Dienstag, 27. Juni 2017

Großes Interesse der Bürger in Deutschland an Archäologie und Antike

In einer Umfrage wurden im Winter 2015/16 im Großraum Düsseldorf mit Papier und Online-Formularen mehr als 1200 Bürger zu ihrem Interesse an Archäologie und Alter Geschichte befragt. Demnach hat die Bevölkerung in Deutschland ein hohes persönliches Interesse an den Themenfeldern Archäologie, Antike und Altertum. 46 % der Befragten bezeichnen ihr Interesse als stark bis sehr stark. 88 % der Bevölkerung schätzen sie auch bei geringem eigenem Interesse als wichtig bis sehr wichtig ein. Hoch ist mit 57% auch die Bereitschaft für den Erhalt antiker Stätten oder Dinge zu spenden. Das Interesse an einem aktiven Mitwirken an Reenactment-Ereignissen liegt bei 53 %, wobei dieser Wunsch bei Jugendlichen (15–19 Jahre) deutlich geringer ist. Nur 29% der Befragten äußerten ein Interesse an Mitsprache bei archäologisch relevanten Entscheidungen. "Der Wunsch nach einem Mitspracherecht hängt mit dem Bildungsstand zusammen." Erwachsene mit Hochschulabschluss haben ein ausgeprägteres Interesse daran. "Die Ergebnisse ähneln den Resultaten einer ebenfalls von Studierenden im Jahr 2014 im Großraum Wien durchgeführten Studie mit 500 Befragten (Karl u.a., 2014). Im Vergleich Deutschland – Österreich erweist sich der Enthusiasmus für Antike, Altertum und Archäologie in Deutschland sogar als leicht höher als in Österreich."
Der Artikel von Frank Siegmund und den Teilnehmern eines Seminars an der Universität Düsseldorf präsentiert die Ergebnisse im Detail. Sie sind wichtig für die Abschätzung, wie stark das Publikum für die Wissenschaft ist, was die Potentiale bürgerlichen Engagements betrifft, aber auch, was etwa die Umsetzung von Bürgerbeteiligung betrifft.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Gift für die Forschung

Ein französischer Blog von Jean-David Desforges, schlicht "Le blog de Jean-David Desforges" sammelt  international Presseinformationen über das Problem der Raubgrabungen. Der älteste Eintrag reicht bis 1996 zurück. Ein spezielles Augenmerk gilt dem englischen PAS, das als Ausverkauf der Archäologie verstanden wird.
Ici sont proposés articles de presse, informations, prises de position et réflexions contre le pillage du patrimoine archéologique, sa toxicité pour la recherche et la connaissance du patrimoine par tous.

Montag, 19. Juni 2017

Denkmalpflege in den neuen Landesregierungen NRW und S-H

verändert nach
Wikimedia Commons
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und FDP für Nordrhein-Westfalen 2017-2022 erklärt zum Denkmalschutz:
Denkmalpflege
Wir bekennen uns zu der in der Landesverfassung verankerten Verantwortung für den Erhalt der Denkmäler des Landes. Gemeinsam mit dem vorhandenen ehrenamtlichen Engagement in der Denkmalpflege wollen wir das archäologische und baukulturelle Erbe des Landes für künftige Generationen erhalten. Dazu werden wir unter anderem die Fördermittel für die Baudenkmalpflege wieder auf jährlich rund 12 Millionen Euro anheben.
 und
Erhalt und Pflege unseres kulturellen Erbes
Der Erhalt unseres kulturellen Erbes, seine Restaurierung, Bewahrung und kontinuierliche wissenschaftliche Bearbeitung sind ebenso zu fördern wie die Pflege immaterieller Überlieferungen, von Mundarten wie dem gefährdeten Niederdeutsch, von Brauchtümern und Traditionen. In diesem Sinne werden wir Kultur und Denkmalpflege gleichermaßen fördern und den Ausstieg des Landes aus der Denkmalpflege rückgängig machen. Wir werden die Mittel zum kulturellen Substanzerhalt erhöhen und den Erhalt und die Pflege immaterieller Kulturgüter durch unterschiedliche Institutionen und Verbände unterstützen.
Landesgeschichte und Landesidentität gehören untrennbar zusammen. Aus diesem Grund soll die Idee eines „Hauses der Geschichte Nordrhein-Westfalens“ in unmittelbarer Nähe zum Landtag aufgegriffen werden. Experten aus Universitäten, Instituten, Museen und Publizistik, Landtag und Landesregierung sollen dazu ein unabhängiges und überparteiliches Konzept entwickeln.

Vor etwa 4 Jahren war es in NRW unter der rot-grünen Regierung zu massiven Kürzungen in der Denkmalpflege gekommen, die durch öffentlichen Druck und eine Petition zumindest abgemildert werden konnten (vergl. Archaeologik unter dem Label Nordrhein-Westfalen - Finanzkürzungen).  Der Koalitionsvertrag bezieht sich ausdrücklich darauf und versucht die Schäden auszugleichen.


(via WikimediaCommons)
In Schleswig-Holstein hat die Denkmalpflege im Koalitionsvertrag einen deutlich anderen Stellenwert. Hier werden vor allem Einzelprojekte angesprochen, während ein klares Bekenntnis zum Denkmalschutz fehlt. Die Ankündigung einer Novellierung des Denkmalschutzgesetzes thematisiert lediglich eine Stärkung der Eigentümerrechte.
Umsetzung kulturpolitischer Projekte
Die Koalition bekennt sich zur Weiterentwicklung der wichtigen Projekte der Kulturinfrastruktur: (...) die Umsetzung der Modernisierung der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf (einschließlich der Errichtung eines Ausstellungs- und Eingangsgebäudes im Freilichtmuseum in Molfsee und der Umsetzung des Masterplans auf der Museumsinsel Gottorf), die Schaffung von Rahmenbedingungen, um das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie in die Leibniz Gemeinschaft zu überführen, (...).
 sowie
Weltkulturerbe Danewerk und Haithabu
Unser Ziel ist die Anerkennung des Danewerks und Haithabu als Weltkulturerbe. Für die dafür notwendige Sicherung der Waldemarsmauer wird das Land Mittel bereitstellen.

Im Kontext des Küstenschutzes wird noch konkret die Stadt Lauenburg angesprochen:
Wir gewährleisten die langfristige und nachhaltige Sicherheit vor Sturmfluten und Küstenabbrüchen an den Küsten von Nord- und Ostsee sowie vor Hochwasser und Starkniederschlägen in den Einzugsgebieten Schleswig-Holsteins. Wir werden das Risikobewusstsein für Gefahren durch Sturmfluten und Binnenhochwasser in den betroffenen Regionen stärken. Dabei werden wir die Wasser- und Bodenverbände in die bevorstehenden Herausforderungen der Zukunft einbinden.
Angesichts erhöhter Hochwasserrisiken werden wir die Kostenübernahme des Landes für die Hochwassergebiete der Stadt Lauenburg aufgrund ihres hohen Denkmalschutzwertes zu 90 Prozent umsetzen.
Generell findet sich zur Denkmalpflege eine Ankündigung der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes, zu der lediglich vermerkt wird:
Denkmalschutz
Wir werden das Denkmalschutzgesetz und dessen Anwendung evaluieren und gegebenenfalls novellieren. Wir werden sorgfältig darauf achten, dass Eigentümerinnen und Eigentümer von Denkmalen bei deren Erhalt unterstützt werden.
Insbesondere werden wir sicherstellen, dass sie schnell über die Eintragung in die Denkmalliste informiert werden und vor Investitionsentscheidungen eine verbindliche Auskunft der Denkmalschutzbehörde verlangen können sowie klare und verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Denkmalschutzbehörden erhalten.

