Samstag, 26. März 2016

Stanley South (1928-2016) - “Father of American Historical Archaeology”

In Deutschland war Stanley South nur wenig präsent, aber in den USA galt er als einer der Väter der Historischen Archäologie. 1960 organisierte er die "conference on historic site archaeology", die u.a. die von Anfang an engen Beziehungen der amerikanischen Historical Archaeology zur Denkmalpflege bzw. zum 'site management' aufzeigt. 1977 erschien sein Buch "Method and Theory in Historical Archaeology", das basierend vor allem auf Grabungen in Brunswick Town die archäologische Forschung als einen Prozess zwischen Feldbeobachtungen, Theorie und Hypothesenbildung skizzierte. South war damit ein Vertreter der New Archaeology bzw. Processual Archaeology, die auch in der Historischen Archäologie bald durch strukturalistische, symbolische und schließlich poststrukturalistische Ansätze ergänzt wurde.

Grabungsbefunde in Brunswick Town
(Foto: Flikr user found_drama [CC BY SA 2.0]
via Wikimedia Commons)
Brunswick Town in North Carolina (http://www.nchistoricsites.org/brunswic/brunswic.htm) war eine 1736 von englischen Kolonisten gegründete  Hafenstadt, die Sitz des königlichen Gouverneurs von North Carolina wurde, dann aber während der amerikanischen Unabhängigkeitskriege allmählich verlassen wurde. South nutzte die Grabungen, die er in den 1950er und 60er Jahren durchführte, für grundlegende methodische Studien zu Formationsprozessen und statistischen Auswertungen von Fundinventaren.

1994 reflektierte South die Anfänge einer historischen Archäologie in den 1920er Jahren, indem er in einem Band "Pioneers in Historical Archaeology: Breaking New Ground" die Erinnerungen mehrerer dieser Pioniere herausgab.

South war zwar eine Generation jünger, aber er war mit seinen grundlegenden Überlegungen selbst ein Pionier der Historischen Archäologie. Er war zunächst als State Archaeologist in North Carolina und dann von 1969 bis zu seiner Pensionierung 2001 als Professor am South Carolina Institute of Archaeology and Anthropology der University of South Carolina tätig. 

Im Alter von 88 Jahren ist Stanley South am 20.3.2016 in Columbia, South Carolina verstorben.

Nachrufe

Mittwoch, 23. März 2016

Zweifel an Nofretete

Im Dezember 2015 sind die Künstler Nora al Badri und Jan Nikolai Nelles mit einer Aktion an die Öffentlichkeit getreten, mit der sie auf die andauernde kolonialistischen Ansprüche des Kulturbetriebs und den illegalen Handel mit Antiken aufmerksam machen wollte. Sie hätten heimlich im Neuen Museum in Berlin die originale Büste der Nofretete gescannt und die Daten im open access als Public Domain online gestellt. Am 4.1. habe ich auch auf Archaeologik über den Raub-Scan der Berliner Nofretete-Büste gepostet.

Inzwischen werden Stimmen laut, die die Scan-Geschichte anzweifeln:
Fraglich ist, ob die Angaben, wie der Scan entstanden ist, richtig sein können. Das sei nicht möglich, vielmehr sollen die Daten wohl von einem im Netz verfügbaren professionellen Scan der Büster geklaut.
Eine Stellungnahme der Stiftung Preussischer Kulturbesitz betont, dass noch nicht definitiv geklärt sei, ob die durch Nelles / Al-Badri zur Verfügung gestellten Daten tatsächlich durch einen Scan des Originals im Museum entstanden seien. Die Stellungnahme begründet das Fotografierverbot in dem betreffenden Ausstellungsraum und stellt den Umgang mit Digitalisaten und die Bedeutung des Open Access dar. Im Augenblick sehe die SPK keinen Anlass, juristisch zu reagieren.
Unabhängig vom konkreten Fall und seinen fragwürdigen Umständen wirft die Aktion aber ein Licht darauf, wie sensibel der Umgang mit Forschungsdaten auch für die Öffentlichkeit ist.

Weitere Links zur Kunstaktion

Interner Link


Freitag, 11. März 2016

Indyfromspace is watching you! – Langzeitbeobachtung von Raubgrabungen an ägyptischen Fundstätten per Satelliten

Jutta Zerres

Ursprünglich wollten S. Parcak, Ägyptologin an der Universität Alabama at Birmingham und ihre Mitarbeiter via Aufnahmen aus dem All in Ägypten nach unentdeckten antiken Stätten suchen. Dabei beobachteten sie in zunehmendem Maße Spuren von Raubgrabungstätigkeit und anderen Zerstörungen und begannen diese Aktivitäten systematisch für den Zeitraum von 2002 bis 2013 zu dokumentieren. Nun legte das Team um Sarah Parcak einen Bericht zu ihrer Studie vor. 


