Posts mit dem Label Corona werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Corona werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. Januar 2021

Die historische Dimension unserer Corona-Krise (1) - Wie werden aktuell historische Pandemien präsentiert?

Im März 2020, als sich die Corona-Situation in einer ersten Welle verschärfte, brachten viele Medien auf einmal historische Seuchengeschichten (Archaeologik inclusive). Im Sommer ebbten sie ab und im Herbst rollte nur eine sanfte zweite Welle, bei der es nicht zuletzt um Impfungen ging. Ende 2020 hat das Thema auch den Buchmarkt erreicht. Autoren sind Journalist*innen, aber auch Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen - klassische Historiker, Medizinhistoriker, aber auch Archäologen. 

Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)

Wir werfen hier einen Blick auf solche Berichte, mit der Frage, was sie uns eigentlich sagen wollen? Sind das Orientierungshilfen, Durchhalteparolen, Schreckensszenarien oder schlicht schauerliche Unterhaltungstexte? Ziel ist hier keine tief schürfende Analyse aller Texte, sondern ein rascher Überblick, die verdeutlichen mag, dass die Geisteswissenschaften bei der Einordnung und Bewältigung der Krise helfen. Zugleich mag dieser Post eine erste Materialsammlung sein, um später zu beurteilen, wie sie sich dabei geschlagen haben, welche Narrative Karriere gemacht haben und wo Entwicklungsbedarf für die Wissenschaften besteht, Unter diesem Aspekt ist es wichtig, gerade auf die populärwissenschaftlichen Publikationen und nicht so sehr auf die Fachbeiträge zu schauen.

Der Historiker Martin Bauch machte schon zu Beginn der Corona-Epidemie in Deutschland im Mittelalter-Blog auf die Chancen aufmerksam, die historische Daten für das Verständnis von Seuchen liefern - nicht nur bezüglich der Pest mit ihren hohen Todesraten.

Tatsächlich brachten zahlreiche Zeitungen, Websites und Blogs historische Rückblicke auf vergangene Epidemien. Hier reiht sich übrigens - neben den Coronabeiträgen auf Archaeologik - auch ein eigener Beitrag in der Zeitschrift Archäologie in Deutschland ein:

Hier seien einige davon gesammelt und unter dem Aspekt des Lernens aus der Geschichte thematisiert. Bewusst geht es hier weniger um wissenschaftliche Fachbeiträge, sondern um Darstellung in den Medien - Zeitungen, Radio, Fernsehen, aber in Auswahl auch auf Blogs - da hier die Narrative bzw. die Intentionen der Vergleiche deutlicher hervortreten. 

Historisches Vergleichen

Einige der Artikel zielen ausdrücklich auf Lehren aus der Geschichte. “Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie spiegelt sich in dem, was gegenwärtig passiert. “ konstatiert Jakob Simmank in der Zeit. Es liegt hier klar auf der Hand, dass es um einen historischen Vergleich geht. Dass dies nicht unproblematisch ist, ist bekannt. Volker Reinhardt, Professor für allgemeine und Schweizer Geschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg i. Ü. meint  im Feuilleton der Neuen Zürcher Zeitung, jeder Vergleich hinke, denn jede Konstante - und als solche sieht er Epidemien hätten “es irritierenderweise an sich, von Variablen begleitet und dadurch wesentlich verändert zu werden”. Das stimmt. Aber Reinhardt meint weiter: “Der Volksmund fasste das in eine tiefe, von den Historikern bis heute ungenügend berücksichtigte Wahrheit”. Nun ist es aber gerade eine klassische Position der Geschichtswissenschaft, dass jede Epoche aus sich heraus verstanden werden müsse und Vergleiche daher nicht zielführend und zulässig seien. Das ist zwar eine Position, die dem Historismus des 19. Jahrhunderts entstammt, aber noch immer stehen Historiker einer vergleichenden Perspektive skeptisch gegenüber. Hier ist es wichtig zu differenzieren, wozu der Vergleich dienen soll: um Lehren für heute zu ziehen, oder um Vorgänge der Vergangenheit zu verstehen. Bei letzterem kann der Vergleich heuristisch helfen, die richtigen Fragen zu stellen.
Deshalb lohne sich ein Vergleich “nicht, um daraus Lehren zu ziehen, die es wegen der ganz unterschiedlichen Zeitverhältnisse und Zeitbefindlichkeiten nicht geben kann, sondern um nüchtern nebeneinander zu stellen”, so Reinhardt. Er greift dazu auf die spätmittelalterliche Grippe zurück und unternimmt also doch einen Vergleich, vergibt gar Punkte:



Pest 1348

Covid-19 2020

Opferzahlen

etwa ein Drittel der Bevölkerung

selbst nach den “pessimistischsten Prognosen apokalypseverliebter Virologen” nichts dergleichen 

Ursachenkenntnis

nein

ja

Sinnstiftung

Strafe Gottes
als Folge Pogrome

abenteuerliche Verschwörungsgerüchte im Web und “gelegentlich auch xenophobe Töne sind keine Entsprechung zu 1348”, 

Verbreitungsgeschwindigkeit

langsam

schnell

soziale Beziehungen

“Anarchie im Zeichen des krassen Überlebens-Egoismus”

durchorganisierte Wohlfahrts- und Vorsorgestaat - Furcht vor Versagen als Nachklang von 1348

Machtverschiebung

soziale Revolution

?

kulturelle Folgeerscheinungen

Die künstlerische und intellektuelle Elite münzte die Epidemie in einen Hymnus auf das Leben und den Lebensgenuss um. 

“Das und die damit verbundene Gelassenheit sollte sich die Gegenwart trotz ihrem klaren Punktsieg zu eigen machen und bei aller vernünftigen Vorsicht gegenüber dem Coronavirus auch nachahmen.”





Für mich ist die Zählweise für den Punktestand nicht nachvollziehbar. Sie impliziert auch, dass es um einen quantifizierenden Vergleich besser-schlechter geht. Solches verweist auf eine weitere Funktion des Vergleichens, nämlich das Relativieren. Wir kennen dieses Prinzip sehr gut aus diversen Debatten um die NS-Vergangenheit, wo solche Relativierungen meist zu Recht Empörung hervorrufen, da sie gezielt mit Hilfe eines Vergleiches verharmlosen.

Problematisch ist daran indes nicht das Vergleichen und Relativieren an sich, sondern die Intention dahinter. Vergleichen und Relativieren sind auch eine wichtige wissenschaftliche Methode. Problematisch wird es dann, wenn von vornherein eine bestimmte Absicht verfolgt wird und die Intention eine nicht-wissenschaftliche ist.

Die Relativierung bei Reinhardt ergibt sich aus einem einigermaßen systematischen Vergleich und zielt letztlich auf eine Vorbildfunktion, empfiehlt er doch, wir sollten uns die “Gelassenheit” nach der Pest “ zu eigen machen und bei aller vernünftigen Vorsicht gegenüber dem Coronavirus auch nachahmen.”

