Donnerstag, 17. Januar 2019

Eine Million!

Gestern hat Archaeologik nach der Google-Zählung die Marke von einer Million Zugriffe genommen. Die halbe Million war am 28.2.2016 erreicht worden. Nachdem ich laufenden Monat etwas mehr Blogposts eingestellt hab, liegen die täglichen Zugriffszahlen bei rund 250.
 


Montag, 14. Januar 2019

Die Archäozoologie der Pest - #ArchInf

Ptolemaios Dimitrios Paxinos
Die Archäozoologie der Pest. 
Die Auswirkungen des Schwarzen Todes (1347-1350) auf Tierhaltung und Viehnutzung im Gebiet des heutigen Deutschland
Documenta Archaeobiologiae 12
Rahden: Leidorf 2017.

Hardcover, 318 S., 101 Abbildungen, 81 Tabellen.
ISBN 978-3-89646-628-0

Rezension im Original in:
Archäologische Informationen 42, 2019, im Early View, online publiziert 12. Jan. 2019 im Early View als PDF unter CC BY 4.0


Die Archäobiologie hat in den vergangenen Jahren wichtige neue Beiträge zur Geschichte der Pest geliefert. Genetische Studien haben das Bakterium Yersinia pestis als Erreger des Schwarzen Todes im 14. Jahrhundert bestätigt, dabei aber auch gezeigt, dass es kurz vor dem beprobten Massengrab von London-Smithfield zu einer Mutation des Erregers gekommen ist (Bos u. a., 2011; Bos u.a., 2012). Damit stellt sich die Frage nach den Voraussetzungen der Epidemie und speziell nach dem Einfluss der Kulturlandschaft. Diese war nach dem sog. Landesausbau und den regional verschiedenen Prozessen der Dorfgenese in den vorausgehenden Generationen unter den Bedingungen der beginnenden Kleinen Eiszeit im 14. Jahrhundert starkem ökologischem Stress ausgesetzt. Langfristige Veränderungen ihrer Biotope, aber auch kurzfristige Extremwetter wie die sog. Magdalenenflut kurz vor der Ernte 1342 haben sicher auch die Nager als Reservoir und Überträger von Yersinia pestis – die ja eigentlich eine Nagerkrankheit ist – betroffen.
Das Thema der Dissertation von Ptolemaios Dimitrios Paxinos sind aber weder die archäogenetischen Nachweise von Yersinia pestis noch die Voraussetzungen oder Auswirkungen des Schwarzen Tods selbst. Ziel ist es vielmehr, mit den Methoden „konventioneller“ zooarchäologischer Forschung zur Pest herauszufinden, wie die Menschen mit der viel umfassenderen Krise umgegangen sind. Welche mittel- und langfristigen Veränderungen ergaben sich daraus für Viehwirtschaft und Ernährung? Ob man die Entwicklung des 14. Jahrhunderts tatsächlich als „Krise“ begreifen möchte oder nicht (Schreg, 2011), spielt hier eine untergeordnete Rolle.
Paxinos gliedert seine Arbeit in vier Teile. Teil 1 umfasst die Einführung in das Thema, die Darstellung der Quellenlage und der angewandten Methoden (S. 15-46). Teil 2 (S. 47-78) präsentiert die regionale Skalenebene, für die die Untersuchungen an den Tierknochen zweier konkreter Fundplätze vorgestellt werden. Das sind zum einen der Kölner Dom und zum anderen der Fischmarkt in Konstanz, wobei Paxinos erstere auf Grundlage eigener Bestimmungen, letztere auf Basis der Publikation von Priloff (2000) sowie der zur Verfügung gestellten Primärdaten analysiert.
Teil 3 (S. 79-118) betrifft die überregionale Ebene und vergleicht dazu die Tierknochenfunde von 173 Fundplätzen. Der abschließende Teil 4 (S. 119-138) liefert die Diskussion der Befunde und schließlich folgt ein umfangreicher Anhang mit Tabellen, aber ohne Bereitstellung weiternutzbarer digitaler Daten.
Das methodische Vorgehen, um einen aussagekräftigen Vorher-Nachher-Vergleich zu erhalten, ist schlau ausgeklügelt. Paxinos teilt seine Fundkomplexe in vier Perioden A bis D (S. 33 ff.), die jeweils weiter in 50-Jahresblöcke unterteilt werden – außer Periode B, welche die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts, also die Zeit unmittelbar nach der großen Pestepidemie von 1347 ff. umfasst. Bei diesem Perioden-System handelt es sich nicht um relativchronologische Stufen, wie wir sie als Archäologen gewohnt sind, sondern um eine Klassifikation der Fundkomplexe nach ihrer absoluten Datierung und der Möglichkeit ihrer chronologischen Zuweisung. Periode A bezeichnet im Allgemeinen den Zeitraum vor dem Schwarzen Tod. Er ist in vier Stufen unterteilt, wobei die Perioden A2 bis A4 den besonders relevanten Zeitraum zwischen 1200 und 1350 abdecken.
Periode A1 ist länger als die sonst angesetzten 50-Jahresschritte, da in der Realität viele, nämlich 57 Fundkomplexe auch noch ältere, frühund hochmittelalterliche Knochen beinhalten, die eben in dieser Periode A1 zusammengefasst sind.
Periode B beschränkt sich allein auf den kurzfristigen Zeitraum unmittelbar nach dem Schwarzen Tod, in dem sich Bevölkerungsrückgang und Wüstungsprozess fortsetzten. Daten, die in diese Periode fallen, zeigen also die kurzfristigen Auswirkungen der Pest. Nur in zwei Fundkomplexen – in dem des Kölner Doms und dem des Fischmarkts in Konstanz, die in Teil 2 detailliert ausgewertet werden – lassen sich tatsächlich Funde auf Periode B eingrenzen. Periode C ermöglicht mit insgesamt 19 Fundkomplexen die Erfassung langfristigerer Trends, da sie zweigeteilt das 15. Jahrhundert umfasst. Insgesamt 17 Komplexe sind dem 16. Jahrhundert als Periode D zuzuweisen.
