Am 21. August 2026 feierte die Welt eine Premiere: Zum ersten Mal wurde der von der UNESCO ins Leben gerufene Internationale Tag des Kulturerbes unter Wasser (International Day for Underwater Cultural Heritage) begangen. Dieser neue Welttag soll das Bewusstsein für die Erforschung und den Schutz versunkener historischer Stätten, Schiffswracks und prähistorischer Siedlungen in Ozeanen, Meeren, Flüssen und Seen schärfen. Doch das Premierenjahr fiel mit historischen Wetterextremen zusammen, die der Diskussion eine ungeahnte Dringlichkeit verliehen.
In der klassischen Wahrnehmung wird Unterwasserkulturerbe oft mit tiefen Ozeanen und antiken Schiffswracks in der Ägäis oder der Karibik assoziiert. Im Sommer 2026 rückten jedoch kontinentale Flüsse und Binnengewässer in den Fokus der medialen Berichterstattung. Anstelle von Tauchexpeditionen reichten plötzlich Stiefel und Drohnen, um archäologische Stätten aufzufinden und zu dokumentieren.
- https://aquaheritage.at/news/tag-des-kulturerbes-unter-wasser.html
- https://www.unesco.org/en/days/underwater-cultural-heritage
- https://www.palafittes.org/eventdetails-de/international-day-for-underwater-cultural-heritage
- https://edition.cnn.com/2026/07/31/climate/shrinking-rivers-reveal-past-relics-in-europe
- https://nltimes.nl/2026/08/15/river-beds-exposed-drought-goldmine-archeologists
- https://futurism.com/science-energy/european-drought-heat-wave-climate-change-danube-roman-ruins
- https://www.instagram.com/p/DbpqNyQkXyE/
Aktuelle Fälle
Die anhaltende Hitzewelle des Sommers 2026 führte europaweit zu dramatisch sinkenden Flusspegeln. Diese extremen Trockenperioden legten Teile von Flussbetten frei, die normalerweise völlig unzugänglich unter Wasser liegen. Was für die Binnenschifffahrt und Landwirtschaft eine Katastrophe bedeutete, bot der Archäologie für außergewöhnliche Einblicke. Die Funde illustrieren damit aber auch die Auswirkungen des Klimawandels.Donau
Durch extreme Niedrigwasserstände floss die Donau in Bulgarien stellenweise nur noch wie ein Rinnsal und legte die Fundamente der fast 1.700 Jahre alten Konstantinsbrücke nahe dem Dorf Gigen frei. Das monumentale römische Bauwerk wurde im Jahr 328 n. Chr. unter Kaiser Konstantin dem Großen eröffnet und galt als eine der längsten Brücken der Antike. Archäologen des Regionalen Historischen Museums in Pleven nutzten die seltene Gelegenheit, um die freigelegten Pfeilerstrukturen in ihrer realen Umgebung mittels Drohnen zu vermessen und zu kartieren.Neben der Brücke kamen in der Region unter anderem ein Mammutstoßzahn sowie ein versunkenes Nazi-Kriegsschiff zum Vorschein.
Etwa 70 Kilometer südlich von Budapest untersuchten Forscher des Intercisa-Museums Ende Juli das ausgetrocknete Bett der Donau. Auf der (vergeblichen) Suche nach den Überresten eines Klosters aus dem 12. Jahrhundert entdeckten sie bei Dunaújváros im seichten Wasser einen hervorragend erhaltenen römischen Jupiter-Altar, eine Frauenstatue und zahlreiche weitere Architekturteile.
- Drought reveals Danube’s lost treasures – and deadly legacy of war. The Telegraph 29.8.2026. - https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/08/29/droughts-uncovering-lost-archaeology-and-wartime-munitions/
- Droughts Are Getting So Intense That Ancient Ruins Are Beginning to Surface From Dried Up Rivers. Futurism 15.8.2026. - https://futurism.com/science-energy/european-drought-heat-wave-climate-change-danube-roman-ruins
- Low Danube water levels in Bulgaria expose Roman-era bridge. Reuters 6.8.2026. - https://www.reuters.com/business/environment/low-danube-water-levels-bulgaria-expose-roman-era-bridge-2026-08-06/
- Elképesztő, mit találtak a Dunában: még a régészeket is meglepte, amit a kiszáradó meder rejtett. penzcentrum 30.8.2026. - https://www.penzcentrum.hu/hellovidek/20260830/elkepeszto-mit-talaltak-a-dunaban-meg-a-regeszeket-is-meglepte-amit-a-kiszarado-meder-rejtett-1204597
- Fast vollstaendig erhaltene Statue aus der Römerzeit im Donaubett gefunden. ungarn heute 21.9.2026. - https://ungarnheute.hu/news/fast-vollstaendig-erhaltene-statue-aus-der-roemerzeit-im-donaubett-gefunden-55964/
In Ungarn veranstalteten Museen mit Freiwilligen gezielte Suchen in den Niedrigwasserzonen, so auch an der Theiss.
Als weitere Weltkriegsrelikte kamen direkt in der ungarischen Hauptstadt durch das extreme Niedrigwasser die Skelette von zwei deutschen Soldaten sowie ein Militärmotorrad aus dem Zweiten Weltkrieg ans Tageslicht.
Nahe der serbischen Stadt Prahovo legte die Dürre Dutzende versunkene Nazi-Kriegsschiffe frei. Die Wracks stammen aus dem September 1944, als die zurückweichende deutsche Schwarzmeerflotte ihre eigenen Schiffe absichtlich versenkte. In der engen Flusspassage an der serbisch-rumänischen Grenze wurden damals angeblich rund 200 Schiffe versenkt. Durch das extreme Niedrigwasser im Juli und August 2026 traten hier mindestens 20 Wracks gleichzeitig spektakulär aus dem Wasser. Da viele dieser Wracks noch tonnenweise scharfe Munition und Sprengstoff an Bord haben, stellen sie bei Niedrigwasser eine erhebliche Gefahr für die Schifffahrt dar.
Nahe der kroatischen Grenzorte Opatovac und Lovas sank der Pegel der Donau so stark, dass das Wrack des ungarischen Frachtschiffs Fulton spektakulär aus dem Wasser ragte. Das Schiff war 1937 mit einer gewaltigen Ladung Kohle auf dem Weg nach Novi Sad aus ungeklärten Gründen gesunken. Lokale Behörden und Historiker nutzten die Freilegung des Hecks im Juli 2026, um neue Daten über die Gründe des Untergangs zu sammeln.
- Low water levels in the Danube revealing Nazi shipwrecks. DW 8.6.2026. - https://www.dw.com/en/low-water-levels-in-the-danube-revealing-nazi-shipwrecks/a-78242343
- Mysterious shipwreck emerges from Danube as river levels sink to record low. TVP World 21.7.2026. - https://tvpworld.com/94453265/danubes-record-low-waters-expose-croatia-shipwreck-mystery
- See the long-lost relics unearthed by Europe's drying rivers amid the summer heat wave. Business Insider 20.8.2026. - https://www.businessinsider.com/photos-show-relics-unearthed-by-europes-dried-rivers-2026-8
- Drought reveals Danube’s lost treasures – and deadly legacy of war. The Telegraph 29.8.2026. - https://www.telegraph.co.uk/world-news/2026/08/29/droughts-uncovering-lost-archaeology-and-wartime-munitions/
- Ancient mammoth remains and a Nazi shipwreck: Europe’s shrinking rivers reveal past relics. Euronews via youtube Aug. 2026. - https://www.youtube.com/watch?v=XLnWFZbY_I4
- Ancient mammoth remains and a Nazi shipwreck: Europe’s shrinking rivers reveal past relics. CNN 31.7.2026. - https://edition.cnn.com/2026/07/31/climate/shrinking-rivers-reveal-past-relics-in-europe
- The Nazi shipwrecks emerging from the Danube. BBC 20.8.2026. - https://www.bbc.com/travel/article/20260818-the-nazi-shipwrecks-emerging-from-europes-great-river
- le passé : "On a retrouvé des vestiges de la Seconde Guerre mondiale" TF1 15.8.2029.- https://www.tf1info.fr/environnement-ecologie/quand-la-secheresse-fait-ressurgir-le-passe-on-a-retrouve-des-vestiges-de-la-seconde-guerre-mondiale-2458586.html
Tiber
In Rom sank der Tiber im August so stark, dass die Fundamente der Pons Neronianus (Nero-Brücke) unweit des Petersdoms mitten im Flussbett sichtbar wurden. Die Brücke verband im antiken Rom das Stadtzentrum mit den privaten Gärten Kaises Neros.- Drought Exposes Prehistoric, Roman, Nazi Artifacts in Europe. The Chosun Daily 18.8.2026. - https://www.chosun.com/english/world-en/2026/08/17/FRIBT2GJGVENHKUFDNIUDLQSGQ/
Weitere Funde stammen beispielsweise aus einem Stausee in Tschechien.
- Niedriger Wasserstand legt alten Friedhof im Lipno Stausee frei. Tschechien News 24.9.2026. - https://www.tschechien.news/post/niedriger-wasserstand-legt-alten-friedhof-im-lipno-stausee-frei
Rhein und Maas
Am deutschen Rhein nutzten Archäologen (unter anderem mit Genehmigung der Landesarchäologie) die freigelegten Uferzonen systematisch für Begehungen und stießen dabei auf Pfeilspitzen aus der Bronzezeit. Gleichzeitig dokumentierten Experten im Rhein die freigelegten Reste einer römischen Hafenanlage, warnten jedoch direkt vor der schnellen Zerstörung der antiken Holzstrukturen durch den Sauerstoffkontakt.In großen Mengen kam Weltkriegsmunition zum Vorschein.
- Kuriose Funde, die das Niedrigwasser sichtbar macht. wdr 6.8.2026. - https://www1.wdr.de/nrw/duesseldorf/funde-rhein-niedrigwasser-100.html
- Was jetzt ans Licht kommt. wdr 21.8.2026. - https://www1.wdr.de/kultur/niedrigwasser-fluesse-hitze-archaeologie-100.html
- Und plötzlich liegt eine Bazooka am Ufer. Tagesschau 13.8.2026. - https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/niedrigwasser-kampfmittel-rhein-100.html
Bodensee
Die berühmten prähistorischen Pfahlbauten am Bodensee (UNESCO-Weltkulturerbe) sind eigentlich unter Wasser im Schlamm konserviert. Durch das extreme Niedrigwasser fallen Uferbereiche trocken, wodurch der schützende Sauerstoffabschluss verloren geht. Sobald die jahrtausendealten Holzpfähle an die Luft gelangen, trocknen sie aus und werden durch Mikroorganismen unumkehrbar zerstört. Das Risiko steigt, wenn die Uferzonen länger trocken liegen und der Schlamm tiefgründig austrocknet.
Da weite Ufer- und Strandzonen komplett trockenliegen, rücken die archäologischen Schichten in den Fokus der Wissenschaft sowie von Laien:
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| Niedrigwasser bei Radolfzell, Sommer 2026 (Foto: Markus Wolter, CC BY 4.0 via WikimediaCommons) |
Der niedrige Pegel lockt verstärkt Sondengänger mit Metalldetektoren und Raubgräber an die Ufer. Behörden weisen jedoch streng darauf hin, dass die Suche in den sensiblen archäologischen Zonen ohne Genehmigung verboten ist und den Denkmalschutzgesetzen unterliegt.
- Niedriger Bodensee-Pegel lockt Sondengänger. Metalldetektoren 29.8.2026. - https://metalldetektoren.de/neuigkeiten/august-2026-niedriger-bodensee-pegel-lockt-sondengaenger (immerhin mit Hinweis auf die Genehmigungspflicht)
- https://www.heute.at/s/bodensee-pegel-sinkt-mysterioeser-fund-macht-sprachlos-120219760
- Niedrigwasser am Bodensee: gefährlich für die originalen Pfahlbauten? swr 23.8.2026. - https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/niedrigwasser-am-bodensee-koennte-fuer-pfahlbau-pfaehle-unteruhldingen-gefaehrlich-werden-100.html
- Niedrigwasser im Bodensee macht gefährliche Funde sichtbar. Schwäbische 9.9.2026.- https://www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/niedrigwasser-im-bodensee-ploetzlich-tauchen-handgranaten-und-bomben-heute-4797647
- Der Bodensee ist von der Gefährdung besonders betroffen. Schwäbische 31.8.2026. - https://www.schwaebische.de/regional/bodensee/friedrichshafen/der-bodensee-ist-von-der-gefaehrdung-besonders-schiff-4806791
Niederlande
Auch im Rheindelta führten extreme Dürreperioden dazu, dass die Flussbetten der Waal, des Rheins (Rijn) und der Maas um mehrere Meter absanken. Wie das Magazin NL Times ausführlich berichtet, nutzten erfahrene Archäologenteams die freigelegten, sonst völlig unzugänglichen Uferzonen für gezielte Suchen. Dabei stießen sie in den freigelegten Abschnitten gezielt auf historische Relikte, darunter römische Münzen und ebenfalls ein Schiffswrack aus der NS-Zeit.
Auch bei Arnslecht wurden durch die niedrigen Pegel alte Brückenfundamente aus Holz freigelegt, die nun alte Uferlinien anzeigt .
- River beds exposed by drought a goldmine for archeologists. NL Times 15.8.2026. - https://nltimes.nl/2026/08/15/river-beds-exposed-drought-goldmine-archeologists
England
In England betraf das Niedrigwasser zahlreiche Stauseen, so dass historische Anlagen, die beim Aufstauen versunken sind, nun wieder auftachten.
Im Rutland-Water-Reservoir, dem größten künstlichen Gewässer Englands tauchte Mitte August das „Geisterdorf“ Nether Hambleton auf. Die Siedlung war 1976 überflutet worden, nachem zuvor eine kleine Rettungsgrabung die Reste eines mittelalterlichen Gebäudes freilegen konnten. Nun lagen die Fundamente der verlassenen Häuser wochenlang komplett im Trockenen und wurden von Historikern vor Ort dokumentiert.
Im Llwyn-Onn Reservoir in Wales sank der Wasserspiegel so stark, dass eine alte, um 1800 errichtete Steinbrücke wieder auftauchte. Sie war 1911 im Stausee versunken und 1976 sowie bereits im vorigen Jahr 2025 aufgetaucht.
Aus dem Gezeitenbereich der Themse ziehen "Mudlarks" und Sondler (regulär mit Genehmigungen des London Museum) seit Jahren archäologische Funde aus dem Schlamm. Das Niedrigwasser im Spätsommer legte an den Ufern der Themse tiefe, sonst unzugängliche Sedimentschichten frei. Archäologische Organisationen veröffentlichten im September spezielle Leitfäden für das sogenannte Foreshore Archaeology. Durch die extreme Freilegung wurden vermehrt historische Holzkonstruktionen alter Hafenanlagen und Alltagsgegenstände früherer Epochen direkt aus dem freigelegten Flussbett dokumentiert.
- Research at TDP. MOLA. - https://www.mola.org.uk/get-involved/thames-discovery-programme/research-tdp
- At Low Tide in London: Foreshore Archaeology, Permission Checks and a Shore-Free Fallback. Orange Donut Tours 25.9.2026. - https://www.orangedonuttours.com/london/city-guides/at-low-tide-in-london-foreshore-archaeology-permission-checks-and-a-shore-free-fallback
Im September veröffentlichte die Kent Archaeological Society Berichte über untergegangene Küstendörfer und historische Strukturen im Bereich der Swale-Mündung in Kent, die bei den diesjährigen, extremen Niedrigwasserständen im Mündungsbereich sichtbar und zugänglich wurden.
Frankreich
Trotz auch in Frankreich dramatisch geringen Niederschlägen gab es in der französischen Presse im Sommer und Frühherbst 2026 keine konkreten Berichte über neu entdeckte oder akut beschädigte archäologische Stätten durch Niedrigwasser.Obwohl Medien wie TF1, BFMTV und Regionalzeitungen intensiv über die historische Rekorddürre 2026 berichten – bei der im September bis zu 84 % des Landes von extremer Trockenheit betroffen sind und über 40 % der kleineren Wasserläufe versiegen –, fehlen spezifische archäologische Fundmeldungen aus französischen Gewässern. Die französische Presse verwies lediglich auf viele der oben bereits vorgestellten Beispielen aus den Nachbarländern. Einerseits scheint in Frankreich aus Schutz vor Raubgrabungen eine restriktivere Informationspolitik präsent, die Funde erst nach Abschluß der Untersuchungen mitteilt.
Da der Westen Frankreichs im Frühjahr 2016 zunächst von historischen Überschwemmungen betroffen waren, führten hohe Grundwasserstände während der Dürre im Spätsommer zu einer relativ geringen Entleerung der großen, archäologisch relevanten Seenlandschaften - anders als bei extremen Niedrigwasserständen wie z.B. im Jahr 2018.
- https://meteofrance.com/actualites/une-secheresse-des-sols-historique
- Le nombre de petits cours d’eau asséchés atteint un niveau historique Quest France 4.9.2026. - https://www.ouest-france.fr/meteo/secheresse/le-nombre-de-petits-cours-deau-asseches-atteint-un-niveau-historique-d4f7aaa4-a85c-11f1-a3f7-c4f38a0eaa1c
Zur berühmten Fundstelle von Colletière bei Charavines am Lac du Paladru (Département Isère) - ein um 1000 im See versunkener Herrenhof - gab es im Sommer zahlreiche Berichte, veil das dortige archäologische Museum neu eröffnet wurde. Während früherer Trockenphasen (unter anderem im Herbst 2018 und 2020) sank der Pegel so tief, dass die Überreste der Siedlung knapp unter der Wasseroberfläche sichtbar wurden und trocken zu fallen drohten. 2026 gab es entgegen dem Trend im restlichen Frankreich laut der regionalen Presse (wie Le Dauphiné Libéré) am Lac du Paladru sogar zeitweise hohe Wasserstände. Im Januar 2026 starteten zudem umfangreiche Renovierungen der Schleusen und Wehre durch die der Wasserstand im See schon seit dem 19. Jahrhundert reguliert wird. Mit der Automatisierung der Wehre soll der Wasserstand besser stabiliisert werden, um die Tierwelt, aber eben auch die im See liegenden Funde unter Wasser zu halten.
- .A. Simonneau/ E. Doyen/ E. Chapron/ L. Millet/ B. Vannière/ C. Di Giovanni/ N. Bossard/ K. Tachikawa/ E. Bard/ P. Albéric/ M. Desmet/ G. Roux/ P. Lajeunesse/ J.F. Berger,/ F. Arnaud, Holocene land-use evolution and associated soil erosion in the French Prealps inferred from Lake Paladru sediments and archaeological evidences. Journal of Archaeological Science 40/4, 2013, 1636-1645, - https://doi.org/10.1016/j.jas.2012.12.002 (closed access). - https://insu.hal.science/insu-00763735v1/document
- Musée archéologique du lac de Paladru - MALP. Grenoble Alpes tourism 2026. - https://www.grenoble-tourisme.com/fr/catalogue/detail/musee-archeologique-du-lac-de-paladru-malp-189630/
- VIDÉO - Isère : le lac de Paladru victime de la sécheresse. RTL 25.1.2020. - https://www.rtl.fr/actu/meteo/video-isere-le-lac-de-paladru-victime-de-la-secheresse-7795324816
- Automatisation de l’ouvrage des vannes du lac de Paladru : démarrage des travaux le 12 janvier 2026. symbhi 8.1.2026. -https://symbhi.fr/automatisation-de-louvrage-des-vannes-du-lac-de-paladru-demarrage-des-travaux-le-12-janvier-2026/
Verminderte Erhaltungsbedingungen und vergrößerte Plünderungsrisiken für Kulturerbe
Es besteht kein Zweifel, dass die Trockenheit 2026 Folge des Klimawandels ist, den zu leugnen einfach nur noch dumm (oder wider besseres Wissen Teil einer Populismusstrategie) ist.