Jeder Übertrag von Erkenntnissen aus der Vergangenheit, sei es im Sinne einer “applied archaeology” oder der Vorbildfunktion, setzt eine gründliche Analyse der Vergangenheit voraus. Ein Feuilleton-Artikel kann das natürlich nicht in der nötigen Tiefe vornehmen und so scheint die Charakterisierung der Folgen der Pest als “ soziale Revolution” zunehmendem Lebensgenuss als reichlich verkürzt. Die Zusammenhänge - Voraussetzungen, Folgen, Kausalitäten- richtig einzuschätzen, ist hier ganz wichtig, aber eben eine der schwierigsten Aufgaben der Geschichtswissenschaft.

Bei den meisten Artikeln steht das Lernen aus der Geschichte im Mittelpunkt. Eine andere Perspektive nimmt der Zeithistoriker Martin Sabrow aus Potsdam ein, der mehr auf die Historisierung der aktuellen Covid-19-Pandemie achtet, zu dessen Einordnung Vorläufer und Kontinuitätslinien bzw. Zäsuren erinnert werden. Insgesamt blieben Geisteswissenschaftler und auch Geschichtswissenschaftler in der Diskussionen über die Pandemie relativ still, obgleich ihre Kernkompetenz ja die Einordnung von Ereignissen darstellt. Das Logbuch Corona Geisteswissenschaften bot hier eine Diskussionlattform, einerseits über die geisteswissenschaftliche Dimension des konkreten Umgangs mit der Krise, andererseits aber auch die Rolle der Geisteswissenschaften selbst. Reflektiert wurde beispielsweise der Begriff "systemrelevant",  die Rolle des Föderalismus aber auch die Einschränkung von Freiheitsrechten.
Eine These daraus: "Die Geisteswisenschaften hätten sich durch stark selbstbezogene Debatten und einer gewissen Überfeinerung ihrer themen selbst ins Abseits der Öffentlichkeit gespielt" (G. Chadzoudis). Geisteswissenschaftler seien es nicht gewohnt, schnell und präzise auf etwas zu antworten. 
 
Mir scheint, dass - bezogen auf Archäolog*innen und Historiker*innen eine wesentliche Schwierigkeit auch darin zu liegen, dass sie trainiert sind, eine spezifische zeitliche Situation im Detail und quellenorientiert zu analysieren, um exakt die Situation zu beschreiben und die jeweils konkreten Zusammenhänge zu verstehen. Das ist eine Stärke des Fachs, bewirkt aber auch, dass es schwer fällt, auf allgemeinere Strukturen zu abstrahieren,

Ein Interview mit Flurin Condrau, Professor für Medizingeschichte an der Universität Zürich beispielsweise hält jeden Vergleich zwischen der Pest des Spätmittelalters und der Corona-Pandemie für unzulässig. Er verweist dazu auf die konkreten Unterschiede: 1.) Die Pest hat viel mehr Opfer gefordert, 2.) bei Corona befinden wir uns erst am Anfang, die Pest kennen wir seit 700 Jahren, 3.) Der Tod wurde anders bewertet, da Religion einen anderen Stellenwert besaß. Das sind sicher richtige Feststellungen (die sich aus einem Vergleich ergeben), aber sie bleiben relativ oberflächlich.



Historische Vergleiche zur Corona-Pandemie

Im Folgenden seien einige - vor allem deutsche - Medienartikel aufgeführt, die derzeit explizit historische Vergleiche anstellen. Sie sind hier zunächst chronologisch nach den jeweiligen Pandemien sortiert. Konkret angesprochen, was uns der Vergleich nun tatsächlich für die Corona-Pandemie sagen soll, wird zwar meistens nicht, in einigen Fällen ergibt sich die Intention des Vergleichs trotzdem.

Spanische Grippe und andere Pandemien des 20. Jahrhunderts

Der Historiker Nicolai Hannig zieht den Vergleich von Covid19 zur Spanischen Grippewelle von 1918, die damals 20 bis 40 Millionen Menschen weltweit das Leben kostete. Anhand der unterschiedlichen Vorgehensweisen der Städte St. Louis und Philadelphia führt er die Wirksamkeit des Social Distancings vor Augen.
Hospital in Kansas während der Spanischen Grippe 1918
(Foto: National Museum of Health and Medicine [PD] via WikimediaCommons)


Anfang April sendete der Deutschlandfunk eine Reihe „Leben in Ausnahmesituationen“ , in der es um den Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawadie 1815, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, den Finanzcrash von 2008, den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010, Mogadischu im Terror durch islamistische Milizen und eben die Spanische Grippe 1918 ging.

Im Blog der FAZ greift Wirtschaftsredakteur Gerald Braunberger ebenfalls auf die Spanische Grippe zurück. Ihm geht es um die wirtschaftlichen Folgen der Krise insbesondere auch um den in der aktuellen Debatte eröffneten Gegensatz zwischen Wirtschaft und Gesundheit.

Vergangenheit dient - bei allen Einschränkungen des Vergleichs - als Hilfsmittel einer Prognose, bietet die Grundlage zu Reflektion und bietet Orientierung. So kommt er etwa zu dem allgemeinen Fazit: “Die Pandemie richtet wirtschaftlichen Schaden an, nicht ihre Bekämpfung.”

“Epidemien zeigen offenbar wiederkehrende Muster:” Der Rückgriff auf frühere Pandemien soll Orientierung schaffen:

Mirko Drotschmann greift auf seinem YouTube-Kanal “MrWissenTogo” (Funk) den Vergleich zwischen der Spanischen Grippe und Corona-Pandemie auf und fragt nach den Lehren aus der Geschichte. Er zieht aus der Situation von 1918 drei Lehren für die Gegenwart: 1. Den Ernst der Lage erkennen, 2. Schnelles Handeln bei Massnahmen zur Eindämmung der Ansteckungen und Regeln beachten, 3. Keine Falschmeldungen verbreiten.

Die Menschen reagieren ähnlich wie in früheren Zeiten auf die Krise, meint der Medizinhistoriker Wolfgang U. Eckart bei seinem Vergleich zwischen der Spanischen Grippe und der Coronakrise (Artikel hinter paywall).
Ähnlichkeiten im Umgang mit der Seuche sieht auch ntv im Vergleich zwischen Corona und Spanischer Grippe. Der Artikel verbindet dies mit einer Warnung: “Und das ist nicht unbedingt etwas Gutes.” Er betont die Rolle von Schuldzuschreibungen und fake-News. “Erst wurde das Problem heruntergespielt, dann wurden andere beschuldigt und irgendwann kam die Einsicht, dass die Pandemie nur schwer aufzuhalten war. Die politischen Führer reagierten viel zu spät oder überhaupt nicht, weil eine andere Angelegenheit - namentlich der Krieg - Vorrang hatte. Statt radikale Ausgangssperren für einen überschaubaren Zeitraum zu verhängen, blieb es bei halbherzigen Maßnahmen, sodass über zwei Jahre hinweg insgesamt drei Ausbreitungswellen auftraten, die viele Millionen Menschen das Leben kosteten und die Gesundheit vieler weiterer Millionen nachhaltig schädigten. Die moderne Medizin hat seitdem viele Fortschritte gemacht, aber die Fehler von einst wiederholen sich in diesen Tagen dennoch.”