Fundstellen mit geeigneten chronologisch differenzierbaren Funden des 14. Jh. sind also nicht besonders häufig. Auch Köln und Konstanz spiegeln aufgrund der jeweiligen Sekundärablagerung in der Kirche bzw. einer Landgewinnung am Seeufer nicht unmittelbar das Konsumverhaltens eines einzelnen Haushalts. Hinzu kommt, dass Handwerkerabfälle eine besondere Rolle spielen. So ist es trotz zahlreicher stadtarchäologischer Grabungen bisher nur bedingt gelungen, eine solide Datenbasis zu schaffen, die für eine gezielte übergreifende Fragestellung, wie sie Paxinos verfolgt, wirklich ausreichend wäre. Die besonders wichtigen Funde aus ländlichen Siedlungen fallen für eine Auswertung sogar völlig aus. Paxinos stellt S. 88 fest, dass sich die Datenbasis für ländliche Siedlungen gegenüber der Synthese von Benecke (1994) vor fast 25 Jahren kaum verbessert habe. Ländliche Siedlungen sind v.a. nach 1350 noch immer unterrepräsentiert (S. 33), obgleich die Wüstungsforschung seit dem 19. Jahrhundert ein nicht ganz unwesentliches Forschungsfeld darstellt. Angesichts des immensen Zuwachses denkmalpflegerischer Maßnahmen im Rahmen der immer wichtigeren privatwirtschaftlichen Archäologie ist das sehr bedenklich, denn offenbar gelingt es nicht, die zahllosen Rettungsgrabungen effektiv als historische Quellen in Wert zu setzen. Problematisch ist auch, dass gerade Latrinen und Brunnen, die Archäologen immer als besonders spannend erachten, im Hinblick auf die Praxis der Tierhaltung kaum auszuwerten sind, da hier besondere Prozesse einer primären Formation vorliegen.
Paxinos vergleicht auf Basis dieser chronologischen Einteilung (sowie einer regionalen Differenzierung) die Statur der Tiere, repräsentiert durch Robustheit und Widerristhöhe, die Geschlechtszusammensetzungen und die Altersspektren.
Die Analyse der Daten zeigt vielfältige Veränderungen auf. Das Rind beispielsweise nimmt in den Perioden A1 bis A3 mehr als die Hälfte des Fundmaterials ein, sinkt in Periode A4 bis B auf 44 % und steigt im 15. Jahrhundert kurzfristig auf 46,7 %, ehe es in Periode D nur noch bei 37,5 % liegt (S. 91). Auffallend – aber noch nicht ausreichend untersucht – ist die Beobachtung, dass Katzenfunde insbesondere in Latrinen nach der Pest zunehmen, sodass es zumindest denkbar erscheint, dass man der „bösen“ Katze eine Mitschuld an der Katastrophe gab und sie in der Folge häufiger tötete und im Müll entsorgte (S. 93). Allerdings könnte es auch sein, dass die steigende Zahl von Katzen mit einem erhöhten Rattenvorkommen zu tun hat. Letzteres kann Paxinos mit seinen Fundkomplexen nicht überprüfen. Hier deutet sich aber an, wie wichtig archäo-zoologische Untersuchungen auch an Kleintieren wie Nagern, aber auch Vögeln wären, da sie für das Verständnis von Epidemien, aber auch von Landschaftswandel gerade im Spätmittelalter grundlegend sind.
Basierend auf seiner Datenanalyse eröffnet Paxinos die Diskussion (Teil 4) mit der Arbeitshypothese, dass „die spätmittelalterliche Krise im Allgemeinen und der Schwarze Tod im Besonderen [...] kurz- und/oder langfristig zu Veränderungen in der Viehnutzung des Spätmittelalters [führte]. Diese Veränderungen spiegeln sich nicht nur in einer Verschiebung der wirtschaftlichen Bedeutung der einzelnen Nutztiere, sondern auch in einer Änderung ihres Phänotyps wider.” (S. 121). Die Kapitel 12 und 13 werten die Ergebnisse der Einzeluntersuchungen bzw. der überregionalen Untersuchung aus und zeigen, dass es im 14. Jahrhundert die postulierten kurz- und langfristige Veränderungen tatsächlich gegeben hat. Die Untersuchung der Größenparameter Robustheit und Größe belegt Veränderungen bei der Haltung und Fütterung der wichtigsten Nutztiere während des Spätmittelalters. Die Rinder aus Köln und Konstanz beispielsweise sind im Zeitraum von hundert Jahren nach der Pest deutlich kleiner und zierlicher.
Letztlich kann der Band die Frage nicht klären, inwiefern der beobachtete Wandel tatsächlich ursächlich mit der Pest zusammenhängt. Methodisch hat Paxinos hier den Weg einer Korrelation beschritten, der bestenfalls ein zeitliches und räumliches Zusammenfallen feststellen, aber keine Aussagen zu Wirk- und Kausalzusammenhängen liefern kann. Der fragestellungsorientierte Fokus auf das 14. Jahrhundert wird hier insofern problematisch, als kaum zu erfassen ist, wie stark die normale Variabilität in der Zeit ist und inwiefern dem 14. Jahrhundert tatsächlich die Qualität einer Zäsur zukommt.
Plausible Erklärungen sind nur aus der Perspektiveder Humanökologie zu gewinnen, diedann in Hypothesen und konkrete Fragen umzusetzensind. Möchte man die tatsächlich wichtigeFrage nach der Krise des 14. Jahrhunderts klären,so muss mittels DNA-Untersuchungen die Geschichteund Verbreitung von Yersinia pestis weiter geklärt und der Wandel der mittelalterlichen Kulturlandschaft auf seine Auswirkungen auf Biotope, Biodiversität, Mikroklima und Böden untersucht werden (vgl. Schreg, 2011). Die Routinearbeit der Denkmalpflege, die allein die nötige Quantität an Daten liefern könnte, ist damit hoffnungslos überfordert, denn es müssten beispielsweise gezielt auch die Knochen von kleinen Nagern und Vögeln ausgeschlämmt werden, Proben für die Genetik bereitgestellt werden, archäobotanische Umweltrekonstruktionen realisiert und Off-site-Archive viel mehr in den Fokus der Denkmalpflege genommen werden als es derzeit denkmalpolitisch und finanziell zu leisten ist.
Noch aber scheint auch im Fach – egal ob an den Universitäten oder der Denkmalpflege – kaum Bewusstsein für die Bedeutung dieser „theoretischen” Fragen und für die methodischen Ansätze vorhanden zu sein. Paxinos deutet die weiteren Zusammenhänge nur an, doch zeigt seine Arbeit mustergültig, welches historische Potenzial in der Archäozoologie steckt, und dass sie mehr ist als eine Artenliste der Tierknochenfunde – sofern den Knochen bei Ausgrabung und Publikation die gebührende Aufmerksamkeit und Sorgfalt geschenkt wird. Paxinos leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Fragestellung und Methoden und es ist zu wünschen, dass die auf den ersten Blick sehr spezielle Arbeit breit rezipiert wird.

