Montag, 8. Juli 2013

Wüstungen im Blaubeurer Lagerbuch von 1457

Nach der Reform des Klosters Blaubeuren 1452 ließ Abt Ulrich Kundig 1457 und mit Nachträgen in den folgenden Jahren die Güter und Ansprüche des Klosters neu verzeichnen. Das Lagerbuch liegt heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart (H102/12, Bd. 1) und wurde 2005 gedruckt herausgegeben (Lagerbuch 1457).

Für die Siedlungsgeschichte des Spätmittelalters auf der Schwäbischen Alb, insbesondere in der Region um Blaubeuren stellt es eine wichtige Quelle dar. Es gibt Einblicke in die Besitzstrukturen der Blaubeurer Grundherrschaft, informiert über die Ausstattung einzelner Höfe und gibt zudem  zahlreiche Hinweise auf abgegangene Siedlungen.

Die verzeichneten Orte geben nicht den vollständigen Klosterbesitz wieder, sondern beschränken sich im Wesentlichen auf die Alb nördlich des Klosters. Andere Besitzungen, wie sie etwa in der Klosterchronik des Christian Tubingius aufgeführt werden, fehlen im Lagerbuch von 1457. Dieses war auch nicht das erste seiner Art und hatte auch verschiedene Nachfolger. Die älteren sind nicht erhalten, die jüngeren nicht ediert, so dass eine Momentaufnahme Mitte des 15. Jahrhunderts vorliegt, also nach der postulierten Hauptphase des Wüstungsgeschehens, die im wesentlichen mit dem 14. Jahrhundert in Verbindung gebracht wird.
Ort für Ort werden die Besitztümer aufgeführt, die Äcker in der Regel nach den Zelgen ("Esche") der regulierten Dreifelderwirtschaft getrennt. Flurnamen bieten grobe Lageangaben der betreffenden Flächen, oft auch die Angabe der Nachbarn.

Die Auflistung ergibt zahlreiche Hinweise auf abgegangene Siedlungsstellen. Alle Orte jedoch, nach denen das Lagerbuch gegliedert ist, sind auch heute noch existent. Die Hinweise auf Wüstungen finden sich in den Besitzbeschreibungen. Bisweilen liegen eindeutige Ortsnamen vor. Hinzu kommen einige Flurnamen, bei denen nicht deutlich wird, ob sie auf eine Siedlung zurückgehen. Mehrheitlich sind die sicheren Wüstungsbezeichnungen mit einer Landnutzung als Mähder verbunden und sie liegen außerhalb der Zelgeinteilung, so dass daraus ein sekundäres Kriterium für eine Wüstung zu gewinnen ist. Ein weiteres Indiz für Wüstungen können Unregelmäßigkeiten in der Zelgeinteilung der Dorfflur sein. Im Falle von Berghülen ist vom Oberwyler Esch die Rede. Hier scheinen auch Flächen der Wüstung Oberweiler in der Zelg aufgegangen zu sein.

Die Lokalisierung der Wüstungen kann oft nur ungenau erfolgen. Meist ermöglichen noch heute gebräuchliche und in den topographischen Karten verzeichnete Flurnamen eine grobe Lokalisierung.
Orte im Blaubeurer Lagerbuch: weiß - Wüstungen, rot - bestehende Ortschaften
(Kartengrundlage aufgrund SRTM-Daten)

Archäologische Wüstungsbelege

Archäologisch sind bislang die wenigsten der Wüstungen bekannt. Am besten ist die Situation im Umland von Treffensbuch, wo Helmut Mollenkopf als Ehrenamtlicher der Bodendenkmalpflege die Arbeiten während der Flurbereinigung beobachtet hat und langjährig Feldbegehungen durchgeführt hat. Hinzu kommen einzelne ältere Fundnotizen. Moderne Forschungen fehlen.
 

Die Wüstungen

Im folgenden seien die Wüstungen grob von Süden nach Norden vorgestellt.


Burgaßwyler bei Seissen
Bei Burgaßwyler sind holtzmad und Wald (23v) sowie Mähder (27v) verzeichnet. Andere Quellen kennen die Namensformen Burges Wyler (1470), Burckuswyler (1489) und Burgiswyler (1501) (Reichardt 1989, 73). Heute trägt eine Lichtung westlich von Seissen den Namen Burkhardtsweiler. Das Klosterlagerbuch von 1526 nennt ein Feld "so das Hofstättlein genannt wird uf Burghardtsweyler", das sich mittels einer Karte von 1745 lokalisieren lässt. damals lag es im Wald und gehörte zu den beiden größten Höfen in Seißen. Das Gelände im Umfeld ist ausgesprochen eben und weisst einen tiefgründigen Boden auf, der sehr gut als Ackerland vorstellbar ist (Strübel/Weingardt 1985, 74).

Berwigsgrub
Im Lagerbuch von 1457 taucht der Name Berwigsgrub lediglich als Flurbezeichnung auf (25: Berwigsgruber Weg). Frühere Belege erweisen "Berenwigesgruob" jedoch als ein Gut, das Wather von Ruck nach 1085 dem Kloster Blaubeuren schenkte. Insofern ist es auffällig, dass dieses Gut sich im Lagerbuch von 1457 nicht eindeutig identifizieren lässt. Das Areal liegt etwa 800 m  nördlich von Seißen an einer alten Wegespinne, die mit der Flurbereinigung allerdings weitgehend verschwunden ist. Die Flurbezeichnung Braike deutet auf das Zubehör eines Herrenhofes. Drei so bezeichnete, benachbarte Flurstücke deuten möglicherweise das ursprüngliche Hofland an. Im 18. Jahrhundert gehörten die Braiken im wesentlichen zu einem Lehengut (Nr. 37) nahe der Kirche von Seißen, das seinerseits wohl von einem alten Hof (Nr. 40) abgeteilt war (Strübel/Weingardt 1985, 73f). Vielleicht ist dieses ja doch identisch mit der Seld des Cuntz Wäßlin, die das Lagerbuch beim Kirchof lokalisiert und der 1 Jauchert Acker am Berwigsgruber Weg besitzt.