Ebenfalls einen Vergleich mit Covid.19 unternimmt ein Beitrag des Deutschlandfunks:

 
Weitere journalistische Beiträge, die mehrheitlich die Spanische Grippe heranziehen, um aus der Vergangenheit für die Coronakrise lernen zu können:
Die Spanische Grippe war natürlich schon 2018 zu ihrem 100er Jubiläum Thema:

Neuzeitliche Pestausbrüche

Nachdem die ‘erste Corona-Welle’ in Deutschland einigermaßen glimpflich verlaufen sind, häufen sich die Berichte über Verschwörungstheorien und entsprechend wird auch dieses Thema historisiert. Der Tagesspiegel druckt eine Reflektion von Ehrhart Körting, der im Land Berlin als Innen- und Justizsenator tätig war und als Jurist promoviert wurde. Körting zitiert aus den Erinnerungen seines Vorfahren Johann Jakob Lerche, der 1771 als Arzt die Pest in Moskau miterlebte. 

Prozessionen, die die Pest eindämmen wollten hatten den gegenteiligen Effekt, weil hier Kontaktsituationen entstanden, die eine Infektion begünstigten. Nach einem angeblichen Wunder an einem Marienbild kam es zu Unruhen, der Erzbischof wurde ermordet, an der Pest Erkrankte aus der Stadt getrieben und die Ärzte misshandelt. Der Mob gab den Ärzten die Schuld, die Pest verursacht zu haben. Körting kommentiert den Bericht nur kurz, erkenntlich aus seiner Erfahrung als Politiker. Schon der teaser zum beitrag kündigt Lehren für die Gegenwart an und zum Schluss formuliert der Autor auch: “Manches können wir aus dieser historischen Epidemie in Russland und aus anderen Epidemien lernen. Mit jeder Epidemie ist eine der Grundfragen menschlichen Seins verbunden. .. Und wenn dies nicht hilft, werden Schuldige gesucht.” Logisch aus dem Bericht leiten sich die - wahrscheinlich durchaus zutreffenden - ‘Lehren, jedoch nicht ab, denn schließlich wird nur von einem Einzelereignis berichtet, verallgemeinernde Aussagen bedürfen aber einer breiteren Datenbasis.

Fake News und Urban legends sind auch das zentrale Thema von Alfred Messerli, der von 1986 bis 2019 als Professor an der Universität Zürich am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft lehrte. Sein Beitrag erscheint natürlich nicht zufällig im Mai 2020, aber sein Text stellt direkten keine Bezüge zur Gegenwart her, was nach der gewählten Plattform (“Geschichte der Gegenwart”), wie auch dem fachlichen Hintergrund des Autors plausibel gewesen wäre.

Epidemien der Neuzeit

Gleich in mehreren Artikeln greift die Welt (u.a. Berthold Seewald, der leitende Redakteur ‘Geschichte’) Seuchen der frühen Neuzeit auf. Er behandelt den Englischen Schweiß des 16. Jahrhunderts, aber auch die Seuchen im preußischen Heer während des Deutschen Krieg von 1866.
Schwerpunktmäßig mit den Choleraepidemien vor dem Ersten Weltkrieg setzten sich Berichte auf spektrum.de und in ZEITgeschichte auseinander:
Christoph Dieckmann, “Ich vergesse, daß ich in Europa bin”. 1892 wütet die Cholera in Hamburg. Bis Robert Koch die Seuche besiegt Von . ZEITgeschichte (14.10.2020). -
Das Interesse gilt hier den damaligen Ursachenforschungen und den staatlichen Gegenmaßnahmen. Immer wieder werden Parallelen zur Covid19-Pandemie gezogen. In einem Kästchentext werden einige historische Erkenntnisse hervorgehoben:

“Auf einen Blick: Epidemien im Wandel der Zeit
Pandemien wie Covid-19 sind im Zuge weltumspannender Verkehrs- und Warenströme wahrscheinlicher geworden.

Zu den globalen Epidemien der jüngeren Vergangenheit zählen die Cholera und die Spanische Grippe.

Seuchen wie diese haben maßgeblich dazu beigetragen, öffentliche Gesundheit als Wert zu erkennen und institutionell zu fördern. Ein Ergebnis dessen ist die Weltgesundheitsorganisation.”



Die Pest des Spätmittelalters und andere Krankheiten des Mittelalters

Zufälligerweise traf die Corona-Pandemie zeitlich mit der großen Pest-Ausstellung in Herne zusammen, zu der ein umfangreicher Begleitband erschienen ist. Einen detaillierten Vergleich zwischen der Pest und Covid-19 bietet der Kurator der “Pest-Ausstellung” nun in einem Video zu der nun v.a. online präsentierten Ausstellung:
Aber auch sonst war die Pest aufgrund ihrer “Popularität” ein beliebter Aufhänger. Sie wird in verschiedenen populärwissenschaflichen Zeitschriften wie ZEITgeschichte aufgegriffen.

Klaus Bergdolt, schon lange vor Corona Verfasser zahlreicher Bücher zu Seuchen des Mittelalters und der Neuzeit thematisiert die Pest in einem Artikel für ZEITgeschichte. Er verweist auf die Krisenreaktionen und impliziert eine historische Tradition (und damit Legitimierung) aktueller Notstandsmaßnahmen wie Lockdown, Quarantäne oder Maskentragen. “Eine strenge Kontrolle des Seuchenalltags durch die Behörden galt bereits im Mittelalter als unverzichtbar. Schon früh gab es in Italien entsprechende Notstandsverordnungen und eine Art Gesundheitspolizei. 1576 und 1631/32, als Venedig von einer mit der Epidemie von 1348 vergleichbaren Pestkatastrophe heimgesucht wurde, regelten die "Gesundheitsgesetze" den Ablauf der Trauergottesdienste: Sie schrieben im Detail vor, welche Kleidung getragen werden und wie die Zeremonie der Beisetzung ablaufen musste.”

Helmut Fink beleuchtet für das fränkische Kortizes-Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs, einer gemeinnützigen GmbH, den Umgang mit Pandemien damals und heute aus einer weltanschaulich-humanistischen Perspektive. Die Lage sei ernst, aber den heutigen Menschen steht heute der enorme medizinische Fortschritt zur Seite, der Resultat der Aufklärung des 18. Jh. ist, während Menschen früherer Zeiten nur die Religion als Hilfestellung hatten.