Literatur

  • Benecke, N. (1994). Archäozoologische Studien zur Entwicklung der Haustierhaltung in Mitteleuropa und Südskandinavien von den Anfängen bis zum ausgehenden Mittelalter. (Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 46). Berlin: Akademie-Verlag.
  • Bos, K. I., Schuenemann, V. J., Golding, G. B. u. a. (2011). A draft genome of Yersinia pestis from victims of the Black Death. Nature 478, 7370, 2011, 506–510.
    https://doi.org/10.1038/nature10549
  • Bos, K. I., Stevens, P., Nieselt, K., Poinar, H. N., DeWitte, S. N., Krause, J., Gilbert, M. T. P. (2012). Yersinia pestis: New Evidence for an Old Infection. PLoS ONE 7,11, 2012, e49803.
    https://doi.org/10.1371/journal.pone.0049803
  • Prillof, R.-J. (2000). Tierknochen aus dem mittelalterlichen Konstanz. Eine archäozoologische Studie zur Ernährungswirtschaft und zum Handwerk im Hoch- und Spätmittelalter. (Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 50). Stuttgart: Theiss.
  • Schreg, R. (2011). Die Krisen des Späten Mittelalter - Perspektiven, Probleme, Potentiale. In F. Daim, D. Gronenborn & R. Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. (RGZMTagungen 11). (S. 195-214). Mainz: RGZM.

 Rainer Schreg

Mittwoch, 9. Januar 2019

Touristenramsch und nackte Pyramidenkletterer – Ägyptens Kulturgüter im November und Dezember 2018

Beitrag von Jutta Zerres


Die Berichterstattung über Ägyptens Kulturgüter wurde in den vergangenen zwei Monaten von der Neuentdeckung des Grabes des Wahtye in Sakkara und von der Pyramidensex-Affäre dominiert. Das erstgenannte Ereignis ist sicher auch im Kontext forcierter Positivmeldungen über Ägypten zu verstehen. Ereignisse wie der Bombenanschlag auf einen Touristenbus bei den Pyramiden von Gizeh macht deutlich, wie wichtig es ist, den Tourismus wieder anzukurbeln.

Interessant sind aber nicht zuletzt die anderen Meldungen, die uns Einblicke geben in die Praxis und die Sensibilitäten des Kulturgüterschutzes.

Die größte Medienaufmerksamkeit erfuhr im Dezember ein Video auf Youtube, das den dänischen Fotografen D. Hvid und seine Freundin im Dunkeln beim illegalen Erklettern der Cheopspyramide und bei sexuellen Handlungen auf der Spitze zeigt. Hvid schnitt nach einem Sturm der Empörung hin die pikante Szene heraus. Es kursiert nur noch ein Foto davon im Netz. Die ägyptischen Behörden ermittelten und nahmen inzwischen zwei ägyptische Staatsbürger wegen Beihilfe fest.
Die Darstellung von Nacktheit und sexuellen Handlungen muss in einem konservativ geprägten Land wie Ägypten selbstverständlich Unmut auslösen. Wenn dieses in Zusammenhang mit einem Nationaldenkmal geschieht, erst recht. Es ist von Entweihung und Entehrung die Rede. In der westlichen Presse wird die Sache dagegen eher in locker-süffisantem Ton kommentiert.
Aber auch aus der weniger emotional aufgeladenen Perspektive des Denkmalschutzes ist das Besteigen der Pyramide problematisch, denn dabei könnten Schäden am Bauwerk verursacht werden. Der Sicherheitsaspekt spielt ebenfalls eine Rolle.
Hier eine Auswahl von Links:

Raubgrabungen

Die Polizei stellte Funde aus einer illegalen Grabung beim Tempel von Edfu sicher. Das Bild scheint ein Stockfoto zu sein, denn die Objekte sind nicht ägyptisch. Vielmehr handelt es sich um Stücke aus dem Vorderen Orient:

    Illegaler Handel und Schmuggel


    Antike Münzen am Flughafen von Alexandria sichergestellt:

    Klarer Verstoß gegen das neue Kulturgutschutzgesetz: Der Hamburger Zoll fand eine Osiris-Statuette in einem Postpaket aus Dubai. Der Adressat hatte sie über eine Internetplattform erworben; nach Angaben des Verkäufers sei der Handel legal. Einen Herkunftsnachweis konnte er nicht erbringen:

    Museumsdiebstahl

    Ein Jugendlicher wurde in den Niederlanden für den Diebstahl von Objekte im Wert von 150 000 € aus einem Amsterdamer Museum verhaftet. Die Sache war aufgeflogen, als er eine kleine ägyptische Statuette einem Kunsthändler anbot, der diese selbst dem Museum verkauft hatte:
    Der ägyptische Antikenminister Khaled El-Enani erkläret, dass es zur Zeit Untersuchungen zu einem
    Diebstahl größeren Ausmasses im Nationalmuseum in Kairo gäbe. Näheres ist nicht bekannt:

      Restitutionen


      Peinliche Panne beim Schweizer Bundesamt für Kultur. Die Behörde hatte dem ägyptischen Botschafter in Bern 26 angeblich antike Objekte übergeben, die später mehrheitlich als billige Touristensouvenirs identifiziert wurden:
      Armee von Souvenir-Uschebtis (Symbolbild)
      (Stockfoto [CC0], via Pixabay.de)

      Der Direktor des Grand Egyptian Museums (Eröffnung 2020), Dr. Tawfik, forderte vom British Museum in London die Rückgabe des Rosetta-Steins, berichtet „Cairoscene“. Ein offizieller Antrag wurde aber bisher nicht gestellt.

      Baudenkmalschutz


      In der New York Times berichtet die Journalistin Yasmine El-Rashidi über die Zerstörungen von historischen Gebäuden im Kairoer Maspero Viertel.

      Interne Links

      Samstag, 5. Januar 2019

      Bäuerliche Lebenswelten - eine Perspektive aus Massachusetts

      Quentin P. Lewis

      An Archaeology of Improvements in Rural Masachusetts.

      Landscapes of Profit and Betterment at the Dawn of the 19th century
      Contributions to Global Historical Archaeology


      Cham, Heidelberg: Springer 2016


      ISBN 978-3-319-36328-8 (Softcover)
      ISBN 978-3-319-22104-5 (Hardcover)
      ISBN 978-3-319-22105-2 (e-book)

      236 Seiten

      90,94 €, e-book: 71,39 €


      Einen interessanten Kontrapunkt zur archäologischen Erforschung bäuerlicher Gesellschaften in Mitteleuropa setzt die Arbeit von Quentin Lewis. Er verfolgt die ländliche Siedlungsgeschichte am Beispiel von Deerfield im Nordwesten des US-Bundesstaates Massachusetts, etwa 130 km westlich von Boston nahe des Connecticut river gelegen. Ein zentraler Begriff der Arbeit ist das "improvement", was sich schwer ins Deutsche übersetzen lässt, da "Meliorisation", das eine ähnliche Zweideutigkeit hat, heute kaum noch gebräuchlich ist. Einerseits bezieht sich der Begriff auf eine Vervollkommnung der Kulturlandschaft in ästhetischer Hinsicht oder in Bezug auf andere idelle Werte, wie einem gestalteten Ortsmittelpunkt oder einer Klärung der Besitzverhältnisse, andererseits aber auf eine wirtschaftliche Ertragssteigerung.  


      Deerfield, Massachusetts
      (Foto: davidpinter [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
      Deerfield wurde im 17. Jahrhundert gegründet. Kapitel II schildert  seine Geschichte. Es  beginnt mit dem Naturraum und geht auch auf die Situation vor der europäischen Kolonisierung ein, als hier Algonkin-sprachige einheimische Stämme ansässig waren, die die Landschaft im Rahmen eines "mobile farming" mit dem Anbau von Bohnen und Kürbis nutzten und dazu kontrolliert den Wald brannten. 
      Anders als etwa beim mittelalterlichen Landesausbau in Europa besitzen wir hier mit den um 1628 verfassten "Reasons for the Plantation in New England" ein ideologisches Manifest, das die Motive der Siedler und auch deren Landschaftsverständnis erkennen lässt. New England wurde als Wildnis gesehen, die Gott den von der Kirche verfolgten Puritanern als Rückzugsgebiet vorgesehen hätte. Der Verfasser, möglicherweise John Winthrop, verweist auf den sogenannten "Herrschaftsauftrag" (1. Mos., 28), auf den sich das Konzept des Improvement zurück führen lässt. Bemerkenswerterweise sieht das Manifest zwar eine Missionierung als Auftrag, angesprochen werden dabei aber nicht die - überhaupt weitgehend ausgeblendeten - Einheimischen, sondern die Jesuiten. Erst in der Entgegnung möglicher Einwände gegen die Besiedlung werden die Einheimischen erwähnt, deren Ansprüche aber abgewiesen werden, da sie das Land nicht ackerbaulich nutzten ("sowing and feeding").
      Deerfield selbst wurde offiziell 1671 gegründet, seine Anfänge gehen aber auf eine Missionskirche zurück, die hier seit den 1650er Jahren bestand.


      Kapitel II und IV gehen auf das Williams House ein, heute Teil des Freilandmuseums "Historic Deefield", erst das Innere, dann das Grundstück. Um das Gebäude wurden zwischen 1983 und 2001 zahlreiche kleine Sndagen durchgeführt, um das alte Geländerelief  vor Anlage des Gartens zu erfassen (S. 147ff.).
      Auf der modernen Gebäudezufahrt  nördlich des Hauptgebäudes wurden etwa 35 m² in kleinen Quadratmater (oder sogar 1/4-Quadratmeter schnitten) untersucht, wo nach schriftlichen Quellen teilweise ein älteres Nebengebäude getsanden haben müsste, von dem ein möglicher Schwellstein erfasst wurde. Nach unseren  Maßstäben ist die Auswertung mittels Fundverteilungen etwas überzogen, da es sich nicht gerade um eine statistisch auswertbaren Datenbestand handelt. Eine Funddokumentation, die über Tabellen hinaus geht fehlt - selbstverständlich möchte man sagen.

      Viel interessanter an dem Band ist daher auch das Verständnis bäuerlicher Lebenswelt, wie es in Kapitel 1 dargetsellt wird. Deutlich wird, dass die bäuerliche Lebenswelt mehr ist als die Analyse der Siedlungstopographie, der Höfe und Siedlungen oder der Stadt-Land-Kontrast. Vielmehr rückt das Soziale, nämlich das Symbolische oder die Formation von Traditionen in den Mittelpunkt (S. 8). Angesichts der auch für die USA zu konstatierende Sicht auf das alltägliche bäuerliche Leben als zeitlos traditionell und geschichtslos bietet die Archäologie ein Korrektiv, das "Improvement" auch dort zeigt, wo es die Schriftquellen ausblenden, beispielsweise in der individuellen Ausgestaltung des Hauses.

      Während historische Archäologie in den USA in den vergangenen Jjahrzehnten vor allem die sozialen Gruppen thematisiert hat, die in den schriftlichen Quellen keine Stimme haben - schwarze Sklaven oder zunehmend auch indigene Gruppen - thematisiert vorliegender Band die weiße Mehrheit, die prinzipiell deutlich besser in den Schriftquellen präsent ist. Der archäologosch-materielle Blick hilft jedoch die Vielfalt des "Improvement" zu erfassen, das sich nicht direkt in den Schriftquellen spiegelt. Die Archäologie füllt jedoch nicht

      Literatur

      Freitag, 4. Januar 2019

      Kulturgut in Syrien und Irak (November - Dezember 2018)

      Obwohl in der deutschen Öffentlichkeit andauernd bei jeder passenden und meist eher unpassenden Gelegenheit das Thema Migration und Flüchtlinge hochgepusht wird, ist die Situation in Syrien, die doch ganz wesentlich Ursache der "Krise" ist, nur noch erstaunlich selten ein Thema, das Aufmerksamkeit findet.
      Dabei werden die Karten hier nun grundlegend neu gemischt. Mit dem als Verrat empfundenen Rückzug der USA wenden sich die Kurden an das Assa-Regime um Hilfe gegen die Türken. Daesh hält nur einige kleine Gebiete in Syrien und vor allem im Irak.
      Bürgerkrieg in Syrien, Ende 2018
      (Graphik verändert nach Ermanarich, WikimediaCommons, Version v. 1.1.2019 [CC BY SA 4.0])

      Die Situation ist also noch weniger zu überblicken als zuvor. Die propagandistische Zerstörung von Kulturgütern ist vorerst gestoppt. Das Plündern geht indes weiter, aber keine der Parteien hat Interesse, Plünderungen in den von ihnen kontrollierten Gebieten öffentlich werden zu lassen, denn stattdessen wird auf Raubgrabungen und Plünderungen bei den jeweiligen Gegnern verwiesen. Nach Daesh ist Kulturgutzerstörung, das nun  international auch als Kriegsverbrechen eingestuft wird, ist das ein probates Mittel zur propagandistischen Anklage des Gegner.
      Wenn etwa  die russischen Sputnik-News über Raubgrabungen westlicher Soldaten in Syrien berichtet, so ist das nach all den bisherigen Erfahrungen nicht auszuschließen, aber natürlich steckt hinter der Verbreitung der Nachricht auch eine politische Botschaft.
      Zu den propagandistisch bedeutenden Meldungen gehören sicher auch die Zeichen der Normalität, die Syrien aussendet:
      Die vermeintliche Rückkehr zur Normalität lässt auch einige der wissenschaftlichen Initiativen zum Kulturgüterschutz nun offenbar wieder eingeschlafen.Die früher üblichen Weekly Reports  von ASOR sind längst Monthly Reports (wie auch Archaeologik nur noch etwa alle zwei Monate einen Post absetzt) und sie reichen derzeit auch nur bis Mai 2018. 
      Die Initiative WikiLoot, die 2012 versucht hatte, die Öffentlichkeit in eine Jagd auf provenienzlose Fundstücke einzuspannen, hat sich letztlich nicht durchgesetzt. Sie ist auf Twitter seit Mai 2018 inaktiv, die facebook-Gruppe wurde im Dezember 2017 archiviert. Die eigentlich sehr wertvolle Seite  https://heritage.crowdmap.com/ listet automatisiert noch Medienberichte, doch funktioniert der rss-Feed von GoogleNews, der eigentlich die wichtigste Quelle darstellte, mindestens seit November 2017 nicht mehr.
      Viele früher wichtige Quellen sind heute weitgehend still, nicht zuletzt, weil sich nach über sieben Jahren berufliche und familiäre Konstellationen geändert haben.

