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Donnerstag, 9. Januar 2025

Cold Case Ötzi - Mordermittlung als archäologisches Narrativ


Josef Rohrer

 

Cold Case Ötzi.
Eine Spurensicherung von Alexander Horn, Oliver Peschel und Andreas Putzer.

  

Bozen: Folio-Verlag, Wien 2024

ISBN 978-3-85256-904-8

.Hardcover mit Lesebändchen, 174 Seiten, zahlreiche farvige Abbildungen

24,00€


Krimis boomen. Gefühlt gibt es wesentlich mehr literarische Mordopfer als in der Realität und die Dichte von Mord und Sonderkommission übersteigt wohl bei weitem die tatsächliche Ausstattung der Polizeibehörden. Noch im letzten idyllischen Winkel gibt es Mord und Totschlag. Vielleicht ist es der Grund, dass mittlerweile True Crime so eine große Rolle spielt, dass Podcasts und Zeitschriften alte Kriminalfälle aufräumen, besonders gerne natürlich die ungelösten Cold Cases

Da Archäologie schon immer wieder mit Kriminalistik verglichen worden ist, verwundert es nicht, dass dieser Trend auch auf die Archäologie übergreift.

Und Ötzi bietet sich hier natürlich an, seit 2001 entdeckt wurde, dass Ötzi von hinten mit einem Pfeil erschossen wurde. Seitdem rückt der Kriminalfall in den Mittelpunkt des Interesses, vor allem, aber nicht nur in populärwissenschaftliche Darstellungen. Ötzi ist in erster Linie ein Kriminalfall und weniger eine Quelle zur Kenntnis, kupferzeitlicher Gesellschaften. Und natürlich ist der Mann im Eis auch der Cold Case im unmittelbaren Sinne.



Webcam an der Fundstelle von Ötzi auf dem Tisenjoch,
www.foto-webcam.eu (gemäß https://www.foto-webcam.eu/webcam/tisenjoch/2025/01/05/1130)“ 

 

Der Journalist Josef Rohrer, Kriminalist Alexander Horn, Rechtsmediziner Oliver Peschel und der Archäologe Andreas Putzer bilden ein Ermittlerteam, das auf einer Alphütte mit WLAN den Fall Ötzi durchgeht. Zwei Mal verlassen Sie die Hütte. Einmal treffen sie bei einem Spaziergang auf eine Gams, die Anlass gibt über Jagdtechniken zu reden, einmal - zum Ende - besuchen sie den Tatort und versuchen eine Rekonstruktion des Tathergangs.

Ansonsten diskutieren sie Schritt für Schritt den Fall und bringen ihre fachliche Expertise ein. Vor allem der Archäologe Andreas Putzer referiert die bisherigen Forschungsergebnisse. Dabei fallen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nie die Namen der betreffenden Forscher und das ganze Buch kennt keine Literaturverweise. Auch die im Buch verteilten QR-Codes führen hier nur zu weiteren Bildern aber nicht zu weiteren Informationen.

Dafür ist das Buch spannend zu lesen und dürfte es schaffen, ein Publikum an die Archäologie heranzuführen, das nicht zum Stammpublikum gehört. Schade, dass die Chance verpasst wurde, die Neugier weiter zu leiten, etwa an das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen,

Die Ermittler entwerfen schließlich ein Bild der Vorgänge in Ötzis letzten Tagen. Es deckt sich weitgehend mit der Darstellung von Wiener et al 2018, die eine detaillierte Betrachtung von Ötzis Werkzeugen zum Anlaß genommen haben, das Szenario, das sich aus den jüngeren Forschungen ergibt knapp darzustellen.
 

Ötzis letzte Tage nach Wiener et al.  2018 (CC BY SA 4.0 via WikimediaCommons)




Ein wichtiges Detail ist es, dass der Silexdolch, zwei Pfeilspitzen, der Endschaber, der Bohrer und der kleine Geweihretuscheur überwiegend ihr letztes Stadium der Verwendbarkeit erreicht hatten. Sie weisen auf eine intensive Nutzung, hauptsächlich durch die Bearbeitung von Pflanzen. Die Geräte wurden nachgeschärft und zeigen Absplisse vom Gebrauch.. Offensichtlich hatte Ötzi schon seit längerem keinen Zugang mehr zu Hornstein, denn er nutzte offenbar auch die Pfeilspitze als Schaber zur Bearbeitung pflanzlicher Materialien. Wiener et al. versuchen die Informationen der Objektbiographien in das Bild einzufügen, das die Forschung bislang von Ötzis letzten Tagen gezeichnet hat (Abb.): Wahrscheinlich befanden sich alle Werkzeuge bereits Tage vor seinem letzten Bergaufstieg in seinem Besitz. Das gilt auch für die Spitze von Pfeil 14,die bereits im gleichen Stil wie Pfeilspitze 12 nachgeschärft wurde, aber von einem Linkshänder gefertigt wurde. Der Zeitpunkt des Bruchs der beiden steinernen Pfeilspitzen kann nicht angegeben werden, könnte aber in diesen Stunden geschehen sein. Sicher hat Ötzi die letzten Nachschärfungen der Silexwerkzeuge selbst vorgenommen, bevor er sich die tiefe Wunde an der rechten Hand zugezogen hat. Die Verletzung dürfte auch als terminus ante quem für alle anderen manuellen Arbeiten zu sehen sein, die unvollendet geblieben sind, wie die Fertigstellung des Bogenrohlings und der Pfeilschäfte: Obwohl sich Ötzi in tiefere Lagen aufgehalten, war es ihm nicht gelungen die notwendigen Gegenstände zu besorgen und sein abgearbeitetes Gerät zu ersetzen. Vielleicht hätte Ötzi aus diesem Grund die zerbrochenen Pfeilspitzen behalten und auch einige Geweihspitzen mitgenommen, einem alternativen Rohmaterial für die Herstellung von Pfeilspitzen.