2012 hatten CDU und FDP versucht, das Denkmalschutzgesetz in Schleswig-Holstein zugunsten wirtschaftlicher Interessen auszuhöhlen - woraufhin der Koalitionsvertrag der vorigen Regierung aus SPD, Grünen und SSW eine Novellierung angekündigt hatte (Schleswig-Holstein: Koalitionsvertrag sieht Novellierung des Denkmalschutzgesetzes vor) und Ende 2014 auch eine Novellierung umgesetzt wurde. Das Bekenntnis zum Denkmalschutz im neuen Koalitionsvertrag ist bestenfalls lauwarm.



Freitag, 9. Juni 2017

Encyclopedia of Geoarchaeology


Allan S. Gilbert (Hrsg.)

Encyclopedia of Geoarchaeology

(Cham, Heidelberg: Springer 2017)

ISBN 978-1-4020-4409-0

1046 S., 158 schwarz-weiß Abbildungen, 310 Farbabbildungen
426,93€


Im deutschen Sprachraum haben schon die frühen siedlungsarchäologischen Projekte der Pfahlbauforschung Methoden eingesetzt, die man heute dem Kanon der Geoarchäologie zurechnen würde. Mit der Landschaftsarchäologie hat sich auch die Sparte der Geoarchäologie entwickelt und als eigenes Forschungsfeld etabliert, wobei es an den Universitäten mal mehr mit der Archäologie, mal mehr mit der Geographie verbunden ist. Bislang gibt es - auch im englischen Sprachraum - nur eine kleine Auswahl an meist eher knappen Einführungen (Rapp - Hill 2006). Eine detaillierte Übersichtsdarstellung insbesondere der zahlreichen geoarchäologischen Methoden blieb bislang jedoch ein Desiderat - und bleibt es im deutschsprachigen Raum derzeit auch noch. Die hier vorgestellte Enyclopedia of Geoarchaeology bietet einen umfassenden Überblick und kann als eine Einführung in die Geoarchäologie nur empfohlen werden. Die Perspektive des Bandes ist jedoch global und so spiegelt sich die deutsche Forschung und deren besonderen Forschungsfragen und -traditionen in dem Band nur bedingt wieder. Selbstverständlich wird die angesprochene Bedeutung der Pfahlbauforschung dargestellt (S. 617-620), wobei hier auch gezeigt wird, wie die Vorstellung der klassischen Pfahlbauten durch Ferdinand Keller implizit davon ausging, dass sich die Seespiegel seit der Urzeit nur unwesentlich verändert hätten. Die Interpretation der Pfahlbauten als erst später überschwemmte Pfahlbauten, wie sie etwa von Hans Reinerth, Oscar Paret und Emil Vogt vertreten wurden, zeigt die Öffnung des Denkens hin zur Möglichkeit prähistorischer Umweltveränderungen.

Der Artikel von Christopher L. Hill  (s.v. Geoarchaeology, History, S. 292-303) gibt einen Überblick über die Forschungsgeschichte der Geoarchäologie. Er verweist auf die weit zurückreichenden Ansätze, geowissenschaftliche Methoden in archäologische und historische Forschungen einzubeziehen. Die Diskussionen im 19. Jahrhundert um den diluvialen Menschen  sind hier ebenso zu nennen wie die Arbeiten von George Perkins Marsh, der schon seit den 1860er Jahren die Mensch-Umwelt-Interaktion thematisierte und dabei eben auch auf die Pfahlbauten verwies. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es zu vielfältigen multidisziplinären Kontakten von Archäologen und Geowissenschaftlern, die zu einer zunehmenden Anwendung geowissenschaftlicher Methoden in der Archäologie führten. Zu nennen sind hier Pollenanalysen, die Dendrochronologie, aber auch die Luftbildarchäologie. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückten Archäologie und Geowissenschaften in vielen Projekten enger zueinander, so dass seit den 1970er Jahren der Begriff der Geoarchäologie aufkam. Karl Butzer verwendete den Begriff Anfang  der 1970er Jahren in enger Verbindung mit seiner "ecological archaeology". In der Praxis stehen bis heute Böden, Sedimente und Landschaftsformen im Vordergrund, doch ist der methodische Rahmen und der theoretische Anspruch weitaus weiter gefasst. So wird Geoarchäologie beispielsweise als Anwendung geowissenschaftlicher Methoden und Konzepte auf archäologische Ablagerungen und Formationsprozesse gesehen oder  - noch umfassender - Geoarchäologie als interdisziplinäre ökologische Disziplin gesehen, die auf die Beziehungen zwischen Mensch und Ökosystemen ausgerichtet ist.

Das Nachschlagewerk zeigt die methodische Vielschichtigkeit der modernen Geoarchäologie auf. Es legt ein weites Verständnis von Geoarchäologie zugrunde, das sich in weiten Teilen mit einer Umweltarchäologie überschneidet. 

Die Stärken des Buches liegen jedoch in der systematischen Darstellung der einschlägigen Methoden. Ein Beitrag von Michael F. Kolb (Analysis of Carbon, Nitrogen, pH, Phosphorus, and Carbonate as Tools in Geoarchaeological Research, S. 15-24) beispielsweise behandelt die Analyse von Kohlenstoff, Sticksoff, PH-Werten, Phophor und Karbonaten als Methoden der Geoarchäologie. Besprochen werden die Aussagemöglichkeiten und die Analysemethoden. Es gibt fünf Faktoren, die die Bodenbildung maßgeblich beeinflussen: 1) Klima, 2.) Organismen (Tiere und Pflanzen), 3.) das Relief, 4.) das Ausgangsmaterial und 5.) die Zeit. Der Mensch mag unter die Organismen subsumiert werden oder als Punkt 6.) gesondert aufgeführt werden. Chemische Analysen in der Geoarchäologie sind immer vergleichend und benötigen Referenzproben. Da Böden nicht ausschließlich durch den Menschen beeinflusst sind, muss in einem archäologischen Forschungskontext - der ja in der Regel auf den Menschen abzielt - immer eine Datenreferenz gefunden werden, die den Faktor Mensch weitgehend ausschließt. Einen Standort im Umfeld der zu untersuchenden archäologischen Fundstelle zu finden, die keinen anthropogenen Einfluss aufweist, ist indes sehr schwierig, in weiten Teilen der Welt gar unmöglich.
Behandelt werden beispielsweise auch die Untersuchung von Tropfsteinen (s.v. speleothems, S. 886-896, Alfred G. Latham) oder Methoden wie Strontium Isotopie (S. 916-919) oder die magnetische Suszeptibilität (S. 939-943), die für die Mikro-Prospektion einzelner Befundkomplexe, die Identifikation von Aktivitätszonen und das Verständnis der Formationsprozesse von Bedeutung sein kann.
Einträge gibt es auch zu kulturellen Modifikationen von Böden und Wasserverhältnissen (z.B. anthrosols, S. 24-27; agricultural soils S. 877-883). Nur sehr knapp und beiläufig werden jedoch vormoderne Feldsysteme behandelt, die wohl immer noch eher bei der Geographie verortet und weniger als Teil der Geoarchäologie gesehen werden. So spielen Terrassierungen nur im Rahmen des Beitrags "soils, agricultural" eine Rolle; Wölbäcker werden nur in Form der südamerikanischen raised fields behandelt. Letzteres geschieht im Kontext eines Beitrags "Canals and Aquaeducts in the Ancient World" von Charles R. Ortloff (S. 96-104), der Bewässerungssysteme in Südamerika (insbesondere Moche-Tal), dem Nahen Osten und in Kambodscha (Angkor) behandelt.  Altfluren werden offensichtlich nicht als wesentliches Thema der Geoarchäologie verstanden. Tatsächlich sind sie ein ganz zentraler Bestandteil menschlicher Kultur. Nachdem ihre Erforschung lange bei der historischen Geographie lag, die überwiegend typlogisch mit kartographisch überlieferten Flurformen gearbeitet hat, ist ein Forschungsfortschritt eigentlich nur aus einer interdisziplinären Annäherung möglich, bei der die Geoarchäologie in der Bestimmung der langfristigen Entwicklung, Nutzung und Datierung eine zentrale Bedeutung zukommt (Schreg 2016). Insofern ist es bedauerlich, dass dem Themenbereich kein größerer Stellenwert zugemessen wird. Neben den Datierungsmethoden der Böden spielen in der Altflurforschung die Methoden der Fernerkundung eine wesentliche Rolle, die in der vorliegenden Enzyklopädie ebenfalls nur mit einem generellen Artikel über "remote sensing in archaeology" (S. 703-725). angerissen sind.
Ein langer Artikel von Rolfe D. Mandel, Paul Goldberg und Vance T. Holiday behandelt "Site Formation processes" (S. 797-817), wobei insbesondere die Deponierung im Vordergrund steht. Hier geht es vorranging um natürliche Prozesse der Bodenablagerung und der Verlagerung (vergl. Archaeologik 3.4.2013).

Der Band ist eine gute Möglichkeit, sich umfassend über Methoden und Fragestellungen der Geoarchäologie zu informieren. Die Beiträge zu einzelnen Fundstellen zeigen exemplarisch die Anwendungsmöglichkeiten und gehen auch auf die Praxis in Gelände und Labor ein. Überblicksartikel verweisen auf den theoretischen Hintergrund in einer Umwelt- und Landschaftsarchäologie.

Stichworte

  • Ain Ghazal 1
  • Akrotiri Aetokremnos, Cyprus 3
  • Alluvial Settings 4
  • Amino Acid Racemization 14
  • Analysis of Carbon, Nitrogen, pH, Phosphorus, and Carbonates as Tools in Geoarchaeological Research 15
  • Anthrosols 24
  • 40Ar/39Ar and KAr Geochronology 27
  • Archaeological Stratigraphy 33
  • Archaeomagnetic Dating 39
  • Archaeomineralogy 46
  • Archaeoseismology 47
  • Arctic Geoarchaeology: Site Formation Processes 57
  • Artifact Conservation 58
  • Atapuerca 62
  • Beringia, Geoarchaeology 65
  • Big Eddy Site, Missouri 74
  • Blombos Cave 75
  • Boxgrove 76
  • Built Environment 77
  • Burned-Rock Features 89
  • Cactus Hill, Virginia 95
  • Canals and Aqueducts in the Ancient World 96 
  • Casper Site, Wyoming 105 
  • Çatalhöyük 105 
  • Cave Settings 108 
  • Ceramics 118 
  • Cerén 128 
  • Chemical Alteration 129 
  • Chronostratigraphy 139 
  • Climatostratigraphy 141 
  • Coastal Settings 145
  • Colluvial Settings 157 
  • Cosmogenic Isotopic Dating 170 
  • Data Visualization 173 
  • Dendrochronology 180 
  • Dmanisi 197 
  • Dolní Věstonice, Pavlov, Milovice 198 
  • Dumps and Landfill 199 
  • Dust Cave, Alabama 205 
  • Eastern Sahara: Combined Prehistoric Expedition 209 
  • El Mirón Cave 210 
  • Electrical Resistivity and Electromagnetism 211 
  • Electron Probe Microanalyzer 219 
  • Electron Spin Resonance (ESR) in Archaeological Context 224 
  • Eolian Settings: Loess 233 
  • Eolian Settings: Sand 239 
  • Ethnogeoarchaeology 245 
  • Experimental Geoarchaeology 251 
  • Field Geochemistry 263 
  • Field Survey 271 
  • Fission Track Dating 274 
  • Fluorine Dating 275 
  • Forensic Geoarchaeology 276 
  • Fourier Transform Infrared Spectroscopy (FTIR) 285 
  • Gas Chromatography 287 
  • Geoarchaeology, History (Christopher L. Hill) 292 
  • Geochemical Sourcing 303 
  • Geographical Information Systems (GIS) 309 
  • Geomorphology 314  
  • Geophysics 323
  • Gesher Benot Yaaqov 326
  • Glacial Settings 327
  • Glass 336
  • Grain Size Analysis 341
  • Great Plains Geoarchaeology 348
  • Grimaldi Caves 366
  • Ground-Penetrating Radar 367
  • Harappa 379
  • Harbors and Ports, Ancient 382
  • Harris Matrices and the Stratigraphic Record 403
  • Haua Fteah 410
  • Hearths and Combustion Features 411
  • Hohle Fels 425
  • House Pits and Grubenhäuser 425
  • Inductively Coupled Plasma-Mass Spectrometry (ICP-MS) 433
  • Inundated Freshwater Settings 441
  • Isernia 447
  • Isochron Dating 448
  • Java (Indonesia) 451
  • Kebara Cave 453
  • Kennewick Man 455
  • Kostenki, Russia 456
  • Koster Site, Illinois 457
  • La Micoque 459
  • Lake Mungo and Willandra 460
  • Landscape Archaeology 464
  • Lead Isotopes 469
  • Liang Bua 473
  • Lithics 476
  • Living Surfaces 486
  • Loessic Paleolithic, Tajikistan 492
  • Luminescence Dating of Pottery and Bricks 494
  • Magnetometry for Archaeology 499
  • Mass Movement 515
  • Metals 521
  • Microstratigraphy 532
  • Minnesota Messenia Expedition (MME) 537
  • Monte Circeo Caves 538
  • Monte Verde 538
  • Mount Carmel 539
  • Neutron Activation Analysis 543
  • Niah Cave 547
  • Olduvai 549
  • Optically Stimulated Luminescence (OSL) Dating 550
  • Organic Residues 555
  • Ötzi, the Tyrolean Iceman 566
  • Oxygen Isotopes 567
  • Paleodemography: Methods and Recent Advances 575
  • Paleodiet 583
  • Paleoenvironmental Reconstruction 588
  • Paleomagnetism 601
  • Paleopathology 607
  • Paleoshores (Lakes and Sea) 613
  • Paludal Settings (Wetland Archaeology) 628
  • Pastoral Sites 644
  • Petroglyphs 652
  • Petrography 660
  • Pigments 664
  • Pinnacle Point 672
  • Pompeii and Herculaneum 675
  • Poverty Point Site, Louisiana 678
  • Pre-Clovis Geoarchaeology 679
  • Privies and Latrines 682
  • Radiocarbon Dating 689
  • Raman 702
  • Remote Sensing in Archaeology 703
  • Rockshelter Settings 725
  • Santorini 745
  • Scanning Electron Microscopy (SEM) 755
  • Sedimentology 764
  • Shell Middens 772
  • Shipwreck Geoarchaeology 788
  • Site Formation Processes 797
  • Site Preservation 817
  • Soil Geomorphology 821
  • Soil Micromorphology 830
  • Soil Stratigraphy 841
  • Soil Survey 856
  • Soils 862
  • Soils, Agricultural 877
  • Southwestern US Geoarchaeology 883
  • Speleothems 886
  • Spring Settings 896
  • Stable Carbon Isotopes in Soils 901
  • Sterkfontein/Swartkrans/Kromdraai 907
  • Stonehenge 909
  • Stratigraphy 913
  • Strontium Isotopes 916
  • Submerged Continental Shelf Prehistory 919
  • Susceptibility 939
  • Swanscombe 944
  • Tells 951
  • Tephrochronology 972
  • Tombs 978
  • Trampling 981
  • Troy 982
  • Tsunamis 984
  • Ubeidiya 989
  • U-Series Dating 992
  • Volcanoes and People 1001
  • Wells and Reservoirs 1007
  • X-ray Diffraction (XRD) 1019
  • X-ray Fluorescence (XRF) Spectrometry in Geoarchaeology 1025
  • York 1031
  • Zhoukoudian 1033


Literaturreferenz

Rapp – Hill 2006
G. Rapp – C. Hill, Geoarchaeology. The earth-science approach to archaeological interpretation² (New Haven, London 2006)


Schreg 2016
R. Schreg, Mittelalterliche Feldstrukturen in deutschen Mittelgebirgslandschaften – Forschungsfragen, Methoden und Herausforderungen für Archäologie und Geographie, in: J. Klápště (Hrsg.), Agrarian technology in the medieval landscape. Ruralia X (Turnhout 2016) 351–370



 

Mittwoch, 7. Juni 2017

What happened in Sweden last month? BISI III !