James le Palmer, Omne Bonum (London) 1360-1375
The British Library; Record Number: c6541-07; Shelfmark: Royal 6 E. VI;
Page Folio Number: f.301.


Mit der Lepra setzt sich die WELT auseinander:


Epidemien der Antike

Auch die Alte Geschichte kennt zahlreiche Epidemien, die in einigen Medienberichten angesprochen wurden. Das Hauptaugenmerk fällt hier auf die Justinanische Pest des 6. Jahrhunderts sowie auf die Antoninische Pest im 2. Jahrhundert, der auch Kaiser Marc Aurel zum Opfer fiel. Während es bis heute schwer fällt, die Dimensionen der Justinianischen Pest genauer abzuschätzen, ist nach entsprechenden DNA-Funden im Münchner Raum inzwischen zumindest klar, dass yersinia pestis der Erreger war (vgl. Archaeologik 28.3.2020).

Im österreichischen Standard behandelte Johannes Preißer-Kapeller im März die Justinianische Pest des 6. Jahrhunderts, ohne irgendeinen Versuch eines Vergleichs zur Corona-Krise.

Der Archäologe St. Groh greift - ebenfalls im Standard - die Antoninische Pest des 2. Jahrhunderts auf. Er fragt, ob sich Geschichte wiederholt. Seine Antwort:
“Ja. Gerade in Zeiten, wo Sars-Cov-2 , kurz: das Corona-Virus in aller Munde ist und pandemisch die globalisierte Welt in Angst und Schrecken versetzt, in Zeiten, wo kriegerische Ereignisse, im Nahen Osten, gepaart mit einer Migration von Bevölkerungsteilen ihre Auswirkunge auch auf Mitteleuropa haben, da ist es hilfreich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Offensichtlich reagiert der Mensch 1860 Jahre nach der sogenannten Antoninischen Pest (165-189/90) mit stereotypischen Verhaltensmustern und Strategien. Diese nachdenklich stimmenden Koinzidenzen und deren Folgen seien aus aktuellem Anlass aufgezeigt.”
Kaiser Marc Aurel beorderte 169 n.Chr. eine Legion aus dem Osten des Reiches ab, um sie an der Donaugrenze einzusetzen. Dort galt es, germanische Stämme abzuwehren, die von Norden her ins römische Reich einfielen, um östlich an den Alpen vorbei Richtung römisches Mutterland zu ziehen. Die Soldaten bringen jedoch die “Pest” mit. Marc Aurels Mitregent Lucius Verus erliegt ihr in Aquileia. Um welche Krankheit es sich tatsächlich handelt, ist heute unklar; wahrscheinlich war es eine Pocken- oder Masernepidemie. Der Kaiser ergreift mit dem Bau eines Legionslager beim heutigen Locica (Slowenien), einem neuralgischen Punkt auf der Route nach Italien, eine bemerkenswerte Maßnahme. Das ÖAI hat diese Anlage erforscht und festgestellt, dass hier bauliche Massnahmen zur Behandlung der Kranken und zur Eindämmung der Krankheit ergriffen wurden. Der Kaiser schlug mit diesem Lager zwei Fliegen mit einer Klappe: Er sperrte den Zugang nach Italien, um das Vordringen der Germanen zu verhindern und mit der Quarantänestation dämmte er die Ausbreitung des Virus im Heer ein. Es gelingt, die Germanen abzuwehren, die Krankheit nimmt jedoch ihren Lauf mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung und die Wirtschaft. Groh hält die Massnahmen für sehr fortschrittlich und mit der Gegenwart vergleichbar.
Über vorgeschichtliche Epidemien lernen wir erst in den letzten Jahren, da sie erst neuerdings mit den Methoden der Archäogenetik greifbar werden. Insbesondere die Folgen der Neolithisierung für das Infektionsrisiko sind ins Blickfeld geraten. Während für die jüngeren Perioden die schriftlichen Quellen oft Symptome beschreiben, Datierungen geben und uns auch Hinweise auf die Reaktionen und Wahrnehmungen geben, sind diese Aspekte bestenfalls mit archäologischen Quellen zu identifizieren.

Ein Sammelband des Exzellenzcluster ROOTS der Universität Kiel vereinigt 13 Beiträge aus der Archäologie und ihren Nachbardisziplinen zu Pandemien. Hier präsentieren Fachleute in verständlicher Form aktuelle Forschungen, versuchen aber auch einen Aktualitätsbezug herzustellen und aufzuzeigen, welche Bedeutung das Wissen über vergangene Pandemien für uns heute hat. Es geht ihnen explizit um einen Beitrag zur Krisenbewältigung, die ein tieferes Verständnis benötigt, “das nicht nur medizinisch, juristisch, wirtschaftlich oder politisch informiert, sondern auch kulturell vermittelt ist.”

In den journalistischen Medien spielen die vorgeschichtlichen Seuchen eine vergleichsweise geringe Rolle. Zwar haben die Meldungen über den Nachweis der Pest am Ende der Jungsteinzeit einige Aufmerksamkeit gefunden, doch das war deutlich vor Covid19.

Nur in der Welt griff B. Seewald auf die Vorgeschichte zurück, wobei aber auch er keine Vergleiche mit der aktuellen Situation zog. Die Änderung der Lebensweise zu Sesshaftigkeit und Viehzucht ist verantwortlich für das Auftreten von Salmonelleninfektionen.

Chronologisch übergreifende Perspektiven

Mehrheitlich gehen die Artikel, wie gesehen auf einzelne Epidemien ein. Die Vergleiche zu Covid-19 werden mal explizit aufgeführt, mal dem Leser überlassen und gar nicht thematisiert. Interessanterweise sind übergreifende historische Vergleiche v.a. unter der Rubrik Wirtschaft zu finden. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass hier der Blick auf Datenreihen und die Korrelation von Börsenkurven mit historischen Ereignissen zum fachlichen Alltag gehört.
Der Wirtschaftsredakteur der FAZ, Patrick Bernau, greift am 7.4. die historischen Pandemien auf. Ihn interessiert, was frühere Epidemien mit Vermögen angerichtet haben. Er sieht, dass Seuchen und Pandemien langfristig die Ungleichheit verringern, da Krisen Gelegenheit seien, im Nachhinein auch von den Reichen Solidarität einzufordern und beispielsweise prinzipiell rechtmäßig erworbenes Vermögen stärker zu besteuern.
Zwei Tage vor Bernau beleuchtete bereits der Tagesspiegel die Lohnentwicklung nach Epidemien. Da hier, anders als bei Krieg, Infrastruktur erhalten bleibe, bestünde nach einer Epidemie ein Mangel an Arbeitskräften, das sei gut für Löhne und Arbeiter. Der Tagesspiegel verweist explizit auf eine Studie der FED (Federal Reserve Bank), die im März als Working Paper publiziert wurde.

Dank

Besten Dank an Jutta Zerres fürs Einsammeln von Beiträgen und kurze Zusammenfassungen!!