Das Ermittlerteam um Pelzer diskutiert solche Befunde. Wichtig für das Verständnis der Vorgänge ist die genannte Handverletzung, die der Profiler als Indiz für eine gewaltsame Auseinandersetzung nimmt, in der Ötzi seinen Gegner wahrscheinlich erfolgreich abgewehrt und wahrscheinlich sogar getötet hat. Der Aufstieg zum Tisenjoch stellt sich als Flucht dar, sein Tod als persönliche Rache, der ihn gezielt von hinten ermordet hat.


Zwei Punkte an dem Buch scheinen mir bemerkenswert:

Die Argumentation des Ermittlerteams geht von wahrscheinlichen Szenarien aus, um ein Gesamtbild zu erreichen und ein Täterprofil zu erstellen. Ötzis Mörder war demnach wahrscheinlich männlich, stammte aus der Region Untervinschgau, war Jäger und Bogenschütze mit hoher körperlicher Belastbarkeit und ging bei der Verfolgung und beim Mord strukturiert und unter Kontrolle seiner Emotionen vor (S. 170). Heute hätte die Polizei damit einen Anhaltspunkt, konkret den Täter einzugrenzen und weitere Beweise für die Tat zu finden. In der Archäologie gelingt das nicht und für eine Wissenschaft ist das auch kritisch, weil am Ende eben kein gesichertes Wissen, sondern eine Hypothese steht. Hinter diesem Vorgehen steht eine pragmatische Heuristik, die zu näherungsweisen Aussagen bei begrenzter Datenlage führt. Das erste Kapitel ist überschrieben mit “Ockhams Rasiermesser”, das aber leider nicht genauer erklärt wird. Es handelt sich dabei um ein Erklärungsprinzip der Scholastik, benannt nach Wilhelm von Ockham (1288–1347), das einfache Erklärungen mit möglichst wenigen Variablen und Komplikationen präferiert. Im Verlauf der Diskussion werden aber viele Kenntnislücken deutlich. Vielfach sind die Wahrscheinlichkeitsannahmen des Profilers von modernen Erfahrungen geprägt. Bei der Frage nach Ötzis Position in der lokalen Gesellschaft beispielsweise wäre der Input eines Ethnographen/ Kulturanthropologen sehr erhellend gewesen.


Das Narrativ der Kriminalermittlung scheint für das Publikum sehr attraktiv. Anders als wir das von Aktenzeichen XY und anderen TrueCrime Dokumentationen gewohnt sind, beginnt die Geschichte nicht mit einer Darstellung des Tathergangs,wie das auf der Basis der Zeugenaussagen oder einer genauen Ortskenntnis des Tatorts möglich ist. Im Falle von Özi sind die Zeugen - sollte es sie gegeben haben - längst tot und der Tatort ist durch die Jahrtausende in hohem Maß verändert. Das Team geht die vorliegenden Indizien einigermaßen systematisch durch, indem der Leichnam und seine Funde nach und nach durchgegangen werden und dabei Fragen nach Ötzis Biographie und sozialer Rolle diskutiert werden. Hier kommen Ergebnisse von Isotopenstudien und Paläogenetik ebenso zur Sprache wie das Siedlungsbild im Alpenraum. Am Ende stehen eine Tatortbegehung und eine Rekonstruktion des Tathergangs. Dieses systematische, am Kriminalfall interessierte Narrativ bricht mit dem in der Archäologie häufigen Narrativ der Entdeckungsgeschichte, das gerade im Falle von Ötzi die meisten Darstellungen dominiert (Spindler 1993).


Mit dem Krimi ist nun im Fall Ötzi eine klare, eingängige Fragestellung da - sie fehlt bei den meisten archäologischen Forschungen in dieser Prägnanz. Nicht nur im Sinne der Wissenschaft, sondern auch im Sinne der Wissenschaftskommunikation sollten wir das schärfen. Archäologie kann damit (noch) interessanter werden und wohl auch seine Relevanz besser darstellen. Apropos Relevanz. Die Frage nach Ötzis Mörder ist eigentlich belanglos. Wir werden ihn nicht mehr zur Rechenschaft ziehen. Die Frage, wie Ötzis Gemeinschaft strukturiert war und im Alltag funktioniert hat, wie sie ihre alpine Umwelt mit den Mitteln ihrer Zeit gemeistert hat, ist viel wichtiger… Rohrer et al. setzen sich damit nur ganz am Rande auseinander.