Kälblinspuch zwischen Seissen und Suppingen
Mehrfach, unter Seissen wie unter Suppingen, nennt das Lagerbuch Besitz in Flur Kälblinsbuch, und zwar sowohl Äcker, als auch Mähder (26v). Einmal wird genauer auf den "brüwel zu Kälblinspuch" verwiesen, aus deren einer Hälfte Jäcklin Peler aus Seissen abgabenpflichtig war (24v). Der Flurname Brühl ist in der Regel Hinweis auf herrschaftliche Präsenz am Ort. Tatsächlich gehören große Teile des Besitzes in Kälblinsbuch dem Maierhof in Suppingen. Dieser war 1457 zweigeteilt.
Hanns Lentzlin von Urach, Inhaber der einen Hälfte des Maierhofs besaß 3 Jauchart "vor" und weitere 3 Jauchart "uff" Kälblinsbuch sowie "1 Juchart hinder dem Süsserbühel ouch uff Kälblinspuch" (30). Inhaber der zweiten Hälfte des Maierhofs war Ruß Zaininger. Ihm gehörten "5 Jucharten uff kälblinspuch an zwain Stucken".
Kälblinsbuch ist auch aus anderen Quellen bekannt. Basierend auf Urkunden der Gründungszeit des Klosters Blaubeuren berichtet Christian Tubingius 1521, dass Adelheid, die Witwe des Graf Sigibot von Ruck, eines der Klostergründer, neben Gütern in Blaubeuren je eine Hufe in Seißen und in Kälblisbuch dem Kloster geschenkt hätte. Christian Tubingius bezeichnet den Ort als Calminesbuch. Lutz Reichardt (1986, 170) deutet den Namen als "Cadalwins Siedlung im Wald".
Im Lagerbuch von 1457 tritt Kälblinsbuch nur noch als Flurname auf. Wenige Jahre zuvor, 1449 nennt eine Blaubeurer Urkunde jedoch noch konkret "aines hofs und guots wegen ze Kaelblisbuoch" (HStA Stuttgart A 478, U 472). Bei Rechtsstreitigkeiten zwischen den Bewohnern von Suppingen und Seissen über das Markungs- und Besteuerungsrecht der Feldlung Kälblesbuch wurde 1752 festgestellt, dass "nach vorliegenden alten Dokumenten (...) die Feldung Kälblesbuch in alter Zeit ein Hof (war), der zwischen Suppingen und Seißen lag und mit seinen Gütern einen besonderen Distrikt und Markung bildete. Die Feldung wurde aber schon vor etwa 300 Jahren von dem Besitzer an das Kloster Blaubeuren verkauft, das diese daraufhin in dem Klosterlagerbuch der Seißener Markung zuschrieb, obwohl sie der Suppinger Markung am nächsten lag und auch meistens Suppinger Inhaber der später als Erbeigen verkauften Güter waren" (Eberl/Martin 2000, 213-215 [StA Blaubeuren B 369]).

Eintrag im Lagerbuch (30) zum Meierhof in Sontheim
mit Nennungen zur Wüstung Kälblinsbuch
(nach der Edition des Lagerbuch 1457 [PD])

Die Wüstung Nattenbuch bei Feldstetten
In der Beschreibung von Sontheim finden sich die Flurnamen Kaltenbuch (30) und Nattenbuch, die anderswo als Ortsnamen bezeugt sind. Beide werden als Mähder aufgeführt wird (31v, 33). Im 19. Jahrhundert war Nattenbuch ein besonderes Markungsgebiet mit einer Einteilung in drei Zelgen. Neben einer Kapelle soll hier ein Schloß gestanden haben, von denen "auch noch Mauern und Gewölbe davon" vorhanden gewesen sein sollen (OAB Münsingen 1825, 152f.). Eine erste Nennung von Nattenbuch gehört ins Jahr 1152 (WUB II, 69 [Nr. 342]). Damals bestand hier eine Kirche und ein Eigengut des Klosters Rot an der Rot. Der päpstliche Schutzbrief von 1152 stellt Nattenbuch in den Kontext einer weiteren Wüstung 'Denzheim'. Dieses wird bereits 1088 genannt, es lag nach dem Flurnamen zu schließen nordöstlich von Feldstetten. In der Urkunde, die 1356 die Aufteilung der Grafschaft Helfenstein regelte, ist Nattenbuch ebenfalls aufgeführt, doch bleibt unklar inwiefern er noch besiedelt war (Kerler 1840, VIA; UUB 2, Nr. 472). Ende des 19. Jahrhunderts geriet der Nattenbuch als archäologische Fundstelle ins Blickfeld:
"Der Natterbuch bei Feldstetten OA Münsingen, 821 m ü.d.M., ein hoher, terrassenförmig aufsteigender, noch Reste von Verschanzungen aufweisender Hügel, hat auf seiner Spitze innerhalb eines Kranzes von alten Buchen einen vertieft liegenden Quellsee (nicht Doline), an dessen westlichem Rand eine Menge Feuersteine der allerverschiedensten Form, weniger Knollen als geschlagene oder zerbrochene Stücke, und Eisenschlacken sich fanden.  Im weiten Umkreise auf ziemliche Entfernung zum See ist die Erde noch ganz schwarz, d.h. mit Resten von Buchenholzkohlen imprägniert. Auch Basalttuffe und einzelne Stücke des Basaltes lagen vereinzelt umher.
Etwa 30 m unter der Spitze des Hügels sind ebenfalls bedeutende Holzkohlenreste und dreierlei Formen von Resten irdener Gefäße, von denen zwei mit der Drehscheibe gemacht sind. Der Fuss einer Urne und mehrere Randscherben sind sehr fein und zerbrechlich, nach Paulus alamannischen Ursprungs. Ausserdem finden sich an verschiedenen Stellen des Berges Reste von Wällen, auch Doppelwälle mit quadratischem Hof, wie auch Mauern mittelalterlichen Ursprungs, sowie Reste einer Kapelle mit der Stelle, wo man den Turm vermuten kann. In der Nähe ist eine ziemlich starke Quelle in einem Gewölbe gefasst." (Hedinger 1898)
Die genannten Funde wurden wohl nicht in ein Museum eingeliefert und sind wohl aus privater Sammlung verloren gegangen. Eine nähere Einordnung ist nicht möglich und wäre nur über systematische gut dokumentierte Feldforschung zu erreichen. Eine moderne topographische Karte verzeichnet den Flurnamen Dörfle bei der betreffenden laut Oberamtsbeschreibung "nie versiegenden" Quelle. (OAB Münsingen 1825, 153). Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wird von Resten der Kapelle, einem Brunnen und einer Hüle berichtet (OAB Münsingen 1912, 652). Heute wird die Fläche durch Felder und Weiden genutzt und lässt zahlreiche alte Ackerterrassen und Steinriegel wie Lesesteinhaufen erkennen, die teilweise aber recht jungen Datums sind.

Nattenbucher Hüle
(Foto: R. Schreg, 2013)

Nattenbuch: alte Ackerterrassen an der Westflanke "im Dörfle"
(Foto: R. Schreg, 2013)

Holtzhusen
Einen klaren Wüstungshinweis enthält der Name Holtzhusen (32), der ebenfalls in der Lagerbuchbeschreibung von Sontheim als Flurname auftaucht. Hier besaß Cuntz Wägst, Inhaber des Sontheimer Widumhofes 2 Jauchert Äcker "an zwain stucken".
 
Engelburg/Hofstetten
Unter Feldstetten aufgeführt, aber bewirtschaftet von dem in Zainingen ansässigen Doman sind "7 tagwerch mads an der Engelburg" (39). Der Flurname ist noch in der aktuellen Topographischen Karte (TK 25) verzeichnet, wo sich östlich benachbart die Bezeichnung "Hofstetten" findet.

Hofstetten bei Suppingen
Bentz Stammler aus Suppingen hat 1457 neben einem Mahd in Waichstetten auch noch einen Acker "in Hofstetten" sowie "4 tagwerch mads, haißt uff dem hof". Über Bentz Stammler erfahren wir nichts weiteres. Sein Hof, sofern er einen besaß, war nicht in Blaubeurer Besitz, vielleicht gehörte er aber auch der dörflichen Unterschicht an und hat durch günstige Umstände einen Jauchart Acker und insgesamt 7 1/2 Tagwerke an Mahdwiesen als Feldlehen vom Kloster erhalten. Jedenfalls fällt auf, dass sein gesamter im Lagerbuch verzeichneter Besitz aus Wüstungsfluren zu stammen scheint. Besitz in Hofstetten lässt sich auch noch bei Haintz Hirßlin und Frittz Hummel dem Jung nachweisen, deren Höfe bei der Kirche in Suppingen lagen. Genau genommen hatte jeder einen halben Hof, die auf eine Teilung zurückgehen. Beide haben je 1 1/2 Jauchert in Hofstetten, so dass davon auszugehen ist, dass die Hofteilung erst nach der Aufteilung des Wüstungslandes erfolgte. Da Frittz Hummels Hof ausdrücklich als "ist getailt von Haintz Hirßlins halben Hof" bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass die Teilung erst zu Lebzeiten von Haintz Hirßlin erfolgte, also kaum früher als im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts.

Wüstungen um Berghülen
Die Beschreibung des Oberamts von Blaubeuren von 1830 postulierte, dass "Berghülen aus mehreren Weilern und Höfen, die sich nach und nach zusammen gezogen haben, entstanden" (OAB Blaubeuren, 140) sei. Dietrich Weber (1927, 32) ging davon aus, dass Breitenhülen, das bei Suppingen gelegene Hadenhausen, Hohenhülen, Oberweiler und Tragenweiler in Berghülen aufgegangen seien (Weber 1927, 32). Das Blaubeurer Lagerbuch von 1457 enthält in den Einträgen zu Berghülen Hinweise auf Oberweiler, Tragenweiler und Hadenhusen. Da letzteres heute zur Gemarkung Suppingen zählt, ergeben sich hier Hinweise auf jüngere Umstrukturierungen der Gemarkungsgrenzen.
Zwei der Wüstungen - Tragenweiler und Oberweiler - sind genauer zu erfassen, da sie im Lagerbuch von 1457, wie auch in jüngeren Lagerbüchern bis ins 18. Jahrhundert als eigenständige Einheiten aufgeführt werden. Allerdings scheinen beide Areale schon um 1457 keine bewohnten Höfe mehr zu umfassen. Sie sind vielmehr Teil von Berghülen. 1615 werden die Wüstungsfluren von Oberweiler und Tragenweiler im Rahmen einer Klärung umstrittener Weiderechte auf den Gemarkungen Berghülen und Bühlenhausen neu geregelt. Hier ist von einem Oberweiler Esch und zwei Tragenweiler Eschen die Rede  (Eberl/Martin 2000, 150f. [StA Blaubeuren B 234]).
Tatsächlich kann die Lage der Wüstungen jeweils einige hundert Meter vom Ort entfernt bestimmt und archäologisch verifiziert werden.

Oberweiler
Die Wüstung Oberweiler liegt rund einen Kilometer nördlich von Berghülen. Die erste Nennung stammt von 1289 (WUB IX., Nr. 3824, S. 257-258 [mit falscher Lokalisierung]), wenn nicht das 1281 genannte Toubenwyler auf eben diese Wüstung zu beziehen ist (HStA Stuttgart J1, 48g, I, Bl.35r). Beide Nennungen beziehen sich auf Schenkungen an das Kloster Kaisheim, dessen Besitz hier auch später noch nachweisbar ist (Urbare Kaisheim 1319-1352, S. 155 Nr. 300). Auffallenderweise geht aus dem 1318/19 angelegten Kaisheimer Urbar hervor, dass eine der drei Huben in Kaisheimer Besitz damals nicht besetzt war. Dass das Urbar zu den Huben keine Gebäude nennt, hat angesichts der im Vergleich zu dem 140 Jahre jüngeren Blaubeurer Urbar allerdings keine Aussagekraft in Bezug auf damals schon nach Berghülen verlegte Höfe. Mit Oberweiler scheint der "under esch" der Gemarkung von Berghülen verbunden zu sein. Er wird am häufigsten genannt, während die andern beiden Esche, vermutlich "Rayterschmeder" und "Hungerschperg" in der Bedeutung deutlich zurücktreten und damit zeigen, dass die Zelggliederung von Berghülen nicht der Norm dreier gleich großer Zelgblöcke folgte, sondern offenbar durch die Wüstungsprozesse anders strukturiert war.
Oberweiler
Lesefunde von H. Mollenkopf
aus der Wüstung Oberweiler
(Zeichnungen: R. Schreg)

Helmut Mollenkopf konnte aus Oberweiler einige Lesefunde mittelalterlicher Keramik zusammentragen. Die große Masse besteht aus jüngerer grauer Drehscheibenware, die insbesondere durch Karniesränder gekennzeichnet wird. Einige breite Ausprägungen von Karniesrändern sowie der Rand wohl einer gekehlten Karniesrandschale (siehe Gekehlte Karniesrandschalen. Archaeologik [19.11.2012]) gehören vermutlich erst ins 15. Jahrhundert und legen nahe, dass es in Oberweiler noch bis in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts Siedlungstätigkeit gab. Desweiteren liegen einige Scherben der im Ulmer Raum üblichen feinsandig glimmerhaltigen nachgedrehten Ware, wie auch der gröberen nachgedrehten Ware vor. Frühmittelalterliche Scherben konnten bei einer Durchsicht des Bestandes nicht identifiziert werden.


Tragenweiler
Die Siedlung Tragenweiler gehörte bereits zur Gründungsausstattung des Klosters Blaubeuren am Ende des 11. Jahrhunderts. Der Name der Siedlung ist als "Siedlung des Drago" (Reichardt 1986, 301) zu verstehen.
Im Lagerbuch scheint Tragenweiler als ein Sonderbezirk innerhalb der Dorfgemarkung von Breithülen auf. Ihre einstige Lage lässt sich durch den Flurnamen rekonstruieren. 
Bei der Flurbereinigung wurden durch H. Mollenkopf archäologische Funde beobachtet. Das Keramikspektrum der Wüstung Tragenweiler umfasst neben Funden der jüngeren grauen Drehscheibenware die aus dem Ulmer Raum bekannte nachgedrehte hochmittelalterliche feinsandig glimmerhaltige Ware, aber auch die in Ulm seltene ältere gelbe Drehscheibenware des Typs Jagstfeld sowie die nachgedrehte Imitation davon. Eine Randscherbe kann  typologisch der durch eine lange Halszone und dreieckige Randbildungen gekennzeichneten jüngeren Phase der rauwandigen Drehscheibenware, also etwa dem 8. Jahrhundert zugewiesen werden. Wie auch in Oberweiler scheint das Formenspektrum der jüngeren grauen Drehscheibenware bis ins 15. Jahrhundert zu reichen. Zu vermerken sind die Funde von Becherkacheln.

Lesefunde von H. Mollenkopf
aus der Wüstung Tragenweiler südlich von Berghülen
(Schreg 2009)

Hohenhülen 
Zum ehemaligen Maierhof, bzw. zu einem von Buckhart Claus bewirtschafteten Drittelteil des Hofes, gehören mehrere "Jucharten zu hohenhülun" sowie "13 Jucharten am egarden" (73). Hohenhülen gehört laut der Chronik des Christian Tubingius zu den frühen Schenkungen an das Kloster Blaubeuren: Heinrich, der zur Stifterfamilie gehörte, stiftete demnach fünf Eigengüter in Hadenhusen, Berghülen, Wennenden, Tragenweiler und eben auch in Hohenhülen (Tubingius 49).

Hadenhusen bei Suppingen
Hadenhusen (55, 67) ist in der aktuellen Topographischen Karte als Santenhausen eingetragen. Die Schreibungen als Sadenhusen erscheinen seit dem 15. Jahrhundert und werden von Lutz Reichardt durch einen vorangestellten, verschliffenen Artikel s'Hadenhusen erklärt, später aber als verkürztes Sankthausen missverstanden (Reichardt 1986, 253f.). Neben dem Blaubeurer Lagerbuch liefern auch die Blaubeurer Annalen mehrfach Nennungen des Ortes. Demnach gehörte ein Eigengut (Allod) bereits zu den frühen Schenkungen der Stifterfamile an das Kloster (Tubingius 49). Die Wüstung liegt nicht bei Berghülen, wie die Edition der Annalen des Tubingius fälschlich angibt, sondern etwa 1,3 km südöstlich von Suppingen.
Das Lagerbuch führt ein Jauchert Acker "im Gründlin zu Hadenhusen" (55) sowie weitere 9 Jauchert Äcker auf, von denen ausdrücklich gesagt wird, dass sie ursprünglich Mähder gewesen sind. Weitere Äcker "in der hadenhusernun" (67) besitzt Hans Hagmeyer aus Machtolsheim. Möglicherweise handelt es sich hier um eine weitere Wüstung, auf die auch entsprechende Flurbezeichnungen in jüngeren Lagerbüchern hinweisen (Gde. Berghülen 2000, 59).

Breithülen
Ein in der Chronik des Klosters Blaubeuren genanntes Breithülen (Tubingius 133; 135) ist möglicherweise eher bei Ennabeuren oder Feldstetten zu lokalisieren. 
Eine weitere Wüstung des Namens lag aber auf dem Tauner östlich von Bühlenhausen. Eine Urkunde, die 1457, also im Jahr der Zusammenstellung des Lagerbuch, ausgefertigt wurde (Eberl/Martin 2000, 29 [StA Blaubeuren B25-25]), regelt einen zwischen Asch und Berghülen strittigen Viehtrieb.  Das Lagerbuch von 1457 nennt die Wüstung ebenso wenig wie das württembergische Lagerbuch von 1526, das allerdings unter Asch die Flurbezeichnung am Braithiler Weg kennt (Altwürtt. Lagerbücher II, 591). 
Bei der Flurbereinigung 1988 wurde in Flur Tauner jedoch ein bescheidenes römisches Gebäude sowie eine unmittelbar angrenzende, mit feiner schwarzer Erde verfüllte Hüle entdeckt und durch das damalige Landesdenkmalamt Tübingen gegraben (Klein 1988). Darin fanden sich neben einigen Silices und etwas vorgeschichtlicher Keramik vor allem römische und mittelalterliche Keramikscherben. In der Folgezeit hat H. Mollenkopf das Gelände intensiv begangen und weitere Fundkonzentrationen lokalisiert, die auf eine Einzelhofstruktur hinweisen könnten. Unter den Lesefunden liegen auch dicke Bodenscherben rauwandiger Drehscheibenware vor, die eine merowingerzeitliche Besiedlung andeuten. Bei den Untersuchungen an dem römischen Gebäude sind auch frühalamannische Funde geborgen worden (Klein 1988). In dem von H. Mollenkopf zusammengetragenen Fundspektrum (vergl. Schreg 2009) fehlen bislang Scherben der älteren gelben Drehscheibenware, doch ist nachgedrehte Keramik gut vertreten. Die Masse des Fundbestandes macht die spätmittelalterliche graue Drehscheibenware mit den typischen Karniesrändern aus. Darunter sind auch breite Karniesränder, so dass nach archäologischem Befund eine Besiedlung bis ins 15. Jahrhundert anzunehmen ist.
Lesefunde von H. Mollenkopf
aus der Wüstung Breithülen bei Treffensbuch
(Schreg 2009)


Egelsee
Von besonderem Interesse sind die Einträge im Blaubeurer Lagerbuch zu Egelsee. Hier sollen vor 1085 die Herren von Ruck ein Kloster gegründet haben, das aufgrund der Wasserproblematik (vgl. Archaeologik - künftiger Post) alsbald aber an den Blautopf nach Blaubeuren verlegt wurde (Tubingius 30f.). Der Name allerdings verweist auf einen kleinen See, von dem heute weit und breit nichts zu sehen ist (Reichardt 1986, 96f.). Der Chronist des Klosters Blaubeuren verweist 1521 darauf, "noch heute kann man dort Ruinen einiger ungewöhnlicher Gebäude sehen, und das kleine, dem heiligen Ägidius geweihte Kirchlein hat sich bis in unsere Zeit erhalten. Jetzt freilich ist auch dieses zerfallen und nur das Bildnis des Heiligen blieb übrig, das in einem steinernem Raume Schutz fand, der aus Trümmern der Kapelle und rohen Steinen errichtet und mit einem notdürftigen alten Dache ohne Ziegel überdeckt ist. Dieses Gemäuer liegt umhegt von mächtigen Buchen und Blutweiden, die aus den Ruinen emporwachsen, es umgeben und überschatten und fast dem Blick entziehen" (Tubingius 31). Noch 1356 taucht Egelsee aus Anlaß einer Teilung der Helfensteiner Herrschaft als wichtiger Besitz auf (UUB 2, Nr. 472), der zwischen mehreren noch bestehenden Ortschaften genannt wird. Vermutlich bestand Egelsee damals also noch als Siedlung.
Trockental bei Egelsee
(Foto: R. Schreg, 2013)

Das Lagerbuch von 1457 verzeichnet in Egelsee zahlreichen Besitz des Klosters. Er ist den umliegenden Orten Feldstetten, Westerheim und Laichingen zugewiesen. Die Ruinen des ehemaligen Klosters werden nicht - eben auch nicht als Landmarke oder Flurname - erwähnt. Bemerkenswert ist jedoch die Notiz von "6 tagwerch mads uff egelsew, ist ain brüwel" (71). Brühle waren meist Zubehör von Herrenhöfen. In Egelsee wird es jedoch bewirtschaftet von Ann Färin, die lediglich Inhaberin zweier Huben in Machtolsheim war.

Waltstetten bei Westerheim
Das Lagerbuch verzeichnet mads uff waltstetten unter Westerheim (42) und Machtolsheim (56).  Zwei Nennungen von 1412 und 1427, die die jüngere Oberamtsbeschreibung von Münsingen (OAB Münsingen 1912, 732) aufführt, bedürfen einer Verifizierung der Originalquelle. Die dort genannten Schreibweisen Walstetten bzw. Waldstetten lassen die unterschiedlichen Namensdeutungen Siedlung im Wald oder Siedlung der Welschen zu (Reichardt 1986, 317). Die Schreibung im Blaubeurer Lagerbuch mit t (Waltstetten) begünstigt die erstere Möglichkeit.

Waichstetten bei Laichingen (43)
Das Blaubeurer Lagerbuch führt unter Machtolsheim zahlreiche Besitzungen "uff waichstetten" auf. Meist handelt es sich dabei um Mähder. Bemerkenswert ist, dass das Blaubeurer Lagerbuch der ehemaligen Siedlung noch mehrere Flurnamen zuordnet. Sie hatte demnach ein in sich gegliedertes Territorium, wohl eine eigene Gemarkung.
Aufgeführt werden:
mads uff waichstetten haißt bircken (60v),
mads uff waichstetten haißt der härlisßgrund (62),
uff waichstetten an der kirchaldun (62, 63v)
mads uff waichstetten haißent das bomgärtlin (63), genannt das bomgärtlin (67v)
haissent mollen mad (63, 65)
haißt das enngerlin (63v)
haißt zum toten mann (64)
hinder waichstetten haissent Stainwiß lyt an kirchaldun (65)
haissent der Hof (64)
haissent des langen mad (66)
under waichstetten genannt mettz (67v)
Die Oberamtsbeschreibung von 1830 vermerkt, dass das Feld Weichstetten noch einen besonders vermarkten Bezirk darstellt, der zwischen den Einwohnern von Machtolsheim und Laichingen geteilt ist (OAB Blaubeuren 172). Im 16. Jahrhundert kam es wegen der Weiderechte in Waichstetten mehrfach zu Streitereien zwischen den anliegenden Ortschaften, die erst 1855 geregelt wurden (OAB Münsingen 1912, 732).
In WUB I, Nr. 136 (861) wird Uueisteti bereits in der Gründungsaustattung des Klosters Wiesensteig genannt.
Der Name bedeutet "Siedlung des Weich" (Reichardt 1986, 322).


Bubenweiler bei Gosbach
Bei Gosbach liegt oberhalb des oberen Filstals die Wüstung Bubenweiler, für die das Lagerbuch "holtzmeder uff der alb in bubenwyler" (93) bzw. "holtzmeder im bubenwyler" (94), aber auch Ackerland ("Jucharten im bubenwyler [94v]) nennt. Der Flurname Bubenweiler zeigt grob die Lage der Wüstung an, doch bleibt - wie so oft - unklar, ob der Flurname die alte Siedlungslage oder - eher - deren Wirtschaftsland bezeichnet.
Die Albhochfläche südlich von Gosbach. Vorne im Bild das Areal der Wüstung
Bubenweiler.
(Foto R. Schreg, 2009)

Ulrichstetten bei Gruibingen
Mehrfach führt das Lagerbuch Besitzungen von Ackerland bei Gruibingen auf, das in Juchart bemessen "vor Ulrichstetten, im Esch gegen Kornberg" (96, 97, 101v, 103v) liegt.


Mögliche weitere Wüstungshinweise
An verschiedenen Stellen nennt das Lagerbuch von 1457 weitere Flurnamen, bei denen unsicher bleibt, inwiefern sie eventuell auf weitere abgegangene Siedlungen verweisen. Bisweilen wird der Verdacht dadurch bestärkt, dass es sich um Mähder handelt, die sich mehrfach als die charakteristische Nachnutzung eines Wüstungsareals erwiesen haben.
Zu nennen sind:
  • Ramslouch bei Laichingen
    Unter Laichingen werden 3 tagwerch mads gelegen uff Ramslouch (42v ) aufgeführt, 7 weitere gehören zu halben Huben. Unter Westerheim werden  "2 Jucharten in Ramlouch" und "40 mads in Ramßlouch" (39) genannt.
  • Fürbuch bei Laichingen
    mads uff fuwlouch (43), mads vor fürbuch (44)
  • Wangen und Breitenbrunn bei Westerheim
    mads zu braitembrunn (40), mads hinter wangen

Besitzungen am Lonetal
Weiter östlich,  bei den Besitzungen von Reutti, Amstetten, Urspring, Lonsee und Halzhausen scheinen im Lagerbuch keine Wüstungen auf. Blaubeuren hatte hier allerdings auch nur relativ geringen Besitz, so dass dies dem Zufall geschuldet scheint. Tatsächlich sind auch dort, am Oberlauf der Lone und auf den angrenzenden Flächen der Alb zahlreiche Wüstungen zu erschließen. Das Helfensteiner Urbar von 1415 stellt dazu eine zentrale Quelle dar. Laufende landschaftsarchäologische Forschungen auf der Stubersheimer Alb versuchen unter Einsatz geophysikalischer Prospektionsmethoden ein genaueres Bild der Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte zu zeichnen (siehe Vergessene Siedlungen - Großflächige Geophysikalische Prospektion auf der Schwäbischen Alb. Archaeologik [21.4.2012]). Dabei zeigt sich, dass den drei existenten Orten im Arbeitsgebiet rund 8-14 abgegangene mittelalterliche Siedlungsstellen gegenüber stehen.

Einige Schlussfolgerungen

1.) Meist sind die Wüstungsareale als Mähder in die Wirtschaftsflächen der weiter bestehenden Siedlungen integriert,  seltener liegen sie aber innerhalb der im Rahmen der Dreizelgenwirtschaft bestellten Ackerflächen. In der Mehrzahl der Fälle deuten lediglich Flurnamen und die Nutzung der betreffenden Flächen als Mähder auf die ehemalige Siedlung hin. In einigen Fällen aber, sind die Konturen der abgegangenen Siedlungen noch deutlicher. So präzisiert das Lagerbuch bei Waichstetten die Angaben der genannten Flurstücke - hier eben auch Äcker - mit der angabe von Flurnamen, die auf die Siedlung Waichstetten bezigen werden. Im Falle der Wüstungen um Berghülen erweisen sich diese teilweise noch als eigene Rechtsbezirke. So zeigen sich an mehreren Orten Umstrukturierungen der Feldflur und des Siedlungsgefüges. Die 1457 anzutreffenden Zustände waren sehr unterschiedlich, wobei es unsicher bleiben muss, ob man hier unterschiedliche Stufen der Wüstung und Integration in die überdauernden Siedlungen zu fassen bekommt. So verlockend es ist, ohne weiter gehende Untersuchungen ist es leider nicht möglich, Wüstungen die nur noch in ihren Namen zu fassen sind und als Mähder genutzt werden, früher zu datieren als Wüstungen, deren Ackerland noch bestellt wird oder die sogar noch als eigener Rechtsbezirk bestanden. 

2.) Obgleich die Wüstungen auf der Schwäbischen Alb schon verschiedentlich die Aufmerksamkeit der Forschung gefunden haben, steht eine systematische Zusammenstellung, die modernen Ansprüchen an eine Quellendokumentation genügen könnte, noch immer aus. Noch immer ist die Zusammenstellung der Wüstungen durch Weber 1927 grundlegend, da jüngere Kartierungen ohne detaillierten Nachweis geblieben sind (Hist. Atlas Baden-Württemberg; Grees 1982). Die etwas ausführlichere Dissertation von I. Veith (1957) blieb ungedruckt und liefert ebenfalls nur tabellarische Übersichten. Archäologische Beobachtungen und historisch-geographische Fluranalysen liegen nur in Ausnahmefällen vor.

3.) Der im Lagerbuch dokumentierte Besitz des Klosters Blaubeuren und die dabei fassbaren Wüstungen erstrecken sich nur ganz randlich bis in das Gebiet des Schwäbischen Vulkan. Ganz häufig liegen dort die alten Ortskerne auf vulkanogenem Gestein, dessen Wasserundurchlässigkeit auf der ansonsten wegen des Karstuntergrundes wasserarmen Albhochfläche wichtige Ansatzpunkte zur Besiedlung bot. Unter den im Lagerbuch von 1457 genannten Orten sind Zainingen und Feldstetten solche Dörfer, die auf Vulkanschloten liegen. Die Wüstungen in ihrer Umgebung - Nattenbuch, Kaltenbuch und Engelburg - lassen solch einen Bezug jedoch vermissen.  Ein grober Vergleich der Wüstungskartierung von H. Grees (1982) mit der geologischen Karte bestätigt, dass die Siedlungslagen von Wüstungen kaum auf Vulkanschlote Bezug nehmen. Daraus lässt sich folgern, dass die wasserstauenden Schichten ein wesentlicher Faktor waren, der zum Überdauern, oder vielleicht sollte man sagen: zur Resilienz der betreffenden Siedlungen beigetragen hat.
Mitten durch das Aufzeichungsgebiet des Lagerbuchs zieht die Klifflinie des miozänen Meeres. Nördlich liegt die rauhere Kuppenalb, südlich davon die Flächenalb. In vorgeschichtlicher Zeit scheint die Flächenalb stärker besiedelt gewesen zu sein, jedenfalls bleiben neolithische Fundstellen weitgehend auf die Flächenalb beschränkt und erst mit der späten Bronzezeit ist eine umfangreichere Siedlungstätigkeit auf der nördlich anschließenden Kuppenalb zu registrieren. Im Mittelalter scheinen zumindest in einigen Teillandschaften - so am Lonetal - Ortsnamen des sog. Landesausbaus im Raum nördlich der Klifflinie bestimmender zu sein. Das Blaubeurer Lagerbuch zeigt keine eindeutigen Unterschiede in der Wüstungshäufigkeit. Erforderlich ist eine Analyse der Abgabeleistungen einerseits und eine vollständige Aufnahme der Wüstungen auf einer breiteren Quellenbasis.

4.) Die Kombination einer Auswertung schriftlicher Quellen, wie sie hier nur sehr kursorisch angegangen werden konnte, mit großflächiger geophysikalischer Prospektion verspricht nähere Auskünfte über die Siedlungsentwicklung und wird in einigen Fällen auch dazu beitragen können, das Phänomen der spätmittelalterlichen Wüstungen in seinem vielfältigen Hintergründen besser zu verstehen. Die laufenden Untersuchungen auf der benachbarten Stubersheimer Alb mit der Kombination von Feldbegehungen mit Einzelfundeinmessungen, Luftbildarchäologie, Geophysik, Sammlungsauswertungen und einer geographischen Analyse der schriftlichen Quellen wie der Flurnamen bieten in den kommenden Jahren eine erste Fallstudie.