Das Team um S. Parcak stellte eine Liste von 1100 ägyptischer Fundstätten unterschiedlichster Art und Zeitstellungen zusammen, die Jahr für Jahr mit Hilfe von Google Earth Pro (GEP) beobachtet wurden. Es wurde nicht nur auf das Auftreten von Raubgrabungslöchern, die sich auf Satellitenbildern als schwarze Flecken mit hellen Umrandungen im Wüstensand abzeichnen, geachtet, sondern auch auf die Entwicklung der modernen Bebauung und landwirtschaftlicher Tätigkeit in der Nachbarschaft von Fundplätzen. Diese stellen neben Raubgrabungen eine weitere, nicht zu unterschätzende Bedrohung des archäologischen Erbes dar.

An 267 der 1100 Stätten konnten Plünderungen und/oder die Ausdehnung von Bebauung/ landwirtschaftlicher Aktivitäten nachgewiesen werden.
Dabei verlief die Entwicklung dieser Vorgänge nicht regelmäßig, sondern war Schwankungen unterworfen. Parcak konnte einen ersten signifikanten Anstieg der Raubgrabungstätigkeit für 2009 belegen. Ab 2011, dem Jahr des Arabischen Frühlings kommt es zu einer weiteren Intensivierung. Besonders betroffen waren das Nildelta, Fundstätten südlich von Kairo (z. B. am Pyramidenfeld von Dahshur) und in Mittelägypten. 
Snofru-Pyramide von Dashur
(Foto: Michael Höfner [CC BY SA 2.5] via Wikimedia Commons)

Parcak setzte ihre Beobachtungen zum Verlauf der Raubgrabungsaktivitäten in Beziehung zur gleichzeitigen ökonomischen und politischen Entwicklung des Landes. In den Jahren 2008/09 kam es zur weltweiten wirtschaftlichen Krise, die sich in Ägypten im Niedergang des Tourismus sowie im Anstieg des allgemeinen Preisniveaus und der Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Männern bemerkbar machte. Parcak konnte somit aufzeigen, was schon lange immer wieder geäußert, aber nie deutlich belegt wurde, nämlich, dass die ökonomische und innenpolitische Situation Ägyptens einen Einfluss auf die Plünderung und Zerstörung des archäologischen Erbes hatte. 

Parcak und ihr Team stellten weiterhin einen Bezug ihrer Ergebnisse zur Entwicklung des Angebotes ägyptischer Antiken in internationalen Auktionshäusern her. Dabei postulierten sie einen klaren Zusammenhang der Entwicklung der Raubgrabungsaktivitäten mit dem Anstieg des Angebotsvolumens im Handel. Eine Untersuchung dazu hatte der Brite D. Gill von der Universität Suffolk bereits vorgelegt: Während beim Auktionshaus Sotheby’s im Jahr 2002 ägyptische Antiquitäten noch im Wert von $3 Mio. versteigert wurden, stieg der Erlös für diese Objekte im Jahr 2010 auf $13 Mio. an.

Die Satellitenbildanalyse ermöglicht Voraussagen über Gattungen und Zeitstellungen von Objekten, die mit großer Wahrscheinlichkeit demnächst auf dem Markt auftauchen werden. Parcak liefert mit ihrer Studie eine wertvolle Hilfe bei der Überwachung und Erforschung des illegalen Antikenhandels.


Links

Dienstag, 8. März 2016

An exemplary mission for Archaeology

by Constanze Röhl

Archaeology can serve as a means of ’social activism at its best’, as it was proven in a recent project which took place in Ein Lamur close to Abu Ghosh.

A community dig - which can be found documented in a short video on ’Ein Lamur / Ein Limon - עין לימון /עין למור’ - headed by Gideon Sulymani of Emek Shaveh served to highlight the benefits of archaeological work for contemporary society. 

(Hebrew with English subtitles - https://www.youtube.com/watch?v=tPNSjoBmxSw).

Emek Shaveh is
’... an organization of archaeologists and community activists focusing on the role of archaeology in Israeli society and in the Israeli-Palestinian conflict. We view archaeology as a resource for building bridges and strengthening bonds between different peoples and cultures, and we see it as an important factor impacting the dynamics of the Israeli-Palestinian conflict. Our fundamental position is that an archaeological find should not and cannot be used to prove ownership by any one nation, ethnic group or religion over a given place. We believe that the archaeological find tells a complex story which is independent of religious dictates or traditional stories, and that listening to this story and bringing it to the wider public can enrich culture and promote values of tolerance and pluralism.’ (http://alt-arch.org/en/about-us/)


Following this notion of the discipline, G. Sulymani explains the very understandable intial concerns prevalent in the local community - in particular the fear of an instrumentalisation and the misuse of archaeological results in order to corroborate political issues - before the project successfully took place with the participation of the inhabitants of the local Israeli Arab village of Ein Rafa.