Literaturhinweise

  • Dickson 2005
    J.H. Dickson/ K. Oeggl/ L.L. Hadley, The Iceman reconsidered. Scientific American Special Edition 2005; 15(1): 4–13. - doi:10.1038/scientificamerican0105-4sp
  • Gostner et al. 2004
    P. Gostner / E. Egarter-Vigl/ U. Reinstadler, Der Mann im Eis – eine paläoradiologisch-forensische Studie zehn Jahre nach der Auffindung der Mumie. Germania 2004; 82: 83–107. - DOI: https://doi.org/10.11588/ger.2004.95363
  • Gostner et al. 2011
    P. Gostner / P, Pernter/ G. Bonatti/ A. Graefen/ A. Zink, New radiological insights into the life and death of the Tyrolean Iceman. Journ. Arch. Science 38, 2011; 3425–3431. - https://doi.org/10.1016/j.jas.2011.08.003
  • Lippert et al. 2007
    A. Lippert/ P. Gostner/ E. Egarter Vigl/ P. Pernter, Vom Leben und Sterben des Ötztaler Gletschermannes. Neue medizinische und archäologische Erkenntnisse. Germania 2007; 85: 1–21. - DOI: https://doi.org/10.11588/ger.2007.95436
  • Maixner et al. 2026
    F. Maixner/ D.Turaev/ B. Krause-Kyora/ A. Cazenave-Gassiot/ M. Janko/ M.R. Hoopmann et al., Multi-omnics study of the Iceman’s stomach content shows main components of a Copper Age meal: fat, wild meat and cereals. Abstracts of the 3rd Bolzano Mummy Congress; 2016 Sept 19–21 (Bolzano 2016) 17–18.
  • Nerlich et al. 2003
    A.G. Nerlich/ B. Bachmeie/ A. Zink/ S.Thalhammer/ E. Egater-Vigl, Ötzi had a wound on his right hand. Lancet 2003; 362: 334. pmid:12892980 - DOI: 10.1016/S0140-6736(03)13992-X
  • Oeggi et al. 2007
    K. Oeggl/ W.Kofler/ A. Schmid/ J.H. Dickson/ E. Egarter Vigl/ O,Gaber, The reconstruction of the last itinerary of “Ötzi”, the Neolithic Iceman, by pollen analyses from sequentially sampled gut extracts. Quat Sci Rev 2007; 26: 853–861. - https://doi.org/10.1016/j.quascirev.2006.12.007
  • Spindler 1993
    K. Spindler, Der Mann im Eis: die Ötztaler Mumie verrät die Geheimnisse der Steinzeit (München 1993)
  • Wierer et al. 2018
    U. Wierer/ S Arrighi/ S. Bertola/ G. Kaufmann/ B. Baumgarten et al. , The Iceman’s lithic toolkit: Raw material, technology, typology and use. PLOS ONE 13(6), 2019,: e0198292. - https://doi.org/10.1371/journal.pone.0198292

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Freitag, 22. Dezember 2023

Donnerstag, 14. Dezember 2023

Der Diskobol des Myron - Begierden zwischen Klassik und NS-Propaganda

Myron (ca. 480–440 v.Chr.) war neben Phidias und Polyklet einer der berühmten Künstler der griechischen klassischen Periode. Die Statue zeigt einen "Diskuswerfer, der sich in der Haltung des Abwurfs gebückt hat, seinen Kopf zu der Hand gewendet, die den Diskos hält, ein Knie leicht gebeugt, wobei er den Eindruck erweckt, dass er sich gleichzeitig mit dem Wurf wiederaufrichten wird" (Lukian, Philopseudes 18). Das Original war aus Bronze, doch wurden insbesondere in römischer Zeit Marmorkopien. Eine davon wurde 1781 auf dem Esquilin in Rom gefunden und gelangte in den Besitz der Adelsfamile Lancelotti, nach der das Exemplar heute benannt wird.
Diskobolos Lancelloti: Römische Marmorkopie (2. Jh. n.Chr.),
gefunden 1781 auf dem Esquilin in Rom, heute im Nationalmuseum Palazzo Massimo
(Foto: Rabax [CC BY SA 4.0 DEED] via WikimediaCommons)

 
 
Im 19. Jahrhundert wurde der Diskobol zu einem Symbol der Olympischen Spiele - und auch 1938 spielte er in dem  NS-Propagandafilm Olympia der Regisseurin Leni Riefenstahl eine besondere Rolle. Die Statue war in Rom auch Adolf Hitler aufgefallen, der sie unbedingt kaufen wollte, obwohl die Oberste Altertumsbehörde in Italien die damals noch im Besitz der Familie Lancelotti befindlichen Statue für unverkäuflich hielt. Im Mai 1938 wurde die Statue mit Genehmigung des italienischen Außenministers für  6 485 000.- Lire an die deutsche Reichsregierung verkauft, woraufhin sie als Leihgabe in die Glyptothek in München gelangte.
 
Im Novemberg 1948 wurde die Statue an Italien restituiert. Sie ist heute im Museo Nazionale Romano ausgestellt.
 
Und jetzt kam die Glyptothek daher und fordert die Statue zurück nach München. Die Restitution sei illegal gewesen, Adolf Hitler hätte die Statue rechtmäßig erworben. Eine offizielle Forderung der Bundesrepublik Deutschland ist das indes nicht.
 

Wenn die Darstellung der Berliner Morgenpost den Sachverhalt richtig wieder gibt, ist die Forderung der Rückgabe einer ehemals von Adolf Hitler angekauften Satatue ein reichlich unverständlicher Vorgang, der der Glaubwürdigkeit der Archäologie und allen Bemühungen im Umgang mit NS-Raubkunst schadet.

Anlaß für die Rückforderung war nach den Berichten zu urteilen jedoch eine eher kindische Retourkutsche für Forderungen aus Italien, nun auch den noch immer in München befndlichen Sockel zur Statue an Italien zurück zu geben. Warum München den neuzeitlichen Sockel zur Statue überhaupt behalten hat, ist mir nicht verständlich.


