

    Damage Newsletter
    Bilder aus Aleppo via Aleppo Archaeology:



        Maßnahmen

        Konferenz:
        Konferenz in Florenz:

        Save Haven im Louvre
        Umsetzung der Konvention von den Hague von 1954 in britisches Recht
        Monuments Men

          Sonstige Medienberichte

          Versteckte Funde
          Ein Reisebericht aus Syrien mit besonderem Blick auf Antiken und Rundum-Bildern/ -Videos:

          wagemutige und riskante Forschung im Irak

            Links

            frühere Meldungen zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

            Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

            Dienstag, 29. November 2016

            Definitionen der Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit


            Die Archäologie des Mittelalters hat sich im deutschen Sprachraum im wesentlichen seit den 1960er Jahren entwickelt. Bereits 1852 war auf der Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthums-Vereine in Mainz von einer "mittelalterlichen Archäologie" die Rede, die sich jedoch auf die Monumente und noch nicht auf Bodenfunde bezog.
            Die im Lauf der Zeit formulierten Definitionen lassen das sich verändernde Selbstverständnis des Faches erkennen.

            H. v. Petrikovits 1962:
            ‚archäologische Landeskunde des Mittelalters‘

            P. Grimm 1966:
            ‚archäologische Frühgeschichtsforschung‘

            H. Jankuhn 1973:
            ‚direkte Fortsetzung der vor- und frühgeschichtlichen Archäologie, und zwar sowohl nach Problemstellung wie nach methodischem Ansatz‘

            H. Hinz 1982:
            ‚Erforschung der Gesamtheit der Erscheinungen mittelalterlichen Lebens‘

            G.P. Fehring 1987:
            ‚nach Fragestellung und Arbeitsziel eine historische Wissenschaft; aufgrund der in den Boden eingebetteten Sachquellen und ihrer Methoden eine archäologische Disziplin‘

            B. Scholkmann 1998:
            ‚eine Geschichtswissenschaft, deren Forschungsgegenstand die gegenständlichen Quellen sind. Die Fragestellungen zielen auf kulturelle Erscheinungen und Entwicklungen, sie arbeitet mit einem breiten Methodenspektrum, dessen Kern die archäologischen Methoden bilden‘ 

            Der Bezug auf die Geschichtswissenschaften tritt immer wieder auf, wobei die Formulierungen von v. Petrikovits und H. Hinz zeigen, dass es hier durchaus Spielraum für andere zugänge gibt. Ihnen alle ist gemeinsam, dass diese Referenzpunkte kaum genauer reflektiert wurden.

            In der 2016 erschienenen neuen Einführung geben wir nun selbst die folgende Definition:
            Scholkmann – Kenzler - Schreg 2016:
            'Die Archäologie des Mittelalters (und der Neuzeit) ist  eine historische Kulturwissenschaft.
            Sie analysiert die materiellen Hinterlassenschaften mit geistes- und naturwissenschaftlichen Methoden.
            Sie ist eine historische Archäologie, die die materiellen Quellen in den Kontext einer überwiegend schriftlichen und bildlichen Parallelüberlieferung stellt und so zum Verständnis vergangener Gesellschaften beiträgt.' 

            Begründung der Neudefinition

            In diese neue Definition sind einige grundsätzliche Überlegungen eingeflossen: