Daesh/IS sprengt weiter ihm unangenehme Geschichte und schafft sich so auch die gewünschte Aufmerksamkeit im Westen (Ich poste auf Archaeologik solche Meldungen nicht mehr aktuell, sondern nehme sie nur noch in die monatliche Zusammenstellung auf.). Daneben richtete sich die mediale Aufmerksamkeit richtete sich in der ersten Monatshälfte vor allem auf Nachrichten, die im Kontext der UN-Vollversammlung an die Öffentlichkeit gelangt sind. Insbesondere eine Veranstaltung der Antiquities Coalition ist hier hervorzuheben, bei der einige Vorträge eine Zusammenfassung des Kenntnisstandes gegeben haben. Die Rolle der Einnahmen aus dem Antikenhandel für Daesh/IS kann nun einigermaßen spezifiziert werden. Dass neben Daesh aber auch andere Gruppen in Syrien plündern, ist nun keineswegs neu, wie dies manche Meldungen dargestellt haben. Die russischen Angriffe haben unter anderem UNESCO-Weltkulturerbe betroffen, in einem Gebiet in dem Daesh gar nicht aktiv ist.
In Deutschland hingegen ist man auf dem besten Wege, ein erneut blamables und völlig wirkungsloses, wohl sogar eher kontraproduktives neues Kulturgutschutzgesetz auf den Weg zu bringen (vergl. Archaeologik 7.10.2015 und 24.9.2015).
Im folgenden finden sich all jene Meldungen, die mir bekannt geworden sind und die mir geeignet scheinen, nicht nur die Ereignisse vor Ort, sondern auch Reaktionen und Maßnahmen zu dokumentieren.
Raubgrabungen und Antikenhandel
Im Umfeld der UN-Vollversammlung hat die Antiquities Coalition im
Metropolitan Museum in New York am 29.9.2015 eine Tagung zum Thema
Conflict Antiquities veranstaltet. beteiligt waren Referenten auch des
US-Außenministeriums, die einige Beachtung gefunden hat und einen
Überblick über die Strukturen der Plünderung und Zerstörung in Syrien
und Irak liefert.
Vorträge und Diskussion des ersten Panels, 29.9.2015, Metropolitan Museum NY
(Quelle: US Sate Department, Public Domain,
via US-Bureau of Educational and cultural Affairs / YouTube)
(Quelle: US Sate Department, Public Domain,
via US-Bureau of Educational and cultural Affairs / YouTube)
Vorträge und Diskussion des zweiten Panels, 29.9.2015, Metropolitan Museum NY
(Quelle: US Sate Department, Public Domain,
via US-Bureau of Educational and cultural Affairs / YouTube)
(Quelle: US Sate Department, Public Domain,
via US-Bureau of Educational and cultural Affairs / YouTube)
Zur Veranstaltung wurden sich verschiedene Materialien online gestellt:
- http://ukblueshield.org.uk/events/previous-events/conflict-antiquities-forging-a-publicprivate-response-to-save-iraq-and-syrias-endangered-cultural-heritage/
- Das Programm: http://m.state.gov/md247298.htm
- http://eca.state.gov/cultural-heritage-center/conflict-antiquities
- http://www.state.gov/r/pa/prs/ps/2015/09/247616.htm
- http://eca.state.gov/video/conflict-antiquities-panel-1-video - Panel 1 (weiterer Mitschnitt unter https://www.dvidshub.net/video/425861/conflict-antiquities-symposium#.ViLZ7StKBQn)
- https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=jsIfuJA3BGM - Panel 2
- http://eca.state.gov/video/conflict-antiquities-panel-2-video
- Präsentation: "Documenting ISIL's Antiquities Trafficking" https://eca.state.gov/.../final_presentation_to_met_on...
- hashtag auf twitter: #heritageinperil
Beweise für Daesh-Beteiligung am illegalen Antikenhandel vor
Im einführenden Vortrag stellte Michael Danti (ASOR) eine Auswertung des Monitoring vor, das Satellitenbilder von etwa 1000 bekannten archäologischen Fundstellen in Syrien im Hinblick auf erkennbare Raubgrabungsspuren ausgewertet hat. Eine Statistik nutzt die seit Beginn des Bürgerkriegs registrierten Spuren, um festzustellen, wer hinter den Plünderungen steckt. Das Thema war bereits von Jesse Casana in einer Publikation behandelt worden:Plünderungen in Syrien durch die verschiedenen Kriegsparteien auf der Basis der Auswertung von Satellitenbilder durch ASOR
| Partei | schwere Schäden | mäßige Schäden | gering- fügige Schäden | dokumentierte Fälle / beobachtete Fund- stellen | Beraubungs- quote |
|---|---|---|---|---|---|
| syrisches Regime | 3 | 7 | 25 | 34/ 218 | 15,6 % |
| ISIL/ Daesh | 9 | 28 | 42 | 68/ 412 | 16,5 % |
| syrische Opposition | 2 | 6 | 53 | 61/ 232 | 26,3 % |
| Kurden | 1 | 2 | 28 | 31/ 132 | 23,5 % |
| Summe | 15 | 43 | 148 | 194/ 994 | 19,5 % |
Es zeigt sich, dass alle Kriegsparteien in die Plünderungen involviert sind. Das ist prinzipiell alles andere als neu, auch wenn es als Schlagzeile durch die internationalen Medien geht. Im Gebiet von Daesh, in dem die meisten beobachteten Fundstellen liegen, konzentrieren sich die Plünderungen auf relativ wenige Fundstellen, die jedoch am intensivsten geplündert werden. Relativ am meisten Fundstellen sind im Gebiet der syrischen Opposition von Plünderungen betroffen, die dabei meist jedoch recht geringfügig sind. Das Fundmaterial umfasst vor allem Münzen und Kleinfunde, die im Einzelfall keinen großen Wert haben (ein klares Argument gegen die vorgesehenen Wertgrenzen im novellierten deutschen Kulturgutschutzgesetz).