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Donnerstag, 9. Dezember 2021

Sammeln verboten - wegen Antikenhehlerei: Der Fall Steinhardt

Anfang Januar 2018 durchsuchten Beamte der Bezirksstaatsanwaltschaft von New York die Geschäftsräume des Milliardärs Michael H. Steinhardt und stellten dabei mehrere Antiken sicher, die illegal aus Italien und Griechenland ausgeführt worden waren. Besonders genannt sind sechs Stücke:

  • ein zeremonielles Trankopfergefäß oder Rhyton in Form eines Hirschkopfs. Es wurde durch Steinhardt im November 1991 von der Merrin Gallery of Manhattan für 2,6 Mio $ gekauft. Das Objekt, das im Handel zunächst ohne Provenienzangabe auftauchte, stammt wohl aus einer Raubgrabung in Milas in der Türkei, an die es inzwischen zurückgegeben wurde.
  • eine Larnax, also eine kleine sarkophagartige Truhe für menschliche Überreste aus dem spätminoischen Kreta (ca. 1400 - 1200 v.Chr.). Der Gegenstand im Wert von 1 Mio $ gelangte über einen bekannten Antikenhändler auf den Seychellen an Steinhardt. Die Bezahlung wurde über eine für Geldwäsche bekannte Bank auf Malta abgewickelt.
  • das „Ercolano Fresco“, das Herakles mit der Schlange zeigt, wurde im November 1995 ohne Provenienz von Robert Hecht, einem ebenfalls berüchtigten Antikenhändler für 650.000 $ erworben.  Es wurde im selben Jahr aus einer römischen Villa in Herculaneum, einer der vom Vesuvausbruch 79 n.Chr. verschütteten Städte geplündert.
  • eine Goldschale aus Nimrud im Irak. Dieses Stück ist besonders brisant, da die Region seit 2015 unter der Herrschaft des IS/Daesh stand, der damit seinen Terror finanzierte. Das Stück fiel den US-Customs am Flughafen in New York auf, als es durch einem aus Hongkong kommenden Antikenhändler im Handgepäck eingeführt und dann an Steinhardt geliefert wurde. 
  • drei neolithische steinerne Gesichtsmasken. Steinhardt erwarb sie im Oktober 2007 von einem in Jerusalem ansässigen Antikenhändler für 400.000 $, wiederum ohne jede Provenienzangabe. Nach Ermittlungen der israelischen Altertumsbehörde datieren sie um 6000 v.Chr. und stammen aus den Ausläufern der Judäischen Berge in Israel, höchstwahrscheinlich aus der Schephelah. Sie sind auf Fotos, die von israelischen Strafverfolgungsbehörden gefunden wurden, noch mit Erde verkrustet und mit Schmutz bedeckt, zu erkennen. Derartige Masken sind in Sammlerkreisen sehr beliebt und werden mit bis zu 1 Mio $ gehandelt, zumal nur rund 15 Stück bisher bekannt sind. Nach einem Bericht in MiddleEastEye vom Mai diesen Jahres soll Steinhardt insgesamt 8 solcher Masken besitzen. Die meisten stammen aus Raubgrabungen, nur eine aus einer regulären Grabung, so dass Funktion und Bedeutung bis heute unbekannt sind.  Beispielsweise weiß man nicht, ob es sich um Totenmaskem handelt

Die Staatsanwaltschaft New York hat laut ihrer Pressemeldung Beweise dafür, dass 180 Objekte der Sammlung Steinhardt aus ihrem Herkunftsland gestohlen wurden. Entscheidend ist nicht allein das Fehlen von Provenienzangaben, sondern es gibt zahlreiche weitere Beweise für Plünderungen. 171 der 180 beschlagnahmten Antiquitäten befanden sich vor dem Erwerb durch Steinhardt im Besitz von Personen, die von den Strafverfolgungsbehörden später als Antikenhehler eingestuft wurden und von denen einige deswegen auch verurteilt wurden; 101 Objekte sind auf Fotos in schmutzigem, unrestaurierten Zustand zu erkennen, was ihre Herkunft aus einer Raubgrabung belegt. Viele der beschlagnahmten Funde stammen aus Regionen, die vor ihrem Auftauchen auf dem Kunstmarkt von Unruhenund Raubgrabungen betroffen waren - darunter auch das Herrschaftsgebiet des IS.  Die Sammlung Steinhardt ist mit Sicherheit noch größer, doch ist es bei den weiteren Objekten wohl nicht möglich die Illegalität zweifelsfrei nachzuweisen.

Zahlreiche Objekte hat Steinhardt an das Metropolitan Museum of Art MET in New York gestiftet oder verkauft (z.B. welche von diesen), das seinerseits schon mehrfach in Skandale um Raubgrabungsfunde verwickelt war.

kykladische Marmorschale im MET, gestiftet 2001 von Judy und Michael Steinhardt mit einer längeren Provenienzgeschichte, die aber nicht zu einem Fundort führt
(Foto: MET [public domain] via MET)

 

Nicht immer lassen sich verdächtige Provenienzgeschichten - die ja auch nie zu einem bei archäologischen Funden ja vorauszusetzenden Fundort führen - sicher als falsch erweisen, wobei der Verdacht andererseits aber meist auch nicht auszuräumen sein dürfte.

Steinhardt ist jedenfalls schon öfters mit Raubgrabungsfunden aufgefallen. Die aktuelle Untersuchung begann, als er eine Statue aus dem Libanon an das New Yorker Metropolitan Museum of Art ausgeliehen hat und die Staatsanwaltschaft feststellte, dass die Statue wie auch zahlreiche weitere Stücke seiner Sammlung unrechtmäßig ausgeführt worden waren.

2014 musste das Auktionshaus Christies ein von Steinhardt eingeliefertes marmornes Frauenidol aus Sardinien, dessen Wert auf bis zu 1,2 Mio $ angesetzt war aus einer Auktion zurückziehen. Die Auktion findet sich noch im Internet unter https://www.thecityreview.com/f14cant.html (Lot 85). Hier heisst es:

"Lot 85, Female idol, marble, Sardinian, Ozeri culture, circa 2500-2000 B.C., 13 3/4 inches high
A larger and considerably older female figure is Lot 85, Sardinian, Ozeri culture, circa 2500-2000 B.C. The marble figure is 13 3/4 inches high. It is propperty of the Michael and Judy Steinhardt Collection and once was with the Merrin Gallery in New York. Its face is featureless except for a long ridge for a nose. It has an estimate of $800,000 to $1,200,000. It failed to sell."
Christos Tsirogiannis identifizierte das Stück jedoch in den Geschäftsunterlagen des berüchtigten italienischen Kunsthändlers Giacomo Medici, der 2004 zu 10 Jahren Gefängnis und 10 Mio € Strafe verurteilt worden war. Anhand seiner Dokumente ließ sich die Plünderung einer bis dato unbekannten römischen Villa im Umfeld des Vesuvs belegen, vor allem aber wurden im September 1995 in einem Genfer Freihandelslager hunderte archäologischer Objekte aus Italien und Griechenland gefunden.  Christies Provenienzgeschichte musste falsch sein, da hier Medici als Vorbesitzer nicht verzeichnet ist.

2011 beschlagnahmte der amerikanische Zoll ein Fresko, das in den 1950er Jahren aus einem Grab bei Paestum aus Italien gestohlen wurde. Es sollte an Steinhardt geliefert werden.

Schon 1995 wurde bei Steinhardt zuhause im Rahmen von Ermittlungen eine goldene Phiale sichergestellt, die 1992 illegal aus Italien ausgeführt wurde. Steinhardt hatte sie für 1 Mio $ gekauft.


 

Rückgabe und Sammelbann

Nun hat die New Yorker Staatsanwaltschaft mit Steinhardt einen Deal ausgehandelt, mit dem ein Prozess vermieden wird, Steinhardt allerdings auch einer Strafe entgeht. Die 2018 sichergestellten Objekte im Wert von etwa 70 Mio $ gehen an die Ursprungsstaaten zurück und Steinhardt musste sich verpflichten, nie mehr Antiken zu kaufen.

Cyrus Vance, der zuständige New Yorker Staatsanwalt, wird in seiner Pressemitteilung zitiert: 

"Jahrzehntelang hat Michael Steinhardt einen räuberischen Appetit auf geplünderte Artefakte an den Tag gelegt, ohne sich um die Rechtmäßigkeit seiner Handlungen, die Legitimität der von ihm gekauften und verkauften Stücke oder den schweren kulturellen Schaden zu kümmern (For decades, Michael Steinhardt displayed a rapacious appetite for plundered artifacts without concern for the legality of his actions, the legitimacy of the pieces he bought and sold, or the grievous cultural damage he wrought across the globe)". 

Staatsanwalt Cyrus Vance hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Fälle der Antikenhehlerei aufgedeckt, so z.B. den Fall des persischen Kriegers (vgl. Archaeologik (2.11.2017)).  


Obwohl Steinhardt für die Plünderung archäologischer Fundstellen mitverantwortlich ist, gibt er sich als Philanthrop und Kunstförderer. Aufgrund einer Spende von 10 Mio $ im Jahr 2001 ist an der Universität New York auch das NYU’s Steinhardt School for Culture, Education, and Human Development nach ihm benannt. Studierende fordern nun verstärkt die Umbenennung - eine Forderung die jedoch bereits 2019 erfolglos erhoben wurde, als bekannt wurde, dass gegen Steinhardt Vorwürfe der sexuellen Belästigung bestehen.


Literatur

  • Watson/Todeschini 2006: P. Watson/C. Todeschini, The Medici conspiracy. The illicit journey of looted antiquities, from Italy's tomb raiders to the world's greatest museums (New York 2006).

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Interner Link


Sonntag, 8. Juli 2018

Schlag gegen internationale Antikenhehler: Operation Demetra

Am 4.7. hat die italienische Polizei an mehreren Orten in Italien, aber auch in Großbritannien, Spanien und Deutschland zugeschlagen und Hausdurchsuchungen und 23 Verhaftungen vorgenommen. In Deutschland wurde ein in Ehingen an der Donau wohnhafter Italiener festgenommen, zudem würde gegen zwei Münchner Auktionshäuser ermittelt. In London wurde ein Kunsthändler verhaftet, der in Bezug auf das Thema Raubgrabungen und Antikenhandel  schon früher aufgefallen ist (s.u.). In Italien fanden zahlreiche Verhaftungen in Turin und in Ravanusa im südlichen Sizilien statt.
Gehandelt wurde mit Raubgrabungsfunden aus Piemont, Kalbrien, Apilien und Sizilien. Etwa 20.000 Objekte wurden sicher gestellt, deren Marktwert auf 40 Mio € geschätzt wird. Sichergestellt wurden auch gefälschte Herkunftsnachweise.
Der in diesem Zusammenhang in den Medienberichten genannte bei London verhaftete Kunsthändler ist schon 2017 aufgefallen:


(Foto: R. Schreg, 2013)




Dienstag, 19. September 2017

Brandstiftung in römischer Villa

In der Nacht vom 6. zum 7.9.2017 brannte der Schutzbau der spätantiken römischen Villa von Faragola bei Ascoli Satriano in Mittelitalien ab. Seit 2003 hatte die Universität Foggia in der Villa Asgrabungen durchgeführt und dabei im Badegebäude mehrere Mosaiken freigelegt. Diese wurden konserviert und mit einem hölzernen Schutzbau geschützt, der 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Demnächst sollte als dritter Ausbauschritt ein Informationszenter eingerichtet werden.

Bald nach dem Vorfall wurde in den italienischen Medien über einen Brandanschlag spekuliert. Branbeschleuniger oder Sprengstoff soll im Spiel gewesen sein. Über die Hintergründe der Tat und eine Verwicklung der Mafia wird spekuliert, doch sind bisher offenbar keine Untersuchungsergebnisse publik geworden. Der Parlamentsabegordnete Michele Bordo verspricht einen Restaurierung bzw. Rekonstruktion der Fundstelle.




 

Links

zur Fundstelle


3D-Rekonstruktionen


zum Brand


Literatur

  • Giuliano Volpe, Maria Turchiano, La villa tardoantica e l’abitato altomedievale di Faragola (Ascoli Satriano). Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung, 118, 2012, 455-491.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Italien: Kunstschmuggel wird als Bildung einer kriminellen Vereinigung gewertet

Vorgesehen sind Haftstrafen für
  • Raubgrabungen, Plünderungen und Schmuggel von Antiquitäten - bis zu acht Jahre
  • illegale Sondagen - bis zu zwei Jahre
  • die Behinderung von Ermittlungen zur Identifizierung der Herkunft gestohlener Kunstwerke - zwischen fünf und 14 Jahren  - Das könnte auch die üblichen falschen Provenienzangaben im Kunsthandel betreffen.
Kunstschmuggel soll der Bildung einer kriminellen Vereinigung gleichgestellt werden.

Dienstag, 18. Oktober 2016

Eine globale Allianz von Mafia und Terror

Die italienische Zeitung La Stampa berichtet über Waffenlieferungen der Mafia an Daesh in Libyen. Demnach kommen die Waffen aus Russland, der Ukraine und Moldawien, wo in Folge der Ukraine-Krise leicht Waffen aufgekauft werden können. Die süditalienische Mafia, die Ndrangetha liefert sie im Tausch gegen Antiken an Daesh in Libyen. Der Transport erfolgt mit chinesischen Frachtern. Archäologische Funde aus Libyen werden an Sammler in Russland, China, Japan und am Persischen Golf verkauft.  Ein wichtiger Umschlagplatz scheint die süditalienische Hafenstadt Gioia Tauro zu sein.

Einem Reporter, der sich als Kunstinteressent ausgegeben hat, sind römische und griechische Statuen für 60.000 bzw. 800.000€ angeboten worden.






Die Route über Libyen ist der Mafia längst vom Drogenhandel bekannt.
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/05/27/drogenhandel-italienische-mafia-arbeitet-mit-is-zusammen/

Sonntag, 14. Februar 2016

Eine neolithische Siedlungslandschaft aus der Luft

Bei GoogleMaps deutlich zu erkennen: Die neolithische Siedlungslandschaft rund um die archäologische Grabungsstätte Passo di Corvo bei Arpinova nordöstlich von Foggia in Süditalien. Charakteristisch für die frühneolithischen Siedlungen (ca. 7000-5000 v.Chr.) sind C-förmige Grabenanlagen, zwischen denen kleine Hütten standen, wie sie im archäologischen Park Passo di Corvo rekonstruiert sind. Die Fundstelle wurde während des Zweiten Weltkriegs in Luftbildern entdeckt.




Links

Literatur

Donnerstag, 4. Februar 2016

Proteste gegen Reform der Denkmalpflege in Italien

Seit 2014 arbeitet das italienische Ministerium für Kulturgüter und Tourismus (MIBACT) (wikipedia) unter seinem Minister Dario Franceschini an einer Reform der Denkmalpflege, die vor allem zwei Elemente umfasst:
  • eine Herauslösung der Museen aus den Strukturen der Denkmalpflege
  • eine Strukturreform der Denkmalämter (Superintendenzien)
In einer ersten Phase ergaben sich teilweise bereits Veränderungen in den regionalen Zuständigkeiten. Jetzt wird mit einem zweiten Dekret, das am 23. Januar unterschrieben wurde, eine zweite Phase der Reformen umgesetzt. Die archäologische Denkmalpflege und die Bau- und Kunstdenkmalpflege, die bisher von zwei verschiedenen Ämtern wahrgenommen wurden, sollen zusammengefasst werden. Auch die territoriale Neustrukturierung soll mit einer Regionalisierung fortgesetzt werden, die mehr, aber kleinere Ämter (39 statt bisher 17) vorsieht.

Zweifellos, kann man einiges davon nur begrüßen, es gibt aber Zweifel, ob die Umsetzung tatsächlich effektivere Strukturen schafft. Kollegen halten die Denkmalpflege in Italien - entgegen landläufiger Vorurteile über italienische Behörden - für sehr gut organisiert und mit einer prinzipiell recht starken Stellung.
Bedenken bestehen:
  1. ob die Archäologie in den neuen Strukturen gebührend berücksichtigt ist. In kleineren Ämtern steht möglicherweise nicht mehr die ganze Bandbreite an nötiger Expertise zur Verfügung.
  2. dass die betroffenen Denkmalpfleger nicht gehört wurden.
  3. dass schon die erste Phase der Reform die Tätigkeiten der Superintendenzien ein ganzes Jahr blockiert hätten
  4. dass Archive, Magazine und Infrastrukturen nach den neuen Zuständigkeiten aufgeteilt werden müssten
  5. dass die neuen Zuständigkeitsbereiche sich an modernen Verwaltungsgebieten und weniger, wie bisher, an den Schwerpunkten der archäologischen Denkmalpflege orientieren. Die Denkmalpflege im antiken Tarent würde so zu einer Arbeitsstelle in einem entfernteren Amt in Lecce degradiert.  
  6. dass sich ähnliche Reformen in der Denkmalpflege und im Landschaftsschutz in der Vergangenheit sich nicht bewährt hätten.
  7. dass keine klaren Regelungen für die Durchführung von Rettungsgrabungen getroffen seien und die neuen Strukturen so den Anforderungen der Konvention von La Valletta nicht gerecht würden.
Diese Bedenken äußern sich in heftigen Protesten aus den Reihen italienischer Archäologen. Derzeit suchen sie Unterstützer für eine Petition an den zuständigen Minister:
"Das italienische Ministerium für Kulturgüter verfolgt eine radikale Reform des archäologischen Denkmalschutzes. 110 Jahre nach ihrer Gründung sollen die Archäologischen Denkmalämter abgeschafft werden. Die Reform ist innerhalb kürzester Zeit, ohne jegliche Debatte innerhalb des Ministeriums, geplant worden. Zudem gibt es konkrete Hinweise dafür, dass die Bestimmungen zur präventiven Archäologie aus dem neuen Gesetzeskodex der öffentlichen Aufträge gelöscht werden sollen (im Widerspruch zum europäischen Übereinkommen von La Valletta). All dies würde unweigerlich zur Abschaffung der Schutzmaßnahmen für die archäologischen Kulturgüter Italiens führen.
Angesichts der Notwendigkeit, das System des archäologischen Denkmalschutzes zu verbessern, appellieren wir an den Minister den Gesetzesentwurf zurückzuziehen und eine Diskussion mit den Experten der Denkmalpflege in die Wege zu leiten, bei dem auch die internationale Fachwelt involviert werden soll."
Schon früher hat eine andere Petition Unterstützer gesucht, die auch damit argumentiert hat, dass die neuen Strukturen nicht verfassungsgemäß seien:

In Tarent gab es am 30.1. eine Demonstration auf den Stufen der Kirche San Domenico für die Erhaltung des örtlichen Denkmalamtes. Informationen und Bilder dazu wurden mit dem hashtag #iostocontaranto via facebook verbreitet.
Es ist schwer, das Reformprogramm von außen zu beurteilen. Einige Punkte der Reform scheinen im Kern grundsätzlich sinnvoll, entscheidend ist vielleicht eher die Art der Umsetzung, an der die eigentlich Betroffenen nicht beteiligt waren und somit auch deren Erfahrungswerte nicht berücksichtigt sind. Scheinen einige der Bedenken eher der Erhaltung der eigenen Gewohnheiten zu dienen, so gibt es doch viele offene Fragen und eindeutige Risiken. Kleinere Ämter sind für die Bürgernähe sicherlich günstiger, bei entsprechender Personalstärke sind sie auch ein wesentlicher Faktor für die Orts- und Landschaftskenntnis der Konservatoren. Die Aufteilung der Strukturen der Inrastruktur - Bibliotheken, Restaurierung, aber auch inhaltliche Kompetenzen, kann sich aber als ein Problem erweisen. In den Niederlanden wurden bei einer solchen Regionalisierung die lokalen Dienststellen der Denkmalpflege der Möglichkeit beraubt, auf zentrale Kompetenzen zurückzugreifen (vergl. Der Mikwenskandal von Venlo - Archäologie unter Erfolgszwang. Archaeologik [25.6.2014]).   

Maria Pia Guermandi, Archeologia e territorio: l'ultima spallata. Eddyburg (24.1.2016). - http://www.eddyburg.it/2016/01/archeologia-e-territorio-lultima.html
Alessandro Vanzetti, Prähistoriker an der Universität in Rom und derzeit Mitglied des Boards der European Association of Archaeologists hat sich in einem Brief an die EAA-Mitglieder gewandt und auf die aktuelle Petition hingewiesen. Seiner Meinung nach, geht es jetzt nicht so sehr um die Beurteilung, ob die Reformen gut oder schlecht sind, sondern darum, Klarheit über den Prozess zu schaffen und die Fachgemeinschaft einzubinden - zumal es Gerüchte zu einer beabsichtigten Phase 3 der Reform gäbe. ("This is not to say that, in the present situation of uncertainty, one can say whether the reform is definitely "good" or "bad", but that I, and many archaeologists, feel that there should be more involvement of the Community in such an important process, and that the complete trajectory of the reform process should be outlined, as there are rumors speaking of a possible phase 3 of the reform, completing it in the future (next year?)."


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Besten Dank an Leonie Koch und Alessandro Vanzetti

Samstag, 22. August 2015

Der Wind hat gedreht: Die zweite Geburt von Pompeji

Pompeji, Via di Mercurio
(Foto: R. Schreg, 1988)
Ein kritischer Blick, wie es Archaeologik bieten möchte, neigt dazu, negative Geschichten herauszugreifen. Italien und speziell Pompeji hatten da in der Vergangenheit das eine oder andere beizutragen. Hin und wieder ist aber vielleicht auch Optimismus angebracht, wie er nun aus Pompeji zu hören ist:

Das Pompeii Sustainable Preservation Project: http://www.pompeii-sustainable-preservation-project.org/ setzt allerdings auf private Spenden und man wird sehen müssen, ob es gelingt, die Probleme der Konservierung und Restaurierung zu lösen. 