Beitrag von Miriam Steinborn



Vom 11.-14. Mai 2017 fand die dritte „Buildings In Society International“-Konferenz in Stockholm  (http://www.archaeology.su.se/om-oss/evenemang/buildings-in-society-international-iii-an-interdisciplinary-approach-1.302986) statt. Im Mittelpunkt stand auch dieses Mal das Verhältnis von Gesellschaften und den Gebäuden, die sie errichten. In welchen sozialen Kontexten werden architektonische Räume geschaffen, und wie prägt die Form der Architektur die soziale Praxis?


Sowohl methodisch-theoretisch als auch auf empirischen Daten basierend stellten Forschende der Archäologie, Bauforschung, Architektur, Denkmalpflege, Museologie, Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften aus Amerika, Europa und Indien und China Studien aus verschiedenen Kontinenten und Epochen, von der Bronzezeit bis zur Zukunft vor. Die Ergebnisse der Fallstudien und Ansätze bildeten den interdisziplinären Rahmen innerhalb dessen schwerpunktmäßig mittelalterliche und neuzeitliche Bauten betrachtet wurden. Die Vergangenheit des Gastgeberlandes Schweden und seiner Nachbarn in Skandinavien war dabei besonders vertreten. Anhand sakraler und säkularer Gebäude, von Repräsentationsbauten der Elite über Werkstätten und einfache Wohnhäuser wurde weniger (aber auch) die Bautechnik diskutiert, als vielmehr die Frage wie sich in ihnen soziale Verhältnisse und Verhalten widerspiegeln.


So reihte sich das laufende Dissertationsprojekt zu einem einfachen Haus in Caricin Grad / Iustiniana Prima (http://web.rgzm.de/forschung/forschungsfelder/a/article/der-alltag-in-caricin-grad/) in einen Themenblock ein, der sich mit der Frage nach den treibenden Kräften von städtischer Raumorganisation auseinandersetzte. In spätantiken und frühbyzantinischen Städten wurden bereits früh einfach gebaute Strukturen im vormals regulären Stadtbild festgestellt, die auch in historischen Quellen Niederschlag fanden. Falls sie nicht direkt abgetragen wurden, blieb ihre archäologische Beobachtung jedoch meist auf einem deskriptiven Niveau und einer losen Einordnung in langfristige Wandlungsprozesse. Die einfache Architektur wurde als eine „Zerfallserscheinung“ des einstmals glänzenden römischen Imperiums gering geschätzt. Dezidierte Analysen des Phänomes blieb daher bisher aus, was sich nun langsam ändert. Hinter der Vorstellung dieser einfachen architektonischen Strukturen stand der Appell an die Forschungsgemeinschaft, auch dem einfachen Wohnraum einen Platz und eine Bedeutung in der Wissenschaft einzuräumen. Dieser Ruf fand sein Echo auch in anderen Tagungsbeiträgen. So bemerkte Marianne Hem Eriksen (Projektblog Archdwell: https://archdwell.com/) dazu treffend, dass Wohnen und Alltag zu oft als „normal“ unproblematisiert bleiben und als neutrale Kulisse für die Events in einer Gesellschaft gelten, ein Ruf, der der Komplexität der Thematik nicht ansatzweise gerecht wird.

Führung durch das Stadshus. Das Mosaik (um 1920) im Goldenen Saal zeigt an der Südwand symbolisch aufgeladene Stockholmer Gebäude.
(Foto: Linda Qviström, m. frundl. Genehmigung)

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten der wissenschaftliche Umgang mit dem kulturellen (Bau-)Erbe und seine Vermittlung. So fanden auch die digitale und handwerkliche Erforschung und Rekonstruktion von Gebäuden und die Art ihrer Präsentation in Freilichtmuseen ein interessiertes Publikum. Exkursionen in die Altstadt Stockholms und das Freilichtmuseum Skansen rundeten das Programm ab. So vielseitig die Zeitstellungen und Regionen waren, so vielfältig waren auch die Themen, sodass alle Teilnehmenden neue Ideen und Inspirationen versorgt aus der Tagung mitnehmen konnten. Ein Zeitplan für die Publikation steht bereits, sodass die Inhalte der Diskussionen planmäßig bereits 2018 auch einem breiteren Publikum zugänglich sein sollen. Die nächste Tagung des BISI-Formats ist für 2020 in Südengland avisiert.

Freilichtmuseum Skansen, Rekonstruktion eines samischen Lagergebäudes. Im Hintergrund Blick auf Stockhom mit dem Nordischen Museum und dem Vasa Museum (von links nach rechts).
(Foto: J. Steinborn)

Links

Dienstag, 6. Juni 2017

„Kulturgüterschutz – Bewusstsein für unser gemeinsames Erbe“

Konferenz „Kulturgüterschutz – Bewusstsein für unser gemeinsames Erbe“ am 10.6. in Mainz soll Studierende und junge Wissenschaftler/innen der Altertums- und Rechtswissenschaften zusammenbringen:

Sonntag, 4. Juni 2017

Rubrik: Unbrauchbare Fundzettel (4)

(Foto: R. Schreg)
Im Rahmen einer Tübinger Lehrveranstaltung sichten und ordnen wir nun den schriftlichen Nachlass von A. Kley. Das gibt Einblicke in die Potentiale und Probleme alter Sammlungen, Erfahrungen im Umgang mit problematischen Dokumentationen und eine Sensibilisierung für zentrale Aspekte analoger Datenhaltung (Stifte, Papier, Informationsgehalt der Beschreibungen etc.).

Samstag, 3. Juni 2017

Kulturgut in Syrien und Irak im Mai 2017

Daesh erregt inzwischen mehr Aufmerksamkeit durch Terroranschläge im Ausland als durch seinen "Staat" in Syrien und Irak. Die Kämpfe dauern jedoch an - in Mosul, in der region Idlib und in Rakka. Von dort sind nun Daesh-Kämpfer auf der Flucht nach Palmyra, wo sie angeblich von der russischen Luftwaffe vernichtet wurden. Russische Medien behaupten, die kurdischen Rebellen hätten Daesh einen Abmarsch nach Palmyra erlaubt.
Nach wie vor gehen die Gefahren für das Kulturerbe nicht allein von Daesh aus, sondern ebenso von dem Machtvakuum, das Plünderungen begünstigt. Dabei geht es nicht nur um den internationalen Kunstmarkt und die damit verbundene Antikenhehlerei und Raubgrabungen, sondern auch um Steine antiker Bauten als Baumaterial.

Schadensmeldungen

  •  Jahrtausende bewahrt, in Stunden zerstört. FAZ  (Print)  Nr. 84, 8.4.2017, S. 11·  - hebt vor allem auf die Zerstörungen in Raqqa ab.
Die Zeit der Daesh-Propaganda mittels Zerstörungen ist noch nicht vorbei:
Antikenhehlerei:

Tagungen, Maßnahmen und Aktionen

Kulturgutzerstörung als Kriegsverbrechen
Save Hafen
Schweizer Ermittlungen gegen Antikenhehlerei

 Training für Fachleute


Archäologie-Klasse für syrische Flüchtlinge in Jordanien

Archäologie als Bildungsprogramm und Therapie: Projekt in Umm el-Jimal

Culture at Risk: International Symposium on Illicit Trafficking of Cultural Goods. 

March 31, 2017 at Medelhavsmuseet/The Museum of Mediterranean and Near Eastern Antiquities, Stockholm, Sweden.

ArcHerNet

neue Website des 2016 gegründeten Kompetenznetzwerks deutscher Partner (u.a. des RGZM) mit dem gemeinsamen Ziel, Kulturerhalt im Ausland zu unterstützen:
zum Netzwerk:
u.a. Aktivitäten zu Syrien:

Europarat-Konvention


Restaurierungen


Links

frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

Dienstag, 30. Mai 2017

Kloster Cluny in der regionalen Siedlungsgeschichte

Das Kloster von Cluny in Burgund ist als Zentrum der cluniazensischen Klosterreform des 10. Jahrhunderts von überregionaler Bedeutung. Um 910 gegründet, wurde es durch seine gut mit dem Hochadel und dem Königsfamilie vernetzten Äbte rasch außerordentlich wohlhabend. Das Kloster erhielt zahlreiche Schenkungen und konnte Besitztümer in der Umgebung hinzu kaufen.

Cluny
(Foto: R.Schreg)


Die Lage des Klosters in einem sanften, fruchtbaren Nebental der Sâone repräsentierte möglicherweise einen idealen "locus amoenus". Schriftliche wie archäologische Quellen lassen bei einer näheren Betrachtung erkennen, dass Cluny tatsächlich in einer eher abgelegenen, marginalen Landschaft gegründet wurde.





Eine Kartierung der frühmittelalterlichen Gräberfelder, wie sie sich aus der Carte archéologique de la Gaule (Rebourg 1994) gewinnen lässt, zeigt, dass das obere Tal der Grosne um Cluny im frühen Mittelalter keine Fundstellen aufweist. Entlang der Sâone und auch im unteren Talabschnitt der Grosne nördlich von Cluny liegen beigabenführende Gräberfelder im Abstand von wenigen Kilometern, und umgeben Cluny und seinen frühen Besitz im Norden und Osten. Dieses Fehlen von Gräberfeldern ist allerdings nicht zwingend ein Indiz dafür, dass der Talabschnitt unbesiedelte Wildnis war. Der Befund deutet aber doch an, dass hier keine zentralen Bauerndörfer lagen. Wie die Siedlungsgeschichte zwischen dem Ende der Beigabensitte und der Klostergründung verlief, ist zumindest mit archäologischen Funden kaum festzustellen.

Zur Gründungsausstattung des Kloster stiftete der Herzog von Aquitanien Wilhelm I jedoch Land, das im wesentlichen zu einem Jagdrevier gehört hatte - Land also, das nicht ungenutzt war, aber einer besonderen herrschaftlichen Landnutzung unterlag.

Stellt man den frühen Klosterbesitz (Rosenwein 1989) der Kartierung der frühmittelalterlichen Grabfunde der Region gegenüber, zeigt sich, dass das Kloster vor allem abseits der alten Siedlungszentren Besitz ansammeln konnte. Nur im Nordosten erhielt das Kloster auch Schenkungen aus Landstrichen, die nach Ausweis der Grabfunde schon früher besiedelt waren.
Die kartierten Besitzungen, die das Kloster gekauft oder geschenkt bekommen hat, wurden wohl nicht erst durch das Kloster erschlossen. Sie liegen aber auffallend in den Lücken zwischen den durch Gräberfelder markierten alten Siedlungszonen. Insgesamt sind deutlich intensivere Erwerbungen nördlich des Klosters zu erkennen, die sich überwiegend an den Tälern orientieren. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Ortsbezeichung sich auf die Gemarkungen bzw. das Wirtschaftsland der in den Tälern liegenden Siedlungen liegt, sich die konkreten Grundstücke aber durchaus auch in entfernteren, evtl. höheren Lagen befunden haben können. Das ist eine Frage der räumlichen Auflösung, die eine Ortsangabe nach Bezug auf die Siedlung, leisten kann.


Frühmittelalerliche Bestattungen und hochmitterliche Besitzerwerbungen
(Graphik R.Schreg)
Gleichwohl stellt sich die Frage, weshab die Erwerbungen des Klosters Cluny vor allem jene Gebiete betreffen, die im frühen Mittelalter keine Bestattungsplätze aufweisen. Fassen wir damit das Ideal des Klosters, in der Abgeschiedenheit zu leben? Oder handelt es sich um spät aufgesiedelte Gebiete, in denen die Besitzstrukturen flexibler und unsicherer waren? Gerade im Umland von Cluny lässt sich zeigen, dass Schenkungen an das Kloster oft durch die Intention der Schenker motiviert waren, den Besitz nicht aus der Hand zu geben.  Guy Bois hat beispielsweise die Entstehung eines Immobilienmaktes postuliert, der dazu geführt hat, dass verschuldte Höfe Gefahr liefen, ihr Land verkaufen zu müssen. Eine rechtzeitige Stiftung an das Kloster mit einem Nutzungsrecht für sich und die kommenden Generationen, konnte dieses Risiko abwehren.  Waren also entweder in diesen Gebieten die Besitzansprüche weniger gefestigt als im Altsiedelland oder waren diese Gebiete wirtschaftlich riskanter und die Höfe eher verschuldet?

Die Archäologie kann dazu im Augenblick wenig beitragen. Sie muss sich darauf beschränken, die besondere Lage der Besitzerwerbungen des Klosters in der Siedlungslandschaft zu konstatieren. Genauere Untersuchungen zu den wirtschaftlichen Verhältnissen der regionalen Siedlungen von archäologischer Seite liegen m.W. derzeit nicht vor. Die relativ detaillierte schriftliche Überlieferung zu Lournand lässt aber Mitte des 10. Jahrhunderts eine stattliche Siedlung mit 75 Gütern erkennen, die überwiegend auf Ackerbau beruhte, aber auch über Weinberge verfügte. Im Ort spielten wohl Kleinbauern eine wichtige Rolle. Das sind wesentliche Charakteristika der Siedlungen im Altsiedelland, die zeigen, dass die Erwerbungen des Klosters in dieser Region nicht etwa ärmliche, erst jüngst gegründete Ausbausiedlungen betrafen.

Literaturverweise

  • G. Bois, Umbruch im Jahr 1000. Lournand bei Cluny - ein Dorf in Frankreich zwischen Spätantike und Feudalherrschaft (München 1999). 
  •  A. Rebourg, Saône-et-Loire, Carte archéologique de la Gaule 71/4 (Paris 1994)
  •  B. H. Rosenwein, To be the neighbour of Saint Peter. The social meaning of Cluny's property 909-1049 (Ithaca 1989)
  •  R. Schreg, Mönche als Pioniere in der Wildnis? Aspekte des mittelalterlichen Landesausbaus. In: M. Krätschmer, Marco/ K. Thode/ C. Vossler-Wolf, Christina (Hrsg.), Klöster und ihre Ressourcen. Räume und Reformen monastischer Gemeinschaften im Mittelalter. RessourcenKulturen (Tübingen 2017 in Vorber.)