Sonntag, 4. Oktober 2020

Covid19 - die Keule des Neandertalers?

Noch immer wissen wir wenig darüber, was bei Covid19 zu schweren Krankheitsverläufen führt. Früh wurde eine Risikogruppe identifiziert, nämlich Menschen in höherem Alter und mit Vorerkrankungen. Das erklärt aber nicht alles, denn letztendlich scheint nicht klar, warum derzeit die Quote derer, die eine Intensivbehandlung im Krankenhaus benötigen so viel geringer ist, als im Frühjahr. Die größere Erfahrung bei der Behandlung, die Schutzmaßnahmen, aber auch die saisonal bedingten andersartigen Übertragungswege, scheinen hier wichtige Faktoren zu sein.

Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)

Nun kommt ausgerechnet aus der Archäologie – genauer gesagt aus der Paläoanthropologie – eine Studie, die zeigt, dass es Faktoren gibt, die wir nicht beeinflussen können und dass es eben sehr schwierig ist, die komplexen Zusammenhänge jetzt schon zu überblicken. 

Schon länger wurde vermutet, dass auch genetische Faktoren eine Rolle spielten und eine erste im Juni 2020 publizierte Studie (Zeberg/ Pääbo 2020) identifizierte zwei Bereiche in den Genen, die mit schweren Krankheitsverläufen verbunden scheinen. Einer der beiden Bereiche konnte in einer Folgestudie bestätigt werden. Es handelt sich um einen Abschnitt auf Chromosom 3, von dem eine Variante deutlich mit schweren Krankheitsverläufen von Covid19 assoziiert ist. Eben diese Ausprägung ist im Erbgut des homo sapiens als ein Einfluß des Neandertalers und der Denisova-Menschen anzusehen. Seit einigen Jahren weiß man, dass es zu Vermischungen zwischen dem ‚modernen‘ homo sapiens und Neandertalern kam. Wie diese Kontaktperiode im Einzelnen zu verstehen ist, ist noch Gegenstand aktueller Forschungen, zu denen etwa erst jüngst nach einer Aktualisierung der Kalibrationskurven für die Radiocarbondatierung neue chronologische Ergebnisse publiziert wurden (Bard u.a. 2020).

Das menschliche Genom (die Gesamtheit seines Erbguts) umfasst 23 Chromosome, die sich von ihrer Länge und Gendichte unterscheiden. Ein Chromosom enthält verschiedene Proteine, vor allem aber Desoxyribonukleinsäure (DNA), die der eigentliche Träger der Erbinformationen, also die materielle Basis der Gene ist. Ein Gen ist ein Abschnitt eines Chromosoms.

Chromosom 3 besteht aus 199 Millionen Basenpaaren als kleinste Informationseinheit der DNA. Auf dem Chromosom 3 befinden sich zwischen 1100 und 1500 Gene, das sind etwa 6,5 % der gesamten DNA einer menschlichen Zelle.  Die riskante Variante findet sich nun auch in den Genen der Neandertaler.

„Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten“, sagt Zeberg. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher.“ (https://www.mpg.de/15446134/neandertaler-gene-covid19)

 

Der DNA-Abschnitt des Neandertal-Gens auf Chromosom 3 im  Genome DataViewer https://www.ncbi.nlm.nih.gov


Vielleicht – und spätestens hier muss ich nochmals betonen, dass ich kein Archäogenetiker bin – erklärt sich aus diesem Zusammenhang ja auch, der bislang überraschend glimpfliche Verlauf der Covid19-Pandemie in Afrika, wo der Neandertaler eben kaum genetische Spuren hinterlassen hat. Allerdings ist auch hier die Forschung im Fluss (Chen u.a. 2020), da eine neue Population nun auch bei Personen aus Afrika das Neandertal identifizieren konnte – allerdings wohl als Folge jüngerer Migration nach Afrika.

Warum das „Neandertaler-Gen“ ein erhöhtes Covid-19-Risiko hervorruft, ist bisher unklar. Die Studie zeigt bislang nur eine statistische Korrelation. Dem Neandertaler-Gen werden nach neueren Studien noch andere Folgen für die betreffenden Genträger zugeschrieben. Er scheint auf bestem Weg zum Mythos zu werden, wie die darauf beruhenden Schlagzeilen nahe legen:

Hier reihen sich nun Berichte über das erhöhte Covid19-Risiko ein:

Die Deutsche Welle hat den Artikel in ihrer Berichterstattung ebenfalls aufgegriffen und stellt die naheliegende Frage: „Haben die Erkenntnisse Einfluss auf die Therapie?“

Der Artikel weist die Studie zurecht als Grundlagenforschung aus und zitiert den Mitarbeiter Stephan Schiffels vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena: „Es ist eine abstrakte Erkenntnis, die zunächst einmal keinen direkten Nutzen hat, die aber über COVID-19 erstaunlich aktuellen Bezug bekommt."  Die Opfer, derzeit aber wohl eher die Einschränkungen führen bei Vielen zu einer gewissen Verunsicherung. Der Blick in die Vergangenheit kann hier Orientierungswissen und weitergehend Erklärung und Sicherheit liefern. OK - meine Blog-Überschrift ist da nicht so hilfreich...

 

Literaturhinweise

  • Bard u. a. 2020
    E. Bard/T. J. Heaton/S. Talamo u. a., Extended dilation of the radiocarbon time scale between 40,000 and 48,000 y BP and the overlap between Neanderthals and Homo sapiens. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 117, 35, 2020, 21005–21007. – <doi: 10.1073/pnas.2012307117>
  • Chen u. a. 2020
    L. Chen/A. B. Wolf/W. Fu u. a., Identifying and Interpreting Apparent Neanderthal Ancestry in African Individuals. Cell 180, 4, 2020, 677-687.e16. - <doi: 10.1016/j.cell.2020.01.012>
  • Zeberg/ Pääbo 2020
    H. Zeberg/ S. Pääbo, The major genetic risk factor for severe COVID-19 is inherited from Neanderthals. Nature (2020). - https://doi.org/10.1038/s41586-020-2818-3 https://www.nature.com/articles/s41586-020-2818-3

Interner Link

 zu den Gegenwartsbezügen ("Grundlagenforschung", "Orientierungswissen" siehe:

Mittwoch, 29. Juli 2020

Superspreader älter als gedacht? Neue Pocken-Belege aus Nordeuropa

Zu Beginn der Corona-Epidemie habe ich hier eine "Archäologie der Erreger" skizziert und dabei auch die Pocken knapp dargestellt:
Und schon gibt es Neues - nämlich Älteres:
  • Mühlemann, Barbara; Vinner, Lasse; Margaryan, Ashot; Wilhelmson, Helene; La Fuente Castro, Constanza de; Allentoft, Morten E. et al. (2020): Diverse variola virus (smallpox) strains were widespread in northern Europe in the Viking Age. In: Science (New York, N.Y.) 369 (6502). - <doi: 10.1126/science.aaw8977>.
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)
War bislang ein Fund aus dem 17. Jahrhundert der älteste DNA-Beleg, so ist es nun gelungen, bei 11 Bestattungen aus Nordeuropa, unter anderem von der Insel Öland Variola-DNA zu identifizieren. Die Gräber datieren zwischen 600 und 1050 n.Chr. Es handelt sich nicht um einen direkten Vorfahren der modernen Pocken, sondern um eine wahrscheinlich weniger tödliche Variante. Aus zwei weiteren neuzeitlichen Gräbern wurde DNA des modernen Variola-Virus gefunden. Der gemeinsame Vorfahr wird auf etwa 1700 Jahre vor heute geschätzt. 
Die Publikation verrät leider keine Details über die archäologischen Kontexte.