Ein Faktenpapier zu den Extremwettern in Deutschland trifft aktuell folgende Feststellungen:
- Die globale Erwärmung erhöht generell die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Extreme und ihrer Folgen.
- Die Zunahme von Hitzewellen ist zweifelsfrei eine Folge der globalen Erwärmung.
- Die Häufigkeit von Trockenphasen ist gestiegen.
- Wassertemperaturen des Rheins steigen trotz reduzierter Wärmeeinleitungen und sind zunehmend außergewöhnlich hoch im Zusammenhang mit intensiven sommerlichen Hitzewellen.
- In den letzten Jahren häufen sich ausgeprägte Niedrigwasserphasen an den Flüssen, die nur mit klimawandelbedingten Änderungen im hydrologischen System erklärt werden können.
- Die agrarischen und hydrologischen Dürren der letzten Jahre erzeugen Anpassungsdrücke für Wirtschaft und Habitate.
- Die erneuerbare Wasserressource Deutschlands ist rückläufig.
Zu den vielen Folgen des Klimawandels zählt aber auch die Zerstörung oder besser vielleicht Zersetzung archäologischer Stätten.
Zudem kommt es durch steigende Gewässertemperaturen zur EInwanderung neuer Arten, die verstärkt den Grund von Flüssen und insbesondere Seen aufwühlen und auch so den archäologischen Stätten zusetzen.
Viele invasive Arten stammen aus wärmeren Regionen (z. B. dem Schwarzmeerraum). Steigende Wassertemperaturen im Rhein (die im Sommer immer häufiger kritische Marken überschreiten) führen dazu, dass: heimische Arten unter Hitzestress geraten und zurückgedrängt werden. und die Invasoren optimale Fortpflanzungsbedingungen vorfinden, da mildere Winter ihre Überlebensrate drastisch erhöhen.
Zu den für die Archäologie gefährlichen invasiven Arten zählen unter anderem Kamberkrebs und Signalkrebs: Diese Arten haben sich über den Rhein und seine Zuflüsse rasant ausgebreitet. Der Kamberkrebs, der ursprünglich aus Nordamerika stammt, ist in Europa inzwischen die dominierende Krebsart, In Deutschland ist seine Ausbreitung in südlichen Gebieten (Bodensee- und Donausystem) noch nicht vollständig abgeschlossen. Im Gegensatz zu heimischen Flusskrebsen graben sie im Schlammgrund. Durch dieses permanente Aufwühlen (Bioturbation) wird das schützende Sediment destabilisiert und abgetragen (erhöhte Erosion). Sauerstoff gelangt an die Jahrtausende alten Holzobjekte, was deren biologischen Zerfall durch Bakterien und Pilze schlagartig anstößt.
Neben den Krebsen gibt es einen noch aggressiveren Akteur, der direkt mit der Erwärmung und der Rheinschifffahrt verknüpft ist: die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis). Sie breitet sich seit einigen Jahren flächendeckend im Rheinsystem und im Bodensee aus. Die Quaggamuscheln heften sich mit sogenannten Byssusfäden extrem fest an die prähistorischen Holzpfähle. Wenn Wasservögel (wie Tauchenten oder Kormorane) die Muscheln fressen, reißen sie diese gewaltsam vom Holz ab. Dabei wird jedes Mal die ohnehin aufgeweichte, Jahrtausende alte Holzsubstanz reduziert.Im Bodensee begünstigen die steigenden Wassertemperatren auch das Wachstum des Schweizer Laichkrauts, das die Pfahlfelder der >Seeuferrandsiedlungen flächig überwuchert und die Oberflächen der Hölzer angreift.