Freitag, 26. Mai 2017

Vermessung unter Tage: aktuelle Geländearbeit um Caričin Grad

Die laufenden Untersuchungen zur spätantiken Stadt Caričin Grad, die das RGZM mit dem Archäologischen Institut in Belgrad und vielen weiteren Partnern durchführt, versuchen, die Lebensgrundlagen der Stadt zu erforschen. Dazu schauen wir auch in das Umland und fragen nach den wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt. Dabei sind auch Relikte alten Bergbaus in den umliegenden Bergen ins Blickfeld geraten. Bereits im vorigen Jahr haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Bergbaumuseum in Bochum einige Geländerelikte des Bergbaus inspiziert. Dabei gab es neben mittelalterlichen und römischen Bergbauspuren auch Hinweise auf prähistorischen Bergbau. Im Mai dieses Jahres sind wir nun zurück gekommen, um ein einzelnes Bergwerk exemplarisch genauer zu dokumentieren und möglichst zu datieren.

Römische Mine bei Lece
(Foto: R. Schreg)

Der Stollen bei Lece liegt auf dem Gelände einer Minengesellschaft, die mit 450 Beschäftigten in Serbien einen Betrieb mittlerer Größe darstellt. Die Mine gilt als die goldreichste in Europa, doch werden vor allem Blei und Silber abgebaut.  Mit tatkräftiger Mithilfe der Minengesellschaft - sie sorgte für Sicherheit im Stollen und unterstützte die Vermessungsarbeiten - war es möglich, das Bergwerk mit moderner Technologie zu dokumentieren. Wir konnten dazu auf ein neu entwickeltes Gerät, einen 3D-Pilot der DMT-Group aus Essen zurückgreifen. Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Hochschule Mainz wird aus den erhobenen Daten ein digitales 3D-Modell erarbeitet. 

Holzrutsche in einem Bergwerk bei Lece
(Foto: R. Schreg)
Der Stollen des Zugangsbereichs den zeigt klassischen Querschnitt römischer Bergwerke, während die Fortführung in das Mittelalter gehören dürfte. Unterlagen der Minengesellschaft zeigen, dass hier noch im 20. Jahrhundert gearbeitet wurde. Wir dokumentieren die vermutlich älteren Bereiche, zumal weitere Stockwerke aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich sind.
Ergänzend wurde mit einer Drohne die umliegende Topographie aufgenommen, wo sich oberhalb des Stollens weitere Bergbauspuren zeigen. Auch hier überlagern sich Aktivitäten verschiedener Zeiten, Nur wenig entfernt, an einer anderen Seite des Berges konnten wir im vorigen Jahr auch Spuren wohl vorgeschichtlichen Bergbaus erfassen.
Mit unseren aktuellen Untersuchungen lässt sich die für unser Projekt entscheidende Frage, nämlich ob hier auch im 6. Jahrhundert Erze abgebaut wurden und ein Teil der Lebensgrundlage der nur 10 km entfernten Stadt Caričin Grad/ Justiniana Prima, waren, wohl nicht klären. Zwar konnten wir einige hölzerne Reste in den Stollen für eine Datierung mittels Dendrochronologie bzw. Radiocarbonmethode beproben, doch rechnen wir hier eher damit, dass sie in deutlich jüngere Perioden fallen. An einer zweiten Mine bei Tulare allerdings konnten wir ein Grubenholz bergen, das nach derzeitiger Einschätzung bessere Chancen hat, noch in die Antike zu datieren.

Die Bergbauregion hat auf serbischer Seite bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden - etwas besser sieht es jenseits der Grenze des Kosovo aus, wo sich ein anderes Team des Bergbaumuseums in Bochum sich seit einigen Jahren für die Bergbauspuren um Ulpiana/ Justiana Secunda interessiert. Ein wesentliches Ziel unserer jetzigen Aktivitäten ist es nicht zuletzt, die Grundlagen für ein Forschungskonzept zu entwickeln, mit dem sich Drittmittel einwerben lassen und intensivere Forschungen aufgenommen werden können. Eine effektive Dokumentation, wie sie der getestete 3D-Pilot verspricht, wird dabei grundlegend sein.

Links


Korrekturvermerk (29.5.2017): 
DMT in Essen, nicht Bochum

Freitag, 19. Mai 2017

Eine Zukunft in Aleppo?!

Mamoun Fansa /  Carola Simon / Lena Wimmer (Hrsg.)
Strategies to rebuild Aleppo
Mainz: Nünnerich-Asmus-Verlag 2017

120 Seiten, 74 Abbildungen, Broschur
englisch

ISBN: 978-3-945751-96-1

€ 17,90 (D) / sFr 17,90 / € 18,40 (A)

Im Frühjahr 2017 ist die Belagerung Aleppos durch die Regime-Truppen zu Ende gegangen, die Kämpfe in der Stadt haben erst Mal aufgehört. Aber die einst prächtige Stadt ist zerstört, viele der Bewohner sind geflohen.

Aleppo im Dezember 2016
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium/
Министерство обороны Российской Федерации
[CC BY 4.0] via WikimediaCommons)
Aleppo im Dezember 2016
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium/
Министерство обороны Российской Федерации
[CC BY 4.0] via WikimediaCommons)
Zahlreiche aktuelle Bilder aus der Stadt zeigen das Ausmaß der Zerstörung, die kaum Wohnraum oder städtische Infrastrukturen zurück gelassen hat. Ein Wiederaufbau ist hier dringend von Nöten, doch da der Konflikt noch nicht beendet ist, ist das ein schwieriges Unterfangen. In Aleppo hat derzeit das syrische Regime den Sieg davon getragen, das zu unterstützen der Westen nicht bereit ist. 

Schon im April 2016 hat in Berlin am Deutschen Architekturzentrum (DAZ) eine Tagung stattgefunden, die sich mit den Möglichkeiten eines Wiederaufbaus befasst hat.

Vor dem Krieg war Aleppo ein Musterbeispiel einer Stadtsanierung unter Beteiligung der Einwohnerr. In den 1980er Jahren war die Altstadt von Aleppo von einer massiven Abwanderung betroffen. Die Anerkennung der Altstadt von Aleppo als UNESCO-Weltkulturerbe konnte diesen Prozess nur bedingt aufhalten. Seit den 1990er Jahren bis 2010 wurden etwa 90% der Altstadt saniert. Dabei wurden gezielt die Einwohner eingebunden. Darüber berichtet der einleitende Beitrag von Franziska Laue, "Aleppo Archive in Exile" (S. 22ff.). Als Aleppo Archive wird das Urban Historical Archive and Documentation Center ( UHADC) bezeichnet, das als Abteilung der Stadtverwaltung von Alt-Aleppo die Sanierungsarbeiten, Forschungen und Stadtentwicklung koordiniert hat. Der Beitrag stellt auch dar, wie seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges die Arbeiten eingestellt wurden, zugleich aber von Deutschland aus versucht wurde, das Netzwerk zu erhalten und auszubauen. Den umfangreichen digitalen Datenbestand des Aleppo Archive hat 2016 das Deutsche Archäologische Institut in seine Obhut genommen.