      Einen aktuellen Überblick über die allgemeine Situation in Syrien insbesondere im Hinblick auf einen Wiederaufbau bietet eine Reportage des Deutschlandfunk: 
      Immerhin kommt nun, nachdem das Thema der Terrorfinanzierung, das mit dem Niedergang von Daesh vordergründig an Aktualität verloren hat, in den Krimis an, wie der zweiten Staffel von "The Team", bei der es um Terroristen, Schmuggler, Galeristen und Sammler geht (https://www.zdf.de/serien/the-team). Fast nicht nötig zu erwähnen, dass die Zerstörung von Fundstellen keine Rolle spielt, sondern es nur um die Rettung von Museumsobjekten geht.

       Schadensmeldungen


      Schadensmonitoring


      Meldungen zu einzelnen Kulturstätten in Syrien und Irak

      Irak

      Mosul
      ein Müll-Problem in den Ruinen der ältesten Häuser der Stadt
      Wiederaufbau

      Syrien

      Aleppo

      Das Baron-Hotel, ehemals erster Platz am Ort (s. engl. wikipedia) wird nicht wieder eröffnet:  Palmyra
      Restaurierungsarbeiten

      Links

      frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak




    • Fünf Jahre Syrienberichte. Archaeologik (4.5.2017)
      - Stand April 2017


    • Wie immer geht mein Dank an diverse Kollegen für ihre Hinweise.  

      Mittwoch, 2. Januar 2019

      Bewegte Zeiten - (mit)geteiltes Erbe?

      Eine meiner Meinung nach voll zutreffende Kritik der noch bis zum 6.1.2018 laufenden Berliner Ausstellung "Bewegte Zeiten":

      Das Ausstellungsthema "Bewegte Zeiten", mit dem auf die grundlegende Bedeutung von Migration, Kulturkontakten und Waren- und Ideenflüssen hingewiesen wird, ist zwar aktuell, aber es erscheint über die Funde drüber gestülpt. Mobilität, Austausch, Konflikt, Innovation, die Schlüsselbegriffe der Ausstellung bleiben blass. Sie werden jeweils auf einer einführenden Tafel angerissen, aber ohne wissenschaftliche Vertiefung, sondern ganz oberflächlich.

      Das Potential zeitenübergreifender Darstellung und der damit verbundene Blick auf kulturgeschichtliche Phänomene gewinnbringend zu erschließen, setzt zweierlei voraus: 1.) ein Bewusstsein für die zeitliche Dimension und 2.) eine Differenzierung der Phänomene. Beides ist in der Berliner Ausstellung nur ungenügend gelungen. 

      Die  notwendige theoretische Auseinandersetzung um Begriffe in einer Ausstellung angemessen zu vermitteln, ist schwierig. In Berlin hat man in der Ausstellung aber auch im zugehörigen Katalog darauf verzichtet und so bleibt der Eindruck, dass Archäologie einfach Funde anhäuft und die Interpretation eigentlich ganz willkürlich ist. "Die intellektuelle Auswertung fehlt eigentlich völlig" meint Carsten Probst als Kritiker im Deutschlandradio. Damit stellt sich die Frage, was wissenschaftliche Aussage ist und was politische Agenda. Das ist heute recht gefährlich, da die Akzeptanz von Wissenschaft schwindet...

      Gerade die Vermittlung der zeitlichen Dimension ist eine Stärke der Archäologie. Sie setzt nicht unbedingt eine chronologische Anordnung voraus, muss aber didaktisch anschaulich gemacht werden. Gerade eine Ausstellung mit dem Titel "Bewegte Zeiten" sollte zumindest exemplarisch die Wandlungsprozesse auf der Zeitachse sichtbar machen. Das Verständnis des historischen Wandels ist m.E. die  zentrale Aufgabe der Archäologie und so wäre die Ausstellung genau die Plattform gewesen, diesbezüglich die wissenschaftlichen Leistungen der Archäologie darzustellen, die eben nicht darin bestehen, neue Funde anzuhäufen. Genau das versuchen wir doch immer wieder den Raubgräbern entgegen zu halten...

      "Sharing Heritage" ist heute nicht nur ein Anspruch einer demokratischen Zivilgesellschaft, sondern auch eine wichtige Möglichkeit, um Akzeptanz zu schaffen und um die Ressource Vergangenheit / Kulturerbe nachhaltig und ethisch zu erschließen. Obwohl das Europäische Kulturerbejahr Anlass für die Ausstellung war, hat die Berliner Ausstellung dies nicht aufgegriffen, sondern präsentiert gewissermaßen als Offenbarung von Fachleuten ein Narrativ der schon immer bewegten Zeiten. - Eher mitgeteiltes, als geteiltes Erbe...