Die Forschungen haben viel Medienecho gefunden - allerdings mit einigen nicht ganz zutreffenden Sensationalisierungen.  
"Die Pocken kamen in Europa schon viel früher vor als bisher angenommen." meint die Süddeutsche Zeitung. Tatsächlich kann angesichts der Schriftquellen der neue Befund nicht überraschen.  Der Fortschritt liegt in der Möglichkeit, die Virenevolution genauer zu verstehen. Die nachgewiesenen Erreger weisen nämlich große Ähnlichkeit zu Pockenviren auf, die man heute bei Kamelen und Mäusen nachweisen kann.
"Wikinger waren "Superspreader" von Pocken" titelt mdr Wissen, obwohl die Befunde dazu gar keine Aussagen machen können. Die Befunde betreffen auch nicht ausschließlich Wikinger, sondern datieren zum Teil früher.



Links

Samstag, 20. Juni 2020

Masern - ein alter Virus

Im Blogpost "Archäologie der Erreger" (Archaeologik 28.3.2020) wurden die Masern nicht angesprochen - eine weitere Krankheit, die bis heute vor allem Kindern gefährlich werden kann, jedenfalls wenn keine Impfung vorliegt. Eine neue Studie befasst sich mit der Entstehung der Masern und stellt die These auf, dass diese auf die antike Urbanisierung zurück ginge.
  • A. Düx/S. Lequime/L. V. Patrono u. a., Measles virus and rinderpest virus divergence dated to the sixth century BCE. Science 368, 6497, 2020, 1367–1370. - DOI: 10.1126/science.aba9411
Der Erreger ist der Masernvirus MeV (Measles morbillivirus), der eng verwandt ist mit der Rinderpest. Letzterer gilt seit einigen Jahren als erfolgreich mittels Pest ausgerottet, während der Masernvirus wegen zu geringer Impfquoten in den vergangenen Jahren wieder um 30% zugenommen hat (Ärzte-Zeitung 8.2.2019). 

Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)
Zur Geschichte des Masernvirus wurde bislang postuliert, dass er im Laufe des Mittelalters vom Rind auf den Menschen übergesprungen sei (Furuse u. a. 2010). Anhand der DNA aus einer Lungenprobe von 1912 konnte nun die molekulare Uhr neu geeicht werden, so dass die Datierung nun weit früher liegen muss. Die Studie weist auf das 6. Jahrhundert v.Chr. und postuliert eine Verknüpfung mit der Entstehung großer Städte. Die molekulare Uhr sagt indes nichts über die Region aus, in der die Übertragung stattgefunden hat und größere Siedlungen, die eine Grundlage für eine weitere Ausbreitung der Masern geboten hätten, gab es in einigen Regionen auch schon früher. Eine solche Korrelation ist aus einer archäologisch-historischen Sicht wenig aussagekräftig, da sich eben auch die antike Urbanisierung über einen längeren Zeitraum hingezogen hat. Klärung kann hier nur eine Studie an aDNA bringen, die enstprechende Proben aus archäologischen Kontexten voraus setzt.


Literaturhinweis


  • Furuse u. a. 2010
    Y. Furuse/A. Suzuki/H. Oshitani, Origin of measles virus. Divergence from rinderpest virus between the 11th and 12th centuries. Virol J 7, 1, 2010, 52.

Samstag, 2. Mai 2020

Die Corona-Krise und der Kulturgüterschutz

ein Beitrag von Jutta Zerres

Das „Antiquities Trafficking and Heritage Anthropology Research (ATHAR) Project“ ist ein Zusammenschluss von Anthropologen und Experten für Kulturerbe, die sich mit dem grenzüberschreitenden Handel von illegal ausgegrabenen und geraubten Antiken in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas sowie mit der Terrorismusfinanzierung und der organisierten Kriminalität befassen. Die Gruppe beobachtet u. a. auch die Aktivitäten der „Branche“ auf Facebook. 
 
Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)
„The Art Newspaper“ berichtete am 29.04.2020, dass „ATHAR“ in den letzten Wochen einen Anstieg von Angeboten antiker Objekte auf dieser Plattform verzeichnet. Die Ursachen dafür seien nicht nur saisonbedingt – das Frühjahr ist auch für Raubgräber eine günstige Jahreszeit ‒ , sondern auch auf die derzeitige Corona-Pandemie und die damit verbunden Maßnahmen und Konsequenzen zurückzuführen. Die aktuelle Lage begünstige Raubgrabungstätigkeiten und den illegalen Handel mit Antiken an verschiedenen Stellen der „Wertschöpfungskette“, die beim Raubgräber beginnt und beim Endkonsumenten endet. 

Die wirtschaftliche Krise in vielen Ländern, die durch den Lockdown hervorgerufen wurde, treibt die Betroffenen dazu, sich andere Einkommensquellen zu suchen. Eine davon können eben Raubgrabungen und Verkauf der Objekte sein. Der Arabische Frühling, Krieg und Terrorismusattacken in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Unsicherheiten erzeugten, hatten in der Vergangenheit den gleichen Effekt hervorgerufen. Der Artikel in „The Art Newspaper“ zitiert auch Deborah Lehr, die Gründerin der „Antiquities Coalition“, einer weiteren Organisation, die sich mit der Thematik befasst. Lehr geht auch davon aus, dass längere Sperrungen und Ausgangssperren in Verbindung mit den daraus resultierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu einer Zunahme illegaler Aktivitäten, insbesondere organisierter Plünderungen, führen werden. Sie weißt darauf hin, dass es während des Arabischen Frühlings zunächst einmal eine Pause bei gelegentlichen Plünderungen von Museen und Fundmagazinen gab. Dann aber sei die Zahl der organisierten Beraubungen wieder signifikant angestiegen. Die Kollegen in Ägypten hätten jedoch – so Lehr weiter ‒ wertvolle Lehren aus dem Arabischen Frühling gezogen und die Sicherheit an archäologischen Stätten und Museen während des Lockdown erhöht.