Die jetzige Initiative baut auf den Arbeiten des UHADC auf, dessen Daten wichtige Grundlagen für die künftigen Planungen sein werden. Die langfristigen Ziele sind (S. 14):
  • Eine Wiederherstellung der Altstadt nach dem Krieg. Dabei soll die Stadt als Ganzes betrachtet werden, also auch die Neustadt in die Überlegungen und Maßnahmen einbezogen werden.
  • Ene Rekonstruktion der Altstadt. Alte und neue Strategien, aber auch die historischen Quellen sollen die Grundlage dafür sein.
  • Ein Wiederuafbau der Neuustadt, der auf die Altstadt bezogen werden soll.
  • Eine Einbeziehung der Archäologie in den Planungsprozess und Durchführung von Ausgrabungen, um Kenntnisse über die älteren Stadtepochen zu erhalten. 
  • Die Beteiligung der Einwohner der Altstadt, für die zunächst provisorische Wohnungen auf Freiflächen außerhalb der alten Stadtbefestigung errichtet werden sollen.
  • Wiederbelebung des traditionellen Handwerks, das sowohl für den Wiederaufbau als auch für die Identität der Menschen von Bedeutung ist
  • Werbung für eine Berücksichtigung des Kulturerbes und der Identität der Altstadt
In mehreren Interviews ("Discussing Aleppo")  kommen verschiedene Architekten und Archäologen zu Wort, die ihre persönliche Sicht erläutern.

Das Bändchen - eher eine Hochglanzbroschüre - ist ein wichtiges Signal der Hoffnung für die Menschen in Aleppo. Es wirbt dafür, den Wiederaufbau wohl durchdacht und unter Betiligung der Bevölkerung vozunehmen. Bislang ist es nur eine Hoffnung, dass dies bald geschehen kann. Zwar laufen erste Wiederaufbaumaßnahmen bereits an, doch erfolgen diese unter dem Assad-Regime,, mit dem vom Westen keine Kooperation gewollt ist (die Altertumsbehörde macht da eine bemerkenswerte Ausnahme). So bleibt die Ungewissheit, ob es die politischen Voraussetzungen geben wird, um die Ideen und Ergebnisse vor Ort tatsächlich rechtzeitig einzubringen.




Inhaltsverzeichnis
  • Introduction
  • Welcome
  • Manifesto & Purpose
  • Who should participate in the reconstruction of Aleppo?
  • How should we start to reconstruct / rebuild / redevelop Aleppo?
  • Aleppo Archive in Exile (Franzsika Laue)
  • Summary of the panel discussions
  • Open discussion (Interviews)
  • Discussing Aleppo
  • Biographies
  • Past / present / future of Aleppo - an exhibition
  • Abbreviations
  • Participants of the conference
  • Acknowledgments
  • Imprint
 

Links


Montag, 15. Mai 2017

Anfänge der Holocaust Archaeology 1990/91

Die Wächter des Erbes - Initiativen zum Schutz des Kulturerbes in Libyen


Eine Doku auf ARTE schildertt die freiwilligen Wachen in der Ruinenstadt Leptis Magna:, die aus der ortsansässigen Bevölkerung gestellt werden:

Ein 5 min Beitrag über die Situation in Libyen mit speziellem Augenmerk auf dem Kulturgut - via  der US Botschaft in Libya auf facebook: 

Die ICOM Rote Liste für Libyen soll insbesondere des Zollbehörden helfen, potentielle Raubgrabungsgüter aus Libyen zu identifizieren.:

Sabratha in der Hand von Daesh

Freitag, 12. Mai 2017

GESUCHT: Mittelalterliche Textamulette

ein Beitrag von Konrad Knauber
 - for an English version see here

Seit Herbst 2015 gibt es am Heidelberger Sonderforschungsbereich 933 „Materiale Textkulturen“ ein Projekt, das sich mit „Magischer Schriftlichkeit und ihrer Deponierung in mittelalterlichen Gräbern“ beschäftigt. Das Ziel ist die Sammlung und Kontextualisierung physisch erhaltener Textträger aus archäologischem Befund, die in den Bereich der Magie und Volksreligion des christlichen Mittelalters gehören. Bereits nach kurzer Zeit ist hierbei eine Gruppe von Objekten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, die bislang wenig erforscht ist und doch in großen Teilen Europas verbreitet gewesen sein dürfte. Es handelt sich um christlich geprägte Textamulette, die mit Bibelzitaten, Gebeten, Segenssprüchen oder Beschwörungen beschriftet und z. T. deutlich individualisiert wurden. Bestandteile dieser Formeln finden sich in einer großen Zahl vor allem medizinischer Handschriften, die in klösterlichen Skriptorien zirkulierten und als Vorlagen für die Anfertigung schutzbringender Artefakte gegen Krankheiten, dämonische Einflüsse und Unheil aller Art dienten.


Abb. 1  Noch zusammengefaltetes Amulett von der Burg Drevic (CZ), die unbeschriftete Außenseite fehlt (links im Fundzustand). Erkennbar sind die Passagen callidi diaboli (Z. 2: „…des listigen Teufels…“), Adiuro albis (Z. 4: „Ich beschwöre dich, ‚Elf‘…“) und et spiritum sanc[tum] (Z. 5: „und [beim] heiligen Geist…“). Romanische Minuskelschrift des 11./12. Jh.; zusammengefaltete Größe ca. 3,5 x 4,2 cm. (Fotos: Z. Šámal / D. Blažek)


Auch wenn andere Schreibmaterialien (vor allem Pergament, s. Abb. 3) vorkamen und in bestimmten Regionen deutlich verbreiteter gewesen sein dürften, sind beschriftete Bleibleche aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit und des Einsatzes von Metallsonden doch die Fundgruppe, bei der der größte Zuwachs zu erwarten ist. 2013 erschien eine erste Monographie von Arnold Muhl und Mirko Gutjahr, die acht Bleiamulette aus dem Untersuchungsgebiet Sachsen-Anhalt  beinhaltet und weitere 80 verwandte Objekte in ganz Europa –von der Spätantike bis zum Ausgang des Mittelalters- auflistet. Darunter sind sowohl am Körper getragene Amulette als auch andere Stücke, die nach Form, Größe und Textinhalt dazu gedacht waren, Häuser, Gräber oder andere Orte zu beschützen. Dabei zeigen sich neben regionalen Besonderheiten auch deutliche Lücken in der Verbreitung (v.a. Westeuropa und der alpine Raum, wo es aber durchaus entsprechende Texte in Manuskripten gibt), deren Zustandekommen momentan ebensogut mit der Verwendung vergänglicher Materialien wie mit der desolaten Forschungssituation erklärt werden kann, da das Thema exakt zwischen Archäologie, Epigraphik und Manuskriptforschung liegt und die Objekte im Fundzustand meist klein zusammengefaltet sind und unscheinbar bzw. unbeschriftet  wirken. Auf gezielte Nachforschung hin tauchen kontinuierlich entweder neu gefundene oder erst im Nachhinein erkannte bzw. bislang unbearbeitete Textamulette auf, sodass beispielsweise ein erster Fund in Tschechien (s. Abb. 1) demnächst publiziert wird und in Sachsen-Anhalt die Zahl binnen vier Jahren auf ca. 20 bekannte Stücke angewachsen ist (s. Abb. 2).

Abb. 2

Detail eines entfalteten Bleitäfelchens aus der Wüstung Seelschen bei Ummendorf (Lkr. Börde) unter polarisiertem Licht: Erkennbar sind die Worte ar/chang(e)los (Z. 1), m(arty)res (Z. 2), fa/mule d(e)i hazzg[a] (Z. 3.: „der Dienerin Gottes Hazzga“). Die Buchstabenhöhe beträgt ca. 1,5 mm; am Ende der Inschrift steht die Jahreszahl „1070“.
(Foto K. Knauber)


Im Hinblick auf die laufende Promotion würde ich mich freuen, möglichst viele noch un- oder wenig bekannte Amulette erfassen zu können. Einzelne Sammlungen und auch ehrenamtliche Sondengänger wurden von mir und hilfsbereiten Kollegen bereits sensibilisiert; flächendeckend und europaweit ist das aber in der Projektlaufzeit nicht zu leisten. Daher wäre ich für die Verbreitung dieses Aufrufs sehr dankbar und nehme Rückfragen und Rückmeldungen gerne unter der folgenden Mailadresse entgegen:
  • konrad.knauber [at] zaw.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen finden Sie auch in der Projektbeschreibung (englisch/deutsch) und in einem einführenden Artikel (deutsch), der im Herbst 2016 im SPEKTRUM Sonderheft „Die Magie der Schrift“ erschienen ist und den ich Nicht-Academia-Mitgliedern auch gerne als .pdf zuschicke.