      Die Aussage, dass Migration immer wieder eine wichtige Rolle in der historischen Entwicklung gespielt hat, ist sicher richtig, aber derzeit ist durchaus auffallend, wie eine jahrzehntelange kritische Auseinandersetzung mit Migration als Erklärungsmodell kulturellen Wandels schlichtweg vergessen wird. Das gilt indes weniger für die Ausstellung selbst, die ja Austausch (Handel), Konflikt und Innovation durchaus als historische Faktoren begreift, um so mehr jedoch für die mediale Begleitung, die sich sehr stark auf den Aspekt der Migration konzentriert. Natürlich ergeben sich gerade hier durch neue Methoden der Isotopenstudien wie der Genetik neue Einblicke und Impulse, aber die kritischen Bemerkungen zu den klassischen Distributionsmodellen und ethnischen Interpretationen sind damit nicht automatisch vom Tisch. Im angelsächsischen Raum war in den 1960er Jahren gerade die Kritik von Wanderungsmodellen Ausgangspunkt für die Ausbildung der damals so genannten New Archaeology, die sich - durchaus erfolgreich - bemühte, andere Erklärungsmodelle für historische Prozesse aufzuzeigen. Große Akzeptanz hat das in Deutschland kaum gefunden, stand es doch dem üblichen Geschichtsverständnis in Deutschland entgegen. Jetzt aber werden die doch auch hier erwachsenen kritischen Ansätze etwa zur Ethnizität weitgehend übergangen. Das Aufgreifen aktueller gesellschaftlicher Debatten in der Archäologie ist ja prinzipiell zu begrüßen, wenn man aber nur die Worthülsen aufgreift
      , spielt man eher Populisten und Wissenschaftskritikern in die Hände...

      Die Darstellung außen am Martin-Gropius-Bau in Berlin,
      früher Kunstgewerbemuseum steht für das alte durch Kontinuitäten
      geprägte Geschichtsbild - in der Ausstellung "Bewegte Zeiten"
      fehlt aber jene forschungsgeschichtliche Reflektion
      (Foto: R. Schreg, 2018)
      ... Die Ausstellung ist mit ihren Exponaten gut und anregend, weil sie von der üblichen chronologischen Darstellung abweicht und sehr mutig versucht, aktuelle Themen aufzugreifen. Eine wichtige Erfahrung, die die Ausstellung dabei jedoch vermittelt, ist, dass wir hier noch zu lernen haben. Wie greifen wir aktuelle Themen auf? Wie gehen wir mit den Ansprüchen der Teilhabe um? Ohne klare Darlegung und Erklärung der theoretischen Grundlagen der Interpretationen  gerät die Archäologie leicht in den Verdacht eine politische Agenda zu verfolgen. Das Narrativ der Vermittlung muss gezielt Komplexität darstellen und muss daher mehr sein als eine Präsentation von Funden. Theorie in der Archäologie (oder besser: Selbstreflektion) ist heute wichtiger denn je und von zentraler Bedeutung für die Glaubwürdigkeit als Wissenschaft.

      Links


      Interner Link


      Dienstag, 1. Januar 2019

      Archaeologik 2018

      2018 war für Archaeologik, wie erwartet (vgl. Archaeologik 2017), wieder ein Jahr, das in Bezug auf die Zahl der Blogposts wie in Bezug auf die Zugriffszahlen hinter den Vorjahren zurück blieb. Die Übernahme des Lehrstuhls in Bamberg hat meine Arbeitsabläufe verändert und dabei ist auch die Medienbeobachtung, die den Großteil der Blogposts ausmachte, etwas ins Hintertreffen geraten.

      Themen 2018

      Thematisch wurde Archaeologik von Themen aus dem Kulturgüterschutz bestimmt, aber auch zu der Problematik Archäologie & Politik bestimmt. Hinzu kamen aber mehrere Beiträge zur Problematik einer Archäologie des 19. und 20. Jahrhunderts. Die häufigsten Labels im Blog sind nach wie vor Kulturgut, Antikenhehlerei und Raubgrabung. Als wichtige Posts seien genannt:
      Die Kulturgutzerstörung in Syrien und Irak blieb Thema einer Serie von Blogposts, die inzwischen aber nur noch in größeren Abständen erfolgt.
      Zu dem weniger beachteten Krieg im Jemen und der Entwicklung in Ägypten:
      Zu Kulturgutzerstörungen kommt es aber keineswegs nur in Kriegsgebieten. Politische bzw. soziale Gründe der Abgrenzung bzw. des individuellen Prestiges spielen hier ebenso eine Rolle wie schlichte Vernachlässigung und Verantwortungslosigkeit:

      Das Thema Archäologie & Politik betraf vor allem Ungarn, aber auch die Trump'sche USA, wo es inzwischen zu Eingriffen in die Wissenschaftsfreiheit kommt, in Ungarn sogar zu politisch gedeckten persönlichen Drohungen gegen Forscher, darunter auch Historiker. Auch in Deutschland zeigen sich Ansätze entsprechender Wissenschafts-Hetze.

      Zum gestörten Verhältnis von Teilen der Gesellschaft zur Wissenschaft:
      Die aktuelle Situation der Wissenschaft in der Krise wirft für die Archäologie einige alte Fragen auf: Wie politisch darf/ muss sie sein? Kann sie apolitisch sein? Wo verlaufen die Grenzen zwischen politischer Agenda und gesellschaftlicher Verantwortung der Wissenschaft? Was ist der gesellschaftliche Nutzen/Auftrag der Archäologie?

      Diese Fragen werden in der Archäologie der Neuzeit noch viel drängender, denn insbesondere der Laie (was leider oft die Kollegen anderer archäologischer Disziplinen einschließt) fragt hier natürlich, wozu man ausgraben soll, was man entweder schon kenne, oder was schlichtweg Schrott sei.