Das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und internationale Monitoring-Projekte schlagen Alarm: Durch das Zusammenspiel aus wärmerem Wasser, grabenden Krebsen und siedelnden Quagga-Muscheln verlieren wir rasant das jahrtausendealte „Archiv unter Wasser“. Da ein mechanischer Schutz ganzer Seeböden kaum möglich ist, bleibt der Archäologie eigentlich nur noch die Notgrabung, bevor die Funde unwiederbringlich zerstört sind.
- R. Ebersbach, Welterbe, Klimawandel und Neobiota –
Zirkumalpine Pfahlbauten in Zeiten der Erderwärmung. ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkomitees 79, 2021, 62-68. - - J. Goldhammer/ J. Köninger, 40 Jahre Taucharchäologie. Denkmalpflege unter Wasser in Baden-Württemberg. Denkmalpflege in Baden-Württemberg 2021/4, 234-239. - https://doi.org/10.11588/nbdpfbw.2021.4.84694
- Niedrigwasser bedroht laut Experten archäologische Funde. Deutschlandfunk Kultur 21.8.2026. - https://www.deutschlandfunkkultur.de/niedrigwasser-bedroht-laut-experten-archaeologische-funde-100.html
- Archäologie und Dürre: „Für die Fundstücke bedeutet die Trockenheit nichts Gutes“ FAZ 21.8.2026. - https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/archaeologie/archaeologe-zur-duerre-fuer-die-fundstuecke-bedeutet-das-nichts-gutes-accg-201132762.html (paywall): Interview Lukas Werther, RGK
- https://neobiota.naturschutzinformationen.nrw.de/neobiota/de/fachinfo/flussauen
- Aqua Cultural Heritage. Umweltmonitoring. - https://aquaheritage.at/aufgaben/umweltmonitoring.html
- Das unterwasserarchäologische Monitoring im Attersee und Mondsee 2025. Blog Pfalbauten.at 11.8.2026. - https://www.pfahlbauten.at/aktuelles/blog/das-unterwasserarchaeologische-monitoring-im-attersee-und-mondsee-2025
Wissenschaftskommunikation
Zun Schluß noch eine Randbemerkung zur Berichterstattung und Wissenschaftskommunikation. Die Mehrzahl der Medienberichte überschlägt sich ob der tollen, "sensationellen" Funde. Ähnlich wie bei der Berichterstattung über immer neue Sondlerfunde, siegt die Begeisterung über Entdeckungen, während wenig über den Informationsverlust durch mangelnde Dokumentation(sgelegenheit) berichtet wird. Die zahlreichen Funde aus den europäischen Flüssen 2026 sind entgegen der dominierenden Berichterstattung keine Erfolge, sondern die Dokumentation des Verlusts und ene weitere Folge des Klimawandels.
Hier ist nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit der Denkmalämter gefordert, die mit wenigen positiv zu vermerkenden Ausnahmen (datunter aber auch die RGK). Bislang ist aus Deutschland nur wenig über die Funde insbesondere aus dem Rheinberichtet worden. Eine Zurückhaltung angesichts vonSondlerscharen ist hier durchaus angemessen, doch bestimmen dadurch die Medien das Sensationsfundnarrativ, wo es angemessener wäre über Erkenntnisse und Verluste zu berichten.
Interessant ist, dass in England und Ungarn, zwei Ländern mit starker Sóndlerszene verstärkt
Interne Links
Archäologie und Klimawandel- Klimageschichte brennt ab. Archaeologik21.11.2021
- Klimawandel als denkmalpflegerisches Problem. Archaeologik 26.10.2017
Hinweis:
Bei der Zusammenstellung der Informationen wurde KI eingesetzt. Angaben und Links wurden geprüft.
Bei der Zusammenstellung der Informationen wurde KI eingesetzt. Angaben und Links wurden geprüft.

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