Abb. 3
Pergamentamulett der „Dobrozlava“ (14. Jh.) gegen das Viertagesfieber (Malaria?), gefunden bei Renovierungsarbeiten in der Georgsbasilika in Prag um 1900.

(nach V. J. Nováček, Amulet ƶe XIV. století, naleƶený v chrámu sv. Jiří na Hradě Praƶ̌ském, Český lid 10,/5, 1901, 353-354)



Links


Literatur

  • Katerina Blažková / Zdenek Šámal / Daniela Urbanová / Konrad Knauber / Dalibor Havel, Stredoveký olovený amulet z hradište Drevíc (k. ú. Kozojedy, o. Rakovník) / A medieval lead amulet from the Drevíc hillfort in Central Bohemia. Archeologické rozhledy 69, 121-142 (im Druck).
  • Klaus Düwel, Mittelalterliche Amulette aus Holz und Blei mit lateinischen und runischen Inschriften, in: Volker Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig 15, Neumünster 2001.
  • Arnold Muhl / Mirko Gutjahr, Magische Beschwörungen in Blei. Inschriftentäfelchen des Mittelalters aus Sachsen-Anhalt (Halle [Saale] 2013).
  • Monika Schulz, Beschwörungen im Mittelalter. Einführung und Überblick (Heidelberg 2003).
  • Don Skemer, Binding Words. Textual Amulets in the Middle Ages (University Park 2006).





Konrad Knauber ist Mitarbeiter im SFB 933 "Materiale Textkulturen" am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg und promoviert dort im Teilprojekt A03 "Materialität und Präsenz magischer Zeichen zwischen Antike und Mittelalter" zum Thema "Magische Schriftlichkeit und ihre Deponierung in mittelalterlichen Gräbern".

WANTED: Medieval textual amulets

by Konrad Knauber

In autumn of 2015 a new project at the CRC 933 ‘Material Text Cultures’ (Heidelberg University) was started, dealing with ‘magical inscriptions and their deposition in mediaeval graves’. It aims at collecting and contextualizing text-carrying artefacts from the archaeological record connected to the sphere of magic and folk religion of the Christian Middle Ages. Since the initial project phase the main focus turned to an as-yet under-researched group of objects that were nonetheless probably quite common in wide parts of Europe: textual amulets with Christian influence, containing quotes from the Bible, prayers, blessings and incantations, sometimes appearing in very personalized versions. Elements of these textual formulas can be found in a great number of mostly medicinal manuscripts, which circulated throughout the monastic scriptoria and served as blueprints for the fabrication of protective artefacts against diseases, demonic influence and various other calamities.


fig. 1
Folded amulet from Drevic hillfort (CZ) with missing uninscribed outer face (finding situation on the left). Recognizable passages are callidi diaboli (line 2: ‘…of the cunning devil…’), Adiuro albis (line 4: ‘I conjure you, “elf”…’) and et spiritum sanc[tum] (line 5: ‘and [through] the Holy Spirit…’). Romanic minuscule of the 11th/12th cent. AD; folded size approx. 3,5 x 4,2 cm.

(photos by Z. Šámal / D. Blažek)


Although there were other writing materials (mostly parchment, see figure 3) in use and possible more common in certain regions, inscribed sheets of lead seem to be the find group with the most promise for a rise in numbers, since they are durable and reactive to metal detecting. In 2013, Arnold Muhl and Mirko Gutjahr wrote a first monography on the subject focusing on eight lead amulets from the federal state of Saxony-Anhalt (Germany), enlisting also 80 more comparable objects from all across Europe, dating from Late Antiquity to the end of the Middle Ages. Among them are amulets worn on the body as well as other pieces which, guessing from form, size or textual content, were rather meant to be protecting houses, graves or other fixed locations. The overview does not only show some regional distinctions, but also massive gaps in the general distribution (mainly western Europe and the Alps, though there are corresponding manuscript sources from these areas). For the moment, those might be explained with the use of organic writing materials just as well as with the poor general state of research, as the subject is placed in between archaeology, epigraphy and codicology, and the objects are mostly folded down to a small size in their finding state and often appear inconspicuous or uninscribed. Specific investigation regularly brings up newly found or unrecognized/unedited amulets: a new find from Czechia (fig. 1) will be published in the next months and, within four years, the number of known amulets from Saxony-Anhalt has risen to about 20 examples (fig. 2).
fig. 2
Detail of an unfolded lead tablet from the abandoned settlement of Seelschen near Ummendorf (Börde district, Germany) under polarized light: Recognizable words are ar/chang(e)los (line 1), m(arty)res (line 2), fa/mule d(e)i hazzg[a] (line 3: ‘the servant of God Hazzga’). Letter size is approx.. 1,5 mm; at the end of the inscription the year ‘1070’ is given.
(photo by K. Knauber)



With my ongoing dissertation in mind, I would be happy to include as many new or lesser known amulets as possible. With the help of some interested colleagues, several institutions as well as honorary field workers have been sensibilized towards the subject, but the same cannot be achieved by myself in the wider field of Europe in the remaining time for the project. Therefore I would be very grateful if you share this ‘call for finds’ with anyone interested and would gladly receive your any ideas and questions via the following email address:
  • konrad.knauber [at] zaw.uni-heidelberg.de

You can find more information in my project description (English/German) and in an introductory article (German), which appeared last autumn in the German journal SPEKTRUM, special issue “Die Magie der Schrift”. If you don’t have access to academia.edu, please contact me and I will send you a pdf.

fig. 3
Parchment amulet for ‘Dobrozlava’ (14. Jh.) against the four days fever (malaria?), found during renovation work at St. George’s basilica in Prague around 1900.
(after
V. J. Nováček, Amulet ƶe XIV. století, naleƶený v chrámu sv. Jiří na Hradě Praƶ̌ském, Český lid 10,/5, 1901, 353-354)



Links

German version of this post:

Further reading

  • Katerina Blažková / Zdenek Šámal / Daniela Urbanová / Konrad Knauber / Dalibor Havel, Stredoveký olovený amulet z hradište Drevíc (k. ú. Kozojedy, o. Rakovník) / A medieval lead amulet from the Drevíc hillfort in Central Bohemia. Archeologické rozhledy 69, 121-142 (in print).
  • Klaus Düwel, Mittelalterliche Amulette aus Holz und Blei mit lateinischen und runischen Inschriften, in: Volker Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig 15, Neumünster 2001.
  • Arnold Muhl / Mirko Gutjahr, Magische Beschwörungen in Blei. Inschriftentäfelchen des Mittelalters aus Sachsen-Anhalt (Halle [Saale] 2013).
  • Monika Schulz, Beschwörungen im Mittelalter. Einführung und Überblick (Heidelberg 2003).
  • Don Skemer, Binding Words. Textual Amulets in the Middle Ages (University Park 2006).




Konrad Knauber is a PhD candidate at Heidelberg University. Within the SFB 933 "Materiale Textkulturen" his research deals with magic signs and text deposited in medieval burials.