Indirectly, two further vital contemporary socio-political problems are being adressed in this short documentary. Simply via the choice of site and its connection to questions of water management in antiquity, the in particular nowadays important environmental aspect is given food for thought.

Furthermore, in a very unobtrusive manner - via the choice of footage - a positive perspective on intercultural relations is present as well.
Israelisch-arabische Grabungen in Ein Lamur
(mit freundl. Genehmigung von Emek Shaveh)

Ala Barhoom als Vertreter der lokalen Gemeinde und der israelische Archäologe Gideon Sulymani erklären gemeinsam arabischen Kindern die Grabungen in Ein Lamur
(mit freundl. Genehmigung von Emek Shaveh)


Projects like this bridge the gap to the present, and showcase the potential for immediate benefits in modern society which can be gained from the past via the discipline of Archaeology; true to the below stated Archaeological Principles Emek Shaveh stands for.

Emek Shaveh: Archaeology – Outline of Principles (http://alt-arch.org/en/about-us/)

1. We believe that archaeology can and should be used to promote understanding, not conflict.  Archaeology can further the peace of Jerusalem.

2. Our archaeology provides a rich tapestry of the lives of people in Jerusalem, allowing everyone to find their own links to the past.

3. Our archaeology is not text-bound or selective: it serves to tell an inclusive and independent story of human existence, culture, and achievement.

4. We do not assign different values to different cultures: all strata contribute to an understanding of Jerusalem’s history on equal terms.

5. It is not our business to establish links between modern ethnic identities (e.g., Palestinians, Israelis, or Europeans) and ancient ones (e.g., Judeans, Canaanites, or Crusaders). We do not use archaeology to prove precedence.

6. Since archaeology provides an independent view of human and social origins, it is inherently critical of all historical narratives.

7. Where archaeological and textual narratives overlap, each serves to illuminate the other: both are interpretive, neither has absolute truth-value.

8. Since archaeologists appropriate public property, the use they make of this property must be justified, particularly to the public whose property was appropriated.

Links


Interne Links

Samstag, 5. März 2016

Erfahrungen mit Archaeologik

Der Tagungsbeitrag der DGUF-Tagung 2015 in Tübingen über die Erfahrungen mit Archaeologik (vergl. Archaeologik 17.4.2016) nun nach Peer Review online:
 Weitere Beiträge der Tagung finden sich derzeit unter http://www.dguf.de/index.php?id=9 (später auf http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf). Die Tübinger Thesen, die im Kontext der Tagung entwickelt wurden, unter: http://www.dguf.de/index.php?id=382.

Interne Links

Donnerstag, 3. März 2016

Kulturgut in Syrien und Irak, Februar 2016

Aus Zeitgründen und etwas verspätet wiederum nur eine weitgehend unkommentierte und kürzere Linkliste zu den Meldungen vom Februar, die sich auf Syrien konzentrieren.

Neue Presseberichte zu Syrien und Irak


        Schadensmeldungen

        regelmäßige Schadensberichte:
        ASOR-Berichte

          Überblick:
          Aleppo:
          als Nachtrag:
          Zerstörungen am Krak des Chevaliers im Dronenflug:
          Raubgrabungsfunde sichergestellt:
          Aus Palmyra liegen nun nach Monaten Videoaufnahmen der Zerstörungen vor:
          Neben Raubgrabungen und Kriegszerstörungen werden nach Jahren der denkmalpflegerischen Vernachlässigung gehen auch Zerfall und Verwahrlosung (inklusive Vandalismus)  zunehmend an die Substanz:
          Der Krieg betrifft nicht nur die Menschen und ihre Kulturgüter, sondern auch die Natur: Zerstörung von Olivenbaumkulturen, Ackerland, Verschmutzung durch chemische und radioaktive Rückstände der Waffen, Verschmutzungen durch zerstörte Industrieanlagen und natürlich auch durch explosive Blindgänger und Minen:

              Maßnahmen

              Blauhelme als Monuments Men
              3D-Modelle
              Am 18.2.2016 ging in Deutschland das neue Kulturgutschutzgesetz im Bundestag in die erste Lesung. Einen sinnvollen Beitrag zur Lösung der Raubgrabungsproblematik wird es mit seinen Fristen- und Ausnahmeregelungen nicht liefern:
              Kunstaktionen

                    Links