Quellen und Literatur


  • Altwürtt. Lagerbücher II
    Altwürttembergische Lagerbücher aus der österreichischen Zeit 1520-1534 II. bearb. v. P. Schwarz. Veröff. Komm. gesch. Landeskunde A,2 (Stttgart: Kohlhammer 1959).
  • Eberl/Martin 2000
    I. Eberl/ J. Martin (Hrsg.), Urkunden aus Blaubeuren und Schelklingen. Regesten aus den Stadtarchiven Blaubeuren und Schelklingen sowie dem Pfarrarchiv Schelklingen. Alb und Donau. Kunst und Kultur 23 (Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft 2000). - ISBN 3-98066-642-5
  • Gemeinde Berghülen 2000
    Gemeinde Berghülen (Hrsg.), Berghülen mit Bühlenhausen und Treffensbuch. 900 Jahre lebendige Geschichte einer Gemeinde (Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft 2000). - ISBN 3-88294-300-9
  • Grees 1982
    H. Grees, Die abgegangenen Siedlungen auf der Münsinger Alb. In: Münsingen. Geschichte - Landschaft - Kultur (Sigmaringen: Thorbecke 1982) 476-488. - ISBN 3-79954-046-6
  • Hedinger 1898
    A. Hedinger, Alte Erzschmelzstätte auf dem Natterbuch. Fundber. Schwaben 6, 1898, 61–62. 
  • Kerler 1840
    H.F. Kerler, Geschichte der Grafen von Helfenstein (Ulm 1840) - online bei GoogleBooks Bd. 1 ; Bd. 2 (Urkunden)
  • Klein 1988
    F. Klein, Ein römisches Gebäude bei Berghülen, Alb-Donau-Kreis. Arch. Ausgr. Baden-Württemberg 1988, 161–163.
  • Lagerbuch 1457
    Güter und Untertanen des Klosters Blaubeuren im Spätmittelalter. Das Lagerbuch von 1457. bearbeitet von St. J. Dietrich. Documenta Suevica 6 (Konstanz: edition Isele 2005)
  • Lonhart 1963
    O.-G. Lonhart, Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte einer schwäbischen Benediktinerabtei. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg B 25 (Stuttgart: Kohlhammer 1963). 
  • OAB Blaubeuren
    Beschreibung des Oberamts Blaubeuren (Stuttgart 1830). - online bei GoogleBooks
  • OAB Münsingen 1825
    Beschreibung des Oberamts Münsingen (Stuttgart, Tübingen 1825). - online bei GoogleBooks
  • OAB Münsingen 1912
    V. Ernst (Hrsg.), Beschreibung des Oberamts Münsingen (Stuttgart: Kohlhammer 1912)
  • Reichardt 1986
    L. Reichardt, Ortsnamenbuch des Alb-Donau-Kreises und des Stadtkreises Ulm. Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde Baden-Württemberg B 105 (Stuttgart: Kohlhammer 1986). - ISBN 3-17009-430-0
  • Schreg 2009
    R. Schreg: Das ländliche Umfeld des mittelalterlichen Ulm – eine umwelthistorisch-archäologische Perspektive. In. U. Gross/ A. Kottmann/ J. Scheschkewitz (Hrsg.), Pfalz Ulm. Arch. Inf. Bad.-Württ. 58 (Stuttgart 2009) 74-92.
  • Strübel/Weingardt 1985
    O. Strübel/M. Weingardt, Abgegangene Siedlungen auf unserer Markung. In: W. A. Ruopp/O. Strübel (Hrsg.), 900 Jahre Seißen glei bei Blaubeura. Beiträge zur Heimatkunde eines Albdorfes (Sigmaringen 1985) 73–79. 
  • Tubingius
    Christian Tubingius, Burrensis Coenobii Annales. die Chronik des Klosters Blaubeuren, bearb. v. G. Brösamle. Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde 3 (Stuttgart: Müller & Gräf 1966).
  • Urbare Kaisheim 1319-1352
    Die ältesten Urbare des Reichsstiftes Kaisheim 1319-1352, bearb. v. H. Hoffmann. Schwäb. Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für Bayerische Landesgeschichte Reihe 5, Urbare Bd. 1 (Augsburg 1959).
  • Veith 1957
    I. Veith, Wüstungen im Neckarland und auf der Schwäbischen Alb. Inauguraldissertation (Tübingen 1957).
  • Weber 1927
    D. Weber, die Wüstungen in Württemberg. Stuttgarter Geographische Studien 4/5 (Stuttgart 1927).

Änderungsvermerk
11.7.2013: Karte ausgetauscht, redaktionelle Textkorrektur

Kommentare:

LESEFUNDE BLAUBEUREN hat gesagt…

Das ist nebenbei eine sehr wohltuende Würdigung eines langjährigen, Ehrenamtlichen Mitarbeiters der Denkmalpflege, wenn es auch posthum geschieht. Ich erinnere mich noch an eine Aussage von Dr. Strien anlässlich eines Neolithikum-Seminars in Esslingen. Die Frage an ihn war sinngemäß, warum es sein kann, dass den "Ehrenamtlichen" oder in anderer Weise der Denkmalpflege zu arbeitenden Mitarbeiter so wenig Anerkennung und Würdigung ihrer Arbeit im Gelände zu teil wird. Sinngemäß antwortete Dr. Strien so, wie einst Helmut Kohl seine Arbeit beschrieb: Es geht bei der überzeugten Arbeit die zu Lebzeiten keine Würdigung finde jedem wie dem Förster, dessen Bäume erst Schatten spenden, wenn er längst nicht mehr ist. Dr. Strien sagte, "die Funde und Beobachtungen die Sie dokumentieren verlieren ihre Aussagekraft nie und bleibt damit sinnvoll." Die Zuhörer quittierten es mit Gelächter, da sie Erwartungen zu Lebzeiten hegen. Ihr Post ist eine Bestätigung von den Aussagen Dr. Strien's und versönlich. Mit dem Lagerbuch das Sie zur Grundlage machten sind die Quellen noch nicht erschöpfend konsultiert, wie Sie ja auch schreiben. Der "Heimatforscher" vor Ort hat oft so detaillierte Kenntnisse, die diese geschichtlichen Quellen noch ergänzen können.Dass deren Erkenntnisse in wissenschaftliche Arbeiten einfließen, sehe ich mit Genugtuung. R.B.

alexnikanor hat gesagt…
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