Lehr verweist auch auf eine andere Erkenntnis, die aus dem wirtschaftlichen Niederschlag von 2008 gezogen werden kann. Diese Krise habe nämlich gezeigt, dass ein gesteigertes Interesse der Endkonsumenten ‒ sowohl legitime als auch illegale Objekte ‒ häufig mit einer Wirtschaftskrise einher geht.

Ein weniger beachteter Effekt ist, dass auf den selben Schwarzmarktkanälen, die mit illegal ausgegrabenen Antiken handeln, zuweilen auch persönliche Schutzausrüstung, einschließlich Gesichtsmasken, antibakteriellem Gel und sogar Covid-19-Testkits angeboten werden. Akteure in illegalen Geschäften profitieren häufig von einem Anstieg einer Nachfrage, um Material auf dem Schwarzmarkt überteuert zu verkaufen.

Links

Dienstag, 21. April 2020

Krisenfest?

Corona trifft die Archäologie vielfältig,  auch wenn mir nun schon von mehreren erklärt wurde, Archäologie sei krisenfest. Das mag für den Grabungssektor gelten, denn Baustellen gehen weiter und so auch viele Notgrabungen. Unsere Forschungen von Seiten der Universität mussten hingegen eingestellt werden.
Andere trifft es härter: Freischaffende, die jetzt keine Aufträge einwerben können, keine Veranstaltungen anbieten und nicht in die Depots und Museen können.
 
Frühmittelalterliche Kirche von Kleinlangheim
im Geschichtspark Bärnau
(Foto: R. Schreg)
Und natürlich trifft es die Museen selbst, soweit sie nicht auf eine solide Trägerschaft zurück greifen können und sich überwiegend über ihre Besucher finanzieren müssen. Beispielsweise gilt das für den Geschichtspark Bärnau-Tachov, im Landkreis Tirschenreuth gelegen, der früh ein Hotspot von Covid-19 war, ist der Park derzeit geschlossen. Eigentlich wäre dieses Frühjahr das 10jährige Jubiläum zu feiern.
Da es hier ein weiträumiges Außengelände gibt und Abstandsregeln sicher unproblematisch umzusetzen sind, ist zu hoffen, dass bald wieder eine Öffnung möglich ist. 

Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)


Donnerstag, 16. April 2020

Die COVID-19-Pandemie - Teil 3: Die möglichen Konsequenzen der Krise für Deutschland

Detlef Gronenborn


Corona-Beiträge auf Archaeologik
Viren
(biology pop [CC BY SA 4.0]
via WikimediaCommons)

Die Debatte um „Lockerung“


Angesichts der Bedeutung des 15. April 2020 für die zukünftigen Geschicke der Bundesrepublik schien es uns sinnvoll, von der ursprünglich geplanten Abfolge der Blog-Reihe abzuweichen, und die aktuellen Geschehnisse aus der Sicht der archäologischen Langfristperspektive zu betrachten.

Das große Wort der nachösterlichen Woche ist „Lockerung“, verbunden mit der Forderung der Wirtschaft, Teile des gesellschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Lebens der Vor-Pandemiezeit wieder „hochzufahren“, zeigt an, dass es doch vielfach noch nicht verinnerlicht wurde, dass es in dem Sinne für viele Monate, ja vielleicht gar Jahre keine Zeit „nach Corona“ wird geben können. Allzu sehr scheint man noch dem Wachstumsdrängen der Vergangenheit anzuhängen.

So wartete die Politik wie auch die Öffentlichkeit gespannt auf das richtungsweisende Papier der Leopoldina um in der allgemeinen Ratlosigkeit Hilfestellung zu finden, wie denn mit der so ganz unvorbereiteten Situation umzugehen sei. Allerdings sind die Reaktionen auf die Empfehlungen recht unterschiedlich, was natürlich auch an der regional unterschiedlich ausgeprägten Intensität der Notlage liegt. Ganz wenig diskutiert wird etwa der Begriff „Nachhaltigkeit“, der doch so zentral positioniert ist. Vergessen wird ja zur Zeit meist, dass Covid-19 nur ein Faktor in einer mittlerweile sehr gefährdeten Welt ist und der Klimawandel eine ebenso große Bedrohung darstellt. Zudem steht die Pandemie global noch am Anfang, das zeigt der Kurvenverlauf auf dem dashbord der Johns Hopkins University. Wie es sich also in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird, ist noch gar nicht wirklich abzuschätzen.


Zumindest kamen nun am Nachmittag des 15. April die politischen Entscheidungen für die nähere Zukunft, ihre Auswirkungen der Entscheidungen müssen nun in den kommenden Wochen abgewartet werden (Tagesschau 15.4.2020).



Eine phasengebundene Betrachtung


Betrachtet man die extrem fragile Situation nun aus der Langfristperspektive lassen sich durchaus weitere beunruhigende Feststellungen machen. Schließlich ist die Pandemie eingebunden in einen globalen Prozess, der ganz bestimmte geschichtlich gewachsene Charakteristika aufweist. Diese Einbindung in geschichtliche Abläufe, national wie international, wird in der gegenwärtigen Diskussion noch zu wenig berücksichtigt, vielleicht auch, weil das Bewusstsein dafür in den Entscheidungsinstanzen aber auch in der Bevölkerung noch zu wenig entwickelt ist - und letztlich auch die Forschung dazu nicht so weit gediehen ist, wie sie es sein könnte.


Wir greifen hier einer noch im Druck befindlichen Studie vor (Gronenborn u. a. in press), in der wir zeigen, dass sich die langfristigen Zyklen sozialen Zusammenhalts (social cohesion) den wir bereits in steinzeitlichen Gesellschaften aber auch in staatlichen Gesellschaften der Antike und des Mittelalters feststellen konnten, sich auch in der Neuzeit in den letzten 200 Jahren erkennen lassen (Turchin u. a. 2018). Offensichtlich unterliegen den wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sowohl in Deutschland wie auch in den USA Zyklen gesellschaftlicher Kohäsion (vgl. Teil 2). Nach unseren ersten Untersuchungen steuerten wir in der Bundesrepublik in den letzten Jahren auf einen Kipppunkt (tipping point) zu, der die gegenwärtige Tendenz zu einer immer differenzierteren Gesellschaft in die gegenläufige Richtung umdrehen sollte. Diese Phase haben wir als die desintegrative bezeichnet (vgl. Teil 2).

Jene gegenläufige Tendenz wird begleitet, von dem schon in einfachen Bauerngesellschaften zu beobachtenden Phänomen: in der desintegrativen Phase des Zyklus durchlaufen Gesellschaften eine zunehmende Polarisierung, die mit einer Zunahme interner Konflikte zwischen einzelnen Interessensgruppen begleitet wird. In einigen Bereichen könnte das auch zu sehr rigiden Formen gesellschaftlichen Lebens führen und zu einer Intensivierung von interner Gewalt (Abb. 1). In der jüngeren Geschichte Deutschlands sind das die Konflikte zwischen der politischen Linken und Rechten in den 1920er Jahren. Diese Tendenz muss nicht, kann aber in ein Endstadium eines Zyklus führen, der sogenannten Rigiditätsfalle (Schultz/Searleman 2002; Olson 1982). Ein Beispiel ist der Nationalsozialismus der 1930er Jahre verbunden mit ethnischen Säuberungen, massiven Repressionen und Gewalt. Häufig werden diese Phasen auch durch extreme Formen politischer Herrschaft (Beispiel „Führerprinzip“) begleitet. Möglicherweise war gar ein Resultat einer Rigiditätsfalle vor 7000 Jahren die Entstehung komplexerer politischer Systeme in Europa überhaupt (Gronenborn 2016).


