Montag, 29. Oktober 2012

Der Meteoritenbuddha - eine weltanschaulich motivierte Fälschung im Umfeld der SS?

Archaeologik bringt nur ausnahmsweise Meldungen über Neufunde. So habe ich auch die Pressemeldungen aus dem Sommer 2012 übergangen, die von einer aus einem Meteoriten gearbeiteten Buddha-Statuette berichtet haben, die eine Nazi-Expedition Ende der 1930er Jahre nach Deutschland gebracht haben soll.
Sicher: Die Statue ist einzigartig, der erste Beleg für eine Verarbeitung solchen Materials. Aber was sagt uns das kulturgeschichtlich? Der erste Beleg eines kaum gebräuchlichen Materials, bis ein noch älterer Beleg gefunden wird.

Jetzt spricht aber manches dafür, dass die Geschichte eine ganz andere ist. Die Materialbestimmung ist zwar richtig, aber eine stilistische Einschätzung der Statue spricht eher für eine Datierung ins 20. als ins 11. Jahrhundert - "pseudo-tibetisch". Zudem sind die umfangreichen Protokolle der betreffenden Nazi-Expedition erhalten. Der Zoologe und Tibetforscher Ernst Schäfer führte die Expedition 1938 für das SS-Ahnenerbe durch, in deren Protokolle die Statuette nicht aufgeführt ist.

Gut denkbar also, dass es sich um eine weltanschaulich motivierte Fälschung im Umfeld der SS handelt, immerhin trägt die Statue eine großes Hakenkreuz auf dem Bauch. - Oder doch eine Fälschung für den Antikenhandel?

Tibetexpedition 1938, Ernst Schäfer rechts im Bild
(Foto E. Krause, Bundesarchiv, Bild 135-KA-03-076 [CC-BY-SA-3.0],
via Wikimedia Commons)

Quellen
Nachtrag (29.10.2012):
Offenbar ist auch die Zuweisung an Buddha falsch. Es ist wohl eine hinduistischeGottheit dargestellt.
Dazu noch der Link auf http://www.broowaha.com/articles/14676/nazi-sporsored-expediton-found-vaisravana-statue-not-buddha, auch wenn der Autor nicht durchgehend wissenschaftlich argumentiert (Stichwort: mythologische Metallanalyse) sowie die Darstellung bei huscarl.at (17.10.2012): Gelehrtenstreit um frühbuddhistische Figur aus Meteoritenmetall

Literaturhinweis

  • E. Buchner/M. Schmieder/G. Kurat u. a., Buddha from space-An ancient object of art made of a Chinga iron meteorite fragment. Meteoritics & Planetary Science 47.9, 2012, 1491–1501. - doi: 10.1111/j.1945-5100.2012.01409.x

Besten Dank für den Hinweis geht an Christina von Elm.


    Kommentare:

    kg hat gesagt…

    Peter Wyzlic 21:50 auf G+
    In der Liste fehlt noch der Artikel von Achim Bayer: The Lama Wearing Trousers: Notes on an Iron Statue in a German Private Collection, URL: 

    Tenpel hat gesagt…

    Problematisch im obigen Artikel ist für mich, dass Ernst Schäfer die Expedition nicht für das Ahnenerbe durchführte (das ist eine ziemliche Vereinfachung der Zusammenhänge und führt in die Irre). Folglich wird dann die nächste in die Irre führende Behauptung aufgestellt, es handele sich um eine "Nazi-Expedition". Das ist nicht korrekt. Von einem wissenschaftlich orientierten Blog würde ich mir da mehr Präzision wünschen. Pringle ist zudem eine sehr umstrittene Quelle. Für eine korrekte Darstellung würde ich Roger Crostons Antwort zu Heather Pringle empfehlen, dieser nennt in seinem Artikel auch verlässliche akademische Quellen: http://descrier.co.uk/science/2012/10/is-the-space-buddha-a-counterfeit/

    Anonym hat gesagt…

    Eine andere interessante Sichtweise präsentiert ein österreichisches Magazin: http://www.huscarl.at/fruehbuddhistische_figur_aus_meteorgestein_nazi_buddha_tibet.php

    Rainer Schreg hat gesagt…

    Sicher: Schäfer war sich der Gefahr, politisch vereinnahmt zu werden, bewusst. Populärwissenschaftliche Darstellungen wie Pringle, aber auch ein mdr-Produktion 'Die Expeditionen der Nazis' polarisieren hier. Die Beiträge von I. Engelhardt relativieren das und zeigen, das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlichen Zielen und Politik. Die Expedition war nicht vom Ahnenerbe getragen und finanziert. Die Formulierung "für" das Ahnenerbe lässt sich aber unter anderem mit dem offiziellen Briefkopf der Expedition begründen. Eine Einschätzung als 'Nazi-Expedition' kann sich beispielsweise darauf stützen, dass auf eine SS-Mitgliedschaft der Expeditionsteilnehmer wert gelegt wurde, oder dass bei einem Empfang am Hof in Lhasa SS-Embleme gezeigt wurden (Filmmaterial der Expedition, in Auszügen in der genannten mdr-Produktion).
    Das sagt freilich nichts aus über die Einstellung der einzelnen Beteiligten oder deren persönlichen Ziele, die sie mit der Expedition verbunden haben.
    http://info-buddhismus.de/Ernst-Schaefer-Tibetexpedition-Engelhardt.html#hgm2_6