Montag, 5. Dezember 2016

#NoDAPL - Erfolg des Protestes (und die Rolle archäologischer Funde)

Die Auseinandersetzung um die Dakota Access Pipeline (DAPL) in North Dakota hat ein vorläufiges Ende gefunden: Mit einem Sieg der Protestierer. Der Bau wurde gestoppt und für die Pipeline soll eine alternative Trasse gefunden werden.
Der Bau einer Pipeline entlang eines Indianerreservats hatte Proteste ausgelöst, die sich gegen das Risiko der Wasserverschmutzung sowie gegen die Zerstörung von 'sacred land'  richteten. An der Trasse ist eines der größten Protestcamps entstanden und es kam zur größten Vereinigung von Indianerstämmen (siehe Pipeline durch sacred land löst Indianeraufstand aus. Archaeologik [18.9.2016]. - http://archaeologik.blogspot.de/2016/09/pipeline-durch-sacred-land-lost.html). Ein Ultimatum zur Räumung des Lagers  stand unmittelbar bevor.



Protest gegen DAPL, 15.11.2016 in San Francisco
(Foto: Pax Ahimsa Gethen  [CC BY SA 4.0] via



In der Auseinandersetzung spielten archäologische Funde anfangs eine wichtige Rolle. Im Lauf der Zeit sind sie hinter den Umweltrisiken zurück getreten - möglicherweise eine Folge davon, dass sich auch immer mehr 'Weiße' mit den Protesten solidarisiert haben. Gleichwohl blieb das Argument des sacred land in der Diskussion. Konkrete archäologische Funde und Befunde bekam man indes in den zahlreichen Medienberichten nicht zu sehen. Angeblich hatten die Bauarbeiten Ende August/Anfang September Dutzende von Gräberfeldern und anderen Fundstellen einplaniert. Besonders genannt wurde eine steinerne Stele, die ein Experte des Stammes als den bedeutendsten archäologischen Fund in Nord-Dakota seit vielen Jahren einstufte. Bilder von ihr habe ich in den Medienberichten nicht gefunden. Hinter den Kulissen kam es zu einem Streit um die archäologische Expertise, bei der staatliche Archäologen gegen die Fachexpertise der Stämme angeführt wurde. Für die Indianer sind arcäologische Funde für eine Einschätzung des Landes als sacred land eher zweitrangig,  Die Bedeutung archäologischer Funde (oder eben doch keine?) läge eben in einer auch für Außenstehende nachvollziehbaren Argumentation. Interpretation und Dokumentation der archäologischen Fundstelle wurden zu einer Frage der Deutungshoheit und der Beeinflussung der öffentlichen Meinung.  Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass sich die Bedeutung vieler Befunde nur den Indianern erschließt, aber nicht einem 'normal' ausgebildeten Archäologen, der einige der Strukturen möglicherweise als zufällige natürliche Gesteinsformation einstuft, aber deren kulturellen Bedeutungsgehalt übersehen muss.
Es geht hier nicht um archäologische Fundstellen als eine wissenschaftliche Quelle, sondern um das kulturelle Eigentum der Natives - deshalb wäre hier auch eine Notgrabung, wie sie bei uns bei entsprechenden Pipeline-Projekten, wenigstens in manchen Bundesländern Routine sind, keine Lösung.

Für die nicht gerade üppige und spät einsetzende deutsche Berichterstattung:
Dennoch gibt es auch in Deutschland Initiativen, die sich gegen die Finanzierung durch deutsche Band und Bayern LB wenden:

    Interner Link

    1 Kommentar:

    Felix Schreiber hat gesagt…

    mal wieder klasse zusammengetragen. Vielen Dank!

    Wirklich ein sehr interessanter Aspekt, die differenzierte Sichtweise auf das "sacred land".