Abb. 1. Grundmuster des sozio-politisch-ökonomisch-ökologischen Zyklus (Teil 2) mit gesellschaftlichen Lösungsstrategien in der desintegrativen Phase
(Grafik: D. Gronenborn).


Die Gefahren der Desintegration


Von einer solchen Situation scheinen Deutschland und die meisten europäischen Länder noch weit entfernt, so ganz sicher ist das für einige jedoch nicht. Dort, wo sich bereits vor der derzeitigen Krise Rigiditätstendenzen abzeichneten, etwa in Ungarn aber auch Italien, ist der Schritt in eine Rigiditätsfalle eher möglich.

Was aber für Deutschland bereits dokumentiert wurde, ist die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft und die Entstehung von Parallelgesellschaften. Hier liegt die große Gefahr für die mittelfristige Zukunft. Verbunden ist diese Gefahr mit den möglichen wirtschaftlichen und - letztlich auch daraus resultierend - den sozialen Folgen der Pandemie, die zur Zeit eben noch kaum wirklich abzuschätzen sind, weil ja auch der Verlauf der Pandemie nicht vorherzusehen ist [Tagesschau 8.4.2020].

Angst vor sozialem Abstieg, und Angst vor Unterversorgung, gar Notlagen fördert die bereits bestehende Tendenz zur Polarisierung, auch wenn rechtspopulistische Parteien zunächst die Krise nicht für sich nutzen konnten. Vor dem Hintergrund der Langfristtendenz ist nicht damit zu rechnen, dass sich wenig integrierte Bevölkerungsgruppen jetzt eher der staatstragenden Mitte zuwenden [Tagesschau 7.4.2020]. Auch dürfte die europaweit zunehmende Tendenz zum Antisemitismus als Folge der gesellschaftlichen Veränderungen eher zu- als abnehmen.


Während der Staat durch die aufwendige Bekämpfung des Virus in einigen Bereichen geschwächt wird, werden Parallelgesellschaften gestärkt. Hierzu ist auch das organisierte Verbrechen zu rechnen, was zumindest in Italien deutlich rascher reagiert hat als der Rechtspopulismus [Tagesschau 8.4.2020]. Eine Zunahme von Machtbereichen krimineller Clans ist auch hierzulande zu befürchten, es wäre leider eine zu erwartende Komponente des desintegrativen Teils eines Zyklus.


Interessant ist die Beobachtung, dass sich derzeit die Mitte der Gesellschaft eher um die an sich gut funktionierende Regierung schart [Tagesschau 2.4.2020]. Mehr noch als eine Anerkennung der politischen Arbeit mag das ein typisches Gruppenverhalten sein, demzufolge eben in Notsituationen und aus der daraus resultierenden Ratlosigkeit politische Führung gesucht wird. Interessant ist hierbei weiterhin, dass politische Parteien – durchaus berechtigt – die drängenden Probleme vor der derzeitigen Krise besser zu lösen versprachen. Innovative treten in den Hintergrund und man beruft sich wieder eher auf althergebrachte Konzepte („Keine Experimente“). Dieses Verhalten kann freilich auch ins Gegenteil umschlagen (vgl. Archaeologik [9.11.2016]); hier haben wir derzeit in Deutschland eine historisch gewachsene vorteilhafte Situation.

Wahlspot 1957
(via onlinekas auf youtube)

Dennoch sind aber die Gefahren einer desintegrativen Phase, der Polarisierung, der Rigidität und, als letzter Konsequenz, der Rigiditätsfalle erheblich und müssen in den kommenden Monaten und sicher auch Jahren sehr genau beobachtet und behandelt werden, im wissenschaftlichen, im politischen und im allgemein gesellschaftlichen Diskurs.

Hinzu kommen die bislang schon bestehenden Probleme des globalen Klimawandels und des Artensterbens. Bereits 2018 hatten wir auf die Parallelen zu einem Zyklus vor 7000 Jahren hingewiesen, nur dass damals die klimatischen Probleme nicht von Menschen gemacht wurden (Archaeologik [1.8.2018]).

Zumindest in diesem Punkt ist die „Zivilisationsgeschichte“ weiter gekommen.


Ausblick

Ganz wie in den Empfehlungen der Leopoldina deutlich angemerkt, verstehen wir nicht nur die Dynamiken der Pandemie nur ansatzweise, auch die sie begleitenden gesellschaftlichen Prozesse sind nur ansatzweise bekannt. In jedem Fall müssen weiterhin Daten erhoben werden, um die Modelle zu unterfüttern und die Aussagekraft zu schärfen. Das gilt in besonderem Maße für die archäologische Langfristperspektive, denn nur wenige Studiengruppen haben diesen Weg bereits beschritten und für viele Phasen liegen eher anekdotische Daten als Vergleichsgrundlage vor.


Hier wird die Archäologie in Zukunft gefragt sein.



Fortsetzungsepisoden


Literaturverzeichnis

  • Gronenborn u. a. in press
    D. Gronenborn/H.-C. Strien/K. W. Wirtz u. a., Inherent Collapse? Social Dynamics and External Forcing in Early Neolithic and modern SW Germany. In: P. Sheets/F. Riede (Hrsg.), Going Forward By Looking Back (New York, Oxford in press) $$-$$.
  • Gronenborn 2016
    D. Gronenborn, Some thoughts on political differentiation in early to Young Neolithic societies in western central Europe. In: H. Meller/H.-P. Hahn/R. Jung u. a. (Hrsg.), Arm und Reich - Zur Ressourcenverteilung in prähistorischen Gesellschaften. 8. Mitteldeutscher Archäologentag vom 22. bis 24. Oktober 2015 in Halle1. Tagungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle (2016) 61–76.
  • Olson 1982
    M. Olson, The rise and decline of nations. Economic growth, stagflation, and social rigidities (New Haven 1982).
  • Schultz/Searleman 2002
    P. W. Schultz/A. Searleman, Rigidity of thought and behavior. 100 years of research. Genetic, Social, and General Psychology Monographs 128, 2, 2002, 165–207.
  • Turchin u. a. 2018
    P. Turchin/N. Witoszek/S. Thurner u. a., A History of Possible Futures: Multipath Forecasting of Social Breakdown, Recovery, and Resilience. CDN 9, 2, 2018.