      Rezensionen gab es 2018 sechs:

      Etwas Quantifizierung


      Insgesamt habe ich 2018 auf Archaeologik 79 Posts eingestellt, deutlich weniger als 2017 (127) und 2016 (162 Posts, adventskalenderbereinigt 138).
      2018 wurde nur ein Post auf  Englisch eingestellt.  Gastbeiträge gab es nur 8 (Vorjahr: 13). Autoren waren Detlef Gronenborn (2 Beiträge), Raimund Karl (2 Beiträge), Jutta Zerres (dieses Jahr leider nur 2 Beiträge), Hans-Christoph Strien (1 Beitrag) Stephan Kirchberger (1 Beitrag) sowie Anne-Sophie Ebert (1 Beitrag) und Fabian Schwandt (1 Beitrag). Die beiden letztgenannten haben sich aus der Bamberger Lehre ergeben.

      Die zehn meist gelesenen Beiträge 2018 (in der Zählung nach GoogleAnalytics):
      1. D. Gronenborn/ H.-C. Strien: Zwei Extremsommer: 2018 n. Chr. und 5106/5105 v. Chr. - Was können wir aus den Erfahrungen vor 7000 Jahren lernen?
        1.08.2018, 1624 (5377) Seitenaufrufe
      2. Zeichnerische Dokumentation von Keramikfunden
        26.2.2017, 995 (3146) Seitenaufrufe
      3. Zweierlei Moral?
        19.01.2018, 753 (1749) Seitenaufrufe
      4. "Mein Prof. hetzt"
        13.10.2018 , 691 (1097) Seitenaufrufe
      5. Mittelalterliche Keramik aus Geislingen
        14.12.2011,
        691 (8229) Seitenaufrufe
      6. Dunkelhäutig und blauäugig - DNA-Analysen passen nicht in mancher Weltbild
        18.02.2018, 578 (1584) Seitenaufrufe
      7. Ungarn listet unliebsame Wissenschaftler
        30.05.2018, 502 (1688) Seitenaufrufe
      8. WANTED: Mitarbeiterinnen / Mitarbeiter am Lehrstuhl
        17.05.2018, 480 (1408) Seitenaufrufe
      9. Archaeonik 1: Wie Archäologen die Zukunft retten (oder auch nicht?)
        20.1.2016, 351 (2062) Seitenaufrufe
      10. Die Maske fällt: Der kommerzielle Hintergrund von academia.edu
        12.2.2017,
        337 (1835) Seitenaufrufe

      Die Zahlen der Seitenaufrufe beruhen auf GoogleAnalytics und beziehen sich ausschließlich auf das Jahr 2018, also auch bei den älteren Blogposts (Zahlen Stand 28.12.2018). In Klammern ist die Zählung laut Blogger angegeben, die sich ggf. aber auf die Gesamtlaufzeit des Blogposts bezieht. Nach der Zählung von Blogger sähe die Liste der TopTen etwas anders aus, denn hier schneiden die folgenden Beiträge besser ab:


        Die monatlichen Zugriffszahlen zeigten im Jahr 2018 weiterhin einen fallenden Trend.  Nach der Blogger-Statistik sind 2018 gerade mal 129.260 Seitenaufrufe gegenüber 193.417 im Jahr 2017 zu verzeichnen.



        Entwicklung der Zugriffe seit Beginn von Archaeologik auf der Plattform Blogger, 2018 markiert
        (Quelle: Blogger Statistik)


        Auf GoogleAnalytics erreichte Archaeologik 2018 37.000 Seitenaufrufe (Vorjahr: 47.000). Die rückläufige Entwicklung auf Archaeologik kommt wie gesagt nicht unerwartet, wurden doch auch deutlich weniger Posts eingestellt.
        Die Zugriffe erfolgen weltweit, doch sind auch Verlinkungen von andern Seiten, ebenso wie Kommentare zu den Blogposts massiv zurückgegangen. Auf dem Blog selbst wurden nur 17 Kommentare hinterlassen (ohne meine Antworten),  etwas mehr Resonanz erfolgte auf der facebook-Seite zu Archaeologik.

        globale Zugriffeauf Archaeologik 2019 (GoogleAnalytics)
        Interessant erscheint mir eine Statistik der Zugriffszeiten, die GoogleAnalytics ausgibt. Meine ursprünglicher Eindruck war, dass viele Zugriffe zur Frühstückszeit erfolgen. Deshalb stelle ich neue Posts häufig auf eine Publikation um 1 Uhr oder 2 Uhr in der Nacht ein, so dass die Frühmorgensleser sie rezipieren können. Nach der Statistik liegen die Haupt-Lesezeiten werktags vormittag, nur am Sonntag sind Frühstücker unter den Lesern. Offenbar ist Archaeologik also eher beliebte Schreibtisch-Lektüre.
        Nutzer nach Tageszeit (nach GoogleAnalytics)

        Ausblick

        Mit der verminderten Anzahl von Posts und einem Verzicht auf einige spannende Themen wird Archaeologik weitergehen. Viele Themen rutschen dabei sicher durch. Allerdings hat sich inzwischen der DGUF-Newsletter sehr schön entwickelt, so dass ich all jene, die an kritischen Positionen zu wissenschaftspolitischen und gesellschaftlichen Aspekten der Archäologie wie insbesondere auch zum Kulturgüterschutz interessiert sind, auch diesen sehr empfehlen möchte: DGUF-Newsletter. 
        Ein historisch-archäologischer Wissenschaftsblog am Bamberger Lehrstuhl ist in Planung, bedarf aber noch einiger Abstimmungen etwa mit der UB, aber auch grundsätzlicher Überlegungen, wie unterschiedliches Zielpublikum miteinander zu vereinbaren ist.

         

        Interne Links