Samstag, 8. August 2015

Weg frei für einen neuen Beton-Tsunami! - Italien kippt den Umwelt- und Denkmalschutz

In Italien setzt die Regierung Renzi eine Neuorganisation der Verwaltung um, die möglicherweise verheerende Auswirkungen auf den Denkmalschutz hat. Zum einen sollen die eigenständigen regionalen Soprintendenzen als eigenständige Ämter aufgelöst und den Praefekten der Regionalregierungen unterstellt werden. Zudem sieht ein Gesetzesentwurf vor, dass Fachgutachten künftig innerhalb von 90 Tagen eingehen müssen. "Es ist unschwer vorauszusehen, dass die chronisch überlasteten und von Bürokratie gelähmten Behörden vielfach ihrem Auftrag nicht mehr nachkommen werden." urteilt die deutschsprachige Südtiroler Nachrichtenplattform UnserTirol24 in einem Artikel:
https://www.change.org/p/non-si-uccide-cos%C3%AC-l-art-9-della-costituzione
Eine Petition richtet sich gegen diese Schwächung des Denkmalschutzes:
Sie bezeichnet das geplante Gesetz als die schwerste Attacke einer italienischen Staatsregierung auf den Landschafts- und Denkmalschutz, ja, als deren letzte Vernichtung. Das Gesetz sei nicht verfassungskonform, denn in Italien hat der Kulturgüterschutz Verfassungsrang. Artikel 9 der italienischen Verfassung bestimmt: "Die Republik fördert die Entwicklung der Kultur und die wissenschaftliche und technische Forschung. Sie schützt die Landschaft und den historischen und künstlerischen Reichtum der Nation."
Rom, Via Appia: Einsturz einer historischen Mauer
(Foto R. Schreg 2014)
Die Petition hat inzwischen nach nur zwei Wochen fast 25.000 Unterschriften. Sie richtet sich an den Senatspräsidenten, den Staatspräsidenten, die Vorsitzende der Abgeordnetenkammer und den zuständigen Minister, die, wenn sie sich diesem Gesetz nicht entgegenstellen würden, die Totengräber der Zivilisation würden. Zu den Erstunterzeichnern gehört u.a. der international bekannte Kulturwissenschaftler Carlo Ginzburg und der langjährige Archäologe und Denkmalpfleger Fausto Zevi.  

Ministerpräsident Renzi ist seit langem als Gegner des Denkmalschutzes bekannt, den er als "Hinderniss auf dem Weg zur Modernisierung des Landes" sieht. Die zitierte Südtiroler Plattform sieht hinter der Veränderung das Werk der Betonlobby (vergl. http://www.unsertirol24.com/2015/04/27/denkmalpflege-kompatscher-hat-seinen-laden-nicht-im-griff/). Mit den aktuellen Gesetzsänderungen solle der Weg freigemacht werden für einen neuen "Beton-Tsunami."

Widerstand regt sich auch aus dem Umweltschutz, der eine Demonstration in Rom organisert hatte und mit den internationalen NGOs WWF und Greenpeace auch einen deutlichen internationalen Rückhalt hat, der dem Kulturgutschutz mal wieder fehlt. Dabei scheint fraglich, ob das Gesetz mit der Europäischen Konvention von La Valetta zum Schutz des archäologischen Erbes konform geht.

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Samstag, 11. Oktober 2014

Eingespart. Archäologie in Italien

Eine Analyse der Archäologie in Italien:
Beklagt werden Korruption, mangelnde Regelungen, eine mangelnde Einbindung geophysikalischer Prospektion und rückläufige Studierendenzahlen.
 
Ein Vortrag von Luigi Malnati, Dirigente der Direzione general per le antichità auf der Landscape Archaeology Conference in Rom (LAC 2014) im September ging detailliert auf die mangelnde Qualifikation der Grabungsfirmen ein. Ein Problem liege darin, dass es keine geschützte Berufsbezeichnung gibt.

Neuorganisation der Denkmalpflege
In der Region Lazio wird derzeit eine Neuorganisation der Denkmalpflege diskutiert. Die seit den 1930er Jahren bestehene Soprintendenza archeologica per l’Etruria Meridionale, die die Provinzen im Norden der Region betreut, soll in einer Soprintendenza für die gesamte Region Lazio aufgehen.

Monterozzi-Hügel mit der ausgedehnten
etruskischen Nekropole
südlich des antiken Tarquinia
(Foto R. Schreg, 2014)
Dagegen regt sich Widerstand. Der Nordteil der modernen Region Lazio umfasst den Süden des antiken Etruriens, dessen archäologische Überlieferung insbesondere durch die etruskische Kultur bestimmt wird. Hier liegen berühmte Fundstellen wie Tarquinia, San Giovenale oder Cerveteri.
Archäologen haben eine Petition gestartet, die auf eine Beibehaltung einer eigenständigen Soprintendenza für den ehemals etruskischen Raum abzielt, da sie andernfalls den Verlust etruskologischer Kompetenz befürchten.
Protest kommt aber auch von den Bürgermeistern der Provinz Viterbo.


Das Maiuri-Archiv in Pompeji
In Pompeji wird das Maiuri-Archiv mit dem umfassenden wissenschaftlichen Nachlass des langjährigen Grabungsleiters von Pompei aus Spargründen auf die Straße geworfen:

Donnerstag, 25. September 2014

Souvenirs und Sex: Touristen in Pompei

Einige aktuellere Meldungen über Touristen, die Ziegel, 30 kg Architekturteile und Mosaiksteine aus Pompei mitschleppen: 
Pompeji, Via di Mercurio
(Foto: R. Schreg, 1988)
Bisweilen landen die Souvenirs auf ebay:


Immer wieder dringen nachts Leute in das Grabungsgelände ein - gerne mal für eine Nutzung des Bordells:

Mittwoch, 5. März 2014

Der kontinuierliche Zerfall

Von Zeit zu Zeit registrieren auch die deutschen Medien den Zerfall Pompejis.
Pompeji: Gipsabguß
des in den Vesuvablagerungen
als Hohlraum erhaltenen Körpers
eines Opfers 79 n.Chr.
(Foto R. Schreg, 1987)

Pompeji ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine Erhaltung archäologischer Fundstellen im Boden besser gewährleistet ist. 
Interner Link